Systemisches im Blog?
Kersten Reich
Nach einer Kehrwoche lohnt ein Rückblick: Was bringt dieses Verfahren? Für den Autor sehr wenig, denn hier fehlt alles, was systemische Arbeit sonst ausmacht: Konkrete Beziehung, Gespräch, direkte Rückmeldung, Zirkularität, Körpersprache usw., d.h. insgesamt ein Kontakt, der erlebt und gelebt werden kann. Dies bringen keine ins Netz gestellten Texte und die wenigen Kommentare zeigen die Begrenztheit des Unternehmens. Bei Büchern haben Autoren wenigstens noch die Fantasie, dass sie gelesen werden und irgendwann eine Rückmeldung kommt, die eine Mühe belohnt oder einen weiteren Schritt fördert. Im Blog wartet man auf den nächsten Kommentar, der mehr und minder zufällig nach der gefundenen Seite reingestellt wird. Danke allen, die Kommentare gegeben haben! Aber meine Fantasie hat abgenommen, dass dies zu längeren Dialogen führt. Verschriftlichungen in dieser Form sind bei aller Schnelligkeit ihrer Online-Daseinsweise doch nur ein “rasender Stillstand”, denn sie stehen still, wenn wir miteinander sprechen sollten, um unsere Gedanken und Argumente zu verzweigen. Nur Verzweigungen werden helfen, Systemisches zu entwickeln.
These: Blogs bieten Verzweigungen in sehr einfacher Form. Für eine systemische Denkweise aber sind sie zugleich (zu?) begrenzt.
Vermutung: Das ist gut so, so scheint es mir. Ich stelle mir vor, dass viele im Gespräch sind, statt vor dem PC zu sitzen und Kommentare zu schreiben. So hoffe ich auf solche Gespräche, die ich gleich wieder führen werde, und lasse es mit dem Experiment in dieser Form verschriftlichen Stillstands vorerst sein.
15 Kommentare
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Lieber Herr Reich,
das klingt ja eher resigniert. Und ich will Ihnen entschieden widersprechen. Nicht nur der direkte Face-to-face-Kontakt kann m.E. als systemische Arbeit verstanden werden. Auch Texte haben oft eine erstaunlich infizierende Wirkung. Ich persönlich bin, wenn ich zurück blicke, wahrscheinlich mehr durch die Text mancher Leute als durch sie persönlich beeinflusst worden (zumindest war ich oft bitter enttäuscht, Autoren von für mich lebenswichtigen Texten persönlich kennen zu lernen; dies Körpersprache! Schrecklich! Und der Mundgeruch! Und trotzdem: Begnadete Texte, die nicht einmal durch ihre Autoren entwertet werden konnten).
Was solche Blogs angeht und ihre Wirkung, bin ich nicht so skeptisch wie Sie. Wahrscheinlich haben mehr Leute Ihre Texte hier gelesen als Ihre Bücher gelesen haben (welche Ihrer Texte werden denn von mehreren Tausend Leute jeden Tag gelesen? Von meinen jedenfalls keine…).
Auf jeden Fall lesen sie andere Leute. Auch wenn die Kommentare spärlich sind, es wird gelesen…
Man kommt in Kontakt mit den Gedanken von Leuten, denen man sonst nicht oder nur flüchtig begegnet. Für mich persönlich eine Bereicherung – auch ihre Texte…
Und die Rückmeldung, die ich bzw. der Auer-Verlag zum Blog bekommen, ist ähnlich positiv…
Beste Grüsse, FBS
Kommentar by FBSimon — 30. Oktober, 2005 @ 15:00 Uhr
Vielleicht täusche ich mich ja, aber ich glaube, dass die Blogs von sehr wenigen gelesen werden. Dies gilt nicht allgemein für das Internet, denn von meiner Methodenseite weiß ich, dass es in den letzten Monaten über 34.000 waren. Das ist mehr als Bücher in der Regel erreichen. Aber dort wird auch mehr Inhalt geboten.
