Simons Systemische Kehrwoche

Tagträume

Elisabeth Reitinger

Liebe Leserinnen und Leser!

Gedanken und Bilder ziehen durch meinen Kopf und phantasieren eine Welt, in der es keine „Kanzlerduelle“ gibt, wo Wahlkampf nicht mehr nötig ist. Der Wahnwitz emotionalisierter Streitgespräche, in denen es vor allem darum geht, den oder die GesprächspartnerInnen als LügnerInnen oder sonst wie schlechten Menschen zu beschimpfen, findet sein Ende. In denen es darum geht, möglichst viel Zeit als eigene Redezeit zu gewinnen, unabhängig davon, was eigentlich Thema ist und wovon der oder die andere gerade spricht. „Hate speech“, in der über Sprache (bewusst) Verletzungen zugefügt werden, in der rassistische, fremdenfeindliche und andere angstmachende Botschaften die Welt vergiften.

Alle würden sehen, welche unnötige Zeit- und Geldverschwendung durch diese Art von Inszenierung geschieht. Zeit und Geld und Energie, die sinnvoll vielleicht zur Weiterbearbeitung drängender gesellschaftspolitischer Fragen verwendet werden könnten.

Wie aber kann es in einer Demokratie um die Qualität von Entscheidungen gehen, wenn alles, was zählt, ist, möglichst viele Menschen als WählerInnen zu gewinnen? Wo es also rein um die Quantität gehen muss. Nicht, dass mir meine Träume auch verraten, was denn anderes zu tun wäre. Im Großen, in den Argumenten der Zahlen, bleiben sie ratlos.

Im kleineren, den qualitativen Beobachtung zugänglichen Welten, gibt es glücklicherweise in der Realität schon mehr, als meine Tagträume in ihren freien Assoziationen veranschaulichen können. Auf der Suche nach neuen Formen, finden sich schon gut entwickelte und sich entwickelnden Bewegungen. Als „zivilgesellschaftliche“ benannt, bauen sie auf bestehenden Ressourcen auf und bringen über Beziehungen Menschen mit ähnlichen Problemen oder Lebensperspektiven zusammen.

Jüngst erste lernte ich „SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil“ als Netzwerk von Menschen kennen, das sich für einen genussvollen Lebensstil einsetzt, der nicht auf Kosten späterer Generationen oder Menschen anderer Erdteile gehen soll. Was dann in der Selbstanwendung beginnt und in manchem auch recht einfach ist!

Damit nun findet meine Woche im Netz ihr Ende, ich danke allen, die über das Lesen der Zeilen in der einen oder anderen Form mit mir in Kontakt getreten sind und wünsche Ihnen und Euch noch einen schönen Sonntag Abend!

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