Simons Systemische Kehrwoche

Nachschlag

Frank Haase

Nach Monopoly und Vorlesen (im Moment muss „Robin Hood“ mithelfen, die Zeit zu überbrücken, bis endlich der neue „Harry Potter“ erscheint) habe ich mich in Platon und Aristoteles verloren, so dass ich nicht mehr dazu kam, mein Tagebuch zu führen. Tja, und so landete mein eigentlicher Text für Donnerstag heute in aller Frühe im Freitag.

Vielleicht kann ich aber die Systemiker und Konstruktivisten für die Antike gewinnen. Ich bin seit ein paar Jahren immer tiefer zu den Anfängen abendländischen Denkens „zurückgekehrt“, weil ich verstärkt den Eindruck hatte, dass unser so genanntes „modernes Denken“ tatsächlich den frühen Strukturen verpflichtet ist. Unmittelbarer Motor war aber Derridas Logophonozentrismus-Philosophem und die doch sehr pauschalisierende Wendung von der Schriftfeindlichkeit abendländischer Metaphysik. So bin ich schließlich bei einer eingehenden Re-Lektüre Platons gelandet, um feststellen zu dürfen, dass seine Dialoge als „Türöffner“ zu verstehen sind, die uns Leser dazu auffordern, ins philosophische Denken einzutreten. Was ich dabei entdecken durfte, war, dass das Philosophieren Platons eine Selbstbezüglichkeitsstruktur entwirft, die sich in den Operationen des Denkens selbst artikuliert. Da Platon das Denken selbst als Medium begreift, wird deutlich, dass Medien im abendländischen Denken der blinde Fleck ist. Dieser blinde Fleck Medien findet sich auch bei von Förster und von Glasersfeld. All dies hat mich dann noch tiefer in die antike Welt „getrieben“ und mündet in der These, dass das abendländisch-philosophische Denken Effekt der Erfindung der Lautschrift ist. Und tatsächlich lassen sich spannende Linien von Hesiod über die Vorsokratiker bis Platon ziehen, die diese These stützen (siehe mein neuestes Buch: Metaphysik und Medien – über die Anfänge medialen Denkens bei Hesiod und Platon). Nunmehr sitze ich seit einem Jahr über Aristoteles, der für das systemische und konstruktivistische Denken von großer Bedeutung ist. In diesem Sinne müsste man sich sehr grundlegend an die Arbeit machen, die Grundlagen des Radikalen Konstruktivismus selbst zu hinterleuchten. Ich bleibe dran. Und vielleicht habe ich manche neugierig gemacht.

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