Bücher habe ich ausgenommen. Hier glaube ich auch, dass die systemische Wirkung deutlich höher ist.
Aber Blogs? Wer liest schon Blogs? Und warum? Wie viele sind es denn pro Tag? Gibt es einen Zähler?
Ich freue mich über weitere Aufklärungen.
Kommentar by Kersten Reich — 30. Oktober, 2005 @ 18:01 Uhr
Warum nicht als Werbung in eigener Sache sehen?Jeder, der die Auer-Seite ansurft stolpert ganz oben über den Blog – Ihren Namen – und schaut mit einem Klick rein…lernt Sie so ein wenig kennen, denn nicht nur was Sie schreiben ist wirklich spannend (das natürlich auch, wobei ich zugeben muss, dass ich Ihre Ansicht nicht teile, denn mir scheint, dass wir uns nicht aufeinander beziehen, sondern einander wechselseitig gestalten, der Lehrer den Schüler und der Schüler den Lehrer, sonst wäre der Lehrer kein Lehrer und der Schüler kein Schüler – schon gar face to face…den Bezug lasse ich in schriftlicher Form durchaus gelten, denn da kommen die Linien und Beziehungen, wie mir scheint, auch her), sondern auch was Sie (hier) nicht schreiben…Als neugieriger Leser möchte man einfach mehr erfahren…und vertieft sich u.U. in die eine oder andere Überlegung. Schriftliches hat den Vorteil, dass man dichten und länger nachdenken darf – das kommt beim Sprechen meist nicht so gut, wirkt ein wenig überzuckert. Beste Grüße, AG
Kommentar by AG — 30. Oktober, 2005 @ 19:06 Uhr
Ich kläre morgen die Zahlen… Gruss, FBs
Kommentar by FBSimon — 30. Oktober, 2005 @ 20:56 Uhr
Lieber Herr Reich,
Sie sind etwas enttäuscht über die ausbleibende Resonanz aus dem pädagogischen Bereich. Verständlich! Ich zumindest hätte mich gewiss früher gemeldet, wenn mich nicht die Bockigkeit eines nagelneuen Notebooks quasi immer wieder lahm gelegt hätte. Ihre Blogbeiträge dieser Woche haben mich gleichwohl intensiv umgetrieben. Ich kann nur bestätigen, was Herr Simon schreibt (Hallo Herr Simon!).
Als schulischer Praktiker habe ich ehrlich gesagt mit einigen Ihrer Konstrukte meine Probleme und kann mir gut vorstellen, dass ich da nicht allein bin. Bei Niklas Luhmann lese ich im Vorwort zu seinem Buch Verantwortung (Ausgabe von 2000) von der „Kluft zwischen Theorie und Empirie“. Er nennt diese „unvermeidlich, aber nicht unüberbrückbar“. Ich denke, dass diese Schwierigkeit auch im pädagogischen Bereich und hier eben auch unter den Freunden des systemisch-konstruktivistischen Denkens auftritt und wünschte mir gemeinsame Anstrengungen.
Die schulische Wirklichkeit in Deutschland sehe ich im Übrigen nicht ganz so pessimistisch, sehe viele gelingende Beispiele und manche im Sinne von Beziehungsdidaktik aktive Praktiker(innen) am Werk, auch wenn diese nicht die Schlagzeilen bestimmen und vielleicht (noch) eine relativ kleine Minderheit sind. Aber ich kenne keine Reform, die von einer Mehrheit in Angriff genommen worden wäre. Reinhard Kahls „Treibhäuser der Zukunft“ oder Enja Riegels „Schule kann gelingen“ sind zwei Beispiele dafür, dass es sich um mehr als einige einsame Einzelkämpfer handelt. Auch die Originalität mancher erfolgreicher Ansätze ist erstaunlich. Auf einen habe ich in meinem eigenen Blog vom 12. August hingewiesen, als ich von einem Kollegen berichtete, den seine beiden Labradorhündinnen als eine Art beziehungsdidaktische Katalysatoren im Unterricht der Sekundarstufe I unterstützen…
Herzliche Grüße
Horst Kasper
Kommentar by Horst Kasper — 30. Oktober, 2005 @ 21:03 Uhr
Lieber Herr Kasper,
enttäuscht bin ich nicht. Blogs sind ein Experiment und ich habe nur ein eigenes Gefühl ausgedrückt: Man sitzt und schreibt und ein Feedback scheint mehr oder minder zufällig zu sein. Das iust für mich eine neue Erfahrung, denn hier erwartet man ja eine Art Feedback durch das Medium.
