Simons Systemische Kehrwoche

Gespräch mit guten Freunden

Peter Schlötter

Ob ein Mensch des 21. Jahrhunderts Beratungsbeziehungen braucht, ist durchaus umstritten. Vertreter der sogenannten wissenschaftlichen Therapiemethoden mit Kassenzulassung tendieren zu der Antwort: Im Prinzip nein, es sei denn der Mensch ist krank. Wenn man sowas nötig hat, sei man krank. Sonderbare Ansicht. Immerhin ist ja unbestritten, dass Menschen auch im 21. Jahrhundert Freunde brauchen, und niemand bringt dies Brauchen ernsthaft mit irgendeinem Defizit in Verbindung.

In den 70er Jahren wurden bei Carl Rogers im großen Stil Therapie-Settings untersucht mit dem für Therapeuten vielleicht deprimierenden Ergebnis, dass die untersuchten Lebensprozesse in ihrem Verlauf weder auf einzelne Methoden noch auf die Therapeuten signifikant zurückgerechnet werden konnten. Ausgesuchte Laien waren genauso ‘gut’ wie die Therapeuten.

Nun mag man die Studie anzweifeln, darum geht es mir nicht. Den Wert eines Gesprächs mit guten Freunden wird niemand anzweifeln wollen, vielleicht nicht mal das, dass man dies hin und wieder braucht. Und ich möchte keineswegs therapeutische Beziehungen und Freundschaftsbeziehungen in eins setzen – um Himmels Willen nein! Das ist schon als Vorstellung schrecklich. Aber mal genauer zu überlegen, wie Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden kommunikativen Prozesse beschrieben werden können und auf welche Unschärfen man dabei trifft, das denke ich mir als einen fruchtbaren Prozess.

Wie beispielsweise kann man ein Selbstgespräch, z.B. mittels Tagebuch, von einem Gespräch mit einem guten Freund unterscheiden? Oder wie kann man eine Kommunikation hier im Carl-Auer-Blog von einem Gespräch mit einem guten Freund unterscheiden? Spielt die reine Anzahl von Freunden (Möglichkeiten für (unterschiedliche) Gespräche) eine Rolle? Spielt die Anzahl der Blog-Partner eine Rolle?

Momentan habe ich mehr (wie ich finde) brauchbare Fragen zu bieten als irgendwelche Antworten, und seien es unbrauchbare. Manchmal mache ich mir weniger Gedanken, als dass ich mir Fragen stelle – jetzt grad ist so ein manchmal.
Geichwohl grüße ich alle sechs+Leser herzlich
Peter Schlötter


blog – – blog – – blog – – blog – – blog – – blog – – blog


Und nun noch das selbstreferenzielle Gewinnspiel – Wie viele sind wir?.

Wer es gewinnt, erhält den Film über das Forschungsprojekt zu Systemaufstellungen “Vertraute Sprache und ihre Entdeckung” (VHS-Version) gratis zugeschickt. Es geht dabei schlicht darum, abzuschätzen, wie viele Teilnehmer/Leser momentan an diesem Forum beteiligt sind. Auf diesem Weg wird aber auch das Selbstbild dieses Kommunikations-Forums transparent gemacht.

Spielregeln: Raten Sie einfach die Anzahl derer, die ab heute bis zum Samstag den 30.7.05 – 24 Uhr in diesem Forum einen Kommentar absetzen. Wer mehrmals kommentiert, wird für das Spiel aber nur einfach gezählt. Gewonnen hat, wer die hinterher sich herausstellende Teilnehmeranzahl als Erste/r richtig geraten hat. D.h. eine Zahl, die bereits jemand anderes geraten hat, lohnt sich nicht nochmal hier anzugeben. Die Teilnahme geht so: vervollständigen Sie den folgenden Satz einfach als Kommentar, in dem Sie schreiben: GEMÄSS MEINEM BILD VON UNS SIND WIR –…–

Ich werde am Ende meiner zukünftigen Beiträge immer den aktuellen Stand und die bereits ver-ratenen Zahlen bekannt geben:

TEILNEHMER: –6–
VER-RATENE ANZAHLEN: – 8, 11, 14, 17, 25, 31–.

