HP
Horst Kasper
HP (Hewlett Packard) ist ein mächtiges System – und ein ausgeklügeltes dazu. Das wurde mir dieser Tage bewusst. Ich hatte nach längerer Zeit meinen Drucker dieser Marke wieder einmal zwecks entsprechender Dienstleistung an das Notebook angeschlossen und erteilte Word den Befehl zu drucken. Keine Reaktion! Dabei hatte das jahrelang völlig problemlos funktioniert: Kommando „Ausdrucken“ – und wie von Geisterhand setzte sich das Multifunktionsgerät in Bewegung. Ich konnte Kopieren, Scannen, Drucken nach Herzenslust. Nur der Scanner hatte nicht immer auf Anhieb funktioniert, doch ließ er sich stets nach einigen Versuchen – auch mit Hilfe der HP Serviceseite im Internet -zur Dienstleistung bewegen. Nun aber ging plötzlich keinerlei Computersteuerung mehr. Nur das Kopieren funktionierte; denn dazu ist kein Computer nötig.
Zuerst versuchte ich es mit dem Serviceportal, folgte dem Rat, die alte Software zu löschen und die neueste per Download zu holen und installierte sie. Die Beschreibung der Leistung versprach zu helfen. Irrtum! Keine Lösung des Problems. Blieb der Griff zum Telefon. Dort versprach eine weibliche Stimme vom Band, einen Rundumservice 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche, während auf der Homepage der Böblinger Zentrale noch die früheren Zeitfenster zu lesen waren. Für einen Service für „Geräte außerhalb der Garantiezeit“ sollte ich die Ziffer X drücken. Unter der von HP aktuell angegebenen 1805er Nummer erreichte ich auf diesem kleinen Umweg eine freundliche Dame mit osteuropäischem Akzent (offenbar ein Call-Center in Tschechien oder so) mit der Frage, ob ich aus Deutschland anriefe. Ich hätte da eine falsche Nummer. Die richtige sei: Es folgte eine andere 01805er Nummer. Unter dieser meldete sich dann ein Call-Center in Deutschland. Die freundliche Ratgeberin (mit echtem Namen) erklärte mir, dass mein All-In-One-Gerät (ca. fünf Jahre alt) leider nicht mehr aktuell sei und es dafür auch keine spezielle technische Beratung von HP mehr gebe. Sie versprach mir jedoch einen Link per Mail zu schicken, mit dessen Hilfe ich Unterstützung für mein Problem erhalte. Es dauere vielleicht eine halbe Stunde. So schnell ging es zwar nicht, aber immerhin funktionierte es: Drei Stunden später hatte ich eine Mail mit einem Link. Ich landete bei jenem Downloadprogramm, das zwar die aktuelle Windows-Vista-kompatible Software enthält, in meinem Fall sich jedoch schon als untauglich erwiesen hat: eine Schleife ohne Ende! „Für Geräte außerhalb der Garantie“.
Ich bin gewiss kein Anhänger irgendwelcher Verschwörungstheorien, neige auch sonst nicht zur Unterstellung böser Absichten. Aber hier beschleicht mich doch die bange Frage: Wozu habe ich in letzter Zeit ungefragt immer neue Updates von Hewlett Packard erhalten, wenn mein Gerät von dort längst keine technische Unterstützung mehr erhält? Schließlich hat das Ding doch bis vor wenigen Wochen immer einwandfrei funktioniert, wenn ich es brauchte. Schaffen die jetzt mit kriminellen Methoden, um ihre Kundschaft zum Kauf neuer Geräte zu nötigen? Haben die mir (wie die Kriminellen ihre Trojaner) ganz legal mit einem Update die Verbindung zwischen Notebook und Drucker/Scanner lahmgelegt, ausgeschaltet? Auch noch mit meiner Zustimmung, wollte ich doch immer auf dem Laufenden sein! Schließlich kennt man heute auch aus anderen Geschäftsbereichen äußerst zweifelhafte Methoden, die eindeutig kriminell sind und nur deswegen nicht unterbleiben, weil sie nicht verboten und unter Strafe gestellt sind wie die Leerverkäufe von Aktien und neuerdings auch Staatsanleihen.
Das sind längst keine rein theoretischen Fragen mehr. Die ethischen Probleme in der Wirtschaft und sonst wo nehmen zu. Ich denke auch, dass das Systemfragen sind, die weit über das konkrete Erlebnis wie in meinem Fall hinausreichen. Wie gehen manche Unternehmen mit ihren Kunden um? Nicht wie mit Königen (die über ihnen stehen, denen sie zu Diensten sind) und auch nicht wie mit Partnern (auf gleicher Augenhöhe), sondern allenfalls wie mit einer leicht manipulierbaren Masse von Konsumsklaven. Und das ist schlimm. Vielleicht hat aber jemand, der bis hierher gelesen hat, eine Idee, ob man und wie man diesen mächtigen und arroganten Oberpriestern der Marktwirtschaft, in diesem Fall von HP ein Schnippchen schlagen und das (voll funktionsfähige) Gerät wieder in Schwung bringen kann. Vielleicht hat auch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht. Es wäre nett, wenn er das hier verriete!
