Simons Systemische Kehrwoche

Traumatisierte Ärzte und andere Therapeuten

Hans Baitinger

Wieso sprechen Ärztinnen und Ärzte häufiger davon, wie sie Ihre Patientinnen und Patienten versorgen als davon, was sie für ihre eigenen Krankheiten tun? Warum gibt es den guten alten hippokratischen Eid und wer hält sich noch daran? Einer Ärzteschaft, die zum Buh-Mann oder Sündenbock eines moroden Gesundheitswesens wird steht wohl nichts besseres zu Gesicht, als zu büssen. Heilserwartungen, an die wir uns in jeder Hinsicht so sehr gewöhnt haben, daß wir dafür die Inquisition, die Verfolgung der Juden etc. billigend in Kauf nehmen (am Ende ist egal, wer angefangen hat) müssen offensichtlich auch von diesen Glücksbringern erfüllt werden. Eine Kinderärtzin wird Präsidentin in einem Gebiet in dem ein Berufskollege bereits kurz vor der Heiligsprechung steht, dessen Konterfei von T-Shirts, Postern und in vielen Köpfen hängt. Weltweit, versteht sich von selbst in den Äonen der Globalisierung. Die Pandemie der Polytraumatisierten?

Was wäre, wenn Sie sich jetzt ekeln oder angewidert abwenden würden?

Ich komme wieder. Auch heute muß ich mich kurz fassen! Notfalls werde ich kommentierend wieder-kehren. Vielleicht fühle ich mich auch anders, wenn Sie etwas zu dem schreiben, was ich hier geäußert habe. Jeder Arzt ist sich natürlich selbst der Nächste und arbeitet nur in seine eigenen Taschen, versteht sich. „Ich weiß, daß ihr Ärzte mehr verdient als wir Psychologen“ Zitat eines sehr bekannten Exponats systemischer, u.a. Provenienz. Fragt sich nur was die einen und die anderen wirklich verdienen.

Welche Form der Demonstration ist Ihrer Meinung nach richtig? An der Seite unserer Patientinnen und Patienten würden wir natürlich besser aussehen. Diese sind jedoch in der Öffentlichkeit bereits besser vermarktet. Wir Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten selbst als Patientinnen und Patienten ebenfalls.

Hans Baitinger

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10 Kommentare

  1. Lieber Herr Baitinger, ich habe soeben auf Ihren gesterigen Beitrag geantwortet und schließe gleich heute auch hier an. Morgen will ich bestimmt noch hereinschauen und dann lösche ich den schnellen Lesezeichen-Zugang zum Auer-Weblog, ein anders kenne ich nicht, denn ich will mich für eine Zeit lang abkoppeln vom Netz, indem ich so freizügig und ungestraft üben durfte für meine Kehr-Woche, um mich wieder zu besinnen und zu verarbeiten, was mich manchmal erschrocken und wohl damit auch betroffen gemacht hat…

    Der erste Kommentar auf den Beitrag Ihrer Frau (16.1.) von Herrn Max Liebscht, den übrigens, wie ich gerade gesehen habe, Sie beantworten wollten, zitiert gleich zu Anfang “Hast du ein Problem, mach einen Beruf daraus” – wenn man diese Einsicht für wahr nimmt, dann kann man annehmen, dass der Arzt oder Therapeut, was immer für Maßnahmen er vorschlägt und welche Behandlung zu frommen scheint, sie zuerst (wie abstrakt auch immer) an sich ausprobiert haben muss. Schließlich hat er einen Beruf daraus gemacht, sich selbst heilen zu wollen.

    Ich denke, DAS müste einer (Arzt oder Therapeut) zugeben können, dass er sich DURCH SEINEN BERUF selbst heilen will, dann wäre die von Ihnen oben angesprochenen Arroganz auf der einen Seite und die verantwortungslosen Heilserwartungen auf der anderen Seite gegenstandslos.
    Denn Heilung (im weitesten Sinn!) ist doch, die tatsächliche tiefste innerste Motivation für jegliche Berufswahl so vermute ich.
    Und Selbstheilung heißt ja nicht, das jeder krank auf die Welt kommt, sondern, dass DAS SELBST (besitzen wir nicht ein solches als ständigen Ansprechhafen) sich ständig zu heilen bestrebt ist, sich in Balance zu halten sich angelegen sein lässt. Wenn das nun bewusst wäre?
    Um darin bewusst zu werden, leisten wir Ein-Ander vermutlich Gesellschaft….Guten Mutes mit Besten Grüßen Sylvia Taraba

    Kommentar by Sylvia Taraba — 21. Januar, 2006 @ 15:43 Uhr

  2. Liebe Frau Taraba,

    vielen Dank für Ihre tröstenden Worte.

    Nur: was machen Sie jetzt, wenn Trost Ihre Symptome verschlechtert. Ich möchte nicht sagen, daß ich zu dieser Kategorie von Menschen gehöre Aber nur mal angenommen, Sie selbst hätten den Auftrag, sich um solche Kategorien wie Bluthochdruck, Tinnitus, Glaukom, Herzinfarkt, Lungenembolie, Prostataadenom, Mamma-Carcinom, Multiple Sklerose, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, Darmpolypen, Knochenbrüche etc. pp. zu kümmern, und Sie merken, Ihr systemisches Latein ist am Ende. Und auch Ihr Trost würde nichts mehr helfen! Es tut sich nichts. Dann fangen Sie doch an zu forschen, nicht wahr? Aber reicht dann das, was Sie haben, als Werkzeug? Und was ist, wenn das nicht reicht? Einer meiner geschätzten Lehrer sagte dann in solchen Fällen: „das überlassen wir doch am besten den Ärzten, dem großen Abfalleimer der Nation!“. Einer anderer, noch heißer von mir Geliebter meinte dann: „wenn Religion, Philosophie und Charakter dieser entsprechenden, scheinbar unheilbaren Patienten nicht stimmen, kann es sein, daß all unsere Bemühungen vergebens sind. Man sage sich in solchen Fällen von der Behandlung los“ Ich füge hinzu: am besten mit Verschwörungen und Verwünschungen aller anderen Fakultäten und Fachrichtungen und überlasse den Patienten dem Spiessrutenlaufen, nehme eine Pfeiffe und pfeiffe darauf so laut – in den Spielmannszug der einmütig skandierenden Gemeinde der Besseren eingereiht – , daß man das schrille Geschrei dieses Spiesrutenläufers nicht mehr höre.

    Meine Strategie an diesem Punkt ist dann, zu fragen, wenn schon der Charakter, die Philosophie und Religion des Patienten in solchen Fällen nicht stimmt, warum nicht auch jene aller Behandler, die sich mit solchen scheinbar unheilbaren Fällen konfrontiert wissen, die vor die Tür gekehrt werden, um auf die Müllabfuhr der Gesellschaft zu warten. Die alten Griechen hatten die gesittete Institution des Pharmakos. Für diese waren solche Artgenossen ein gefundenes Fressen. Beim nächsten Unheil, das über die Gemeinschaft hereinbrach, dazu gehörten Streit im Inneren, schwere Krankheiten oder Naturkatastrophen, wurde ein Pharmakos in die Wüste geschickt, ausgeschlossen oder zu Tode verurteilt. Dann ist wieder Arzt und Priester dran (die beiden sollen ja eng miteinander verwandt sein). Der eine, um Todesart und Todeszeitpunkt festzustellen, vielleicht auch, ob es sich um die Folgen eines Gewaltverbrechens handelt, der andere, um Trost zu spenden. Alles hatte für diesen Sündenbock dieselbe Funktion. Pharmakos ist wohl der Ursprung des Pharmakon, der Pharmaindustrie etc.. Auch jetzt ist es klar: deshalb produziert diese „nur“ Abfall? Aber da sind wir ja schon viel gesitteter, so etwas gibt es doch nicht mehr, bei uns doch nicht, vor allem in der Denke von Homöopathen und Systemikern!

    Pustekuchen! Die tiefste Basis unserer jüdisch-christlichen Kultur – sage mir einer, ich würde träumen, und wir würden schon in einer anderen leben! – gründet auf solchen Sündenböcken!

    Auch in dieser Woche habe ich gelernt, daß wir alle sehr schlau sind, ungemein intelligent. Reden wir doch mal nicht vom Wetter an solchen Stellen! Und fahren wir auch mal nicht in Urlaub!
    Die Vergangenheit? Das kümmert uns doch nicht! Wir haben doch so tolle Ideen für die Zukunft, die besonders dann so gut funktionieren, wenn alle Sündenböcke und auch die Institutionen, die solche brauchen endgültig durch Verdrängung abgeschafft wurden! Heile, Heile ….! Es könnte auch noch passieren, daß wir einen Schreibfehler machen und das e nach dem l vergessen!

    Sehnsucht ist schon was schönes? Nicht wahr? Und vor allem die Schön-Sucht!!

    Es gibt ja den Slogan: Bös muß Bös vertreiben. Sie merken, ich bin ganz schön sauer! Beißende Ironie eines Zerberus?

    Peter Sloterdijk meinte in seiner Rede „Die Andersheilenden“, Hahnemann sei ein Meister der Selbstvergiftung gewesen, darin bestünde seine Größe. So isses! Er war ein Aufklärer!
    Sloterdijk ist auch einer! Wir beide vielleicht auch! Schulterklopfen!! Heilsame Phänomenologen, die nicht hinter dem Berg damit halten, daß sie auch mal von Mystik reden dürfen! Vielleicht sind sie ja selbst welche. Bloß jetzt nicht mystifizieren! Magie weisen wir natürlich weit von uns, vor allem als Systemiker. Ist es nicht unangenehm, wenn welche zu uns kommen und bei uns die magischen Kräfte vermuten, die sie woanders nicht finden? Von einem Großmeister habe ich solches gehört, aus seinem eigenen Munde. Was ist dann mit seinem Mythos? Geschickt! Nicht wahr?

    Jetzt aber schnell weg!!

    Hans Baitinger

    Kommentar by Hans Baitinger — 22. Januar, 2006 @ 07:37 Uhr

  3. Lieber Herr Baitinger, Sie zu trösten lag mir fern, Worüber sollte ich Sie denn trösten wollen? Ich sagte nur ich selbst sei guten Mutes und gab meiner Vermutung Ausdruck, dass wir einen Beruf wählen, um uns selbst zu heilen. Ich habe zum Beispiel jahrelang unterrichtet, wahrscheinlich um mich selbst von meiner Schülerrolle zu heilen, und noch von ein paar Nebenerscheinungen, wie vermutete mangelnde Glaubwürdigkeit z.B. Ich habe eine Dissertation und ein Buch geschrieben, um mich vom Skeptizimus zu heilen und von anderen Überzeugungen, die ich mir eingelesen hatte.

    Ich sagte, dass es gut wäre, wenn Ärzte und Therapeuten zugeben könnten, dass sie sich mit Hilfe Ihres Berufes heilen oder heil halten. Wovon sie sich da genau heilen oder womit sie sich dabei heil und balanciert halten, bleibt der persönlichen Introspektion überlassen.

    Wenn wir heillos an den Rand des so genannten BURNOUT gelangen, dabei eher nicht ausbrennen, sondern außer uns geraten sind, dann gibt uns der Körper oder die Seele eben die Nachricht eines gewissen Grades von Heillosigkeit. Die Folge der Nichtbeachtung der Nachricht kann im schlimmsten Fall Freiheitsberaubung und Einlieferung in eine entsprechende Anstalt sein, im äußersten Fall der Tod. Die eigene Unentbehrlichkeit wird damit in jedem Fall ad absurdum geführt. Man ist dann entbehrlich. Aber das wissen Sie ja.

    Ich empfinde, entschuldigen Sie meine Offenheit, dass Sie mit Ihren unausgesprochenen Erwartungen und impliziten Forderungen weit über sich hinausgehen. Viel zu weit.
    Und eines möchte ich unbedingt klarstellen, Sie kümmern sich doch nicht um andere, um selbst zu verkümmern, sondern Sie kommunizieren zur hoffentlich gegenseitigen Bereicherung. Was Sie hier (unter anderem wohl auch auf mich und meine „Unbedarftheit“) zornig macht, scheint im speziellen Fall zu sein, dass ich mich um mich sorge, während Sie sich um andere sorgen und Letzteres höher bewerten! Herr Baitinger müssen wir nicht für uns selbst sorgen, um für andere wirklich präsent sein zu können?

    Sich mittels Ihres Berufes zu heilen, gelingt aus meiner paradoxologischen Beobachtung darin, dass Sie den Wunsch aufgeben jemanden heilen zu wollen. Es genügt, wenn sie tun, was zu tun ist. Und zu geben, was Sie zu geben HABEN: Ihr medizinisches Wissen, Homöopathie und Kommunikation. MEHR geht nicht.
    Unterliegen Sie möglicherweise selbst dem Größenwahn, den Sie vermutlich der Schul-Medizin mit deren zur Schau getragenen Allmächtigkeit vorwerfen?

    Es gibt den Ausspruch von Zigeunern: “Tu nix Gutes, kommt nix Böses!” Was halten Sie davon?
    Ließe er sich mit der Homöopathie in Verbindung bringen? Ist das schlicht eine unglaublich weise Einsicht aus einer langen menschlichen Erfahrung?
    Oder einfach paradoxe Intervention gegen ZU VIEL DES GUTEN WOLLEN?

    Ihre Worte strömen manchmal Heiterkeit aus, vermitteln Offenheit, eine wohltuende Gebildetheit und Differenziertheit und zugleich frönen Sie mit unglaublichem Genuss, so empfinde ich es, einer beruflich-philosophischen Verbitterung. Aber warum? Ich empfinde das wie einen Riss, eine Kluft.
    Weil Sie die Welt verändern wollen und dies nicht gelingen mag? Das werden Sie wohl abstreiten.
    Sie wollen jedenfalls langfristig Traumatisierung verhindern, Krankheit ausschalten. Wie kommen Sie dazu? Wie soll das geschehen? Wieso lassen Sie die Welt nicht so sein, wie sie ist und den Menschen nicht die Traumatisierungen und Krankheiten, die sie brauchen, um zu sich selbst zu finden. Warum geben Sie sich nicht damit zufrieden, die Menschen, die Sie aufsuchen oder die zu Ihnen finden, einfach nur verständnisvoll zu begleiten?