Was Sie über die schulische Wirklichkeit sagen, dass teile ich. Auch an Regelschulen gibt es immer wieder gute Versuche. Aber in der Mehrheit der Fälle bin ich kritisch. Das zeigen übrigens die neueren Untersuchungen zur Bildungsselektion in Deutschland sehr deutlich: Die Schere zwischen gefördert, weil sozial reich, und vernachlässigt, weil sozial arm, nimmt bei uns eben nicht ab, sondern zu. Statt die Schwachen zu fördern haben wir zunehmend Projekt für die Begabten.
Was meine Konstrukte betrifft, so möchte ich Sie einladen, sich näher mit ihnen zu beschäftigen. Mir melden sehr viele Praktiker zurück, dass sie etwas mit ihnen anfangen können. Als Werbung in eigener Sache:
Reich, K.: Systemisch-konstruktivistische Pädagogik. Weinheim u.a. (Beltz) 2005 (5. Auflage)
Reich, K.: KOnstruktivistische Didaktik. Ein Lehr- und Studienbuch mit Methodenpool auf CD. Weinheim u.a. (Beltz) 2005-6 (3. Aufl.)
Und: wenn Sie Verbesserungswünsche oder -vorschläge haben, dann freue ich mich über jede Rückmeldung.
Herzliche Grüße
Kersten Reich
Kommentar by Kersten Reich — 31. Oktober, 2005 @ 09:23 Uhr
Lieber Herr Reich,
nach Ihrer Antwort auf meinen Kommentar hatte ich kurz gedacht: daraus könnte nun ein spannender Dialog entstehen … und dann: das würde ja endlose Zeit-Investition für den Autor bedeuten … und so habe ich dann von Ihren Gedanken und Anregungen profitiert. Ihre Art des Bloggens, Fragen zu stellen und den Dialog mit den Lesern zu suchen, hat mir sehr gut gefallen – und Ihre Ausführungen waren, nomen est omen, bereichernd!
Freundliche Grüße!
Pia Mertens
Kommentar by Pia Mertens — 31. Oktober, 2005 @ 13:08 Uhr
Lieber Herr Reich,
in Ihrer Woche gab es 5402 Zugriffe auf Ihren Blog. Insgesamt waren es seit Start im Juni dieses Jahres 86491. Wenn man heute bei Tom Levold in seinem Systemagazin.de liest, dass dort insgesamt bislang 78 000 Zugriffe waren, so liegen wir nicht schlecht. Ich bezweifle sehr, dass Sie sonst 5402 Leute pro Woche (oder auch nur 771 pro Tag) als Leser haben… von solch grossen Schulklassen mal ganz abgesehen.
Beste Grüsse, FBS
Kommentar by FBSimon — 31. Oktober, 2005 @ 14:37 Uhr
Lieber Herr Simon,
danke für die Zahlen. Das sind sehr viele Leserinnen und daher täuschte mein Eindruck. Die Erwartung war, mehr Kommentare zu erhalten. Nun sind es hier aber bereits mehr Kommentare, als ich die Tage zuvor dachte. Das ist immerhin auch eine Erfahrung. Danke dafür.
In meinem Methodenpool mache ich diese Erfahrungen auch. Dort haben wir täglich über 500 neue User mit steigender Tendenz. Hier habe ich das Glück, wenigstens noch mit einigen sprechen zu können, denn das ist auch interessant, weil es die Angebote im Netz optimieren hilft.
