Simons Systemische Kehrwoche

Konstruktivismus revisited

Tom Levold

Freischwebende Aufmerksamkeit: ich liege bequem auf der Couch, mein iBook auf dem Schoß (ein drahtloses Netzwerk macht es möglich), schreibe, meinem Versprechen treu, an meinem morgigen, also heutigen Beitrag und kommentiere zwischendurch die Kommentare zum heutigen, also gestrigen Blog.

Zur Abwechslung möchte ich heute einmal behaupten, dass alles, was ich schreibe, wahr ist. Zumindest möchte ich mich aber auf jeden Fall der Bemerkung enthalten, dass alles, was ich behaupten werde, nicht wahr, sondern natürlich nur konstruiert ist. Diese gebetsmühlenartig gebrauchte Aussage geht mir nämlich, simpel ausgedrückt, zunehmend auf den Geist.

Mittlerweile wird dem Konstruktivismus und seinen Gründungsvätern in Hunderten von Büchern und Aufsätzen auf ähnlich rituelle Weise Referenz erwiesen, wie man das aus der psychoanalytischen Literatur in Bezug auf den Gründervater Sigmund Freud kannte und immer noch kennt. Da möchte ich mit Fritz Teufel ausrufen: “Wenn’s der Wahrheitsfindung dient”. Der Kreativität dient es sicher nur begrenzt.

Dass mich diese Behauptung jetzt im Kreis der konstruktivistischen Kampfgefährten nicht komplett erledigt, liegt natürlich daran, dass ich jederzeit fest auf dem Boden des konstruktivistischen Grundgesetzes stehe – und damit rechnen kann, dass das den meisten auch klar ist. Aber das Grundgesetz gehört aus gutem Grund nicht zu meiner Bettlektüre. Es ist notwendig, richtungsweisend … und langweilig.

Die Erkenntnis, dass wir alle nur Beobachter sind, die Beobachter beim Beobachten beobachten, wird zwar vom größten Teil der Menschheit offensichtlich noch nicht geteilt und ist insofern ein unverzichtbarer Exportschlager systemischer Theorie, auch für den innersystemischen Diskurs ist sie als Material für die entsprechenden Initiationsrituale der Einführungskurse unverzichtbar (Ohne Frage!).

Als Gegenargument gegen eine Aussage mit Geltungsanspruch würde ich den Hinweis auf die Tatsache, dass es sich dabei nur um eine Konstruktion handelt, aber gerne für immer und ewig auf die Strafbank setzen. Rote Karte für Inhaltsleere! Dass Argumente Konstruktionen sind, ist zwar eine (in meinem Augen wahre) Beobachtung, taugt aber nicht zur Entkräftung des beobachteten Arguments, da in diesem Falle der Wahrheitsstatus von Argument und Gegenargument identisch ist. Auf der inhaltlichen Ebene kommen wir nicht umhin, für unsere Aussagen Geltungsansprüche zu erheben. Auch der Konstruktivismus bedient sich einer Wahrheitssemantik (die manchmal nur etwas konjunktivisch verkleidet daher kommt) und muss dies auch der Genauigkeit seiner Aussagen zuliebe tun.

Das wiederum halte ich keineswegs für ein Argument gegen den Konstruktivismus (nach dem Motto: Wein predigen und dann auch nur mit Wasser kochen!). Der Konstruktivismus kann uns helfen, die Kontingenz unserer Konstrukte zu erkennen und diese historisch und sozial zu relativieren, also in Beziehung (zu anderen Konstrukten, Personen, Kontexten) zu setzen. Das ist schon eine Menge. Die Idee, dass alles ohnehin “nur” konstruiert ist, es also womöglich auf Wahrheit nicht “wirklich” ankommt, führt, so befürchte ich, in erster Linie zu schwachen oder schlampigen Konstruktionen. Um konzeptuelle Schwindsucht zu vermeiden, müssen wir also argumentieren, “als ob” wir wahre Sachverhalte ergründen, gleichzeitig aber immer wieder diese Rahmung durch eine Beobachtung zweiter Ordnung vornehmen.

