Kein anderes Organ ist so komplex wie das Gehirn. Matthias Eckoldt führt Gespräche mit führenden deutschen Hirnforschern, die auf der gesamten Breite des Wissenschaftsfeldes arbeiten. Dabei zeigt sich der Philosoph und Wissenschaftsjournalist am aktuellen Stand der Neurowissenschaft ebenso interessiert wie an deren Grenzen.
Unter dem Schlagwort „Konstruktivismus“ ist eine Theorie der Erkenntnis bekannt geworden, die davon ausgeht, dass Wirklichkeit nicht von sich aus da und uns zugänglich ist. Ernst von Glasersfeld, einer der Begründer des Konstruktivismus, sucht mit diesem Buch, die traditionelle Philosophie aus ihrem dogmatischen Schlummer zu erwecken.
22.07.2016

Forscher erstellen neuen Altas des menschlichen Gehirns

Wissenschaftler der Washington University in St. Louis haben die bislang detaillierteste Karte des menschlichen Gehirns erstellt. Die Teilnehmer des ambitionierten Human Connectome Projects haben den Auftrag, die komplexen Funktionsweise des menschlichen Gehirns zu klären.

Aufgrund von Unterschieden in Struktur und Vernetzung hat das Team jede der beiden Hirnhälften in 180 Areale mit unterschiedlichen Aufgaben unterteilt. Nur selten entspricht ein Areal einer einzigen Aufgabe, wie zum Beispiel 55b: Das ist ein neu entdecktes Feld unterhalb des Scheitels, das die Forscher dem Verstehen von Sprache zuordnen.

Die meisten Bereiche sind multifunktional und haben gleichzeitig eine kognitive Funktion und sensorische Aufgaben, vereinfacht ausgedrückt, Denken und Fühlen sind nicht so leicht zu trennen. Die mit Hilfe einer Klassifikations-Software gefundenen Hirnareale ihrer Probanden konnten die Wissenschaftler in einer Folgeuntersuchung mit 210 Teilnehmern wiederum sehr zuverlässig auf andere Menschen übertragen.

Die neue Karte soll Neurochirurgen bei der Vorbereitung von Operationen unterstützen oder dabei helfen, verschiedene Arten von Demenz, die verschiedene Hirnareale schädigen, voneinander abzugrenzen. Die Website –  insbesondere die Gallery – des Human Connectome Projects  lohnt einen Besuch. Wenn auch die Kartografie des Gehirns (noch) keine Antworten über das Wie unseres Denkens liefert, die Bilder sind spektakulär. Für alle offenen, eher philosophischen Fragen verweisen wir gern auf unsere Autoren.

Carl-Auer-Literaturtipps:
Matthias Eckoldt: „Kann das Gehirn das Gehirn verstehen? – Gespräche über Hirnforschung und die Grenzen unserer Erkenntnis“
Ernst von Glasersfeld: „Wege des Wissens – Konstruktivistische Erkundungen durch unser Denken“