MRSA II
Horst Kasper
Transparenz sollte man einfordern bei den Krankenhauskeimen. Alles wird statistisch erfasst in unserem Land! Jeder Pups im Kuhstall wird exakt der CO2-Belastung und dem Treibhauseffekt zugerechnet. Die exakte Verkehrsstatistik hat bestimmt über die Jahre wesentlich zur Verbesserung der Sicherheitslage und zur Verringerung der Opferzahlen beigetragen. Sie war das ständige Menetekel für Auto- wie für Straßenbauer und Politiker. Die gestern hier berichteten Daten zu den Krankenhauskeimen beruhen lediglich auf Schätzungen. Das ist absolut unverständlich. Jede Masernerkrankung muss gemeldet werden, die Ehec-Welle hat eine Menge an Reaktionen und Maßnahmen ausgelöst. Und erst die Schweingrippe! MRSA wird noch immer mit dem Achselzuckreflex behandelt.
Wie wäre es mit Meldepflicht jeder Erkrankung und exakter Dokumentation, damit wir alle es wissen: So schlimm steht es um die Hygiene in unseren Krankenhäusern? Wie wäre es, wenn jedes Krankenhaus von sich aus in seinem Infobereich laufend mitteilte: Derzeit keine MRSA-Erkrankung? Und wie wäre es, wenn am Ende jeden Jahres die Krankenhäuser vor Ort berichten müssten, wie viele ihrer Patienten an dieser heimtückischen Krankheit erkrankt und wie viele verstorben sind?
Eine andere Frage ist, ob nicht auch die Lokalpresse bundesweit hier ein Thema hätte und sich für die Enttabuisierung durch eigene Vorortrecherchen stark machen könnte. Da ist es bisher nämlich merkwürdig still!
7 Kommentare
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Ein “wenig” Transparenz gibt es ja, Herr Kasper:
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/Staphylokokken/Staphylokokken.html
Kommentar by es — 2. September, 2011 @ 15:04 Uhr
Danke, “es”, da hätte ich auch selbst draufkommen müssen!
Kommentar by Horst Kasper — 2. September, 2011 @ 15:16 Uhr
Dennoch: Es gibt keine Meldepflicht und keine Statistik. Offenbar herrscht innerhalb des Systems größte Vorsicht vor Offenheit. Warum wohl? Ich denke an die Augen der Krähen. Das aber sollte sich überlebt haben in einer demokratisch verfassten Gesellschaft. Transparenz ist unverzichtbar, wenn auch manchmal schmerzhaft.
Kommentar by Horst Kasper — 2. September, 2011 @ 16:44 Uhr
Das sog. Demokratische ist doch bloß wegens der Deko.
Kommentar by Max Liebscht — 3. September, 2011 @ 21:53 Uhr
Vergangene Woche referierte in einer der morgendlichen Gesundheitssendungen des Deutschlandsenders ein Hygieneprofessor etwa wie folgt:
“Wenn die Plegekräfte zwischen der Verarztung verschiedener Patiente immer wieder ausreichend die Hànde wüschen, könnten wir unsere Arbeit gar nicht schaffen. GLücklicherweise reicht eine Reinigung von 15 Sekunden mit einem alkoholhaltigen Produkt, das getestet und für wirksam befunden wurde.”
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sprechstunde/1541444/
Nach meiner eigenen Beobachtung als Besucher Patient, ambulant und stationär bis zur Intensivstation und OP, herrscht in Krankenhäuser eine derartige Hektik und Druck, dass ich, als Angestellter dort, in unbeobachteten Momenten diese 15 Sekunden immer verkürzen würde. Alleine, um mich selbst diesem Druck zu entziehen. Da haben die Kranken Glück, dass es mich nicht in den medzynisch-industriellen Komplex verschlagen hat.
Der Professor empfahl auch alkoholhaltige Erfrischungstüchlein bei der Verarbeitung von Geflügel in der häuslichen Küche.
Apropos alkoholhaltiges Produkt:
ich erinnere mich an Berichte vor Jahren, die besagten, die Reinigung von Einstichstellen bei Spritzen und Impfungen sei witzlos.
Ist Alkohol seither besser geworden?
Kommentar by duscholux — 4. September, 2011 @ 10:22 Uhr
“Eine Pflegekraft der Uniklinik Gießen und Marburg erhebt im Landesmagazin “defacto” im hr-fernsehen schwere Vorwürfe gegen das privatisierte Klinikum. Aus Personalmangel würden auf ihrer Station Hygienestandards nicht eingehalten.” Heute berichtet unter: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36090&key=standarddocument42516424. Ist das nicht der Hammer?
Kommentar by Horst Kasper — 4. September, 2011 @ 14:23 Uhr
Verstehe zwar nicht, wie Sie bei diesem Thema auf die servicestarken Fachmärkte für Raumgestaltung kommen, vermute aber, dass es vermutlich mehr als einen guten Grund gibt, der dafür spricht, dass Gesellschaften unterscheiden zwischen Aufgaben, welche von Staats wegen besser profit-orientierten Organisationen anvertraut werden und Aufgaben, welche besser Non-profit-Organisationen überantwortet werden. Krankenpflege bspw. betreibt man besser nicht “um die Wette”. Arbeitsvermittlung hingegen vermag der Staat offenbar schlechter zu organisieren als dezentral agierende Organisationen, welche sich als Wettbewerber verstehen.
Die in der Planwirtschaft der BRD anzutreffende chronische Desorganisation erklärt sich vermutlich vornehmlich aus dem jahrzehntelang gepflegten Lobbyisten – Prinzip, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu solidarisieren denn irgendeiner volkswirtschaftlich rationalen Begründung. Einer der schwerwiegendsten Konstruktionsfehler des – bislang eher noch sachte – in sich zusammensinkenden, irrigen Gesellschaftsarrangements.
Schwere Vorwürfe auf der Bühne für die Vorband zu den Gladiatorenkämpfen. Die Assange – Währung schmiert ab, chinesische Freundinnen werden schick, die einfachen Leut beginnen über Lagermöglichkeiten nachzudenken – wer findet da noch unsichtbare Erreger unterhaltsam, wenn er nichte gerade muss?
Kommentar by Max Liebscht — 4. September, 2011 @ 21:07 Uhr