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3 Kommentare

  1. Zum Kommentar von Gerd Bauer von gestern:
    Lieber Gerd Bauer, das von Ihnen genannte “Referkeltieren” ist wohl eine orthographische Fehlleistung mit der Freud nichts zu tun haben möchte. Aber dies nur nebenbei, weil ich’s so interessant finde.
    Sie werfen die Frage auf, ob das initierte Gewinnspiel ein Paradox sei. Im Brockhaus finde ich: Ein Widerspruch zweier beweisbarer Thesen, oder, ein scheinbarer Widerspruch (in der Physik). Ich glaube für die erste Ihrer Fragen kann man klar mit ‘ggf. ja oder nein’ antworten. Also Kontingenz folgt allemal. ‘Im Event’ sein kann man als im weitesten Sinn Spaß haben wollen verstehen, und das KANN durchaus dem Interesse an Reflektion zuwiderlaufen, muß aber nicht.
    Aber Ihre zweite Frage (“Oder wird es erst eins, wenn ich – wie gerade eben – darüber reflektiere ob das ein Paradox ist?”) muß(!) mit nein beantwortet werden, sofern Sie diese Frage GERNE aufgeworfen haben – find ich schon. Weil dann haben Sie für sich das Reflektieren zum Event gemacht, und das ist dann ein lebendes Beispiel für einen sehr harmonischen Einklang zwischen zwei Aspekten, die auch als unvereinbar erlebt werden könnten. Wenn Sie allerdings Ihre zweite Frage voll Verzweiflung und Zorn quasi hingeschleudert haben, dann wäre Ihr Verhalten paradox zu nennen (Das wäre dann ja: Sich eventmäßig ärgern). Daraus folgt: Wenn Sie für uns Leser Ihre subjektive Befindlichkeit beim bloggen der Frage noch nachliefern, dann können wir sie gewissermaßen objektiv mit Logik beantworten (Wenn ich mich da nich’ mal zu weit aus’m Fenster lehne).
    Ihre implizite dritte Frage, ob nämlich diejenige Reflektion, die auf das wirkliche Leben spürbar eine Wirkung erzeugt, eher durch den Bauch ihre Schleifen zieht, als durch den Kopf – diese Frage finde ich mit Ernst betrachtet eine der bedeutsamsten hier. Erstens ist damit behauptet, dass der Bauch überhaupt eine Rolle beim Referkeltieren (sorry) spielen kann, und damit ist der Mensch als Ganzkörperphänomen in unser Selbstbild eingeführt.
    Und zum Zweiten ist damit ein Primat des Bauches für das ‘wirkliche Leben’ behauptet, und das finde ich bedeutsam, aber problematisch. Als Teil der schwingförmige Bewegung (des gewissermaßen öffentlichen Bewußtseins), nun im Gegenlauf zur tradierten Auffassung vom Primat der linken Gehirn-Hemisphäre, kann ich mich mit solch einer Auffassung gut anfreunden. Aber der Körperteil, der explizit denkt, wird damit geringgeschätzt – und ich habe meine Zweifel, daß es dem Bauch gut geht, wenn der Kopf so am Rand steht (Systemaufstellung als Metapher) (aber sonst bin ich kein Freund von ‘Organaufstellungen’).

    Wie auch immer, herzliche Grüße, Peter Schlötter

    Kommentar by Peter Schlötter — 29. Juli, 2005 @ 22:37 Uhr

  2. Lieber Peter Schlötter – gemäß meinem Bild von uns sind wir 9 – ich habe den Film allerdings auch schon… herzliche Grüße MW

    Kommentar by Martina Weber — 30. Juli, 2005 @ 01:49 Uhr

  3. Lieber Peter Schlötter,

    seit etwa zwei Wochen freue ich mich (wenn auch Schreibkommentar-still) auf den tägliche Kehrdienst! Und vergnüglich, anregend oder nach-denkenswert finde so manche Bemerkung oder Frage.
    Doch das Spiel ruft auf …
    Gemäß meinem Bild von uns sind wir 19.
    Herzliche Grüße
    Karin Bustert

    Kommentar by Karin Bustert — 30. Juli, 2005 @ 11:08 Uhr

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