    Sie sind sauer, ob ihrer scheinbaren “Erfolglosigkeit”, da Sie vielleicht Ihre Rolle als Arzt missverstehen. Viele Menschen wollen ihre Krankheiten auf Knopfdruck loswerden. Sie als bewusster Arzt können nur als KUNDIGER BEGELEITER fungieren. Das frustriert Sie vermutlich, weil Sie diesem Erwartungsdruck innerlich nachgeben, ihn insgeheim sogar toppen wollen, statt ihm Stand zu halten. Ich glaub darin liegt die Crux der Schul-Medizin und womöglich besonders die der (konkurrenzierenden?) Homöopathie???
    Ihr persönliches ZIEL ist, wenn ich dies recht verstehe, sich dem Auffinden der Verborgenheit der GESUNDHEIT zu widmen, gleichzeitig begreifen Sie, dass es etwas gibt, das sich der Gesundung widersetzt.
    Wer oder was ist das?
    Sie werden mit Ihrer Hilflosigkeit und Machtlosigkeit konfrontiert. Warum sind Sie nicht gut zu sich selbst und gründen eine GESUNDUNGS-, GESUNDHEITS- ODER GESUNDENPRAXIS und widmen sich den Nöten noch Gesunder und überlassen die schon Kranken tüchtigen Ärzten, die auch loslassen können? Die es dem Patienten überlassen, ob er gesund werden will oder eben NICHT!!!
    Und gehört zum Gesundwerdenwollen nicht die Wahl des richtigen Arztes? Vertrauen Sie doch darauf, dass die „richtigen“, („Ihre“ ) Patienten zu Ihnen finden. Wenn Sie Homöopathie aus Überzeugung anwenden und nicht in Konkurrenz zur Schulmedizin, haben Sie Ihr ureigenes Terrain ja gewonnen.

    Viele Gesundete und Geheilte betonen, wie wichtig die Erfahrung der Krankheit für ihr weiteres Leben war. Sie habe schließlich ihre Selbstheilungskräfte und noch ganz andere Lebens-Kräfte mobilisiert, die zuvor nicht mobilisierbar waren. Sie verdanken ihrer Krankheit etwas, vielleicht alles.
    Die, die daran Gestorben sind, wissen, dass ihre Zeit abgelaufen war. Die stehen sozusagen zur erinnerten Vereinbarung. Läuft denn nicht jedes Menschen Zeit, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ab? Können wir das ehrlicherweise nicht einfach als eine Grundübereinkunft akzeptieren?

    Ihr CREDO ist: Gesellschaft macht die Menschen krank. Was könnten Sie daran ändern? Doch höchstens sich selbst! Wenn können Sie retten? In letzter Auskunft doch nur sich selbst.

    Vielleicht ist es ja so, dass wir die Gesellschaft und uns selbst krank reden, weil wir auch dieses Spiel spielen?
    Ich weiß es nicht. Aber einiges darüber weiß oder spüre ich intuitiv.
    Ihr Beruf, wenn er heilen soll, verlangt Demut. Ein Unwort. Das heißt auch die Hinnahme und Akzeptanz des Glücks, wenn Ihr Wissen, Ihre Homöopathie, Ihre Kommunikation und Ihre eigene Heilung zur Heilung anderer beitragen hat können.
    Bitte verzeihen Sie mir, aber aus meinem Blickwinkel, sind Sie furchtbar ungeduldig, genau wie Ihre Patienten, die nicht Patienten sein wollen. Nebenbei erscheinen Sie mir auch noch als der schlimmste Schönsüchtler überhaupt. Sie LEIDEN darunter, dass die Welt NICHT perfekt ist, NICHT gewaltfrei ist, NICHT gesund ist, NICHT belehrbar ist, NICHT warm ist, gar SINNLOS sein könnte.
    Warum geben Sie nicht zu, dass sie SOWOHL ALS AUCH ist?

    Sie sind vom SKEPTIZISMUS angenagt. Skeptizismus ist meines Erachtens (neben Zögerlichkeit und Kümmernis!) eine der gefährlichsten Seelen-Krankheiten. Hegel nennt sie “UNGLÜCKLICHES BEWUSSTSEIN – es hat mit Verlust und Nicht-Versöhntheit zu tun, auf die ich hier nicht eingehen kann.
    Mit der Vergangenheit wird man sich jedenfalls besser versöhnen, um in der Gegenwart bewusst, wach, achtsam und aufmerksam zu LEBEN.
    Dass die Größe eines Menschen darin läge, dass er ein Meister der Selbstvergiftung ist, möchte ich so nicht ausdrücken, es sogar bezweifeln. Vergiftete Gedanken, auch wenn sie durch Selbstvergiftung herbeigeführt sind, sind selbsterfüllende Prophezeiungen. Eher denke ich, dass Hahnemann ein Paradoxologe, ein Meister der Paradoxen Intervention war. Ihre eigenen sehr interessanten Mitteilungen und Überlegungen zur Homöopathie legen dies nahe, können jedenfalls so gedeutet werden.

    Das Prädikat “Aufklärer” sagt mir nichts. Mich interessiert worüber aufgeklärt werden soll. Mich interessieren mittlerweile die Absichten und tiefgründigsten Motive jeglicher Aufklärung. Am interessantesten, bei großer Weltläufigkeit, erscheint mir, wie wir etwas auch anders machen können. Besonders dann, wenn wir zu dem Schluss gekommen sind, dass ein bestimmter Weg eine Sackgasse und eine bestimmte Erfindung ein Unglück ist.

    Wenn ich mich, Ihre momentane Gesprächspartnerin, zu Ihnen in Kontrast setzen darf, was Sie ja anstreben und ausdrücklich verfolgen, dann besteht meine Passion (meine Leidenschaft) darin, Empathie für diese Welt und ihre Betreiber auszudrücken, sowie ein kritisches Bewusstsein dafür zu entwickeln, wohin eine bestimmte Unterscheidung führen kann. Diese Tätigkeit übe ich vor allem zu Hause, oder in meiner kleinen Umwelt aus, ohne darüber lang zu kommunizieren.

    Ich lächle Menschen an, und siehe da sie lächeln ohne zu zögern zurück. Das ist unglaublich.
    Ich koche meinem Mann ein Abendessen, er freut sich und liebt mich dafür. Das ist umwerfend.
    Ich frage mich zum Beispiel: was bedeutet in dieser oder jener Situation “energischer Fortschritt im Guten”?
    Ich tu dann nix „Gutes“! Sondern ich tue energisch, bewusst und produktiv das, was in der Situation aus meiner Sicht zu tun ist, auch wenn es nichts “Gutes” ist. Ich komme mir dabei nicht „besser“ vor, sondern stimmig mit mir oder daran leidend. Ich sage nicht, dass mir gefällt, was mir nicht gefällt. Mir ist nicht alles gleich gültig oder beliebig. Ich mache mir selbst Vorschläge für produktive Unterscheidungen, ich de-konstruiere unproduktive Unterscheidungen und re-konstruiere brauchbare Unterscheidungen. Ich mach nichts künstliches, ich klopfe mir dabei nicht auf die Schulter. Es ist mein Selbstheilungstrieb.
    Mit solchem, aus Ihrer Sicht doch etwas naivem Pipifuck wollen Sie sich vielleicht nicht abgeben. Sie streben möglicherweise nach höherem Lorbeer – nicht nach Ihrer eigenen Heilung, sondern nach der Heilung der Menschheit.

    Glauben Sie jetzt nicht, dass ich nicht alle Ihre Anmutungen verstanden habe, ich leide mitunter selbst unter ihnen, aber ich ziehe mittlerweile andere persönliche Schlüsse daraus und bin deswegen kein “schlechterer” oder “besserer” Mensch. Ich fühle mich entspannt in der Welt, wenn ich sie liebe, wie sie ist. Wenn ich mir sage: es ist alles gut. Das heißt aber noch lange nicht, dass es nicht anders oder besser funktionieren kann! Oder dass ich die Augen zu machen oder gar die Vergangenheit ausblende, weder meine persönliche, noch unsere nationalsozialistische.
    Wenn persönliche Krankheit daher kommt, dass man die Vergangenheit ausblendet, welches homöopathische Remedium hätte Sie? Wenn gesellschaftliche Gesundheit daher käme, dass man die Vergangenheit ruhen lässt, was würden Sie raten?
    Unser Shihan (Trainer) im Aikido sagt zum Abschluss des Trainings immer mit Verve: SEHR Gut habt Ihr trainiert. Jeder von uns kennt seine eigenen Schwächen und kann darüber verzweifeln. Aber das Lob lässt augenblicklich die Sonne aufgehen. Man kommt und trainier und gibt sein Bestes. Nach Jahren sind bestimmte unüberwindbar erscheinende Probleme, Handicaps, Wehwehchen und Defizite nicht einmal mehr in Erinnerung, dafür völlig neue aufgetaucht.
    Im Aikido lernt man einen Angriff auf zu nehmen, indem man den tichtigen Abstand sucht, beweglich bleibt, und einen Schritt zur Seite macht und die Wucht des Angriffs mit der angemessenen Technik gegen den Angreifer zurückwendet und ihn so blitzschnell zu Boden zwingt und ihm damit die Vergeblichkeit seines Tuns bewusst macht. Man lernt dabei für den Ernstfall:
    Vorgestern hat mir geträumt: Zwei junge Männer bedrohen mich, indem sie mit einem spitzen Messer drohen, dass sie mich berauben wollen und dass sie mich verletzen oder töten werden, wenn ich mich nicht widerstandslos berauben lasse.
    Ich schaue sie ganz ruhig an und denke, dass ich kein Blut sehen will und bestimmt keine Verletzung meines Körpers erdulden will.
    Ich frage den einen jungen Mann, wie alt er ist. Er sagt artig und etwas entgeistert: „14 Jahre“.
    Dann frage ich den anderen wie alt er ist. Er sagt völlig perplex: „20 Jahre“.
    Darauf höre ich mich sagen: „Was, schon zwanzig Jahre???“
    Da ist plötzlich die ganze Luft heraus, er sinkt in sich zusammen und ich kann mich freundlich und ungehindert entfernen.

    (Es handelte sich hier um den Traum eines versuchten gewalttätigen Raubüberfalls, wie er in Städten täglich vorkommt. Jeder Therapeut wird erkennen, dass hier auch die Freudsche Traum-Thematik, sich im Moment der paradoxen Intervention plötzlich und unbegreiflich auflöst)

    Ein Kranker oder gesellschaftlich Gekränkter, ist auch ein Angreifer, wenn Sie so wollen. Er greift Sie an, psychisch, im schlimmsten Fall gesundheitlich. Mein Rat: Machen Sie einen Schritt beiseite, heraus aus der Angriffslinie, um Ihre Gesundheit zu schützen. Wenn Sie zeigen, dass es Ihnen Ernst ist, wird er Sie Ihren Beruf zufrieden stellend und mit Freude ausüben lassen. Im Ernst Sylvia Taraba

    Kommentar by Sylvia Taraba — 22. Januar, 2006 @ 18:56 Uhr

  4. Noch eine kleine Anmerkung sei mir vergönnt. Der Herr Simon schreibt manchmal so komische Sachen. Irgendwo in „Zirkel des Thalos“ und in „Nach Hellinger, Aufstellungsarbeit revisited“: (Ich bitte zu entschuldigen; erinnere nur halbwegs sinngemäß) „Wenn jemand zu mir kommt und sagt „Ich möchte gern verstehen, versteh ich immer: „Ich will mich eigentlich nicht ändern.“.
    Ich meine, was für eine Veranstaltung ist das hier? Ganz schön was los gewesen diese Woche, wie?

    Will vor den synthetisierenden erst mal auf die analytischen Tendenzen reagieren.
    Ich möchte Sie zitieren, Herr Baitinger: „Wieso sprechen Ärztinnen und Ärzte häufiger davon, wie sie Ihre Patientinnen und Patienten versorgen als davon, was sie für ihre eigenen Krankheiten tun?“

    Wenigstens ich nehme an, das erfolgt aus der mehr oder weniger bewussten Anerkenntnis, dass die Begegnung nicht zuletzt ein hypnosystemisches Arrangement darstellt, dessen Co – Konstruktion durch Arzt einleitend besser so als anders einladend konnotiert wird. Der Arzt als Kulinationspunkt natürlicher Heilserwartung utilisiert diese Erwartungen, die da aus mehr oder weniger regredierten Bewußtseinzuständen samt korrespondierender, dieses Bewußtseinkönnen schmerzverzerrend einschränkender Physiologien auf ihn projiziert werden – womöglich zu dessen Nutzen. Je nach Art des Kunden, mag sich Utilisation auch im Sinne heilsamer Desillusionierung; von Ersetzung einer Illusion durch eine andere, funktionalere, empfehlen. Ein Arzt oder Therapeut, der sich selbst nicht helfen kann, wirkt für mich aus bestimmten Verfassungen heraus einfach irritierend; bspw., dass er versucht, sein könnte, und sich in dieser Begegnung mit mir mehr zu heilen sucht als mich zu treffen. Insbesondere in Beziehungen mit starkem Machtgefälle, glaube ich dies oft beobachtet zu haben. Auf der Basis prinzipieller Erwägungen wird sich jedenfalls hoffentlich nicht ganz vermeiden lassen, auf die Eigenart, der mehr oder weniger geteilten, in jedem Fall zu nutzenden Erwartungen einzugehen, wenn sie denn eine heilende werden soll, diese Begegnung mit dem Vertreter einer Art gekränkter, verstörter Menschen, die aktuell von mir als Arzt auf alle Fälle Orientierung und nur manchmal Er- Lösungen erwarten.
    Vielleicht muß ich auch noch üben, rhetorische Fragen als solche zu erkennen. Gern gebe ich aber zu: Mit ihren Worten, Herr Baitinger. „Ich liebe Andeutungen, da sie uns doch deutlich machen, daß manches im Verborgenen wirkt und dort auch bleiben darf.“. Es ist interessant für mich, ein wenig darüber zu spekulieren, wieso ausgerechnet diese Fragen stehen gelassen werden sollen, gleichwohl interessant ist auch, wieso ausgerechnet was in mir dazu in Resonanz versetzt worden ist. Wieso stellen Sie also solcherart Fragen? Obig angeführte ist ja nur 1 Beispiel.