Wahrheitskonzepte, und das mag man bedauern, haben in der Evolution die besseren Karten gehabt. Die eigene Wirklichkeit für wahr zu nehmen, hat durchschnittlich den höheren Überlebenswert. Und die Affekte, nicht die Kognitionen, sind dabei die relevanten Wahrheitsindikatoren. Dass der höhere Überlebenswert angesichts der Tendenz der Menschheit, sich selbst und ihre Umwelt für Wahrheitsansprüche zunehmend aufs Spiel zu setzen, heute nicht mehr ohne Weiteres gegeben ist, ist auch klar. Weshalb der Menschheit vielleicht ein wenig mehr Konstruktivismus beim Überleben helfen könnte. Dennoch gilt: wenn die Betriebstemperatur steigt, ist es mit dem Konstruktivismus schnell vorbei (man denke etwa an Versammlungen konstruktivistisch eingestimmter Weiterbildungsinstitute oder Verbände).

Der konstruktivistische Diskurs in seiner bisherigen Gestalt scheint mir im Großen und Ganzen ziemlich ausdiskutiert zu sein. Aus diesem Grund verspreche ich mir weitere theoretische Entwicklungen eher aus der Pflege von Theorien, die sich aus so genannten Beobachtungen erster Ordnung speisen, den entsprechenden Rahmen 2. Ordnung haben wir ja. Und jetzt zitiere ich mich mal der Einfachheit halber selbst: “Eine konstruktivistische Theorie und Praxis müsste von ihrem Anspruch her in der Lage sein, über die Postulierung von Meta-Botschaften hinaus sich selbst zu beobachten, die Entwicklung eigener Positionen zu rekonstruieren und diese wiederum zu dekonstruieren, und damit gewissermaßen aus dem eigenen Theorie-Kapital Funken zu schlagen. Das hätte zur Voraussetzung, dass das theoretische Rüstzeug des Konstruktivismus aber nicht nur genutzt wird, seine eigene erkenntnistheoretische Ausgangslage immer neu zu formulieren, sondern auch dafür, empirische Zugänge zur Rekonstruktion der eigenen Wirklichkeitskonstruktionen zu eröffnen, die sich selbst ihrer Konstruktivität bewusst sind”.

Und das wäre dann ein Erkenntnisprogramm, das es ermöglichte, beherzt allen möglichen Fragestellungen nachzugehen, Aussagen mit Geltungsanspruch zu formulieren, ihre Konstruktivität zu erkennen und zu würdigen, ohne sich durch sie allzu sehr beirren zu lassen. Zum Beispiel auch der Frage, ob Papageien träumen…

Bookmarken bei
Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • TwitThis
  • Colivia
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Wikio DE

9 Kommentare

  1. Ja, da kann ich natürlich nur zustimmen. Ich glaube auch, dass wir (jeder für sich) es nicht dabei belassen können, auf der Meta-Ebene zu bleiben und uns um die Frage, wofür wir uns eigentlich stark machen wollen, wo doch alles nur konstruiert ist, drücken können.

    Mir hilft da ja immer die Unterscheidung zwischen Beschreiben (z.B. von wahrgenommenen Phänomenen), ihrer Erklärung (hier sind wir beim Konstruktivismus und der Systemtheorie, die wunderbare Erklärungen ermöglichen – was allerdings kein Freibrief für schlampige Argumentation ist, sondern ganz im Gegenteil: die Arena der Logik) und ihrer Bewertung (hier kommen wir ans Eingemachte, d.h. hier muss/kann/sollte jeder Stellung beziehen, welche Werte er denn befördern will oder im Gegenteil behindern will – da sind in erster Linie die Affekte gefragt und sie haben im Zweifel den höheren Stellenwert als die mehr oder weniger elegante Konstruktion von Erklärungen).

    Sich nicht auf objektive Wahrheit beziehen zu können, heißt ja nicht, nicht für seine eigene, selbst ausgesuchte oder anerzogene oder wo auch immer her bezogene Wahrheit kämpfen zu können.

    Das scheint mir gerade in der heutigen Zeit wichtig, vor allem im wirtschaftlichen Bereich, wo Marktfundamentalisten vollkommen schwachsinnige Theorien und Ideologien als wissenschaftliche Wahrheiten verkaufen und dann die mindestens ebenso blöden Politiker ihre Gesetze entsprechend machen lassen.

    Man darf diesen Leuten nicht unsere Wirtschaft und damit die Gestaltung unserer Gesellschaft überlassen… Wenn Gerd Schröder und Angela Merkel wie auch schon Helmut Kohl sich von Herrn Pierer beraten lassen, so ist das – ohne hier etwas gegen Herrn Pierer sagen zu wollen – bedenklich, weil hier jemand, dessen Job und Kompetenz es ist/war, für den Erfolg eines börsennotierten Konzerns zu sorgen, um Rat für ein System einer ganz anderen Funktiohns-Logik, das sich dementsprechend auch an anderen Werten orientieren muss, gefragt wird: einen Staat, eine Volkswirtschaft.