Also liebe Leserinnen: Schreibt doch ab und zu einen Kommentar, um die Autorinnen zu erfreuen, zu verstören oder zu kritisieren.
Herzliche Grüße
Kersten Reich
Kommentar by Kersten Reich — 31. Oktober, 2005 @ 17:13 Uhr
Lieber Kersten Reich,
ich bin auch immer wieder überrascht, wenn ich sehe, dass täglich über 400 Leute das systemagazin aufsuchen – und ich dennoch vergleichsweise wenig direkte Rückmeldungen bekomme. Wenn ich sie mir aktiv hole, sind sie meist unbedingt positiv. Mir stellt sich die Frage: welche Beiträge machen Lust zum kommentieren? Im Sommer gab es in diesem Blog eine Phase intensiver Diskussion und Stellungnahmen, allerdings war die Zahl der Kommentatoren erheblich kleiner als die Zahl der Beiträge, auch da gab es einige Versuche, die stillen Leser zur Teilnahme zu verführen (mit kleinen Erfolgen). Dann gab es aus meiner Sicht eine Flaute. Sie haben das jetzt an diesem Wochenende vielleicht durchbrochen. Mir selbst geht es so, dass ich manche Beiträge einfach ob ihrer angenehmen Sprache und Darstellung genießen kann und durch einen Kommentar nicht stören möchte. Das kann ich dann aber schlecht in einem Kommentar darlegen. Andere Beiträge finde ich sehr persönlich, sie lösen dann vielleicht Freude oder Ärger aus, Affekte, die ich aber auch nicht schon aus sich heraus für mitteilenswert halte. Es gab aber auch Beiträge, die mir schon bei der Lektüre zu peinlich waren, als dass ich mich dazu hätte äußern wollen. Und dann gibt es plötzlich einen Anstoß durch irgendeinen Beitrag – nicht nur zur Rückmeldung (Zustimmung oder Unverständnis) an die AutorIn, sondern zu einer Stellungnahme, die vielleicht einen bestimmten Aspekt vertiefen oder ausleuchten, der Sache einen neuen Dreh geben oder sie grundsätzlich in Frage stellen kann.
Ich stelle also bei mir ganz unterschiedliche Motive fest, mich zu einem Blog-Beitrag zu verhalten, und nehme an, dass das für alle Anderen auch gilt (von der verfügbaren Zeit einmal ganz abgesehen). Ihr Warten auf den nächsten Kommentar habe ich selbst als Blog-Autor auch erlebt. Ich merkte dann, dass ich allein aufgrund der Tatsache, dass zeitnahe Kommentare sowohl technisch ermöglicht als auch gewünscht waren, Schweigen als Kommunikation auffasste (was es neben Ausdruck von Desinteresse, stillem Genuss, Indifferenz usw. auch sein kann). Das würde man bei einem gedruckten Text wohl nicht tun, weil da nur Zustimmung oder Ablehnung als Kommunikation Relevanzwert erhalten.
All dies scheint mir aber als Blog-Leser nur begrenzt kommunizierbar zu sein, außer man riskiert ein Höchstmaß an Redundanz und damit einhergehender Langeweile.
Ich helfe mir daher mit der Vorstellung des Blog als einer Art Gesamtkunstwerk, das für Betrachter vollständig begehbar ist und die Möglichkeit bietet, es durch die Begehung selbst zu verändern, und damit in gewisser Weise das Konzept der Autorenschaft (das ich in anderen Zusammenhängen hoch schätze) relativiert. Ich bin auch sicher, dass das Leseerlebnis im Unterschied zum Buch allein schon durch die bloße Möglichkeit, öffentlich “Halt” oder “Jawohl, genau” zu rufen, ein anderes ist. Vielleicht sind ja in der Phantasie der Leser ein Vielfaches an Kommentaren verfasst worden, als wir erahnen. Sich darüber zu verständigen, wäre allerdings sicher einen eigenen Blog-Eintrag wert.
Mir hat Ihre Woche allemal sehr gut gefallen.