    Ich wünsche mir schlicht Ärzte als Gegenüber, die zu der Verantwortung stehen, die dem Berufsstand offenbar unausrottbar anhaftet, in der Wahrnehmung suchender Menschen und Kollektive, von den uralten Zeiten an, seit denen es für im Sinne Spezialisierung praktischer befunden wurde, Geistiges und Körperliches trennend behandeln zu wollen und eine Arbeitsteilung zwischen Priesterinnen und Ärztinnen betreiben zu können. Eine Entschuldigung aus dieser Position in der gesellschaftlichen Wahrnehmung, genau wie in der der eines Patienten, erscheint mir prinzipiell nicht möglich. Ich hoffe, dass ich Ihnen hier begegne. Wenigstens scheint es mir so, als ob Ihre Reflexionen dieser Woche nebst den Verweisen auf Ihren gesellschaftlichen, arbeitszeitlichen, ethischen, politischen, finanziellen e.t.c. Status als Arzt um dieses Thema der Verantwortung kreisen. Nicht – prinzipiell scheint mir eine bedingte Entschuldigung, um welche es Ihnen womöglich gehen könnte, aber wohl möglich und zwar in diesem Sinne, wie ihn Insa Sparrer bzw. Matthias Varga von Kibéd aus verschiedenen Quellen ableiten im Sinne von „Der Schuld zu den Schulden“ bzw. den entsprechenden, nicht trivialen Möglichkeiten zu gutem Ausgleich zu kommen. Da Sie und auch Frau Sylvia Taraba mit den Erwähnten direkter bekannt sind, erschiene es mir anmaßend, das Ihnen weiter auslegen zu wollen.

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie nicht nur mit den häufigen oder mir häufig erscheinenden Erwähnungen Ihrer Profession sondern auch mit der Aufzählung der grässlichen Gebrechen dieser Profession Eindruck machen möchten.

    Wiewohl ich kein bestellter Arzt bin, hatte ich genug zu schaffen mit Spielformen körperlichen und geistigen Vergehens, als dass ich da noch Berührungsängste hätte, die zu beeindrucken wären. Wenigstens ich habe noch stets den Eindruck gehabt, dass das systemische Latein, von dem Sie schreiben, hätte weiter führen können, wenn es denn gesprochen worden wäre. Gerade auch in nahen und nächsten Beziehungen erscheint mir aus einer annäherungsweise verfügbaren systemischen Perspektive viel Leid und Elend vermeidbar – erst recht im Nachhinein. Wieder möchte ich mir erlauben, Prof. Matthias Varga von Kibéd in Anspruch zu nehmen, der – mündlicher Mitteilung in 06/2003 zufolge – davon ausgeht, dass weltweit womöglich bestenfalls eine Handvoll Menschen überhaupt annähernd in der Lage sei, systemisch statt nur systemischer zu denken, geschweige handeln und damit womöglich andeutet, dass wir noch recht früh im Anbeginne stehen, erst zart zu begreifen, was „das“ „Systemische“ (ver-) heißen könnte – zumal praktisch bzw. praktizierend. Was Sterben und Irrewerden in meiner nächsten Verwandtschaft angeht- ich glaube es inzwischen mit fast perfekter Schlüssigkeit rekonstruieren zu können, jetzt, nachdem wesentliche Handlungsoptionen lang genug ungesehen verwelkt oder zertrampelt wurden – von Ärzten, Gerichten und anderen bestellten institutionellen Verschlimmerern einschließlich mir, als aus eingeschränkter Perspektive agierendem Sohn, Bruder u.s.w.
    Ich möchte dafür sprechen, dass wir auf dem Wege sind. Und wer bin ich denn schon? Als Arzt vielleicht öfter in einer Verzweiflung, gerade eben leider nicht dienen zu können. Wieder: ich hatte den Eindruck, aus Ihren Worten Herr Baitinger davon zu lesen. Und in den Worten Ihrer Frau, als sie von „angewandten Konstruktivismus“ sprach, von etwas, was ich nicht wesentlich von der empfohlenen Haltung der Demut zu unterschieden vermag, welche jene Menschen oft empfehlen, die sich undemütig auf ihre Demut gegenüber Anton Suitbert Hellinger berufen.

    Soweit kurz zu dem: „Und was ist, wenn das nicht reicht?“

    Als „Arzt“ bzw. Priester, zu dem ich in jedem Augenblick ganz unversehens werden kann, sobald jemand mein Tun als effektiv heilsam wahrnimmt, im subjektiv empfundenen Notfall Erwartungen daran knüpft, habe ich persönlich mich dafür entschieden, das Mögliche zu tun und andere bestellte und sonst berufene innert dieses Raumes ihrer verfügbaren Möglichkeiten zu be- statt verurteilen. Gerade, wenn es darum geht, innerhalb der Systeme, denen ich selbst zugehöre, Heilsames anzuregen, bzw. in Beziehungen, in denen ich von vornherein keine allparteiliche Hexenposition mehr einnehmen kann – es mag da prinzipielle d.h. von Fall zu Fall zu bestimmende Grenzen geben – innerhalb derer aber will ich das Mögliche versuchen. Jenseits systemischer Abstinenz, welche empfohlen wird für den Fall, ab dem man nicht mehr parteiisch zu sein vermag, muß es doch auch Spielräume geben. Ich nenne meine Notlösung dafür das „Prinzip der guten Idee“. Die wirkt, wenn sie denn eine gut passende war, ganz von allein und auch im eigenen System, freilich ohne jeden Garantieanspruch wie er einem in einem öffentlich beobachteten Setting hoffentlich nachhaltig stimmig suggeriert wird. Daß Pacing für sein eigenes System, weil affektiv perspektivgebunden, schwierig zu realisieren ist, ist eben eine andere Sache und es ist damit prinzipiell nicht gesagt, dass es partout nicht ginge. Auch wenn ich verstrickt bin, wie der Pullover eines häkelnden Geisterbahnbetreibers, gibt es sie m. E. auch hier, die Interventionen, die wenn schon nicht lösen, so doch lindern. Und weiter, als ich in meiner verfügbaren Weisheit nicht hinlänglich verantwortungsvoll gehen kann, kann ich eben noch nicht gehen. Matthias von Varga kann es mir hoffentlich verzeihen, wenn ich ihn wieder nur notwendig unkorrekt anführen kann, die durchdachtesten Rekonstruktionen verdanke ich nur eben immer wieder dem Wind aus dieser Richtung: Er verwies, glaube ich, auf ein Phänomen der Organisation unserer Wahrnehmung, als er sinngemäß meinte, dass es wohl viele schon beobachtet hätten, dass wenn wir persönlich mit einer Thematik „durch“ seien, wir dies auch an der Art der Konsultationen ersehen könnten, um welche wir bemüht werden. Ich möchte das hier gern vereinnahmen, insofern es mir auf etwas zu verweisen scheint, wofür auch ich plädieren möchte, eher eine Betrachtungsweise entlang eines mehr oder weniger, denn entlang einer des ist / ist nicht oder kann sein / kann nicht sein. Allgemein ist das ein alter Schlapps. Ich meine in diesem Ihrem „Fall“. Es wird dann schwieriger, in verbaler Sprache darüber zu sprechen, so wie Sie Herr Baitinger es – mit Verlaub ! – womöglich sich selbst gegenüber tun:

    „Und Ihr Trost würde nichts mehr helfen!“, Es tut sich nichts.“

    Ich meine, Steve de Shazer oder Herr Gunther Schmidt würden es womöglich lohnenswert finden, dieses „nichts“ zu differenzieren und folgenreiche Bewegungen in seine Nuancen zu bringen.
    Und gerade, wenn ich das „Sich nicht trösten lassen wollen“ sensu G. Weber als einen möglichen Zugangshinweis für Verstrickung bzw. Partieller Musterrepräsentation nehme, aber nicht notwendig im Sinne von der einen, in ihrer menschenverachtenden Tendenz, womöglich allzu pauschal Bert Hellinger zugeschriebenen, Interpretation von „Leiden ist leichter als lösen“ zu verstehen mich angehalten fühle, kann ich mich in stillem memoriam Steve de Shazer in eine Ecke setzen und warten bis dieser „Anfall“, nur eine mögliche Interpretation zu „wissen“, für meinen Klienten glimpflich vorbei gegangen ist, bevor ich dann an fange, das „nichts“ zu verflüssigen. Ich kann auch (mit Gunther Schmidt) das „Nichts“ als Ko – konstruktives kommunikatives Angebot verstehen, dass eben mein Schlüssel bzw. Angebot für den scheinbar unheilbaren Klienten nicht passt und nicht die Tür ausgewechselt oder die Verschließbarkeit der Doors of perception bzw. zur oft ziemlich anderen Seite Gesundheit abgeschafft werden müßte. Mehr oder weniger tut „es“ sich doch immer was. Nicht?

    Was zumindest mich in diesem Zusammenhang, der mehr oder weniger passenden, „stimmigen“ Zugangsmöglichkeiten eines Arztes oder eines sonstig als heilsam Angesehenen irritiert, ist noch nicht mal so sehr der „Abfalleimer der Nation“ von dem Sie schreiben oder irgend ein anderer, sich wieder mal unzuständig fühlender – bissel mystisch sag mal: „Geist“ – auf den, „wir“ unsere Heilserwartungen womöglich fokussieren, es ist die Art, wie Sie, Herr Baitinger (z. T. zitierend) von Stimmigkeit schreiben:
    „wenn Religion, Philosophie und Charakter dieser entsprechenden, scheinbar unheilbaren Patienten nicht stimmen, kann es sein, daß all unsere Bemühungen vergebens sind. Man sage sich in solchen Fällen von der Behandlung los“
    Meine Strategie an diesem Punkt ist dann, zu fragen, wenn schon der Charakter, die Philosophie und Religion des Patienten in solchen Fällen nicht stimmt, warum nicht auch jene aller Behandler, die sich mit solchen scheinbar unheilbaren Fällen konfrontiert wissen,
    Wo ist, wenn Sie das so sehen, dann das Problem? Sie haben, beziehungsweise Sie s i n d aus dem Spektrum der möglichen Mittel just nicht das, was den mehr oder weniger geduldigen bzw. leidenschaftlichen Patienten im Sinne (nur fast!) von „Gleiches mit Gleichem“ hinreichend konstruktiv zu heilsamerer, Neukonstruktion seiner Selbst anzuregen vermag. Nun gut; dann hätten Sie ein Teilspektrum von Patienten und ein Teilspektrum hätten Sie samt dem Repertoire Ihrer zu Verfügung stehenden Mittel eben nicht. Samt der Verantwortung dafür, das Eine vom anderen zu unterscheiden, dünkt mir das ein menschliches Maß.
    Mir scheint nebenbei, ein im Sinne von „seeing is believing“ psychoanalytisch Glaubender (bitte gegebenenfalls um Korrektur entsprechend geschulter Fachkräfte) würde Ihre Reaktion auf Frau Tarabas linde aber bündige Zusammenfassung der Dialektik womöglich in der Rubrik „Zugangshinweis für „narzistische Kränkung“ inventarisieren können; insbesondere, die auf die eindruckvolle Passage mit den wohl als psychosomatisch infolge Verstrickung bzw. Psychischer Umkehr gemeinten Reaktionsweisen menschlicher Körper folgende Form:
    Zitat: Ich füge hinzu: am besten mit Verschwörungen und Verwünschungen aller anderen Fakultäten und Fachrichtungen und überlasse den Patienten dem Spiessrutenlaufen, nehme eine Pfeiffe und pfeiffe – in den Spielmannszug der einmütig skandierenden Gemeinde der Besseren eingereiht – darauf so laut, daß man das schrille Geschrei dieses Spiesrutenläufers nicht mehr höre.
    Jedenfalls scheint es öfter Leute zu geben, die meinen, daß sie von ihren Patienten gelernt hätten. Offenbar nicht allein von den mehr oder weniger scheinbar Unheilbaren. Wieder wäre es prinzipiell gedacht, d.h. auf der i. w. 2-3-wertigen Logik der verbal- sprachlichen Fokussierungen mentaler Aufmerksamkeiten aufbauend, wenn man konstatieren muß, dass der als Helfer angerufene, nicht eindeutig zu trennen gewusst hätte, wo die Macht seiner Mittel aufhört, die er hat oder der Mittel, die er dem Gegenüber sein kann. Weniger prinzipiell gedacht, dürfte das doch wohl der durchschnittliche Normalfall sein: Partiell checke ich womöglich eine ganze Weile nicht, dass ich dem anderen bedingt durch meine Eigenart im Sinne einer nicht geeigneten Mannigfaltigkeit der Struktur schlecht weiterhelfen kann und es doch spürbar gerade deshalb, in diesem Gegenüber ein Verstörungs- d.h. Lernpotential gibt, dass ich nicht loslassen mag. Hier würde ich mich, als jemand der Hilfe sucht darin, sich selbst wieder als Souveräner erleben zu dürfen, gern und ganz prinzipiell auf bspw. Ihre Erfahrung vertrauen dürfen.

