Solarfunkuhr
Horst Kasper
Jetzt geht sie endlich richtig. Nach mehr als sechs Wochen, nach unzähligen Versuchen der Manipulation mit Hilfe von SET und MODE. Zuletzt ging sie 47 Minuten voraus, davor 35 Minuten hinterher. Für Systemiker mag es eine triviale Maschine sein, für mich ist sie ein kleines technisches Ding voller Rätsel. Sie kann sogar – glaubt man der Betriebsanleitung –nach drei Tagen in Dunkelheit auf Energiesparen umschalten, kommt – wieder am Licht – stehend völlig selbstständig aus der Ruhe, springt dann angeblich ganz von alleine auf die richtige Zeit. Wer kann das glauben angesichts sechs Wochen Widerstand gegen all meine Versuche, die richtige Zeit einzustellen? Und nun ein kleines Wunder: Die neue Uhr mit dem doppelten Zusatz Solar- und Funk- geht exakt. Auf die Sekunde.
Dabei habe ich wirklich nichts unversucht gelassen, gar wie empfohlen die Uhr zum Signalempfang an ein Nordfenster gelegt, damit nicht Wände und Gerätschaften das Funksignal aus Frankfurt dämpfen oder stören. Alles vergebens. Am Ende ging sie immer wieder falsch. Recherchen im Internet ergaben: Ich hatte eine Menge an Leidensgenossen. Lauter Menschen, alles Männer übrigens, denen es trotz angestrengter Bemühungen nicht gelang, ihrer Solarfunkuhr die richtige Zeit zu entlocken. Wobei das Problem nicht die Sonnenenergie ist, sondern der Funk.
Rückblickend muss ich nun feststellen: Die Uhr ist fantastisch. Das Funksignal funktioniert perfekt. Die Beschreibung gibt die richtige Anleitung, wenn auch in einer mir schwer verständlichen (deutschen) Sprache. Aber mein Gehirn brauchte sechs Wochen, um sie zu verstehen.
Gruß Horst Kasper
6 Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.











Ich dachte immer Funkuhr wäre eine Fernsehzeitschrift…
Kommentar by Fritz B. Simon — 16. Januar, 2008 @ 17:17 Uhr
Das gibt es gewiss auch. Aber eine Funkuhr ist eben auch eine Uhr, die durch ein zentrales Funksignal gesteuert wird, und ich kann Ihnen versichern: Das ist eine Wissenschaft für sich, lieber Herr Simon. Dass sie dann auch noch ohne Batterien, ja ohne jeglichen weiteren menschlichen Einfluss, allein durch die Kraft der Sonne mit immer neuer Energie versorgt wird, ist einfach wunderbar. Keine alten Batterien zum Entsorgen, keine mechanische Bedienung (wenn sie denn erst mal läuft). Faszinierend!
Kommentar by Horst Kasper — 16. Januar, 2008 @ 17:51 Uhr
Wo gerade die Abendglocke vom Kirchturm schallt, fällt mir ein: Die Turmuhr wird seit ein paar Monaten auch vom Frankfurter Funksignal gesteuert. Bis dahin hatte über 100 Jahre lang eine Uhrmacherfamilie treu und brav den Uhrendienst der evangelischen Stadtkirche versehen, musste eines ihrer Mitglieder täglich die vielen Stufen hoch steigen, um die Uhr aufzuziehen und nachzustellen, falls nötig. Nun fehlt nur noch die Umstellung der Energieversorgung auf Solarenergie, nachdem das Werk seit einigen Jahren schon mit Strom versorgt wird. Dann hätte sogar der Kirchturm eine Solarfunkuhr. Das wäre dann wieder ein Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung und CO2-Einsparung.
Kommentar by Horst Kasper — 16. Januar, 2008 @ 18:37 Uhr
Und wie sieht das die Uhrmacherfamilie?
Kommentar by Jens Wittfoot — 16. Januar, 2008 @ 21:55 Uhr
Sonne statt Uhrmacherfamilien ist ja auch ein Programm…
Beste Grüsse, FBS
Kommentar by Fritz B. Simon — 16. Januar, 2008 @ 22:38 Uhr
Die Uhrmacherfamilie, lieber Herr Wittfoot, ist froh über die Entlastung. Die vierte Generation zu alt geworden für die tägliche Mühe des Turmbesteigens, hatte um eine Lösung des Problems gebeten und ist mit Ehrungen aus dem Dienst entlassen worden. Die Sonne aber, lieber Herr Simon, das ist echte Zukunftsmusik und nur so eine Bloggerfantasie über Kirchturmuhren.
Herzlichen Gruß,
Horst Kasper
Kommentar by Horst Kasper — 17. Januar, 2008 @ 10:43 Uhr