    Die Wirtschaftspolitik von Gerd Schröder ist gescheitert, weil er der “Genosse der Bosse” war… Top-Manager erweisen sich in der Politik einfach deswegen meist als inkompetent, weil der Staat kein Unternehmen ist und sie die Unternehmensdenke auf ihn übertgragen. Dass dabei “blöde Ergebnisse” herauskommen ist systemtheoretisch klar, trotzdem wohl kein Allgemeingut.

    Aber jetzt komme ich ins freie Assoziieren…

    Gruss, Fritz

    Kommentar by FBSimon — 30. August, 2005 @ 11:27 Uhr

  2. Liebe Blogheads,
    zur Besucheranzahl: Als ich vor kurzem hier ‘am Drücker war’ habe ich ein allgemeines Outing provoziert und 11 Menschen haben zugegeben, dass Sie damals diesen Blog besuchten. Aber, (kaum hält man eine Steigerung für möglich) es geht noch objektiver! Nicht nur wir Menschen konstruieren, unsere EDV-Programme tun es auch, und deshalb kann der Webmaster sich eine Statistik abrufen, wieviele PCs hier auf diesen Blog wann zugegriffen haben.

    Nun zur Frage, wem ‘wir’ die Gestaltung unserer Gesellschaft überlassen dürfen, und wem lieber nicht. Ich tendiere ja immer dazu, dass wir das am besten mir überlassen sollten. Aber so richtig überzeugen kann ich davon keinen einzigen Menschen, also seit einiger Zeit auch mich nicht mehr.
    Der entscheidende Punkt ist glaube ich das ÜBERLASSEN. Also metamäßig oder formal dafür einzutreten, dass da niemand grundlegende Entscheidungen nachhaltig jemand anderem überlassen muss. Da man das aber aktuell immer wieder doch tun muss, ist Demokratie ein Ringen, das man nicht mehr los wird, wenn man mal damit angefangen hat.
    Die formale Debatte um Demokratie speist sich denke ich wesentlich durch die inhaltliche Debatte. Und in der inhaltlichen Debatte gibt es wohl Themen, für die die Systemtheorie bestimmte Antworten nahelegt, und andere, wo sie eher indifferent ist.

    So, und jetzt interessiert mich, zu welchen Fehlern ein volkswirtschaftliches Konzept tendiert, das sich an (herkömmlicher!!) BWL orientiert? … Wenn man da mit der Systemtheorie Argumente entwickeln könnte (oder vorfände), wäre es den Aufwand wert, sie in die öffentliche Debatte einzubringen. Und da könnte die BWL wohl kaum ungeschoren davonkommen … Das ist eine große Frage, zu groß für mich jetzt, zu groß für den Blog, aber nicht zu groß, um hier drüber zu debattieren. Herzlichts, ps

    Kommentar by Peter Schlötter — 30. August, 2005 @ 14:23 Uhr

  3. Nur eine kleine Anmerkung dazu:
    Um für seine persönliche Wahrheit einstehen zu können, muss man diese zunächst einmal kennen. Und ich erlaube mir diesbezüglich Herrn Professor Simon recht zu geben, dass die persönliche Wahrheit viel mit den eigenen Affekten zu tun hat (so habe ich Herrn Professor Simon jedenfalls verstanden). Um eine persönliche Wahrheit auf der Grundlage der eigenen Affekte entwickeln zu können, muss man jedoch die Kompetenz besitzen 1.) die eigenen Affekte wahrnehmen zu können und 2.) als bedeutsam für das eigene Handeln bewerten zu können – was beides bei weitem keine Selbstverständlichkeit ist (nicht nur bei unseren Klienten/ Patienten). Gerade diese affektive Kompetenz kommt m.E. in systemischer Therapie zu kurz. Bekannterweise wird auf den Zugang zu den eigenen Affekten in etwa humanistischen Therapien sehr viel mehr Wert gelegt. Ich habe neben einer systemischen auch eine gestalttherapeutische Ausbildung absolviert. In der Gestalttherapieausbildung ging es viel um das Trainieren der Bewusstheit des eigenen Körpers/ der eigenen Affekte. Wir Ausbildungsteilnehmer haben uns darüber „selbsterfahrungsmäßig“ dann ausgiebig ausgetauscht. Solchen Austausch gab es in meiner IGST/HSI systemischen Ausbildung so gut wie gar nicht (wofür es natürlich auch gute Gründe gibt). Ein Effekt jedoch davon war/ist, dass ich zu sehr viel mehr Ausbildungsteilnehmern der Gestalttherapieausbildung noch Kontakt habe als zu KollegInnen meiner systemischen Ausbildung – einfach, so meine Hypothese, da der Austausch dort affektbezogener und damit persönlicher war. Auch wenn ich ab und an den Eindruck habe, dass in systemischen Kreisen Selbsterfahrung etwas abwertend belächelt wird, möchte ich für mehr affektive Selbsterfahrung in systemischer Ausbildung plädieren – einfach auch um auf festem Grund für persönliche Wahrheiten einstehen zu können.
    (Oh je, oh je, was für Assoziationsketten wieder: von Konstruktivismus zu Selbsterfahrung in Therapieausbildung)
    Jetzt aber wieder zurück zur Vorbereitung auf meine mündliche Promotionsprüfung – wo es auch um Affekte geht: Ängste bei Kindern und bei kindlichen Krebserkrankungen.
    Herzlichst
    Matthias Ochs