    Ich bin nun nicht bloß als Ossi ein gotteslästerlicher Meckerer sondern komme aus der im Grunde und trotz der inzwischen allerletzten zugekleisterten Einschusslöcher bis heute schwer zerstörten Stadt Dresden. Da im Elbtal ist einfach allzu oft dicke Luft und wer von da kommt gewöhnlich ein extrachronischer Meckerer. Aber warum nicht einmal eine Musterunterbrechung simulieren?
    Ich möchte also an die Eulen in Athen erinnern und vorschlagen, nicht nur den Leib aufzufassen als Raum in dem Aufstellungen stattfinden. Sei es, dass sich die möglichen und realisierten Bedeutungen darin ergeben, durch das sich in Verhältnissetzen oder Stellen einander potentiell und faktisch „beobachtender neurologischer Bereiche, Organe, e.t.c mit mehr oder weniger adäquaten Entsprechungen auf anderen psychosomatischen bzw. psychosozialen Strukturebenen; sei es dass sich unter den Augen mutmaßlich 5000 – er Augenpaare Herr und Frau Baitinger, Frau Taraba, Herr Röttsches, F.B.S. und ein Student aufgestellt haben und einander für die mehr oder weniger probe- bzw. zwangsweise Einnahme ihrer Positionen samt verbundener Perspektiven einzunehmen suchten. Ausgangspunkt, den ich glaube teils rekonstruieren zu können, teils unterstellen zu dürfen, lieferten Positionierungen diverser Persönlichkeitsanteile, welche sich in Form verschiedener Befindlichkeitsbekundungen über ihre jeweiligen Perspektiven kund getan haben. Das ist natürlich auch der Reiz, dafür sind Aufstellungen wohl wesentlich da, um sich mit sich Selbst auseinanderstellen bzw. auseinander zu setzen. Es dürfte eine Art Koketterie, Tanz sein, welche wir da versuchen. Ich möchte darauf hinaus, dass, was diese Woche im Zusammenhang mehr oder weniger heilsamer Beziehung mit Klienten oder mehr oder weniger konstruktiver, zukunftsträchtiger wie vergangenheitsbedachter Beziehung von Männern und Frauen versucht wurde zu „besprechen“, hier in diesem Zusammenhang der Form nach ebenfalls stattfindet und solcherart mit Humor und ein bisschen ernst betrachtet werden kann. Ich setze mich mit meinen Anteilen, bzw. weniger statisch und ein wenig prozeßhafter gedacht: mit meinen Ego – States in einem Feld potentieller Wahrnehmungen aus. Die Interaktionsmöglichkeiten ergeben, obschon sie technisch beschränkt sind, offenbar eine gewisse Dichte, wie vielleicht bislang auch nur sechs Augenpaare vermerken, die jetzt lesen. Vom interessanten Unterschied, ob eines gemutmaßten großen oder kleinen Beobachterpublikums dieser Art Aufstellung, für die Carl Auer die Raummiete zahlt, mal abgesehen – die Beschränktheiten wie Unbeschränktheiten der Perspektive über Feldbereiche anderer möglicher Positionierungen und In – Beziehung – Stellungen, welche die interessant widersprüchlichen Verlautbarungen unserer, sich zunächst erst einmal zueinander konstellierenden Teile in der potentiellen „Wahrnehmung bzw. -gebung“ der anderen ergeben – der Satz geht jetzt schon so lang, dass mir fasst ein wenig unvermittelt erscheinen mag, ihn schon jetzt gleich zu Ende zu bringen – das dürfte sein, was uns zueinander reizt und einander fürchten lässt, wenn wir in den Kreis treten. Selbst aus einem mir schlecht erscheinenden Text (und sicherlich nur bei entsprechendem Exegese – Aufwand), bzw. gerade aus einem solchen, kann ich lernen. Die Reinszenierungsszenarien, die meine Lebensabschnittsgefährtin, bzw., ich weiß nie so recht, meine mich in lebenslanger Heilungskrise haltende Verstörerin wie nebenher und doch mit Brachialen Durchhaltevermögen an mich heranträgt – sie ergänzen sich mit meinen mehr oder minder glücklichen Verkennungen zur synergetischen Flamme gemeinsamer dialektischer Re – entrys oder wie die Dinger heißen mögen (?) oder krabum zu Systemstabilität auf ziemlich primitivem Niveau: namens ende der gemeinsamen Veranstaltung. Oder ich bin mehr oder weniger genau das Mittel, kann die Beziehungs- bzw. Prozeßstrukturen (Ich bin noch dabei eine etwas systemischere Sprache zu üben, pardon!) anbieten, die im des Sinne des Prinzips des Meißener Arztes heilsamere Selbstorganisation physischer oder sonstiger Art anzuregen vermögen. Und so weiter. Kraft Sprache mache ich hiermit den sich bei Ihnen gleich selbst einlösenden „Vorschlag“, dieses Forum hier als Aufstellungsraum zu sehen, weil mich mal interessiert, wie bzw. ob wir damit sprachlich umgehen können. Da stellt jemand auf, wie er sich was vorstellt. An manchen Plätzen, das wird aus den anderen Perspektiven offensichtlich, fehlt etwas in der dieser Aufstellung verschiedener, durch eine mehr oder weniger rhetorische Fragestellung aufgerufenen zuständigen Persönlichkeitsanteile samt ihrer z.T. ungefragten Mitteilungen zur Befindlichkeit an diesem Platz und den relevanten Veränderungen durch um ein schönes Beispiel zu bringen das Hinzutreten der glücklicherweise wiederholt wortbrüchigen Frau Sylvia Taraba. Trotz Urlaub oder nicht Urlaub scheinen genug Leute rings verfügbar zu sein, die sich in diese Aufstellung des Beziehungssystems der Persönlichkeitsanteile eines anderen Menschen angesichts bestimmter Fragen hineinziehen „animieren“ bzw. zu systemischer Resonanz aufgrund Eigenem anregen ließen. Bisher hat sich in dem Forum, scheint mir, noch niemand gemeldet bzw. beteiligt , der sich über seine Wahrnehmung nicht wenigstens teilweise hat anregen lassen durch das Lesen vorheriger Beiträge. Das wäre ja auch mal eine interessante Verstörung unter den mehr oder weniger systemisch Denkenden, wenn hier ein Geist auftauchen würde, der sich im Aufstellungsraum geirrt hätte, aber durch das mehr oder weniger „wissende Feld“ bzw. die Masse versammelter Schlauheit mehr oder weniger gravitätisch angezogen worden wäre. Könnte nicht wenigstens mal einer der an diesem Form Teilnehmenden so tun? Wenn wir uns jedenfalls von unseren Plätzen aus formulieren und das von da aus Einsehbare den anderen mittels Sprache im Sinne wechselseitiger Perspektivübernahme; wenn nicht gar „triple description“ rüber zu beamen suchen, dann bleibt noch was anderes festzustellen – wenn es Ihnen, Herrn Baitinger gelänge, dass alle bspw. den Standpunkt bspw. von Ihnen Herrn Baitinger einnehmen würden (bspw. hinsichtlich bestimmer Art der Würdigung von Vergangenem e.t.c.) würde es ganz schön eng werden! Damit scheint es mir zusammen zu hängen, dass Sie in manchen Beiträgen dieser Woche wenigstens meinem Eindruck nach, in einer Aufstellung möglicher relevanter Positionen auf eine selbst gestellte Frage, sich gleichzeitig versucht zeigten, eine Aufstellung zu einer anderen Frage mit durchzuführen. Ob das mit multifokaler Aufstellungspraxis oder mir noch unbekannten Bewegungen der Seele zu tun hat kann ich aber noch nicht einschätzen.Das irritiert mich also, wie ich gern zugebe. Immerhin finde ich es schön, wenn der Möglichkeiten zu gemeinsamem Spiel halber, überhaupt versucht wird, einigermaßen feste Positionen einzunehmen, statt hinsichtlich potentieller Unterschiede völlig uninterpretierbar durch die Bilder des Möglichen zu schwirren. Ich wünsche höflich, dass man den Stream of counsciousnes von Ihnen, Frau Baitinger und Ihnen, Herr Baitinger im engen Zusammenhang interpretieren darf: Wenn Frau Baitinger den Anfang macht vom Kochen bzw. von Urlaub zu schreiben Frau Taraba, das aufnimmt und ihrerseits vom Kochen und Urlaub schreibt – was für ein Mittel wäre nützlich, um nicht sauer oder beißend ironisch reagieren zu müssen, auf was eigentlich?
    „Auch in dieser Woche habe ich gelernt, daß wir alle sehr schlau sind, ungemein intelligent. Reden wir doch mal nicht vom Wetter an solchen Stellen! Und fahren wir auch mal nicht in Urlaub!
    Die Vergangenheit? Das kümmert und doch nicht! Wir haben doch so tolle Ideen für die Zukunft, die besonders dann so gut funktionieren, wenn alle Sündenböcke und auch die Institutionen, die solche brauchen endgültig durch Verdrängung abgeschafft wurden! Heile, Heile ….! Es könnte auch noch passieren, daß wir einen Schreibfehler machen und das e nach dem l vergessen!
    Sehnsucht ist schon was schönes? Nicht wahr? Und vor allem die Schön-Sucht!!
    Es gibt ja den Slogan: Bös muß Bös vertreiben. Sie merken, ich bin ganz schön sauer! Beißende Ironie eines Zerberus!“
    „ (…) Magie weisen wir natürlich weit von uns, vor allem als Systemiker.“
    Darf ich eigentlich auch Systemiker sein, möchte ich bei der Gelegenheit anfragen? Ich meine, nicht, weil ich auch vom Land käme, und weil ich noch weitere finanziell geschlagene 4 Wochen Student sein muß, sondern weil ich nicht verstehe, wieso sich spirituell daher auch und gerade lebenspraktisch konstruktiv wirkendes, das Mystikern zugeschrieben wird, sich nicht wunderbar ergänzen können sollte mit „dem“ Systemischen „an sich“, das ich so noch nicht kennen lernen durfte – von einem Großmeister oder sonst. Hat das jemand verboten, Ideengut der Mystiker und aktuelle systemische Mythen um Integrationsmöglichkeiten zu befragen? Machen diese Leute, welche die systemische Praxis diverser Schamanen u.a. auch bei Carl Auer, untersuchen, nicht so etwas?
    Ach Mensch ich sehe gerade, die verehrten Damen sind zu feinem Essen übergegangen. Das gibt es doch wohl nicht! Da geht sie hin, die schöne Konfliktaufstellung. Wenn es Futter gibt, findet man sich. Na hoffentlich auch dann, wenn es mal nüscht gibt. Wenn ich in mich gehe und gucke was ich da verquasselt habe, finde ich, dass es irgendwie ietzig geraten ist. Hier in Görlitz hat man sich zwar inzwischen auch allmählich wieder daran erinnern können, wie man gut kocht -faktisch sitze ich krass studentenlike hier doof da mit sauren Glühwürmchen Marke Trolli und Cappo vom Automaten. Vielleicht sind auch Sie, Herr Baitinger trotz Ihrer offenbar ziemlich liebenswürdigen Frau mitunter kulinarisch unterversorgt gewesen und deshalb entweder ausgreifend mystisch oder ein wenig entschieden im Ton?
    Eigentlich wollte noch bissel was schlaues fragen oder sagen zu normativem, deskriptivem, injunktivem, kurativem Gebrauch, der sich aus verschiedenen Positionen bzw. Perspektiven ableitbaren Prinzipien in einem Raum aufgestellter relevanter Möglichkeiten. Herr Simon, das weiß ich auch schon inzwischen, sucht zudem zu unterscheiden zwischen Beschreiben / Bewerten/ Erklären – womöglich gelegentlich noch zwischen Beobachten „an sich“ oder ist das kategorial verquer phänomenologisch gedacht? Ich als systemischer Anfänger frage mich nur manchmal, ob es nicht nützlich wäre, immer dann, wenn man Aussagen mit einem gewissen Allgemeingültigkeitsanspruch formuliert, einen Index anfügt, auf welche Weise das ernst gemeint ist. Ich hatte kürzlich ein Alibi im Zuge meiner Diplomarbeit ein wenig schmöckern zu dürfen. Aber selbst bei den systemischen Freunden der heiteren Wissenschaft ging es, wie mir scheint, logisch schier irrlichtern aneinander vorbei. Wenn dem einen faktischen oder fiktivem Systemiker beliebte sich auf einen Punkt einer als kontinuierlich vorliegenden „Dichotomie“ zu beziehen und resultierende Perspektiven zu vertreten, fand sich flugs ein anderer, der das erste Statement argumentativ atomisierte, sich dabei aber fröhlich auf anderes fokussierte. Gibt es da keine Alltags- bzw. praxistaugliche Empfehlung, Frame, Fokus, Standort der Antwortposition im Raum der Möglichkeiten samt Standort, von dem aus die Frage gesehen bzw. gestellt wird, einander erst mal kenntlich zu machen, damit man dann einigermaßen von demselben verbalisiert? Es wird hoffentlich deutlich, dass ich das verwirrend finde. Ich meine, ob die Schlüsse der Aussage gemäß einer 2-3 wertigen Logik generiert wurden und nur so funktionieren oder eher gemäß so genanntem „gesundem Menschenverstand“, also entsprechend einer Art Fuzzy – Logik, aufgrund derer wir unsere nonverbalen Kommentare zum Verbalen aufbauen, wenn wir uns über die Bereiche des jeweilig einsehbaren Transverbalen logisch – trivial – verbal bzw. unsagbar-komplex – nonverbal zu verständigen suchen – das machte ja hinsichtlich der Verbindlichkeit bestimmter Ableitungen relevante Unterschiede aus, oder? Z.B. in einem Forum, wie dem in dieser Woche. Da ich aber in Mathe alles andere als eine Leuchte bin, könnte mir da womöglich mal jemand ein Licht stecken! Mir scheint, manch gereizt wirkende Reaktion im Diskurs dieser Woche wäre womöglich der Form nach entbehrlich gewesen, wenn man sich klar hält, dass es sich bei dem mehr oder weniger Angedeuteten, statt um absolut zu verstehende Direktiven handelt, es dabei vielmehr um unterschiedliche Positionierungen auf einem Kontinuum handelt, über deren Beziehung man sich in den Grenzen verbaler Sprache zu verständigen sucht. Positionen, denen man im schwierigen Leben gleich in einem Aufstellungsraum wie diesem Forum nicht anhaften muß, weil man selbst noch anders werdendes ist. Auch, was die Möglichkeiten zu zeitlich progressiv animierenden Lösungen der Paradoxien angeht, die sich aus den anthropologisch vorgeformten und kulturell überformten Formen ergeben, die uns Männern und Frauen in dieser Gegend miteinander möglich sind, freue ich mich auf ihre Beiträge Frau Taraba und hoffe Dank unserer Bibliothek Ihr Buch bis dahin gelesen und hinsichtlich beziehungsstiftender Wirkung getestet zu haben.
