Simons Systemische Kehrwoche

Mondschein und Discolichter

Susy Signer-Fischer

Samstagmorgen, wir sitzen gemütlich am Frühstückstisch in der Ostschweiz. Draussen scheint die Sonne, blauer Himmel, unten im Tal liegen zwischen den Bäumen kleine Bodennebel.

Samstag ist der Tag und die Nacht für die Familie, das Paar und um mit anderen Leuten zusammen zu kommen und um aus zu gehen. Am Freitagmorgen kam der 23 jährige Mitarbeiter, der mindestens ein Mal pro Woche noch als Discjockey arbeitet und erzählte, dass ihm das Aufstehen an diesem Morgen trotz wenig Schlaf leicht fiel. Seine Kollegin, 26 jährig fand, dass sie solche Nächte bis vor kurzem auch leicht verdauen konnte, aber jetzt habe sich das geändert.

Jetzt ist Herbst, Zeit wieder mehr häuslich zu werden. Die Saison der indoor Konzerte, Theater, Kinos und des Tanzens. Die meisten freuen sich aufs Wochenende. Die einen treffen Leute im Chatroom, andere sie im Ausgang.

Es gibt verschiedene Arten sich zu freuen. Es kann heissen endlich Wochenende. Manche Leute befinden sich in einer Lebensphase, in der sie den Alltag, Arbeits- oder Schulalltag kaum aushalten. Die Woche mit 5 x 24 Stunden wird hinter sich gebracht. Leben findet nur am Wochenende statt. Dann lasten auf diesen zwei Tagen so viele Erwartungen. Sie werden möglichst dicht verbracht, sei es mit Alkohol, Drogen, exzessives Tanzen, von einem Event zum nächsten hasten, viele Leute antreffen ohne wirklich mit ihnen in Kontakt zu kommen. In diesem Fall kann es sein, dass die Wochentage vergeudet sind. Ins Wochenende wird so viel gepackt, dass es nicht mehr zu verdauen ist. Oder es wird dazu missbraucht, den Alltag zu vergessen, ihn zu vernebeln.

Die andere Art, juhui Wochenende, sich aufs Wochenende zu freuen beinhaltet die Befriedigung eine gute, vielleicht anstrengende Woche gemeistert zu haben. Nun kann man sich Zeit nehmen um aus zu schlafen, Dinge zu erledigen, die sonst zu kurz kommen und miteinander Zeit zu verbringen. Die jungen Kollegen erzählen, dass sie sich am Abend und in der Nacht meist allein oder zu zweit in einer Gruppe bewegen. Die Verabredung geschieht zwei bis drei Tage im Voraus, meist mit einer Person oder einem Paar. Jedes bringt noch Leute mit, die vielleicht zwischen durch angerufen haben. Wenn sich die Gruppe trifft, kann die Gruppengrösse zwischen zwei und zehn Personen variieren.

Paare mit kleinen Kindern und oder auch Schulkindern müssen manchmal grösseren Aufwand betreiben, um sich als Paar einen Ausgang zu ermöglichen. Es ist eine gute Möglichkeit nach draussen und unter die Leute zu kommen.

Natürlich gibt es auch die gute Möglichkeit, den Tag und den Abend allein zu verbringen und sich aus zu ruhen. Am Tag ist auch Zeit allein oder in der Gemeinschaft Sport zu betreiben, Wanderungen zu unternehmen oder etwas anderes zu tun.

Was machen wir wohl heute Abend? Manchmal verabreden wir uns mit Leuten, die gerade anrufen und manchmal treffen wir Bekannte und Unbekannte am Ausgangsort an, führen Gespräche, haben es einfach lustig und gemütlich zusammen. Viele Samstagabende sind verplant mit Einladungen oder Veranstaltungen.

Heute könnten wir zu einer Metzgete gehen, ein Volksmusikkonzert hören oder ein Theater besuchen. Wir entscheiden uns für eine Älplerchilbi mit Musik und Tanz. Wir werden am Abend dorthin wandern und nachts im Schein der Stirnlampen, Mond und Sterne zurückkehren. Bei diesem Wetter wird es nicht Discolicht sondern die zunehmende Sichel des Mondes sein.