10 Kommentare
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hatte ähnliches Problem bei einem Freund, lag an einem fehlerhaften oder minderwertigem USB Kabel
das ist auch das was ich hier zuerst überprüfen würde
Kommentar by rumpel — 14. August, 2011 @ 12:17 Uhr
@1. Danke, das werde ich gleich morgen probieren!
Kommentar by Horst Kasper — 14. August, 2011 @ 12:46 Uhr
Früher war ich Briefmarkensammler. Jetzt bin ich dazu verdammt, immer wieder neu dasselbe Zubehör für meine im Laufe der Jahre angeschafften Apples zu kaufen. Meine Sammlung für Beameadapter ist inzwischen beträchtlich. Eigentlich verkaufen die gar keine MacBooks etc., sondern das Geschäftsmodell besteht darin, die Notwendigkeit zur Anschaffung von Zubehör zu schaffen. Öl für Chinas Lampen (das ist das historische Vorbild gewesen – man verschenkt Öllampen, um Öl zu verkaufen). Auch Drucker sind ja nur ein Mittel, um Cartouchen zu vertreiben, Leihwagen ein Vertriebsmittel für Versicherungen usw.
Kommentar by Fritz B. Simon — 14. August, 2011 @ 16:43 Uhr
Drucker löschen (unter “Geräte und Drucker”), Kabel ziehen. Neu verbinden (am besten anderer USB-Port) und warten, dass die beiden das unter sich ausmachen. Wenn Sie um Input bitten, automatisch nach Treiber suchen und installieren lassen.
Kommentar by Lukas — 15. August, 2011 @ 11:26 Uhr
@4. Herzlichen Dank, “Lukas”, für die freundliche Empfehlung. Es hat tatsächlich funktioniert. Drucker und Scanner arbeiten wieder. Was für eine Erleichterung!
Kommentar by Horst Kasper — 15. August, 2011 @ 16:27 Uhr
Treiber älteren Datums (ohne kriminellen HP Trojaner) im Netz suchen und installieren?
Kommentar by KingBilly — 15. August, 2011 @ 16:38 Uhr
Problem gelöst! Dem Auerblog sei Dank und allen, die mit ihren guten Empfehlungen mit geholfen haben. Ich räume kleinlaut ein, dass wohl eher die mangelnden Kenntnisse und geringe Erfahrung des Users an dem Malheur schuld sind und nicht die HP-Updats. Eines aber ist festzustellen: Den HP-Service kann man getrost vergessen.
Kommentar by Horst Kasper — 15. August, 2011 @ 17:53 Uhr
Lieber Herr Kasper, Ihr Anfangsverdacht mit den “kriminellen Methoden” ist – trotz der Lösung Ihres Problems – nicht von der Hand zu weisen. Vor einigen Monaten wurde bei Arte eine Dokumentation ausgestrahlt, die sich mit der Produktstrategie der geplanten Obsoleszenz befasste. Vorhin ist mir dieser Begriff wieder eingefallen. Hier ist der Link zu dem Film:
http://bit.ly/ihRN8i
Kommentar by Far — 16. August, 2011 @ 21:12 Uhr
Diagnose: Krebs.
Kommentar by Max Liebscht — 16. August, 2011 @ 23:38 Uhr
@8. “Geplante Obsoleszenz”, danke für diesen wichtigen Hinweis, liebe Frau Far. Diesen Film müsste man zum Unterrichtsgegenstand machen, damit ihn möglichst viele Menschen mitkriegen. In einer Art Rahmenhandlung kommt sogar ein junger Spanier mit einem ähnlichen Druckerproblem wie bei meinem HP-Drucker vor. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das dort erwähnte elektronische Bauteil auch in anderen und nicht nur in EPSON-Druckern eigebaut ist: ein Zähler, der nach einer bestimmten “Lebensleistung” des Druckers diesen automatisch abschaltet. Erwähnenswert auch der russische Ingenieur, der eine kleine Free-Software entwickelt hat, mit deren Hilfe dieser Zähler wieder auf Null gestellt werden kann.
Am Thema geplante Obsoleszenz will ich dran bleiben. Das ist eine Riesenkiste für Systemiker, die im Interesse der Nachhaltigkeit nachdenken!
Gruß
H.K.
Kommentar by Horst Kasper — 17. August, 2011 @ 15:16 Uhr