    Was Sie, liebe Frau Baitinger angeregt haben infolge Lukas Moeller, beschäftigt mich unmittelbarer: das folgende, ich möchte es vorwegschicken, bekommt ein wenig Leserbriefcharakter. Aber manches lässt sich in Geschichten ja besser transportieren denn in lösungsorientierter Philosophie. Selbstverständlich habe auch ich versucht, mit meiner „Lebensabschnittsgefährtin“ bis zu dem Punkt zu kommen, von dem aus meine Altvorderen scheiterten. Ehrensache. Dank perfektem Zusammenspiel verdanken sich allein diesem meiner + ihrer Reinszenierungsbemühungen nun zwei knuffige kleine Jungen, die wir beide sehr lieben aber zunehmend eben nur das. Krasser Einbruch moderner Sachlichkeit, wir überlegen jetzt schon, ob das, weil in zeitlichem – kein Scherz! – deshalb auch in ursächlichem Zusammenhang steht mit der Gabe von Pulsatilla in 200- er Potenz (u.a. zwecks Loslassen in der Schwangerschaft). Ihre Zusammenhangsvermutung, nicht meine! Jedenfalls etwa, seit der Zeit scheint die Hoffnung auf ein besseres Morgen dahin und die Chancen darauf damit erst recht. Man wartet nicht mehr auf einander sondern jeder kümmert sich halt, vielleicht weil der andere in seinen familiären Verwicklungen faszinierter ist. Aus dem bis dahin laufenden Leistungswettbewerb im Gedankenlesen bzw. einander recht machen wollen, koppelte sie sich jedenfalls zunehmend ab ob Pulsatilla oder ob Verlust meines Elternhauses wegen. Als werdende Mutter räumte ich der Frau als in meinen Augen zeitlich befristete Heilige freilich alle Autorität ein – damit letztlich auch über meine Formen zu leben. Selbst der Geliebten gegenüber hätte ich das derart weit gehend nicht vermocht. Nutzt sie das nun, um zu realisieren, was ihr gut tut, dürfte ich es ihr eigentlich nicht verdenken können – um dann festzustellen dass ich das tue. Rational blöde bzw. ungerecht nehme ich das unwillkürlich übel. Oder läuft´s vielleicht wie beim Fischer und seiner Frau? Knatsch, weil die Kompromißbereitschaft eher in Hinblick auf das Wohlergehen u.a. „meiner“ Kinder erfolgte und nicht in Anbetung ihrer Herrlichkeiten als einzigartige Person? Als ich angesichts neuer Schwangerschaft Ihr die Entscheidung glaubte überlassen zu können darüber, wo wir leben … ab dem ja irgendwie Eiseskälte meinerseits … ob ihrer Entscheidung für die Gesellschaft bspw. Freundinn a bis z und vorzüglich der mutterähnlichen Busenfreundin in X (Gleichstellungsbeauftragte, Zwilling und inzwischen mit Stunden Unterschied fast am selben Tag Mutter geworden – nur um Sie hinreichend aufzuklären). Meine Güte, was haben diese Frauen miteinander? Ich weiß es nicht und glaube zu wissen, dass das im wesentlichen so bleiben wird. Irgendwie ist Vatersein auch ´ne tragische Rolle, finde ich, zumindest, wenn die patriachalen, im Kern ja als Pendant zu den matriachalen Phantasien ebenfalls gut gemeinten Träume nüscht so recht werden wollen. Und das versteht meine Freundin auch frühestens im nächsten Jahrtausend um es optimistisch auszudrücken. Ich kann die Faszinationen der Ladies da ebenso wenig teilen, wie meine Energetisierer deren unbedingter Begeisterung zugänglich wäre. Ich gucke mir das also an, was diese Wesen da so sprechen und tun auf dem Spielplatz, in der Küche, im Café. Antropologisch gewissermaßen. Wer hat heute schon Zeit geschweige Muße einander sinnlos zu ärgern. Auf welche Weise suchen die Damen also das Paradies zu erfinden? Sie fände es nicht schlimm, dass die Frauen in erster Linie für die Kinder da seien. Wenn Frau dabei nicht zwangsläufig zu Hause verblöden müsste. Lala und da da ist ja possierlich – nur nicht 24 Stunden lang. Sie fände es eher schlimm, dass es wenige Möglichkeiten in unserer Gesellschaft für Austausch gäbe. Frauen die einander treffen und sich über ihre Kinder austauschen mögen ein Klischee sein. Aber es funktioniert, wo es möglich ist. Und es ist eine Phase in einem Leben das absehbar noch andere haben wird. In einer Kleinstadt sind diese Möglichkeiten zum Austausch für die Frauen und die Kinder eher zu realisieren, Sennett schreibt von der „guten Größe“ für eine Stadt. Ach sei es drum, sie wird womöglich nur ein wenig schelten, wenn ich größere Kreise über familiäre Verhältnisse unterrichte. Görlitz als sicher schönste aber eben auch bizarrste Stadt Deutschlands eröffnet solche Lebensqualitäten eben weit vor bspw. Berlin. Da sei, es menschenfeindlich meint „sie“, (München und Frankfurt kennt sie nicht so) erst recht für Kinder. Mangels Rückhalt durch familiäre Abgründe meinerseits, stellten sich die kleinschrittigen Reinszenierungsversuche meiner Partnerin als erfolgreicher heraus letztlich und seit der fast klassische Wunsch meiner Elternhaus zu übernehmen zum Fiasko wird, diese erwähnte an sich wunderliche Kälte meines vaterssohn. An sich mag sie also in vielem recht haben, diese gar so pragmatische Art aber verunsichert mich ob ich auf der richtigen Veranstaltung bin. Bspw. wenn sie sagt, es nütze ihr eben nichts, mit jemand zusammen zu sein, mit dem sie nicht zusammen sein kann. Mir reichte es bspw. oft wenn ich sie da weiß, neben mir höre. Aber von unterschiedlich präferierten Repräsentationssystemen mal abgesehen – in den Diskursen dieser Woche ging es ja auch um die Männer die eben bittschön einfach „da“ sein sollen. Ich hoffe, der Leserbriefcharakter kommt nicht zu sehr rüber. Ich glaube nur justament, in dem, was ich erlebe aktuelles und allgemeines sich abzeichnen zu sehen. So wie mein blindlinks angesteuertes Szenario ihr nicht entsprach, stellt es sich nun aber auch für mich dar. Bis zu dem Kinder ins Spiel geraten und sich mit diesen die ganze Welt grundsätzlich und ohne Rückkehrmöglichkeit ändert, lässt sich das ja vergleichsweise schmerzarm lösen. Meine Erfahrung ist nicht, dass zwangsläufig alles wiederkehrt. Es gibt Variationen mit z.T. beträchtlichem Unterhaltungswert. Nur, dass das in dem Fall eben so relativ einfach nicht mehr geht. Sie hat die Kinder und soll sie haben. Die Kinder sollen auch mich haben. Überhaupt sollen ja alle gut und gerne alles Mögliche haben, nur insgesamt reicht es eben mitunter weniger, der fehlenden Ressourcen wegen oder der ungünstig konstellierten halber. Bei Ihnen und Ihrem Mann darf ich von einem großen Teil gemeinsamer Faszination für fachliche Projekte ausgehen. Das scheint mir weit mehr als Moeller und Co ein Erfolgsrezept zu sein! Wie, wenn solches aber wegfällt? Soll es geben. Die beiden Kinder als zunehmend einziges „Bindemittel“ – in den Büchern habe ich gelesen, dass diese Kinder mit solcher Zumutung übel überfordert sind. Bis jetzt kann ich mich über traumhaft gesundes Bindungsverhalten freuen. Also wie nun aber weiter, wenn zunehmend beide unterschiedlichen Sternen nachstreben? Welche Lebensform ist dem gemäß? Da es weniger an gegenseitigem Respekt, überhaupt nicht an Sympathie, gegenseitigem Verständnis und noch nicht mal körperlicher Attraktion fehlt – ja was fehlt denn dann? Von gemeinsamer Faszination für ein aus sich ergänzenden Perspektiven angesehenes Drittes abgesehen… als NLP- ler würde ich sagen, an Überschneidungsbereichen, in den so verflixt schwer änderbaren Metaprogrammen, die sich theoretisch so gut ergänzen können sollen: Unterschiedliche Freude an zeitlicher oder räumlicher Übersicht und Detail, die gemeinsames Navigieren zur Irrfahrt werden lassen e.t.c. Oder hat nicht die kluge Marie von ebner Eschenbach davon geschrieben. Ich krieg es nicht mehr zusammen. Etwa so, wie mir der Alte mitgegeben hat, dass man sich nicht zu sehr zum Affen machen möge durch das Theater der Damen. Diese ganzen sozialpädagogisch dressierten Helfer im Freundeskreis – irgendwie nett aber nicht meines und Schüttelfrost bei der Vorstellung mit einem tauschen zu sollen. Ich denke an den Alten, wenn ich mitkriege, wie sie schon wieder sucht diverse double und triple binds zu installieren: ich möge bittschön harmonischer werden, wenn ich es mal bin, ist aber auch irgendwie nicht wunschgemäß. Um die Qualitäten weiter zu erhalten und den Kindern Enttäuschendes zu ersparen, trennen wir uns eben, bzw. suchen auf andere Art und Weise verbunden zu sein, dem entsprechend, dass wir es durch die Kleinen immer sein werden. Vielleicht ist das für mich als Mann gemäß für sie als Frau im Unterschied zum imperialistischen machtanspruch der Vater- und Mutterrolle an Zeit und Territorium? Wenn es ihr an sich auch ohne mich gut geht und ich ohne sie eher zu dem komme, was mir gut tut – ja bitte, genug Schwieriges hat man miteinander überstanden, als man einander nicht wünschen könnte, dass es gut geht. Und das übrige eine frage des Arrangements? Zu 95 % sehe ich in den Familien Beziehungselend. Freilich, es hängt vom Anspruch ab, den man an das Ganze heranträgt. Wir haben jedenfalls denkbar wenig überzeugende Vorbilder. Wenn wir mal eines sehen, sind wir beide wirklich verblüfft und neugierig. Unsere „Alten“ kannten kaum den Raum darüber überhaupt nachzudenken und arrangierten sich unter dem übermächtigen Druck der Verhältnisse und vorgegebenen Formen wohl oder übel und manchmal schön. Wir haben diese Möglichkeit , darüber nachzudenken, wie es gehen könnte und es umzusetzen. Ihre, wie meine Eltern hatten nicht nur das nicht sondern gingen partiell in den psychosomatischen Untergrund bzw. schlicht aneinander kaputt. Gucken wir uns um, geht dieser interaktive Verfall unterschiedlich schnell vor sich. Was heißt schon „normal“? Bittere Kompromisse allgegenwärtig. War es mal anders? Kann es anders sein? Miracle question an die Geschlechter. Eine Möglichkeit, dass sich Persönlichkeitsanteile ausleben bzw. nicht ausgelebte Empfindungsqualitäten Altvorderer reinszenieren ist natürlich auch, nebeneinander Territorien zu besetzen. Es ist klar: das ist eine Luxusvariante. Wenn ich es leisten kann, werde ich mir also eine Bude in Sichtweite ihres Salons samt der Kinderzimmer nehmen und sie freut sich ob dieser Vorstellung. Peinlich, wenn ich das nicht auf die Reihe kriege, bspw. weil hier im ostdeutschen Manchesterkapitalismus vorzüglich der roten Barone von ehedem Arbeit nicht gern bezahlt wird. Sind wir nun hilflos blöde, verzogen durch einen Staat, ohne dessen Förderung solche Experimente wie sie mit oder ohne Pulsatilla angefangen hat, ökonomisch nicht möglich wären für Kleinbürger oder sind wir, ich hab es befürchtet, mal wieder Avantgarde?
    Auch meine Freundin kann oder mag den Ballonfahrten meiner Grübeleien nicht unbedingt folgen und ist mit eher Greifbarem zu erfreuen. Dennoch ausnahmsweise eine gewisse Einigkeit: Wir stellen einander womöglich die falschen Fragen bzw. suchen unbrauchbare Formen auszufüllen. Angesichts dieses krassen Beziehungselends in den Familien und der Bigotterie öffentlicher Aufführungen ist der durch öffentlich vermittelte Vorstellungen vermittelte Raum einfach derart konstruiert, dass man und frau sich nicht auf erfreulichere Weise zu einander stellen können. Kinder leiden, wenn Eltern nicht zusammen sind, wenn dieser „Sozialkörper“ auseinander reißt? Wenn ich Kinder beobachte glaube ich, dass sie sich automatisch an Statushöheren orientieren, sobald solche die Szene betreten. Trotz oder gerade weil ich selbst mich solcher Art Wertschätzung erfreuen durfte: was mich als potentieller Spielfreund freuen mag, fürchte ich als Vater der sich in seinen Kinder aufzubauen sucht. Ob es mir passt oder nicht- als Vorbild wie als Mannsbild im potentiellen Neste bin ich vermutlich hart aber herzlich ersetzbar. Ab wann haben die kleinen Kriwatsche das Klischee verinnerlicht, dass dies die heilbringende Form ist, da aus der Bausparreklame und sonst, welche einen von jedem 2. Quadratmeter öffentlicher Oberflächengestaltung entgegenbrüllt? Etwa knapp ab 2 Jahren, würde ich schätzen. Dann müsste es spätestens gelaufen sein, dass dies als „normal“ empfunden und scheinbar überlebensdienlich lauthals eingefordert wird. Wie ist das in anderen Gesellschaften? Ich komme fragend darauf zurück. Auch was Erziehung angeht, habe ich zuweilen sehr den Verdacht, dass die in unserer Gegend üblichen Formen des überhaupt denkbaren sagenhaft kurzschlüssig sein mögen relativ zu denen einer halbwegs ritualisierten sogenannten primitiven Kultur nah den Kokosnüssen. Das ist so ein Bereich, wo sich die Systemiker meiner womöglich naiven Vorstellung nach unbedingt in die Spur gesellschaftlicher Verantwortung bequemen müssen. Um den einen Aspekt anzusprechen: Entweder werden in dieser Gesellschaft die animierenden Aspekte verantwortungsfreier Sexualitäten proklamiert, gefeiert. Auf der anderen Seite: Die Legende vom lebenslangen Glücklichsein im Eigenheim. Zwei Kinder mit Hund und Hobbyraum für den Mann. Töpferkurs für die Frau mit Freude an griffigen Formen. In den Phantasien, die Frauen schildern, kommt, was ich irritierend fand, nur diese Extremvariante des glückhaftenden Lebens- inkl. Liebensvollzugs nicht so häufig vor. Mir wenigstens ist es eher begegnet, dass die Damen, in so eine Art maliziösen Lächelns gerieten, auf die Anfrage, dass es wohl zwei Arten Männer geben müsse (Form der Paradoxienlösung); einen zum Heiraten und einen oder sonst zum Fremdgehen. Gewöhnlich finden Frauen einander auch ästhetisch schöner denn Männerkörper. Aber okay, im Weihnachtskalender von Carl Auer habe ich gesehen, dass sich der Herr Simon öffentlich als Mona Lisa zeigt von daher sind solche Spielarten körperlicher Faszination in ihrer urständisch polymorphen Perversheit womöglich einfach interpretationsfrei zu belassen. Weiter also im Fasel: Dazu die Wichtigkeit, im eigenen Geschlecht, die auch bei Männern scheint´s wichtiger wird, je mehr die Beziehung zur sicheren Seite hin eingefahren scheint, bis zu unversehens einbrechendem Rosenkrieg wenig konstruktive Verstörungen bzw. Anregungen mehr verspricht. Die Kumpels oder weil im Patriachat Lebenden = Leidensgefährtinnen verstehen einen ohnehin besser und haben einfach die interessanteren Themen als die komischen da drüben.
