Der Autor zeigt, wie der Journalismus von konstruktivistischen Einsichten profitieren kann. Sie inspirieren zu einer grundsätzlichen Skepsis, bilden die Grundlage einer modernen, an der Autonomie des Lernenden orientierten Didaktik und machen eine radikale Verantwortungsethik der Medien begründbar.
25.04.2016

Eine kluge Rezension eines brisanten Buchs

Bernhard Pörksen, Medienexperte und Carl-Auer-Autor, hat in einem Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 21.04.2016 das neue Buch des Reformpädagogen Hartmut von Hentig „Noch immer Mein Leben: Erinnerungen und Kommentare aus den Jahren 2005 bis 2015" vorgestellt. Von Hentig war der Lebenspartner Gerold Beckers, der seit 1972 als Schulleiter der berüchtigten Odenwaldschule tätig war.

In die Schlagzeilen gelangte die Schule, als Ende der 1990er Jahre der jahrzehntelange systematische sexuelle Missbrauch von Schülern durch Lehrer der Odenwaldschule bekannt wurde. In einem Abschlussbericht wurde Becker als einer der Haupttäter bezeichnet. Bernhard Pörksen nennt das Buch in einem abwägenden und um Differenzierung bemühten Beitrag „ein fatales Dokument der Selbstrechtfertigung“.

Pörksen versucht unter dem Titel „Nach dem Schweigen – Reformpädagogik und Mißbrauch" einer womöglich „doppelten Blindheit" des Autors gerecht zu werden, dessen gesamtes Lebenswerk durch die Verbindung zu den damaligen Ereignissen und Akteuren zur Disposition stünde. Er stellt wichtige Fragen an das Buch, die wichtigste lautet: Konnte oder wollte Hartmut von Hentig nicht besser sehen? Ein eindimensionales Urteil verbietet sich der Rezensent. 

 Der Spiegel nimmt aktuell Bezug auf den Pörksen-Beitrag. 


Carl-Auer Literaturtipp:
Bernhard Pörksen: „Die Beobachtung des Beobachters – Eine Erkenntnistheorie der Journalistik“