Kurz gefaßt
Hans Baitinger
Heute fasse ich mich kürzer als sonst. Meine bisherigen Beiträge dieser Kehrwoche sprechen schon Bände, die Kommentare von Frau Taraba ebenfalls. Offensichtlich sind einige Themen bereits angesprochen, von mir und den anderen Kehrwochen-Autoren und es fragt sich, was jetzt noch Neues gesagt werden soll.
Wenn ich mich jetzt selbst der Wirkung dessen aussetze, was ich geschrieben habe (ich schreibe mich sozusagen selbst, um in mir zu lesen), reicht es jetzt schon, um genügend Antworten zu erwarten. Oder sollte ich mich besser selbst nur in mir selbst spiegeln? Eine bekanntermaßen unter Therapeuten weit verbreitete und erfolgreiche Haltung, die ich bereits ausreichend zitiert habe.
Was glaube ich also jetzt von mir selbst und was von den andern? Dies nehme ich als die Wahrheit (frei nach Richard Rorty u.a.). Wahr ist, daß ich betroffen bin von dem, was ich bisher geschrieben habe. Wieviel Betroffenheit braucht oder verträgt der Mensch, um sich im Hier und Jetzt zu spüren? Ich halte mit meinen Worten etwas fest, was sich eigentlich bewegen will. Worte können mißverstanden werden, Bewegungen eher nicht. Es ist ziemlich eindeutig, daß jemand geht, wenn er geht. Die Bedeutung, die wir dem unterlegen ist schon wieder mißverständlich. Kommt er wieder zurück, hat er noch etwas vergessen oder zurückgelassen, oder geht er für immer? Wenn ich bleibe, bleibe ich. Auch hier ist die Bedeutung mißverständlich. Aus diesem Forum werde ich mich übermorgen verabschieden. So lange kann ich noch an den von mir geschriebenen Beiträge etwas ändern, ebenfalls an den Kommentaren. Die von mir geschriebenen Beiträge werden danach im Forum bleiben, solange der Administrator des Forums dem zustimmt. Solange meine Beiträge zu lesen sind, können weiterhin Kommentare verfaßt werden. Bis morgen brauche ich Ruhe, um zu überdenken, was ich noch schreiben möchte von dem Vielen, was ich schreiben könnte. Wiederholen muß ich mich nicht.
Ich ziehe es vor, die bisherigen Kommentare zu kommentieren. Es gibt noch zu kehren!
Bis morgen!
Hans Baitinger
2 Kommentare
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Lieber Herr Baitinger, Sie resümieren hier Ihre Betroffenheit, nämlich dass Sie betroffen sind von dem, was Sie selbst geschrieben haben.
Ich habe diesen Satz so unerwartet und unvermittelt und schön empfunden und persönlich nachvollziehen können, wie alle Ihre Beiträge, dass ich Ihnen das zu guter Letzt auch deutlich sagen will. Ich bin, besonders im Nachhinein, selbst immer erschrocken, dass ich nicht allen meinen Impulsen gleichzeitig gerecht werden kann und somit eine Schieflage entstehen kann, die ich bedauere, besonders da man sich hier nur so kurz und flüchtig begegnet.
Ich habe meine Kommentare nochmals angeschaut, weil ich weiß, dass ich mich schon manchmal darüber erschrocken habe, dass sie “impulsiv” sind, sich quasi automatisch, wie von selbst schreiben und ich für sie ein zustehen habe.
Ich wünsche mir, dass Sie diverses oben von mir Gesagte nicht in die falsche Kehle bekommen haben und die Begegnung im Netz, wie ich, als anregende geistige Berührung erleben.
Ganz allgemein denke ich, dass das Auer- Weblog in seiner ziemlich raffinierten Konstruktion so gedacht sein könnte, dass eine bestimmte Gruppe von Personen mit Familienähnlichkeit in der Umwelt des Systems für ihre ureigenen harmlosen, unbedarften, rechtschaffenen, kritischen, erschreckenden, betroffen machenden usw. Gedanken einen Ort zur Verfügung gestellt bekommt, diese abzusondern, sie, exhibitionistisch sozusagen, publik zu machen. Wozu? Möglicherweise um die Chemie anzuregen, die einen Nährboden für die Keime des neuen Denkens zu schaffen geeignet sein könnte.