    Kommentar by Matthias Ochs — 30. August, 2005 @ 14:28 Uhr

  4. Lieber Herr Ochs,

    ja, es macht auch aus meiner Sicht einen Unterschied, ob Therapeuten sich auf Selbsterfahrung eingelassen haben oder nicht – gerade was die Nutzung der eigenen Affekte als Diagnostikum angeht, aber auch, um sich selbst auf die Schliche zu kommen (usw., ich brauche die guten Argumente dafür nicht zu wiederholen, sie sind allgemein bekannt).

    Ich habe aber meine Zweifel, dass das formalisierte Einbauen in Ausbildungscurricula immer zum Erfolg führt – auch wenn es die Wahrscheinlichkeit, dass künftige Therapeuten sich dann leichter auf diesen Weg begeben, erhöhen. Oft werden sie gerade in Ausbildungsorganisationen eben auch zum blossen Ritual oder auch zum Machtmittel usw.

    Dass es gute Therapeuten gibt, die nicht auf der Couch gelegen haben, und schlechte, die dort Jahre verbracht haben, weiss aber auch jeder. Allerdings muss ich gestehen, dass ich in meinem näheren kollegialen Umfeld (ohne hier Namen zu nennen) sehr wohl unterscheiden kann, wer eine eigene Therapie gemacht hat und wer sie dringend nötig hätte.

    Beste Grüsse, FBS

    Kommentar by FBSimon — 30. August, 2005 @ 15:29 Uhr

  5. Lieber Matthias Ochs,

    ich freue mich über Ihre Überleitung zum Thema Affekte und Selbsterfahrung. Ich teile auch Ihre Überzeugung, dass die systemische Therapie eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema Affekte vertragen kann. Allerdings würde ich gerade umgekehrt argumentieren wie Sie, wenn Sie schreiben: “Um eine persönliche Wahrheit auf der Grundlage der eigenen Affekte entwickeln zu können, muss man jedoch die Kompetenz besitzen 1.) die eigenen Affekte wahrnehmen zu können und 2.) als bedeutsam für das eigene Handeln bewerten zu können”. Leider werden aus meiner Sicht die meisten, und insbesondere viele schädliche “Wahrheiten” ohne ausreichende Wahrnehmung der eigenen Affektlage und Anerkennung ihrer Bedeutung für das eigene Handeln entwickelt, gerade dies verleiht ihnen oft eine empfundene “Objektivität”. Die differenzierte Wahrnehmung und Bewertung von Affekten könnte eher hilfreich sein, um den Konstruktionscharakter der eigenen Wahrheiten besser kennen zu lernen.
    Allerdings wäre auch dies ein Argument für eine Selbsterfahrung in der Therapie-Weiterbildung, denn auch für Therapeutinnen und Therapeuten sollte ein (selbst)kritischer Blick auf die Kontingenz der eigenen Wahrheiten und ihre affektiven Fundierungen zum Curriculum gehören. Der müsste natürlich dann auch den Lehrtherapeuten zur Verfügung stehen.

    Dass damit, lieber Fritz, noch kein Erfolg garantiert ist, versteht sich von selbst. Allerdings ist die Straßenverkehrsordnung auch noch keine Garantie für Unfallfreiheit. Letzten Endes geht es darum, ob der Nutzen von Formalisierungen größer ist als der Schaden, der damit bewirkt wird. Und was die Selbsterfahrung betrifft, so scheint mir nötig zu sein, dass es für alle Beteiligten ausreichende, dialogische Beobachtungs- und Reflexionsmöglichkeiten geben muss, um einen Machtmissbrauch zu verhindern oder zumindest thematisieren zu können. Und das müsste sich doch curricular verankern lassen?