Herzliche Grüße
Tom Levold
Kommentar by Tom Levold — 1. November, 2005 @ 01:42 Uhr
Lieber Kersten Reich,
etwa 3 Mal hab ich diese Woche ‘Zugriffe’ unternommen, aber nie zu mehr Zeit gefunden. Jetzt hab ich grad ein paar Minuten gefunden, die ich gleich hier ausgeben möchte.
Sie haben die Frage aufgeworfen, ob eine Teilnahme an einem Blog überhaupt was ‘bringen’ würde, ob da überhaupt jemand ‘zuhört’. Ein bischen ist das glaub ich wie an einem Stammtisch, es riecht blos anders. Aber die Welt bewegt man dabei vielleicht nicht, aber so sicher kann man sich dabei nie sein. Es gibt Blogs, die buchstäblich um die Welt gingen, manche haben Diktaturen furchtbar geärgert (oder auch demokratische Präsidenten wie Bush). Das ist für mich ein starkes Argument. Es kommt nur noch darauf an, ob man persönlich diese spezielle Art der Kommunikation (hin und wieder) mag oder nicht, weil geben tut sie es mittlerweile einfach. Und hier gibt es das mit ziemlicher Hartnäckigkeit, das ist doch was!
Dann hat mich noch Ihre Auffassung provoziert, mit den nicht arrivierten Therapiemethoden mache man sich bei uns strafbar. Da gehen Sie finde ich einen bedeutsamen Schritt zu weit … also so,
dass Zustände verharmlost erscheinen, in denen das wirklich der Fall ist, weil das ein anderer Zustand ist als heute in Deutschland, in Deutschland können heute alle möglichen nicht arrivierten Therapiemethoden praktiziert werden, gar an Universitäten gelehrt werden (das machen Sie und ich), ohne dass Lehrer, Therapeut oder Student/Klient vor den Kadi gezerrt werden. (Wir leben eben nicht in einer Gesellschaft wie dem Iran). Ich mache zum Beispiel seit Jahren focusing, Hakomi und Systemaufstellungen. Mit der Polizei habe ich dabei keinerlei Probleme. DAS IST NICHT EINFACH SELBSTVERSTÄNDLICH, finde ich.
… meine Minuten sind alle, meine durch Sie angeregten Gedanken nicht. Freut mich, Sie kennengelernt zu haben, so ein wenig,
herzlichst, Peter Schlötter
Kommentar by Peter Schlötter — 1. November, 2005 @ 02:20 Uhr
Lieber Herr Schlötter,
der Gedanke der Strafbarkeit bei Therapiemethoden stammt nicht von mir, er würde mich auch mehr als irritieren. Haben Sie das aus einem anderen Kommentar entnommen?
Herzliche Grüße
Kersten Reich
Kommentar by Kersten Reich — 2. November, 2005 @ 10:23 Uhr
Sehr geehrter Herr Reich,
da haben Sie mit ihrem letzten blog ja offensichtlich doch noch etwas losgetreten (zumindest was die Häufigkeit der Kommentare anbetrifft).
Zu Ihrem Text: die Zahlen sprachen schon eine gewisse Sprache und stellen sich einer gewissen Enttäuschung entgegen. Und, bewirken sie da auch etwas???
Wenn schon Ihre blogs scheinbar nichts bewirkten, bewirkte ihre Enttäuschung doch etwas, und das ist doch schon was.
Und: ich kann mich ja ganz persönlich entschuldigen (stellvertretend für die vielen ausbleibenden Kommentare): ich verfolge die Kehrwoche aufmerksam, seit ich von ihr weiß, und nachdem ich Frau Dr. Beer viele Kommentare geschrieben habe (weil ich sie kenne) und Herrn Fritz B. Simon (weil es mich herausgefordert hat), habe ich meine Schreibe erst einmal eingestellt, weil ich nicht den Eindruck erwecken wollte, ich sei der personifizierte Kehrwochen-Stalker. (ich glaube immerhin daran, daß hier kräftig gelesen wird und habe folglich befürchtet aufzufallen).
