es hat geweihnachtet
Filip Caby
Hallo, mit einem Tag Verzögerung bin ich jetzt doch in mein Tagebuch eingetaucht. Der Browser hat mich gestern im Stich gelassen, und gleich alle Entwürfe mitgenommen. Daher fasse ich noch einmal zusammen was ich gestern geschrieben habe, und gerne gesendet hätte.
Es hat sich in der Kehrwoche eine Lücke aufgetan. Herr Jung hat das Thema “Gott” angesprochen, und ich würde es gerade nach der Weihnachtszeit gerne noch einmal aufgreifen. Als Katholik gerate ich zwar einerseits immer mehr in eine Zwickmühle aber dann doch wieder nicht. Gott ist für mich immer mehr ein Konstrukt, wobei der Mensch bestimmt wer oder was Er/Sie ist. Gerade deswegen ist es m.E. deshalb ganz wichtig Religion zu respektieren, wenn diese den Menschen auch respektiert. “Gott” ist für mich das gestaltete gute Gewissen, eine moralisch-ethische Instanz die wir jederzeit bemühen können, wenn wir es denn wollen.
Heiligabend war ich in Brügge mit meiner Familie, weil dort meine Mutter und Schwester wohnen und wir waren in der Kerstmis (Christ-Messe) und haben es genossen. Die Messe wurde natürlich auf flämisch gehalten, was für meinen Sohn -.gerade Messdiener geworden- und meine Frau kein Hindernis war mit zu geniessen. Nach 25 Jahren ist mir nebenbei aufgefallen, dass die Sprache sehr viel ausmacht. Im flämischen hört sich alles etwas weicher an als im deutschen, obwohl beide germanische Sprachen sind. Aber vielleicht ist es auch nur meine Wahrnehmung….
Weihnachten selbst waren wir in Recklinghausen, bei der Schwiegerfamilie, und gestern zuhaus in Ostfriesland. Ca. 1000 Km, aber irgentwie in diesem Jahr stressfreier als sonst. Das lässt für 2006 hoffen. Meine Frau hatte Bereitschaft, also gab es gestern einen Vater-Sohn-Abend: der Erste Ritter mit Sean Connery und Harisson Ford im Fernsehen und nebenbei an der Ritterrüstung von Vincent weitergebastelt. Je mehr ich mache, je mehr Ideen er hat was wir noch alles so machen können. Die Ritter haben doch auch Schienbeinschoner und die Schultern sind auch versteckt hinter Metallplatten…. Mal schauen was sich machen lässt. Und dann fing es auch noch an zu schneien…. Weihnacht eben. Bis Morgen!
6 Kommentare
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Lieber Herr Caby,
möchte Ihren Gedanken ein wenig aufgreifen und eine größere Frage daraus basteln. Sind sich unsere Konstrukte gleich, oder was gewinnen wir, wenn sie beschreibend, erklärend und bewertend unterscheiden?
Der Respekt vor den Konstrukten Anderer ist bedeutsam, aber da sollten wir uns doch gerade um das “m.E.” genauer kümmern. Mit diesem “m.E.” (ich neige auch dazu, das immer anzuhängen), wird doch ausgedrückt, dass der Respekt gerade nicht bedingungslos erwiesen werden soll. Und dies im Zusammenhang mit “Gott”. Dann scheint mir eine Frage wichtig, an der sich ‘die Geister scheiden könnten’, nämlich welches Konstrukt von Gott man nicht respektieren sollte. Da kommen mir Gotteskonstrukte in den Sinn, die sich für imperiale Ziele instrumentalisieren lassen, und alle fundamentalistischen Ausformungen von Gottesgedanken.
Aber gibt es überhaupt liberale Gottesgedanken? Läßt sich ein Gottesgedanke überhaupt irgendwie eindämmen, oder tendiert er unvermeidlich zum Fundamentalismus, auch wenn konkrete Menschen dieser Tendenz nicht folgen (müssen)?
Darüber würde ich gerne noch etwas mit Ihnen zusammen nachdenken. Vielleicht gesellen sich gar weitere Bloggleser dazu.
