Giorgio Nardone betrachtet in seinem Buch zahlreiche psychische Pathologien, darunter Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, Angststörungen, Panikattacken und Phobien
04.07.2016

Zwangsgedanken zulassen

Fast jeder kennt milde Formen zwanghaften Handelns aus eigenem Erleben. Obwohl man es soeben überprüft hat, quält einen plötzlich die Frage, ob die Haustür wirklich verschlossen, der Herd wirklich ausgeschaltet ist. Meist bewirkt nochmaliges Nachschauen, dass man sich beruhigt. 

Neben Patienten mit Zwangshandlungen wie dem Waschzwang, gibt es einen mutmaßlich noch viel größeren Kreis derer, die  von Zwangsgedanken gequält werden, erklärte Peter Falkai, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität in München dem Spiegel. In der jüngsten Ausgabe berichtet das Magazin unter der Überschrift „Angst vor Zahlen, Farben, Namen: Wenn Zwänge die Gedanken dirigieren“ vom Leidensdruck der Betroffenen.

Solche Zwänge sind kraftraubend, oft stellen sich Depressionen ein. 
Obwohl der Spiegel Patienten ausführlich zu Wort kommen lässt, über  Behandlungsansätze erfährt der Leser in dem Artikel leider fast nichts.

Die Carl-Auer-Reihe Störungen systemisch behandeln zeigt, dass die Systemtherapie Phänomene, die mit traditionellen diagnostischen Kategorien bezeichnet werden, oft besser beschreiben, erklären und mit hoher praktischer Effizienz behandeln kann. 

Auch der klinische Psychologe und Psychotherapeut Giorgio Nardone entwickelt in seinem Buch „Pirouetten im Supermarkt" einen therapeutischen Ansatz, der es erlaubt, dysfunktionale Handlungen und Gedanken einmal anders zu betrachten: Denn oft werden sie gerade dadurch aufrecht erhalten, dass man versucht, sie zu beseitigen.

So entsteht ein Teufelskreis: Lösungsversuche, die gescheitert sind, werden erneut angewendet und machen so das Problem noch komplizierter.
Aus diesen Überlegungen heraus entwickelt der Autor seine „strategische Selbsthilfe“. Die Aufgabe des Therapeuten sieht er darin, die Logik des problematischen Kreislaufs zu erkennen und angemessene Gegenstrategien zu entwickeln. Anhand von 26 Fallbeispielen veranschaulicht Nardone seine außergewöhnlichen Strategien, die jeder, der sich von pathologischem Verhalten befreien möchte, auch eigenständig für sich anwenden kann. 

Carl-Auer-Literaturtipp: 
Giorgio Nardone: „Pirouetten im Supermarkt –Strategische Interventionen für Therapie und Selbsthilfe