Zum Wirkungsgrad: So dachte ich immer, genau so funktioniert das doch: Sie entlassen etwas in die Welt(offensichtlich mit einer Idee oder Intention oder einem Wunsch) und es wird daraus, hat es nur schon Ihre Feder verlassen, was auch immer daraus wird (ein Sturm in China, eine Idee für eine Promotion, ein abendliches Thema am Stammtisch der niedersächsischen Konstruktivisten….) Öfter sicher etwas, das der Grundidee entgegensteht, aber immer irgendetwas.
Und: wie grund-systemisch (in meiner Auffassung): durch die Wahl des Mediums schon gar nicht mehr die Illusion nähren, Inhalte, Ideen, Gespräche, Bücher würden realer (und damit höher im Wirkungsgrad), wenn sie realer, körperlicher etc sind.
Oder: natürlich, Sie kommen dabei zu kurz (keine direkte Rückmeldung, kein Gespräch, keine körperliche Reaktion…), ihre Ideen dagegen….
Immerhin scheint dieser vielleicht nüchtern klingenden Idee entgegenzustehen, daß der Systmiker an sich eine Neigung hat, Enttäuschungen, die aus den Implikationen seiner Theorie sich ergeben können ein gewisses Maß an Trost entgegenzubringen (wenn ich eingige der hier versammelten Kommentare als Trost verstehen will).
Ich persönlich war froh, daß die Zahl der wenigen Kommentare die Chance auf eine Beantwortung meiner Kommentare erhöht hat (die Sache mit dem Perspektivenwechsel und dem Weniger-ist-mehr)
Ich darf Ihnen danken, denn Dialog ist entstanden (auch wenn Sie das gar nihct mehr mitbekommen haben)
und sicher hat es Sinn gemacht (wie die Zahl der Kommentare zum letzten blog anzunehmen erlaubt) ab und zu mal in guter Kasperle-Manier nachzufragen: seid ihr alle da??
Meint
als aufmerksamer Theater-Besucher
Robert Wagner
Kommentar by Robert Wagner — 3. November, 2005 @ 14:54 Uhr
Hallo Herr Levold,
auch mich hat interessiert, welche Beiträge Lust zum kommentieren machen. Überhaupt finde ich die schnelle weltweite Verbreitung des Bloggens eine sehr interessante Angelegenheit. Inzwischen laufen manche sehr bewegte Blogs den eher statischen Homepages den Rang ab. Da hörte ich neulich, dass ein freiberuflicher (Nichtkassen-)Therapeut auf seinen Blog, allein schon aus Aquisegründen, in Zukunft kaum mehr verzichten kann. Kurzum ich hab mich in ein paar Mußestunden in verschiedenen thematisch nahen Blogs umgeschaut – und festgestellt: Da sind zum einen die offenen Fragen, die zum kommentieren reizen. Und es sind provokante Thesen, die dazu verführen aus der Deckung zu kommen.(siehe diesen Beitrag) Auf jeden Fall sind es Beiträge, die eher einer Einladung nahekommen, als einem (autistischen) Statement.
In diesem Sinn offene Grüsse
von Christian Meir
Kommentar by Christian Meir — 3. November, 2005 @ 19:32 Uhr
Lieber Kersten Reich,
da habe ich doch tatsächlich einen Bock konstruiert und dann erschossen. Hab mir schon gedacht, dass Sie nochmal reinschauen und antworten. Ich hatte Ihnen den Kommentar von Jürgen Kriz angedichtet, meine mangelnde Sorgfalt tut mir leid.
Jürgen Kriz, 29.10, Nr.5:
“Alles andere ist hierzulande “unwissenschaftlich” und daher nach dem Gesetz keine Psychotherapie – bzw, wer z.B. Gestalttherapie oder systemische Therapie in PSychotherapie-Praxen durchführt, macht sich strafbar (!)”
Also nichts für ungut und herzliche Grüße
Ihr Peter Schlötter
Kommentar by Peter Schlötter — 3. November, 2005 @ 20:11 Uhr