Herzliche Grüße, Peter Schlötter
Kommentar by Peter Schlötter — 27. Dezember, 2005 @ 17:12 Uhr
Lieber Herr Schlötter,
besten Dank für die Kommentar. Ich neige dazu die Sachen die ich sagen möchte etwas kryptisch dar zu stellen. Mein Zusatz “wenn sie den Menschen respektiert” beinhaltet das was Sie bezüglich der fundamentalistischen Gotteskonstrukte sagten. Denen geht m.E. der Respekt für das was der Mensch ist und denkt völlig ab.
Nun ergibt sich die Frage wie man das unterscheiden möchte. Vielleicht ist der Versuch jemanden zu überzeugen schon ein Hinweis darauf, dass es nicht mehr um “Respekt für Meinung” sondern um ÜBERzeugen geht, wodurch der eine sich über den anderen versucht zu stellen.
Unsere Konstrukte können übrigens nicht gleich sein, da sie auf dem individuellen Hintergrund entstehen. Trotzdem sind sie vergleichbar wenn man sich auf bestimmte Grundregeln, bzw. Grundbegriffe einigt.
Ein Gottesgedanke birgt die Gefahr des Fundamentalistischen, ist aber für den Menschen von fundamentaler Bedeutung. Das wird häufig verwechselt und missbraucht.
Die Frage nach dem Leben nach dem Tod ist ebenfalls eine Frage die sehr zu Verwechslung und Missbrauch einlädt. Natürlich gibt es ein Leben nach dem Tod.Aber auch das ist ein Konstrukt das mehr sinngebend als moralisch-ethisch gedacht ist. Eine andere Chance als unsere Antworten auf diese Fragen zu konstruieren haben wir nicht, meine ich.
Freue mich auf Ihre Sicht!
Herzlichst, Filip Caby
Kommentar by Filip Caby — 27. Dezember, 2005 @ 21:16 Uhr
Lieber Herr Caby,
hier ein kleiner Nachtrag zur Gottesdebatte. Eines meiner Lieblingssongs ist ‘Personal Jesus’, aber nicht in Fassung von Marilyn Manson, sondern von Jonny Cash, ja noch mehr in meiner eigenen Textfassung, die ich in Klammern im Refrain ergänze:
(You are) …
Your own personal Jesus
Someone to hear your prayers
Someone who cares
Your own personal Jesus
Someone to hear your prayers
Someone who’s there
Soviel auf die Schnelle mit schönen Grüßen
Peter Schlötter
Kommentar by Peter Schlötter — 28. Dezember, 2005 @ 12:10 Uhr
Lieber Herr Schlötter,
darauf köönen wir uns einigen!
Gruss
Filip Caby
Kommentar by Filip Caby — 28. Dezember, 2005 @ 22:23 Uhr
Liebe Gottesdebattanten,
ich liebe dieses Fass – ich kann mich auf den (in Klammern (!) ergänzten) Song, auf der oben angegebenen Ebene vollkommen einigen! Was mich immer ungemein wundert ist, dass wir uns gegenseitig ständig die Existenz Gottes bestätigen wollen oder (uns) diese absprechen wollen. Da muss es sich doch je um ein individuelles Mißverständnis Gottes handeln. Wäre es nicht gut, dieses endlich ein für alle mal tiefenstrukturell aufzuklären und auszuräumen, um zumindest diesbezüglich eins zu sein? Muss ich erst an etwas glauben, das ich weiß, muss ich etwas abstreiten, das ich bin? Muss ich etwas negieren, das mich schafft, muss ich etwas schaffen, das nichts ist, muss ich an nichts glauben, um etwas zu sein? Mit herzlichen, leider stets unvollständigen Grüßen Sylvia Taraba
Kommentar by Sylvia Taraba — 30. Dezember, 2005 @ 01:09 Uhr
Lieber Herr Schlotter,
Erlauben Sie eine kleine, eher akademische Korrektur:
“Personal Jesus” stammt im Original nicht von den grotesken Marilyn Manson (die diesen Song soviel ich weiß auch nie interpretiert haben), sondern von der elektronisch orientieren Rockgruppe Depeche Mode. Deren Version ist m.E. auch nicht schlecht, aber die von Rick Rubin produzierte Cash-Version sehr viel eindringlicher, intensiver.
Herzlichst
Matthias Ochs
Kommentar by Matthias Ochs — 31. Dezember, 2005 @ 09:41 Uhr