    Kommentar by Tom Levold — 30. August, 2005 @ 21:46 Uhr

  6. Lieber Matthias Ochs, jetzt habe ich das Postscriptum vergessen: ich wünschen Ihnen eine gute und erfolgreiche Vorbereitung auf die Prüfung – mit einem Forschungspreis in der Tasche kann man das ja beruhigt angehen.

    Herzlich

    Tom Levold

    Kommentar by Tom Levold — 30. August, 2005 @ 21:51 Uhr

  7. D’ accord! Fritz

    Kommentar by FBSimon — 30. August, 2005 @ 21:52 Uhr

  8. Liebe Herren Ochs und Simon,
    Affekte Konflikte allenthalben, wollt hier eigentlich garnicht reinschauen und noch weniger was schreiben, aber egal – zu interessant. Vielleicht sag ich nichts Neues, aber ich glaube, dass Gene Gendlin mit seinem Begriff vom ‘felte sense’ sehr weiterhelfen kann (mir jedenfalls). Einen (genau besehen) Therapie-Schulen-freien Begriff, der den inneren Dialog beschreiben hilft, der mit introspektiver Wahrnehmung sich entwickelt. Aus diesem ‘gefühlten Sinn’ (könnte vielleicht nah beim Luhmann gefasst werden) entwickeln wir dann die expliziten Wahrnehmungen (nach Gendlins Terminologie), seien es Körperempfindungen, Gefühle, Bilder oder Gedanken/Worte. ‘felte sense’ ist also das Implizite davor, in dem aber irgendwie alles schon drinn ist, z.B. morgens beim Aufwachen, da war ein Traum, man hat aber nichts Explizites mehr. Säße aber ein Anderer am Bett und würde sagen: “Achso, wahrscheinlich bist Du mit einer Lokomotive über einen Kirchturm geflogen” – dann würde man höchstwahrscheinlich antworten: “Nein, das war es nicht!” … und das ist doch bemerkenswert, dass da etwas in einem sein soll, mit dem man hunderte von Möglichkeiten mit innerer Gewissheit klar diskriminieren kann, ohne dass es explizit wäre. Aus dem felte sense kann man häufig den Traum wieder explizieren, dazu braucht man, wie so oft, den Begriff auch garnicht zu kennen. Ich finde ihn hilfreich. Wenn auch für eine Promotionsprüfung vielleicht so wenig geeignet, wie systemisch angelegte Begriffe, es gibt konventionelle Professoren, die reagieren psychosomatisch da drauf … übrigens fände ich es mal eine starke Aufgabe, sich mit systemischer Denke ins Innere zu begeben, Psyche und so, Introspektion, propriozeptiver Sinn … gibt es sowas nicht schon? … muß mich jetzt losreißen hier. Schöne Grüße, ps

    Kommentar by Peter Schlötter — 30. August, 2005 @ 22:16 Uhr

  9. Herzlichen Glückwunsch! “Die Rahmung durch beobachtung 2. Ordnung ist ein wirklich unschlagbares Argument.

    Kommentar by Thomas Siefer — 2. September, 2005 @ 15:06 Uhr

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.

Mai 2012
M D M D F S S
« Apr    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  
Systemische Kehrwoche

nach Stichwort
Carl-Auer LebensLustCarl-Auer CompactCarls Klassiker-BibliothekCoachingFamilientherapie und FamilienforschungHypnose und HypnotherapieKinder- und JugendlichentherapieManagement / OrganisationsberatungOrganisations- und StrukturaufstellungenPaartherapiePhilosophie / Systemtheorie / GesellschaftPsychiatriePsychologie/PsychotherapieSystemaufstellungenSystemische MedizinSystemische PädagogikSystemische Soziale ArbeitSystemische TherapieTherapie und HumorVerlag für Systemische Forschung
HörBarLesBarBuchBar
AnsprechpartnerCarl Auer – Geist or Ghost?Jobs & PraktikaVerlag für Systemische ForschungSo finden Sie uns
Für AutorenBuchhandelPartnerbuchhandlungVeranstaltungenLinksProspektanforderungNewsletterGeschenkgutscheinE-Cards
AktuellesRezensionsexemplareUnsere VorschauVerlagsgeschichte