George Spencer-Brown geht in seinem Buch von der alltäglichen Vorstellung der „realen Welt” aus und zeigt, dass der Beobachter über die Grundoperationen der Unterscheidung eine solche unabhängige Welt allererst konstruiert.
Die „Laws of Form“ von George Spencer Brown erfuhr große Anerkennung durch die Systemtheorie von Niklas Luhmann. Felix Lau zeigt, dass die vornehmlich soziologische Rezeption das Werk noch nicht in angemessener Weise erkennt und würdigt.
29.08.2016

Zum Tod von George Spencer-Brown (1923 - 2016)

Einen „Weltzerleger“ nennt Jürgen Kaube in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den britischen Mathematiker, Denker, Poeten, Tüftler und enigmatischen Beobachter George Spencer-Brown, der hochbetagt in Großbritannien verstorben ist. Für unseren Verleger Fritz B. Simon war George Spencer-Brown mitnichten ein „Weltzerleger“, sondern vielmehr ein „Weltbauer“. Ohne die komplizierte Dialektik von Dekonstruktion und Konstruktion an dieser Stelle auflösen zu wollen, vielleicht hier nur ein kurzes George Spencer-Brown zugewiesenes Bonmot/ Paradoxon: ‚To arrive at the simplest truth, as Newton knew and practiced, requires years of contemplation. Not activity. Not reasoning. Not calculating. Not busy behaviour of any kind. Not reading. Not talking. Not making an effort. Not thinking. Simply bearing in mind what it is one needs to know.‘

Vor allem Spencer-Browns 1969 erschienenes Werk „Laws of Form“ hatte großen Einfluss auf Rezipienten wie den Soziologen Niklas Luhmann und seinen Fachkollegen Dirk Baecker, die sich als Vertreter einer soziologischen Systemtheorie auf grundlegende Annahmen von Spencer-Brown berufen.

Bereits sehr früh hatte Paul Watzlawick 
 Fritz B. Simon auf Spencer-Brown aufmerksam gemacht. Es entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch. Über die Begegnungen sind zahllose Beweis- und Fundstücke auf Fritz B. Simons Blog „Simons Systemische Kehrwoche" zu entdecken. Auf Einladung der Carl-Auer Verleger verbrachte Spencer-Brown 1994 einige Zeit in Heidelberg, hinterließ Eindruck und löste Befremden aus. 

In der systemischen Organisationsberatung sind es so bekannte Namen wie allen voran Fritz B. Simon selbst, in der systemischen Praxis und Beratung unter anderen Matthias Varga von Kibéd oder Insa Sparrer, die von George Spencer-Brown  – nicht zuletzt im persönlichen Dialog mit ihm – Anregung und Inspiration erfuhren und sich dankbar, bisweilen irritiert, zumeist aber lächelnd seiner erinnern. 

Im Carl-Auer Verlag ist von George Spencer-Brown das Buch „Wahrscheinlichkeit und Wissenschaft“ erschienen.

Carl-Auer-Literaturtipps:
George Spencer-Brown:  „Wahrscheinlichkeit und Wissenschaft“
Felix Lau: „Die Form der Paradoxie – Eine Einführung in die Mathematik und Philosophie der „Laws of Form“ von George Spencer Brown“