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4 Kommentare

  1. Liebe Frau Signer-Fischer,

    was ist eine Metzgete? Und was eine Älplerchilbi?

    Beste Grüsse von einem neugierigen Leser…, FBSimon

    Kommentar by Fritz B. Simon — 9. Oktober, 2005 @ 10:21 Uhr

  2. Lieber Herr Simon
    Im Frühsommer gehen die Älpler mit ihren Tieren auf die Alp. Sogenannte Alpsauen werden mitgenommen und den Sommer durch gemästet mit den Abfallprodukten der Käseherstellung. Sprichwörtlich ist das gute Fleisch dieser Alpschweine. Eine Metzgete im Herbst wird im Umkreis bekannt gemacht. Der Alpwirt gemeinsam mit dem Metzger bereiteten feine Köstlichkeiten für den Esstisch vor (Kotletten, Blutwürste serviert mit Apfelmus, Leberli…).

    Älplerchilbi: Das ist ein gemütliches Fest der Älpler mit Volksmusik (live), Tanz, Speis und Trank.
    Nun hoffe ich, dass ich Sie ein wenig “gluschtig” gemacht habe für Ihre nächsten Herbstferien, kombiniert mit Wandern in dieser schönen Gegend.
    Herzliche Grüsse Susy Signer

    Kommentar by Susy Signer-Fischer — 9. Oktober, 2005 @ 10:48 Uhr

  3. Liebe Frau Signer, lieber Herr Simon,

    es ist einfach zu reizvoll, den Sprachunterschieden zwischen dem Alemannischen und dem Hochdeutschen noch etwas ergänzend nachzuspüren. Das Wort Metzgete könnte man ja auch schlicht mit Schlachtfest übersetzen. Aber es ist natürlich im Toggenburg oder in Appenzell noch einmal etwas ganz anderes, zumal im schönen Herbst. Da ist Musik drin, und was für eine. Im Gegensatz zu den Machwerken deutscher Fernsehvolksmusiks”feste” handelt es sich um wirklich altes Kulturgut mit mindestens einem “örgeli” (das ist die spezielle Schweizer Harmonika) und dem Bass (Bassgiige)als unverwechselbaren Klangkörpern neben dem Giigli (Geige) und dem einen oder anderen Blasinstrument. Da scheint die Welt wirklich noch in Ordnung!

    Von einer Metzgete spricht der Alemanne aber auch bei einer verunglückten Operation durch einen Möchtegernchirgurgen (aus der Zeit vor Einführung der minimalinvasiven “Eingriffe” mit der Schlüssellochchirurgie), also an das Gemetzel erinnernd. “Das isch vielliicht e Metzgete gsi!” (Das war ein Gemetzel).
    Wer schließlich (lieber Herr Simon, Sie haben sich mal als Vielfernseher geoutet) schon mal den Werbespot mit Uwe Ochsenknecht gesehen hat, wie er inmitten von Appenzeller “Töchtern” (so nennt man dort züchtig die schönen Mädchen)den Appenzeller Käse genossen hat, der ahnt, welche Gaumenfreuden außer der Metzgete in der Ostschweiz noch zu Hause sind und vor allem, dass sie manche Geheimnisse bewahren müssen.

    Chilbi heißt in Ihren Regionen, lieber Herr Simon, schlicht Kirchweih. Aber es klingt doch einfach viel schöner mit dem alemannischen “Ch”-Laut aus dem Rachen. Vielleicht sind Sie nun noch etwas “gluschtiger” auf Frau Signers wunderbare Heimat.

    Herzliche Grüße
    Horst Kasper

    Kommentar by Horst Kasper — 9. Oktober, 2005 @ 19:21 Uhr

  4. Danke, Ihnen beiden. Auch wenn ich es im Moment eigentlich gar nicht passend finde, dass mir das Wasser im Munde zusammen läuft…

    Herzliche Grüße, FBS

    Kommentar by Fritz B. Simon — 9. Oktober, 2005 @ 21:54 Uhr

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