    In historischen oder geographisch anderen Gesellschaften findet sich, dass Kinder von allen mit großgezogen werden. Am Verhältnis zu den Nachkommen und dem zu unseren Körpern glaube ich, dass das uns wesentlich Bestimmende direkter rekonstruierbar wird. Die Evolutionsforscher wären gefragt. Von daher fand ich es interessant, was Frauen mir berichteten. Damals d.h. in der Zeit als ich einen Mann vorstellte mit dem FrauEN rechnen konnten und der womöglich allein deshalb interessanter und ganz anderer Art war als heut als Papa der vorzugsweise und regelmäßig den Müll runter trägt oder eher eventmäßig und mehr als Entertainer zu verabredeten Zeiten auftreten darf. Im Wurstblatt „Spiegel“ war zu lesen, dass Rudelbumsen Jahrhunderttausende Lebenspraxis darstellte. Dass manche das mehr manche das weniger animierend empfinden mögen mag mit kulturellem Überbau infolge industrieller Revolution und Kulturellem Konsens zu Vermeidung von arbeitskräftegefährdenden Brunftgefechten. Interessant finde ich, dass wir körperlich dafür immerhin ausgelegt sind. Bei den Männchen mit eher abnehmender Tendenz bei den Damen – sie wissen schon. Letzte Woche hatte wohl Harry Merl damit zu kämpfen. Ausgerechnet von Brüderlichkeit wird jedenfalls seit der französischen Revolution gesprochen, wie meist, wenn etwas eine Grundlage braucht, dass an sich keine hat. Die ganzen Erfindungen der Männer – Selbst die Emanzipation der Frau dürft solch eine Verlegenheitslösung ob sich gesellschaftlich ergebender Notwendigkeit gewesen sein. Längere Erziehungszeiten ließen das längerfristige Zusammenbleiben im Gegensatz zu den Patchworkfamilien des epidemiegeschüttelten Mittelalters zum evolutionären Wettbewerbsvorteil in Form auf diese Weise adäquater programmierbarer Kinder werden. Vor den kultivierteren Zeiten dürften also eher orientalische Verhältnisse geherrscht haben, nur dass es eben, auch genug Frauen gegeben haben dürfte, die sich zwecks genetischem Einkaufsbummel als evolutionär sinnvoller Strategie oder just for fun einen einigermaßen sportlichen Harem halten konnten – zeitlich versetzt oder en gros. Und bevor sich die Jungs bspw. anlässlich der Französischen Revolution dafür stark machten, dass jeder Dussel bzw. Faden eine Öse fand und umgekehrt, dürfte es dann eben angesagt gewesen sein, dass Männlein und Weiblein eher zu den Balzzeiten, (wenn es also darum ging, auf eine erwärmende Weise den aktuell angesagtesten Brathahn zu bestimmen) einander verstörten und sonst säuberlich ihrer Wege gingen. Ich spinne das alles mehr so vor mich hin, es wäre schön, wenn sich mal ein Anthropologe in diesem Forum zu solchen Fragen fände; in der Geschichte des privaten Lebens steht so viel direkt auch nicht drin. Zu Gesellschaften bspw., in denen die Frauen allen gehörten aber nicht in einer Besitzform von irgendjemand darüber gesprochen noch gedacht werden könnte, kaum dass womöglich 1 Sprache zur Verfügung stünde, die auf den Aspekt der Trennung versus Verbindung fokussierte. Mit dem verstärkten Aufkommen von Familienbetrieben scheint jedenfalls so eine Vorstellungsform neu aufgelegt worden zu sein, wie sie in den friedlichen Ackerbaukulturen vor dem Einfall raubender, vergewaltigender, zerstörender Nomaden bspw. im vorklassischen Griechenland angesagt gewesen war. Meine Freundin, ich weiß gar nicht ob sie Pferdemenschen und ihre Tänze nicht aufreizender fände als die gemütlicheren Riten von Zwiebeltretern. Als Papa nervt mich die Vorstellung solcher Typen, die meine Gemüsebeete zerlatschen. In unserer Gesellschaft allgegenwärtig erlebbar scheint mir aber, dass sich die primitiveren Formen phasenweise eben eher durchsetzen, ohne das jetzt unbedingt mit krebsartigen Zellwucherungen in Verbindung bringen zu müssen. Hoppla: Wieder zurück. Wenn wir, meine emanzipationsfrohe oder womöglich nur anders frohe Lebensabschnittgefährtin, uns nun mal unterhalten, vielleicht fast wie bei Onkel Möller empfohlen, dann ist das schon interessant und schön. Vor allem, wenn ich mal dazu komme, bei all dem, was ich bzw. sie irgendwie auch noch so soll und das im Gegensatz zum holden Anbeginn inzwischen an Wichtigkeit überholt hat. Aber die verflixten, gemeinsamen Projekte ergeben sich darob auch nicht entscheidend und die Busenfreundin, wie ich nicht ganz neidlos anerkenne, geht mit ungleich höherem Unterhaltungswert aus dem Vergleich hervor. Und ich habe dann eben eine faszinierende Begabung zur Hypnotherapie, wie mir meine Freundin in ehrlicher Bewunderung bescheinigt – kurz bevor sie müde wird, weil ich nicht rechtzeitig nach dem gefragt habe, was es mit der Marktoma zu bemerken gab oder was die Kinder tags für köstliche Erfindungen produziert haben. Natürlich – da kann man mehr oder weniger was tun und sich auf die Ausnahmen vom Problem der Zeit wechselseitiger Verzückung trotz exotischer Befremdung (Allein, wie der Typ sich zurechtfindet in der Welt, wenn er seine, aber leider auch meine Sachen stets und immer ganz woanders hinlegt – u.s.w.) besinnen. Es bleibt da aber was Grundsätzliches. Frauen meckern z.B. dauernd mit ihren Männern rum und wenn die versuchen, es angeblich „ihren“ Girls recht zu machen statt irgendwas anderes zu machen ja und wenn diese einigermaßen hübsch oder grässlich schlau sind, ja dann lässt das Meckern hoffentlich nach, sobald sie endlich sie fremd gehen, mit irgendeinem verantwortungsfreien Sprücheklopfer. Und wenn die Reinszenierungsversuche, die ja vor allem Lösungsversuche aktueller oder perpetuierter Krämpfe sind, nicht glücken, bzw. sich das Schiff gemeinsamen Bemühens stracks wie ein Torpedo in den Grund bohrt, zeigt sich das um so unversöhnlicher, dass mit den Denk- bzw. Vorstellungsformen, was sie als Frau und ich als Mann in dieser Gesellschaft uns ko – konstruieren möchten, grundsätzlich was nicht stimmen kann. Ich meine, Matriachat funktioniert ja einwandfrei. Patriachat funktioniert ja auch einwandfrei. Für die just für attraktiv angesehenen (wandelt sich ja, je nach Angebot und Nachfrage bspw. von Rubensfrauen oder Woody Allen – Männern e.t.c) Als ich durch die Betten geturnt bin und frei genug war, für alle möglichen schnurrigen Ideen die gemeinsame Zeit zu gestalten, da konnte ich das ja erleben. Moralische oder sonstige Skrupel waren das wenigste, was ich fand. Eher mehr oder weniger interessanten Zugang ob verschiedener Möglichkeiten einander zu gewinnen; also die Verschiedenen verbalen bzw. nonverbalen Formen der Rhetorik. Die Bommelmützenmänner, von denen ich meist nix ahnte, sahen dahingegen alt aus. „Du bist ein alter Mann“ beglückte mich mein zweijähriger ja erst dieser Tage. Patriachat und Matriachat funktionieren eben nur für einige und nicht für alle. Reinformen sind wohl deshalb abgeschafft worden. Ist die gemeinsame Veranstaltung jetzt zu retten, wenn anstatt Modelleisenbahn oder Töpferkurs der Swingerclub tritt? Sie werden es womöglich nicht so beantworten können. Eigentlich finde ich auch interessanter, was Sie da andeuteten, von den Schwierigkeiten, die sich infolge Möllers Intervention ins Feld bei Ihnen zeigen durften, den erwähnten Schwierigkeiten anlässlich gemeinsam versuchter Fach – Veranstaltung. Moeller hin, Moeller her, wie lässt sich solches lösen? Fakt ist, ohne allzu viele Rücksichten auf „meine“ oder sonst wem seine Frau bin ich stärker, als in solch einem oszillierendem Gezerre. Und das trifft für sie genauso zu. Sind wir einfach im Gültigkeitsbereich der Bauarbeiterweisheit angekommen, dass wenn es da mal länger nicht bei mann und Frau intim oszilliert aus sonst welchen Unpässlichkeiten heraus, dies dann eben in der gemeinsamen Haushaltführung zur Resonanzkatastrophe führen muß? Was ist das Rezept zu Synergie? Das interessiert mich! Oder gibt es eben keines und eine Lösungsmöglichkeit für Paradoxien besteht nur in zeitlicher Versetztheit? Heute ich, morgen Du? Ein homosexueller Freund, der Tiermedizin studierte, meinte mal mitleidig zu mir: „Ach Ihr armen Heteros, Ihr könnt Euch ja nur alle vier Jahre verlieben.“ Mehr sei halt physiologisch nicht drin. Abgesehen von denen, die dabei alle vier Jahre partout auf denselben Hauptgewinn zurückkommen gewohnheits- glaubenssatzbedingt oder triebgesteuert. Vielleicht ist es dies: wenn ich mir klar mache, dass nach vier Jahren der Ofen aus sein wird, und davon aber von vornherein ausgehe – dann führe ich mir die Momente bis dahin (wieder) mit anderer Intensität vor Augen? Als ich mich noch durch keine Bommelmütze vor irritierenden Blicken von diverser Damen schützte, die bestenfalls ja auch nicht anders wären, war das ja meine Philosophie, für die ich aufgeschlossene Abnehmerinnen fand. Nur seit die Kurzen da sind, mit ihren Alberein ist´s irgendwie Essig damit. Ich möchte Territorien besetzen und gestalten, für die sie sich vermutlich irgendwann am allerwenigsten interessieren werden – was mich mitnichten abhält, diesen Film schön zu finden, von familiärer Kontinuität u.s.w. zu phantasieren – was, wie ich mich verdächtige, damit zusammenhängt, dass ich so bessere Chancen habe, in ihnen zu überleben. Aufstellungsräume möglicher Strukturen, geographischer oder geistiger Grund und Boden den ich wurzelnd zu besetzen suche, eigen Haus als Burg der Familie statt unverbindlich mietbarer Karnickelstall analog Nutten auf Zeit, überhaupt die Architektur als königliche Möglichkeit, das auszugleichen, was ich gegenüber meiner Frau an Möglichkeiten der Nähe bzw. Näherung zur Ewigkeit nicht habe. Meiner Holden is das wurscht und sie schätzt pflegeleichtere Mietwohnung. Das Beziehungselend von Leuten, die sich zusammen eingeschlossen haben, ist zugegebenermaßen allgegenwärtig und trotz moellermäßigem Verständnis für die Interessen des anderes eben wenig Basis für praktisch umsetzbaren Konsens in Sicht – problemhypnotisch bedingt sicherlich. In Bildern ausgedrückt, scheint es eine eher nomadische Lebensform zu geben, wo Männlein und Weiblein einander herausfordernd gegenüber stehen und sonst eben s.o. auf zwei geschlossenen Veranstaltungen auftreten. Die Ackerbau- bzw. Familienunternehmensvariante sehe ich eher so als ein Nebeneinander an: Beide fasziniert von etwas verbindendem Dritten. Aktuelle hänge ich noch an diesem Entwurf überlege aber schwer die Möglichkeiten durch Regression. Aber wer nicht aufbauen will bzw. muß, kann auch nichts verlieren und hat mehr vom Moment. Dann bin ich freier für Tanz und Hosassa, stärker in der Präsenz. Sie und auch Frau Taraba scheinen auf scheinbar unterschiedliche Weise erfolgreich zu sein. Vielleicht liegt es auch nicht am Zeitgeist sondern an dem Pulsatilla in 200 – er Potenz und vielleicht gibt es gerechterweise ja auch eine homöopathische Gabe für meinermuttersohn. Ich fände das Wiederaufleben meiner Zeit als Forscher und Bohemien ja durchaus amüsant. Aber wenn ich mal so tue, als könnte ich derart pragmatisch sein, wie meine trippelnde Ex – oder Wieder – Gefährtin auf ihrem interessanten Emanzipationstrip – ich käme auch mit einer lebbaren Bommelmützenvariante klar. Bitte um Rezeptvorschläge, falls die Zeit nicht schon zu fortgeschritten sein sollte. Wäre die Frauenhaus / Männerhausrenaissance (freilich infolge Wohlfahrtsstaat derzeit noch möglich) auch für Sie eine interessante Form, beides zu verbinden? Danke für die streitbaren Themen samt Positionierung! Schätze, irgendwie wird es in jedem Fall weiter gehen.
    Bis gelegentlich mit liebschten Grüßen: Max L.