Eigentlich ist das Weblog eine Meta -Peep-Show, in der man, als deren Protagonist/in, (nackt oder mehr oder weniger verhüllt) verbal-ästhetisch sich bewegt, dabei von anderen wahr genommen werden wird, aber selbst absolut keinen von den Wahrnehmenden sieht. Wenn nicht – barmherziger oder systemischer Weise – irgend ein Jemand sich von dem, was da von mir abgesondert und vorgegeben wird, angesprochen fühlte, und er/sie daran anschließen zu müssen glaubt , also darauf antwortet.
Aber eben auch wieder nur so, indem er seine ureigenen solcher art angeregten Gedanken (mehr oder weniger verhüllt) exhibitionistisch sozusagen, publik macht.
Die „Verantwortlichkeit“ liegt dabei immer bei dem der, wo auch immer und wie auch immer, anschließt. Aber als Anschließender ganz ohne Antwort zu bleiben fände ich prekär… Dazu haben wir ja einander in der Welt, um einander zu antworten
(Pardon, Wollten Sie Frau Baitinger nicht dem Jungen Mann vom ersten Tag antworten?)
Kürzlich habe ich in einem Gespräch mit (m)einem Quell systemischen, konstruktiven Denkens das Stichwort der „Anschlusssicherheit“ empfangen. Dieses Paradox scheint (zumindest für mich) zu besagen, dass wir mit traumwandlerischer Sicherheit, dort anschließen, wo wir anschließen müssen. Denn woher soll beim Anschließen Sicherheit kommen? Entweder liegt sie in uns selbst oder wir werden ferngesteuert (Hegels List der Vernunft)
Beides ist, zumindest aus meiner paradoxologischen Sicht, wohl dasselbe.
Aus derselben obigen, in systemischen Fragen erfahrenen Quelle, wurde ich, im Vorwort zu meinem Buch, indirekt darin bestätigt, dass wir (in der Umwelt des Systems existierend) immer bestrebt sind und sein werden , einen Schritt weiter zu sein, als das System. In diesen Worten: „…dass wir die Gesellschaft haben, bevor sie uns hat…“
Das bedeutet, so interpretiere ich das auf alle Fälle für mich, dass WIR ( Ich und Du) das System also von der Umwelt des Systems her, die WIR Existierenden sind bzw. darstellen, durch unsere Unterscheidungen bestimmen, ja bestimmen müssen, also gar nicht anders können. Das spricht jedenfalls dafür, es ernsthaft und engagiert zu tun.
Was wäre dabei glückliches Ausgangsmoment? Ich denke, ausgehend von unserem SELBST-VERTRAUEN, eben selbstredend und selbstverständlich, dazu berufen zu sein unsere Belange gemeinsam zu formulieren und praktisch in die eigene (!) Hand zu nehmen. Deswegen möchte ich Ihnen und Ihrer Frau für ihre inspirierenden Beiträge danken und Sie darin beglückwünschen, dass sie auf sehr frische und nachdenkliche Weise Fragen der BEZIEHUNG und GESUNDHEIT als konstruktiv und produktiv und kooperativ und koordiniert lösbare Aufgaben betrachten. Das empfinde ich (ebenso wie viele Beiträge und Kommentare anderer Kehr-Wochen-Teilnehmer, die ich hier ein wenig “kenenlernen” durfte) als sehr ermutigend. Mit herzlichen Grüßen Sylvia Taraba
Kommentar by Sylvia Taraba — 21. Januar, 2006 @ 15:02 Uhr
Ich glaube, daß vorzüglich Sie selbst Frau Taraba, gleichwohl Herr und Frau Baitinger, auch Herr Röttsches samt Carl Auer der Form nach ein Stück durch den Raum möglichen Antwortens auf meinen kleinen Einwurf von Anfang der Woche hin getanzt haben. Merci et Bon Voyage! Bleiben die Worte, bleibt eher eine Bewegung oder ein wenig sündiger Geschmack?
Kommentar by Max Liebscht — 22. Januar, 2006 @ 23:03 Uhr