Das hochaktuelle Buch „Auf leisen Sohlen ins Gehirn – Politische Sprache und ihre heimliche Macht“ von George Lakoff und Elisabeth Wehling widmet sich ausführlich den verdeckten Mechanismen des politischen Diskurses.
George Lakoff
Elisabeth Wehling
16.06.2016

Warum George Lakoff Donald Trump „very clever“ findet

Die Bewertung des Massakers von Orlando hat sich zu einem Streit um die politische Korrektheit der Bezeichnung radikaler Islamismus zugespitzt. Für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ist die Rede vom radikalen Islam nachgerade der Gradmesser für Patriotismus und politischen Durchsetzungswillen. Obama  hält sie für leeres Geschwätz

In einem hörenswerten Feature des Senders US-WBEZ.91 mit dem Titel „The Language Politicians And The Media Use To Describe The Orlando Shooting“ kommt unter anderem George Lakoff,  Professor für kognitive Linguistik an der Universität von Kalifornien, Berkeley, ausführlich zu Wort.

George Lakoff findet Trumps politischen Jargon äußerst schlau und führt mit einem Gedankenexperiment vor, wie gut Trump die Manipulation des öffentlichen Diskurses beherrscht.

Niemand käme auf die Idee, einen Stuhl radikal terroristisch zu nennen, weil diese Attribute in Verbindung mit dem Objekt Stuhl sich unserem natürlichen Sprachverständnis verweigern, argumentiert Lakoff. Grund: Wir tragen unbewusst ein Bild von einem Stuhl in uns, das eine solche Verknüpfung unsinnig erscheinen lässt.

Wie ist es möglich, dass die Verknüpfung der Begriffe radikal, Islam, Terrorismus so widerspruchslos hingenommen wird? Zur ihrer Umdeutung oder zum Reframing, wie Lakoff es nennt, gehört das unbewusste Ausblenden von sprachlichen Metaphern, die unser Verständnis leiten. 

Wir wissen zwar, so Lakoff, dass Radikalisierung und Terroristen mitnichten zum Bild des Islams gehören. Biografien von Terroristen klären uns darüber auf,  welche Einflüsse ihre Radikalisierung begünstigen,  seien es Trainingscamps der IS, Drogen, Alkohol oder Ähnliches.

Durch cleveres Reframing, so Lakoff,  gelänge es Trump, Metaphern und Bilder, die als Deutungsrahmen das Verständnis seiner politischen Botschaften normalerweise begleiten würden,  zu überblenden. So hätte sein gefordertes Einreiseverbot von Moslems – konsequent angewendet – zur Folge, dass auch Moslems mit amerikanischem Pass – etwa nach einem Urlaub im Ausland – die Rückkehr in ihre Heimat verboten werden müsste. Bilder von an der Einreise ins eigene Land gehinderten Amerikanern kommen im Deutungsschema radikaler Islamismus aber nicht vor, dringen mithin als Konsequenz der Forderung Trumps nicht ins öffentliche Bewusstsein.

Das Buch „Auf leisen Sohlen ins Gehirn – Politische Sprache und ihre heimliche Macht“ von George Lakoff und Elisabeth Wehling widmet sich ausführlich den verdeckten Mechanismen des politischen Diskurses.