    PS: Seit ich erfahren musste, dass sich das geklaute Auto auch im Container eines holländischen Hafens befinden könnte, habe ich es aufgegeben, hier in Sichtweite zum Grenzübergang nach Zgorcelez auf verdächtige Autos acht zu geben. Nächstes mal bitte etwas eher Bescheid sagen.

    Kommentar by Max Liebscht — 22. Januar, 2006 @ 21:18 Uhr

  5. Mh, was die zeitliche Synchronisation angeht… äh ja, meinerseits mißlich. Aber daraus offenbar resultierende Doppelungen haben was für sich. In Ihrem Beitrag vom frühen Abend scheinen Sie angenehm wunderliche Frau Taraba ähnlich auf ähnliches bei Herrn Baitinger zu reagieren. Ich verfüge über keine Erfahrung mit dergleichen Foren, aber ich stelle es mir interessant vor, wenn sich zu gleicher Zeit noch mehr Menschen äußern würden. Nicht mal, ob womöglich gesellschaftlicher Effekte wegen. Nee, ich fände es einfach spannend zu sehen, mit welcher Dichte sich so eine Art Landkarte eines Raumes möglicher Positionen zeitnah konstellieren ließe in Bezug auf bestimmte Fixationspunkte, wie sie bspw. Herr Baitinger zum Angebot gemacht hat. Ich reite jetzt wieder auf der Metapher von diesem Forum als eine Art aufstellungsraum rum. Nur Zeit sich u.a. in solchen simultan verfertigten Doppelungen ja eine Art Territorium.
    Auf das Aikido werde ich allmählich neugierig. Gilligan hatte es damit und eine ziemlich nette Professorin hat es mir auch schon empfohlen.
    Vor paar Tagen hab ich rabiaten Jugendlichen zuliebe mit Boxen angefangen. Wenn man einigermaßen kurzsichtig ist – äh ja. Es geht noch. Aber die sonst angeblich total defizitären Rüpel lernen z. T. verflixt schnell. Wie sie schreiben, scheint es als Antiaggressions- besser gesagt Selbstsicherheitstraining womöglich noch geeigneter für diese Burschen… äh ja für meine Wenigkeit womöglich auch.
    Sie schreiben auch, Skeptizismus sei gefährlich. Ich weiß nicht, ob damit auch Nietzsches Kopfschmerzen gemeint sind. Ich selbst find den Cioran klasse. Nur, wenn man sich die Biographie dieses Herrn anschaut, offenbart sich ein ziemliches Schlitzohr, der wenigstens hinsichtlich Lebensführung seinem anfänglichem Vorbild Nietzsche mitnichten folgt. Sind die Skeptiker oder skeptizisten nicht eher lustige Leute? Bspw. in NLP – Kreisen bin ich schon öfter angebellt worden, weil es mir mitunter noch immer gefällt, den erhabenen eigentlich ja weltverbessernden Misanthrophen raushängen zu lassen. Aber im Grunde ist das doch nur eine Seite des Kaleidoskops. Wenn ich mitunter gar so gruslige Sachen wahrnehmen muß, ist das meine Form das Gruslige anzuerkennen, zu reflektieren. Vielleicht bemüht sich Herr Baitinger auf seine Art um nämliches. Ich glaube nur nicht, daß man sich da groß was einlesen kann. Der Skeptizismus kann nur nagen, wenn man ihn läßt und etwas fehlt was einen schützen ihn uninteressant werden läßt auf daß er keine systemische Resonanz in mir zu erzeugen vermag. Auch wenn die NLP – Frösche prinzipiell gedacht natürlich recht haben, daß man eine höhere Wahrscheinlichkeit für dustre Zukünfte selbst programmiert, wenn man schwarze Gedankenwahrnehmungen in oder unter seinen Haaren länger sitzen gar nisten läßt – ich finde, es ist eine Art praktikabler Abwehr gegenüber einem zuviel an empfundener Zumutung. Ich verstehe nichts von Homöpathie. Ich fragte mich nur schon und deshalb vergeblich, wo die Homöopathen denn eigentlich hinwollen samt ihren Klienten, wenn alle Erkrankungen ausgetragen worden sind? Ein bis dahin gut belastbarer Kumpel war dauernd krank, nachdem er zu Homöopathen gewechselt ist. Er wurde immer feinsinniger und noch verdehter als selbst ich. Ich versuche einen Mittelweg auszupendeln. Abhärtung gehört dringend dazu, scheint mir. Um körperlich, geistig, mit Mist klarkommen, der sicher bspw. als Humus prinzipiell immer wonánders goldrichtig sein mag, nur mich eben unversehens doch imer wieder in dieser Gesellschaft antrifft – da möchte ich nicht unbedingt als zwar reiner, homoöpathisch ausgeheilter Geist aus den Latschen Kippen, weil keine Immunabwehr verfügbar. Ein solches nicht ausgeheilt sein wollen, nimmt in Kauf, daß Energie für innere Blockaden und Deblockierungen vergeudet wird. Von daher ist das fatalistisch weltverbesserliche Gegrummel womöglich nicht wirklich viel anders ernst zu nehmen denn als widerschein früheren Unglücklichseins, aber hin und wieder, allein schon als Kontrast zur Reinheit beim Schwertziehen isses okay, finde ich. Nichts ist mehr wie es früher schien und wird nie mehr so sein, bis daß Du erst dem Tode nah so lang bleibst Du allein. Nu ja. Bspw. so ist es ja nicht. Nicht nur so. Aber eben auch.
    Ich hoffe, Herr Baitiger kann es in seinem fränkischen Stolz irgend verwinden, daß nun auch noch ein ostdeutscher Student vom Lande ihn zu verteidigen sucht gegenüber einer kampftechnisch überlegen ausgebildeten Paradoktrickserin.
    Morgen wird gearbeitet.

    Kommentar by Max Liebscht — 23. Januar, 2006 @ 00:21 Uhr

  6. Liebe Frau Taraba,

    nochmals vielen Dank für Ihr Feedback. Leider gewinnt jetzt doch die Projektion etwas Überhand. Ich erkenne, daß Sie mir Ratschläge erteilen. Das ist gut so.
    Was Sie empfehlen entspringt dem, was wir in der Heilkunst, die Homöopathie als ihren festen Bestandteil integrieren kann, als Seelenhygiene bezeichnen. Diese ist natürlich notwendig, um Menschen gesund zu erhalten, vor allem sich selbst. Da haben Sie vollkommen recht. Das macht wirklich Spaß. Seelenhygiene ist mit das Schönste und Beglückenste was es gibt. Die Systemische Therapie scheint dazu Hervorragendes zu leisten, so man diese braucht. Vor allem sind diese bei gelungener Genesung von unschätzbarem Wert. Ich denke, daß wir uns in dieser Hinsicht nicht viel zu erzählen brauchen. Natürlich können wir unsere Kunst, zu geniesen verfeiern. Sicherlich, das tun wir doch alle gern. Hatten Sie daran Zweifel?

    Was Sie jedoch aus einer so geschulten Haltung heraus bezüglich eines verwertbaren Krankheitsbegriffes produzieren, strotz mir leider an der einen oder anderen Stelle zu sehr von Projektionen oder Vorurteilen. Entschuldigen Sie also bitte, wenn ich darauf nicht eingehe, sondern der von Ihnen vorgeschlagenen Strategie folge und sie auch mir zueigen mache. Vielleicht ist in diesem systemischen Forum nicht der Platz, darauf einzugehen.

    Ich frage Sie jetzt direkt: haben Sie sich wirklich mit Homöopathie beschäftigt? Ich meine nicht theoretisch, sondern indem Sie Arzneimittel an sich selbst geprüft haben, als Gesunde, oder als Kranke klassisch homöopathische Arzneimittel, das sind sogenannte Einzelmittel, genommen haben, die nach den Normen und Reglen der klassischen Homöopathie gewählt worden waren, um deren Wirkung zu spüren. Haben Sie dann gemerkt, daß diese Mittel außer Ihnen selbst auch noch die Menschheit heilen? Wenn ja, dann könnte ich Sie verstehen.
    Jetzt habe ich es mir doch nicht verkniffen, wenigstens auf eine Ihrer Projektionen einzugehen. Entschuldigung.

    Mir ist es übrigens auch nur sehr selten kalt! Und empfinde die Menschen um mich herum, von Einzelnen abgesehen, auch nicht gerade kalt.

    Wenn Sie bisher so gesund geblieben sind, daß Sie keinerlei Veranlassung weder zu dem einen noch zu dem anderen hatten, würde ich Ihnen empfehlen, den Taschenatlas Homöopathie in Wort und Bild, Grundlagen, Methodik und Geschichte von Josef M. Schmidt – ISBN 3-8304-7089-4, Haug Verlag eingehend zu studieren, um sich mancher Vorurteile, die Sie gegen diese äußerste moderne Methode hegen, zu relativieren. Ebenso die Neuausgabe des Organons mit Glossar, ebenfalls verfaßt durch den philosophisch exzellent geschulten Josef M. Schmidt. Wir bewegen uns woanders als Sie dies vermuten. Natürlich habe ich durch meinen Grenzgang zwischen diesen beiden Methoden: Homöopathie und Systemische Theorie, Angriffsflächen geschaffen, die Dialogfähigkeit forderten. In dieser Hinsicht bin ich Ihnen für Ihre Beiträge sehr dankbar.
    Sicherlich ist es möglich, aus der Perspektive des einen Bezugssystems Parallelen im anderen zu finden. Problematisch wird es nur, wenn ich Äpfel mit Birnen vergleiche.
    Gestehen Sie mir bitte auch hier zu, daß ich die von Ihnen so geliebte Technik der Paradoxen Intervention, wenn Sie diese schon auszuleihen geneigt sind, auch anwende, z.B. indem ich behaupte, sauer zu sein, um dadurch etwas zu bewirken oder deutlicher zu machen. Leider habe ich mich an dieser Stelle offensichtlich in der Dosierung vergriffen. Dies tut mir sehr leid und ich bitte Sie, auch dies zu entschuldigen.

    Soviel darf ich Ihnen noch verraten, und ich hoffe, nicht nochmals missverstanden zu werden: je nach Gegenstand, ob es sich um eine wirkliche Krankheit im oben beispielhaft angeführten Sinne handelt oder eher um die Folgen einer „falschen“ oder „dummen“ Theorie, Philosophie, Erziehung oder gar Religion haben natürlich bestimmte Interventionen unterschiedliche Effekte. Dies wurde mir jetzt auch wieder an der Qualität Ihrer Antwort deutlich. Nochmals: ich bitte Sie, dies zu entschuldigen.
    Vielleicht gelingt es uns nochmals, nicht mehr aneinander vorbei zu reden.

    „ Ihre Worte strömen manchmal Heiterkeit aus, vermitteln Offenheit, eine wohltuende Gebildetheit und Differenziertheit und zugleich frönen Sie mit unglaublichem Genuss, so empfinde ich es, einer beruflich-philosophischen Verbitterung. Aber warum? Ich empfinde das wie einen Riss, eine Kluft.“ Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Doch dann folgen wieder unzutreffende Aussagen, die Sie wo immer auch ableiten. Wie anders sollen Sie eine Kluft erfinden? Ich kann Ihnen leider nicht folgen. Darf ich hier auch die von Ihnen geschilderte Technik anwenden? Die Verbitterung rührt mit ziemlicher Sicherheit daher, daß ich die Mimetische Theorie noch nicht ganz “gefressen” habe.

    Entschuldigen Sie bitte, wenn ich mich zu Ihren weiteren Ausführungen, die diesem Zitat Ihrer Ausführungen folgen, nicht mehr äußere. Ich hoffe, Sie verstehen das.

    Homöopathie bedeutet: eine „wirkliche“ Krankheit (und nur für solche sollten Arzneimittel angewendet werden) wird durch den Ausdruck einer anderen, verschiedenartigen Krankheit geheilt, wenn deren Symptome ähnlich sind. Solche Zufälle sind die Basis der Homöopathie. Da wir solche Zufälle zu selten erleben, angesichts der vielen wirklich Kranken, haben wir sozusagen zu Konstruktionen oder Inszenierungen gegriffen, die wir in “unserem Graben” Arzneimittel nennen. Diese sollten wirklichen Krankheitsfällen vorbehalten bleiben. Letztlich kann natürlich auch ein Mensch als Arzneimittel fungieren. Dies ist offensichtlich äußerst schwierig, wie Sie richtig bemerken. Bei der Prüfung der Wirkung dieser hochwirksamen homöopathischen Arzneien entstehen an der prüfenden Person Symptome, die Sloterdijk mit dem Begriff der „Selbstvergiftung“ belegt hat, da es sich bei Arzneimitteln letztlich primär immer um Gifte (wie z.B. Arsen) handelt, die jedoch in der homöopathischen Verwendung ihrer Giftigkeit beraubt werden und dennoch die Symptome der Vergiftung produzieren. Natürlich ist das paradox, wirkt aber noch etwas anders als eine paradoxe Intervention, wie Sie diese aus der Psychotherapie kennen, meine ich. Allenfalls ist es eine nur mittelbare Paradoxie oder eine vermittelte Paradoxie, die hier wirkt. Vielleicht sogar eine delegierbare, während die psychotherapeutische mit Sicherheit eine direktere, unmittelbarere darstellt. Leider kenne ich mich aber in dieser psychotherapeutischen Form zu wenig aus, um dies wirklich zu beurteilen. Entsprechende vergleichende Untersuchungen wurden bisher nicht angestellt.

    Fritz B. Simon weist in seinem als MP3-Datei erhältlichen Vortrag über Systemaufstellungen darauf hin, daß es offensichtlich Untersucher gibt, die sich damit beschäftigen, wie Wodoo-Zauber wirkt. Das Opfer soll an der Zeremonie so lange als aktiv Beteiligter teil nehmen, bis sein Grab ausgehoben ist. Dann stellt er sich an den Rand des Grabes oder eines Grabens und beschließt tod reinzufallen. Kennen Sie sich da aus? Bei uns gibt es doch so etwas nicht! Da kann man doch froh sein, wenn einem kurz zuvor noch die Hand gereicht wird, damit man nochmals kurz über die Klinge springen kann! Schon wieder!

    Diese Arzneianwendung ist also einer weiterer Aspekt an der Genialität der “homöopathischen Inszenierung”. Sie sehen, Sie fordern mich dazu heraus, überall systemische Begrifflichkeit anzuwenden auf eine Sache, die bereits existierte, bevor es diese Theorien gab. Aber das ist wohl immer so, wenn etwas auf reiner Erfahrung beruht, dann Normen und schließlich Theorien “braucht”, die die Erfahrung nach Möglichkeit nicht verfälschen sollten. Hier ist dann auch die menschliche Fähigkeit zur Abstraktion gefordert mit ihren verschiedenen Spielarten je nach Gegenstand.

    Leider sind manchmal die Übergänge von wirklichen Krankheiten zu den andersartigen Zuständen fließend, oder Gott sei Dank. Dann gibt es manchmal überschießende Reaktionen wie man sehen kann. Diese Übergänge helfen aber auch, den Weg zurück aus der Pathologie zu finden.

    In einer Epidemie sind die Symptome der jeweils an derselben Krankheit Erkrankten auch ähnlich, nur breitet sich diese Krankheit weiter aus. Dann ist wieder Hygiene angesagt.

    Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

    Herzliche Grüße

    Hans Baitinger

    Kommentar by Hans Baitinger — 23. Januar, 2006 @ 00:29 Uhr

  7. Lieber Herr Liebscht, ich werde jetzt doch zu Bett gehen (es ist 1:15 Uhr) und antworte, sobald ich wieder Luft habe!
    Dennoch schon mal Danke für Ihre wieder mal treffende Sätze.
    Herzliche Grüße eines Schwaben aus dem Fränkischen (sie haben es also mit zwei Ab- oder Unter-arten des deutschen Sprachraumes zu tun! Aber wenn es ein Schwabe in Franken aushält, dann werden Sie mich auch aushalten!)
    Hans Baitinger

    Kommentar by Hans Baitinger — 23. Januar, 2006 @ 01:15 Uhr

  8. Lieber Herr Liebscht,

    was Sie da über Ihren Freund sagen, bewegt mich als homöopathischen Arzt natürlich und darauf möchte ich antworten. Normalerweise steht auf einem Arztbrief, den ein niedergelassener Kollege von einem anderen, meist in der Klinik arbeitenden bekommt der lapidare Satz am Anfang: “die Anamnese dürfen wir als bekannt voraussetzen”. Wenn ich diesen Satz lese, ist mir meist klar, daß der Schreiber jener Sätze darunter eine Aneinanderreihung von Diagnose und vielleicht noch einiger wichtiger Live-Events wie Heirat, Besuch eines Homöopathen etc. substantivisch aneinandergereiht versteht, nicht aber jenen Ausdruck, den der Patient oder die Patienten als Symptome erfahren. Wenn ich dann die Patienten frage, was sich verändert hat, solange sie sich in dieser Klinik oder jener Behandlung befanden, können Sie mir meist auch nur sagen, dass diese oder jene Untersuchung mit ihnen angestellt worden sei mit dem Ergebnis der Bestätigung oder dem Ausschluß einer für sie wie magisch wirkenden Diagnose. Solange solche Ereignisse nicht weit zurückliegen, können sich Patienten meist auch noch an ihre Befindlichkeit erinnern, eben ihre Beschwerden, die sie in eine solche Behandlung oder Diagnostik geführt haben und ob sich diese verändert haben, denn das erwartet “man” doch eigentlich von einer Behandlung.
    Offensichtlich ist man aber eher gewöhnt, sich nicht mit den Beschwerden im Detail auseinanderzusetzen, ja, man zieht es sogar eher vor.

    Aus der Sicht eines phänomenologisch geschulten Homöopathen zeigen die Beschwerden des Patienten oder der Patientin alleine, bzw. in erster Linie an, inwiefern sich sein Zustand verändert hat, oft nur in den Modalitäten der Beschwerden, oder dem zeitlichen Verlauf, häufiger aber in der Intensität der Beschwerden. Bei äußerst differenzierter Betrachtung enstehen dabei auf beiden Seiten erstaunliche Wahrnehmungen die die Entwicklung der jeweiligen Krankheit, sofern es sich tatsächlich um eine solche handelt, mit äußerster Exaktheit abbilden, genauer als jedes Röntgenbild z.B.. Unglaublich oder nicht glaubhaft natürlich für solche, die sich der beschrieben Wahrnehmungsübung bisher entzogen haben. Aber wie immer: wenn Du nicht die entsprechende Brille aufgesetzt hast, brauchst Du eben die Brille des Röntgenapparates.

    Schon sind wir mitten in Ihrer Betroffenheit der Wahrnehmung der Beschwerden Ihres “Kumpels”. Ich zitiere Sie: “Ich verstehe nichts von Homöpathie. Ich fragte mich nur schon und deshalb vergeblich, wo die Homöopathen denn eigentlich hinwollen samt ihren Klienten, wenn alle Erkrankungen ausgetragen worden sind? Ein bis dahin gut belastbarer Kumpel war dauernd krank, nachdem er zu Homöopathen gewechselt ist. Er wurde immer feinsinniger und noch verdehter als selbst ich. Ich versuche einen Mittelweg auszupendeln. Abhärtung gehört dringend dazu, scheint mir. Um körperlich, geistig, mit Mist klarkommen, der sicher bspw. als Humus prinzipiell immer wonánders goldrichtig sein mag, nur mich eben unversehens doch imer wieder in dieser Gesellschaft antrifft – da möchte ich nicht unbedingt als zwar reiner, homoöpathisch ausgeheilter Geist aus den Latschen Kippen, weil keine Immunabwehr verfügbar. “

    Wahrscheinlich war er in dieser Zeit, auf die Sie sich in Ihren so empathischen Passagen beziehen in einer Phase des Erlebens dieser Selbstbeobachtung, die es ihn für verwunderlich und „verdreht“ erscheinen ließen, was da sich so alles in ihm tummelt. Wie soll es auch anders sein, wenn man bisher noch nie gewohnt war, seinen Blick auf diese Weise auf sich zu lenken? Ich kenne diesen „Fall“ Ihres „Kumpels“ nicht, deshalb kann ich Ihnen natürlich nicht wirklich sagen, was da war. Wie schon ausgeführt, müßte ich die genaue Anamnese, das sind die Beschwerden kennen, die ihn in die jeweilige Behandlung geführt haben. Natürlich, es gibt feinsinnigere und weniger feinsinnige Menschen, grobschlächtige und anders schlachtende und solche, die sich als Opfer anbieten, usw. usf. Was Sie jedoch damit meinen, „wo die Homöopathen denn eigentlich hinwollen, damt ihren Klienten, wenn alle Erkrankungen ausgetragen worden sind“, kann ich nur vermuten. Sehr wahrscheinlich zum Systemiker. Ich frage mich nur beim gegenwärtigen Zustand der mir sich zeigenden Wirkungen der Systemischen Therapie, ob sie da nicht vom Regen in die Traufe kommen. Dem scheinen Sie auch zuzustimmen, indem sie Ihren „gesunden Menschenverstand“ einzusetzen empfehlen. Dem ist nichts hinzuzufügen.. Sie scheinen sich offensichtlich eine gesunde Portion davon erhalten zu haben. Dass jedoch Symptomenreichtum etwas mit schwacher Immunabwehr zu tun haben soll, kann ich nicht nachvollziehen, im Gegenteil. Die wirklich Schwachen sind nicht mal mehr dazu in der Lage, ausreichende Symptome hervorzubringen, die uns Rückschlüsse auf ihren Zustand erlauben. Das sind die wirklich Gefährdeten. Wir nennen diese Zustände „einseitige Krankheiten“. Das sind m.E. die schwerstbehandelbaren Patientinnen und Patienten, sofern sie überhaupt den Weg zum Arzt finden, bzw. sofern sich noch jemand für sie zuständig fühlen darf und dies nicht als Sakrileg empfinden muss.

    Leider werden gelegentlich “Zustände” oder “Fälle” mit vermeintlich “homöopathisch” gewählten Arzneimitteln traktiert, die keine wirklichen Krankheiten sind, sondern Folge “falscher” Religion, Philosophie oder Erziehung. In diesem Falle sind die Charakteristika dann auf beiden Seiten, sowohl derjenigen der Patientinnen und Patienten als auch der jeweiligen Behandlerinnen und Behandler zu finden. Dabei entstehen dann die seltsamsten “Blüten” die den uneingeweihten Beobachter zu den abstrusesten Behauptungen hinreissen könnten und ein “gefundenes Fressen” für bereits sich im Köcher befindende Pfeile der Projektion und anderer Arten der Reinszenierung darstellen. Sie haben recht: in solchen Fällen wären die seelenhygienisch ausgerichteten Methoden wie z.B. jene der Systemiker durchaus die Methoden der Wahl. Soweit, so gut.

    Natürlich ist es jedem unbenommen, seine Selbstheilungkräfte auf andere Art und Weise zu schulen und vielleicht zu aktivieren. Auch da ist wohl ein entsprechender Mittelweg der beste, sofern man Langlebigkeit sich selbst zum Ziel gesetzt hat.

    Übrigens war wahrscheinlich Mozart ein sehr gesunder Mensch, dessen Fähigkeiten durch die von mir genannten für ihn „falschen“ Religionen, Philosophien und Erziehungen“ so weit in die Enge getrieben wurden (Frau Taraba und ähnlich Argumentierende würden sagen, sich selbst getrieben hat), daß er auf der einen Seite dieses Genie entfalten konnte, auf der anderen Seite eine Phobie entwickelte, die ihn zum chronischen Quecksilber-Missbrauch anleitete. Dies war die damals in „besseren“ Kreisen weitverbreitete Droge gegen venerische Erkrankungen, die vielen angedichtet wurden oder unter denen viele wirklich litten. Er war bekanntermaßen Freimaurer, wie viele bekannte Musiker seiner Zeit. Seine “Zauberflöte” zeugt davon.
    Hahnemann war auch Freimaurer. Hätte es damals schon solche Systemische Kehrwochen gegeben wie heute, hätten sicherlich beide voneinander erfahren. So aber blieb Mozart in seiner Loge und unterzog sich einem schief gelaufenen Selbstversuch mit Quecksilber, Hahnemann in seiner Loge hätte ihn vielleicht mit demselben Mittel, homöopathisch verordnet versteht sich, geheilt. Er hätte die Symptome aufgenommen und diese mit der jeweils bekannte Symptomatik des Arzneimittels verglichen, um dann das passende Arzneimittel zu verabreichen. Je vielgestaltiger die Symptomatik, desto besser die Prognose der Erkrankung, da sich so die entsprechende Arznei schnell finden läßt. Meist ist mit einer deutlichen Symptomatik nicht nur die Schwere eine Erkrankung angezeigt, sondern auch die Stärke der jeweils zur Verfügung stehenden Lebenskraft. Dies soll als kleiner Ausschnitt aus dem bescheidenen Erfahrungssschat der Homöopathie genügen, Ihnen zunächst ergiebig geantwortet zu haben.

    Jetzt könnnte man natürlich mit einigen Theorien diese Erfahrungen unterlegen. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn dadurch der Erfahrung nicht „das Wort im Mund herumgedreht“ würde.,

    Haben Sie noch Fragen oder andersartige Ergänzungen?

    Herzlich

    Hans Baitinger

    P.S.: Ich habe diese Woche bekanntermaßen noch einige Arbeit vor mir, also werde ich nicht unbedingt schnell auf Ihren nächsten Beitrag antworten.

    Kommentar by Hans Baitinger — 23. Januar, 2006 @ 06:40 Uhr

  9. Lieber Herr Baitinger, jetzt hat mein Zugang doch noch funktioniert und ich möchte noch schnell mitteilen, dass, im Sinne von Herrn Libscht “Missverständnisse” nicht unbedingt welche sind, sondern Anlässe zur Selbstdarstelllung beziehungsweise Selbstaufstellung, ein nicht uninteressanter Aspekt. Bei Ihnen glaube ich ganz summarisch erkennen zu dürfen, dass das Wichtigsteund Wesentlichste für Sie die Vermittlung der Homöpathie ist. Es wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, Ihre Kehrwoche dafür systematischer zu nutzen, um die Grundlagen Ihres Wissens hier publik zu machen. Ich weiß gar nichts über Homöpathie, außer das, was man gemeinhin darüber weiß. Ich bin daran durchaus interessiert und hätte eine Menge Fragen dazu, wenn mich nicht zuvor die anderen Frafgen mehr interessiert hätten. Aber ich weiß ja nun wo die Quelle dieses Wissens aufgesucht werden kann. Mit herzlichen Grüßen Sylvia Taraba

    Kommentar by Sylvia Taraba — 24. Januar, 2006 @ 19:11 Uhr

  10. Lieber Herr Liebscht,
    leider nur ganz kurz: ich bin ganz geplättet von Ihrem nicht enden wollenden Kommentar, habe, trotz ständigem Hinausgeschleudertwerdens qua Fliehkraft Ihre weitläufigen Kurven gekratzt und auch halbwegs wieder den Anschluss an verloren gegangenen Zusammenhänge gefunden und war am Ende hingerissen von den literarischen Schilderungen der Nöte junger Liebender, der männlichen und der weiblichen Seite dabei. Es war zu einem Teil ein Dejavuerlebnis. Also: nicht, dass ich das nicht alles irgendwie fast 1:1 kennen würde, aber im Laufe der Zeit kam der Augenblick der Entscheidung, der Moment der Wahrheit. Mach ich so unbedarft weiter oder werde ich erwachsen? Ich habe in einer vigilanten Nacht, auf der Welle der glücklichen Inspiration reitend, beschlossen eine Liebende zu werden. Also eine die liebt, statt die unentwegte Anwesenheit des begehrten Mannes einzufordern oder ihm Putzaufgaben oder sonstige Dressuren angedeihen zu lassen, um mich zu “verwirklichen”. Bin ich denn nicht schon “wirklich”? Und wie lässt sich Liebe “verwirkichen”? Ein Liebe in Zeitlupe und zeitweise selbständiges Wohnen, hat alles maßgeblich verändert, weil es eben, wie es die Arbeit am Begriff gibt, auch eine Arbeit an der Liebe gibt, die, wenn überhaupt, nur im Selbst der Selbste des Selbstes stattfinden wird können. Man beschließt einfach täglich neu, zu lieben und zu tun, was diesbezüglich zu tun ist. Meine systemische Unterstützung dabei, wenn gar nichts mehr geht, ist das ganz und gar unwissenschaftliche, aber absolut unschlagbare I GING (Wenn man denn gelernt hat es zu lesen und die Bedeutungen für sich auszulegen und umzusetzten weiß) (I GING. Das Buch der Wandlungen.Übersetzung von Richard Wilhelm)
    Ich habe in dieser Woche große Freude gehabt, auf Themen und deren eingehende Kommentare gestoßen zu sein, die mir nahegehen und die mich heraus gefordert haben, dazu Standpunkte einzunehmen. Da wir vom Widerspruch ständig gebeutelt und weitergetrieben werden, ist dies jedoch kaum möglich. Ihren heutigen, überaus raffinierten mit fast schon allen Wassern gewaschenen Kommentar werde ich aufbewahren. Quantität und Qualität der darin angesprochenen Implikationen der Mann-Frau-Beziehung möchte ich, wie die von Frau Baitinger, in meinem zweiten Band fruchtbar werden lassen: Was ist zu tun?
    Ich bedanke mich bei Ihnen, wie schon bei Herrn Baitinger, für die unsägliche Kontemplationsbreite, die ich zur wiederholten Einsichtnahme in meinen Pool herunterladen darf. Auf eine spätere Wiederbegegnung im Auer-Weblog und mit herzlichen Grüßen Sylvia Taraba

    Kommentar by Sylvia Taraba — 24. Januar, 2006 @ 20:36 Uhr

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