Simons Systemische Kehrwoche

1,54 Promille

Fritz B. Simon

Die oberste deutsche evangelische Kirchenfürstin hat unter Alkoholeinfluss eine rote Ampel überfahren…

“Wer ohne Sünde ist, werfe die erste Flasche!”, sagt Jesus. “Und der Ampel ist ja auch nichts passiert…”, sagt der wohlmeinende Durchschnittsbürger.

Aber, so die Frage, sollte sie nicht trotzdem zurücktreten?

Ich persönlich finde Frau Käßmann sympathisch, denke aber, dass sie die Konsequenzen ziehen muss und ihr Amt zur Verfügung stellen sollte.

Erst wenn das geschehen ist, kann die evangelische Kirche sich entscheiden, diesen Rücktritt anzunehmen oder nicht anzunehmen… Die Sorge sollte hier nicht so sehr der Amtsinhaberin gelten, sondern der Nicht-Beschädigung des Amtes.

Wenn man ein öffentliches Amt inne hat, dann ist es eben keine Privatsache mehr, Gesetze zu übertreten…

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14 Kommentare

  1. Ja, da bin ich voll bei Ihnen.
    Trotzdem bewegt mich die Frage, wie eine Frau, in ihrer Position und mit ihren Erfahrungen solch eine Situation zulassen kann.
    Meine Vermutung:
    Ich bin Führungskraft, lasst mich hier raus!

    Kommentar by es — 24. Februar, 2010 @ 12:38 Uhr

  2. Ich habe immer noch eine frische Erinnerung daran, wie es unserem Gemeindepfarrer erging, als sein Seitensprung bekannt wurde. “Quod libet Iovi, non licet bovi”?

    Kommentar by Stephan — 24. Februar, 2010 @ 12:44 Uhr

  3. das ging ja schnell: http://www.spiegel.de/…und konsequent!

    Kommentar by tomte — 24. Februar, 2010 @ 16:25 Uhr

  4. Man sollte vorsichtig sein,
    welche Maßstäbe man aufstellt.
    Man könnte an Ihnen gemessen werden.

    Die Frau hat einfach eine originelle Art,
    die Vertrauensfragefrage zu stellen,
    mag mancher denken.

    Warum sollte ausgerechnet den Berufspharisäern mehr Narrenfreiheit eingeräumt werden als den Durchschnittssündern? Das frage ich mich.

    Vielleicht lohnt es, sich zu erinnern,
    dass einige unserer bundesdeutschen Narrenkappenwürdenträger
    im Suff schon ziemlich viel Schaden angerichtet haben.
    Für mich eher ein Synonym für das Verständnis von Verantwortung,
    wie es in luftigen Etagen himmelwärts gern gepflegt wird.

    Kommentar by Max Liebscht — 24. Februar, 2010 @ 16:38 Uhr

  5. jajaja stimmt sicher alles; ich bin eh katholisch und darf wärend der fastenzeit enten (=wassertiere, fast fische) essen und nach dem saufen feste im Beichtstuhl ausatmen (blasen nur bei der Polente) bis der Pfarrer rauskippt, aber die arme Margot tut mir so leid. Wegen der würde ich fast wieder anfangen wollen, was zu glauben, vielleicht an die Liebe oder sowas. Ich kann mir einfach nicht vorstellen wie sie in Hannover Innenstadt (ok, was soll man da sonst machen?) mit einem Begleiter sich die Lütje-Lage eine nach der anderen, quasi alleine, reingeschossen hat um dann mit einem Begleiter weg zu fahren. Wer war da eigentlich noch, der ihr vielleicht ein Taxi hätte einreden oder bezahlen, den Schlüssel wegnehmen oder sonstwas machen können, so diese Anderen es denn wirklich hätten tun wollen … Also Feinde hatte sie sicher und (merkt ihr’s ?) ich bastele mir gerade eine herrliche Verschwörungstheorie. Ach Margot, wäre ich nur da gewesen. Bei Dir!

    Kommentar by Stephan Walderdorff — 24. Februar, 2010 @ 19:50 Uhr

  6. Reife Leistung von Frau Käßmann, aus Verantwortung die Macht loszulassen. Das ist wahre Freiheit.

    Ich wünsche mir Frau Käßmann als Bundespräsidentin.

    Kommentar by E.B. Far — 24. Februar, 2010 @ 19:59 Uhr

  7. Etwas Sorge sollte der Amtsinhaberin aber schon auch zukommen: mit Blick auf Vancouver würde ich vermuten, dass die gute Frau nicht schlecht trainiert ist, wenn sie mit 1.54 Promillen noch auf der richtigen Seite eingestiegen ist…

    Kommentar by Löffel — 24. Februar, 2010 @ 20:15 Uhr

  8. Ob man/frau im öffentlichen Amt ohne Rücktritt Gesetze übertreten darf, ist ein Frage.
    Mich bewegt aber eher die andere Frage: warum hat ihr vorab niemand geholfen? Wer mit 1,5 Auto fährt und erst durch das Überfahren einer roten Ampel auffällt, der hat doch wahrscheinlich ein Alkoholproblem (und damit meine ich nicht eine akute Lütje-Lage-Intoxikation). Das entspricht doch eher dem Muster “jeder darf saufen, problematisch wird es erst, wenn man/frau aus der Rolle fällt”. Und solange nichts passiert, wird´s toleriert.

    Kommentar by Martin Hörning — 24. Februar, 2010 @ 20:31 Uhr

  9. Oh Ihr Kleingläubigen!
    Natürlich erwartet man wieder nichts weniger als dass Gott aus seinem wohlverdienten Urlaub extra herkommen und wegen so einem Käs hätte eingreifen sollen.
    Wenn er keinen Bock hat, sich noch mal auf die gottverlassenen Niederungen herabzubegeben, so liegt es doch bloß in der Logik der Sache, dass speziell die größten Sünder am meisten geprüft werden! Also diejenigen, welche am meisten Gelegenheit haben zu sündigen, werden auch am meisten versucht. Ist doch konsequent, oder?

    Und wozu schließlich hat er die ganzen Leitsätze und Verfahrensrichtlinien hinterlassen hienieden? Doch wohl, um im Sinne von Empowerment die Leute dahingehend zu befähigen, selber Gottes Ratschluß zu ergründen (Exegese) und in diesem Sinne endlich auch mal zu handeln!
    Die eigentlichen Veränderungen und Wandlungen passieren bekanntermaßen nicht in der Therapie bzw. im Beichtstuhl sondern zwischen den Sitzungen. Warum soll das im Kirchenwesen anders sein als bei den anderen institutionalisierten Heilungsversprechen? Im Alltag vor der Flasche und der Ampel, wird geprüft, wie viel man von den Lektionen der letzten (inneren) Einkehr behalten hat und praktisch anwenden kann. Handlungsorientiertes Lernen ist auch bei den frommen Schwestern und Brüdern angesagt.

    Alles, was irgend funktioniert, ist paradox angelegt.
    Das Amt, das Frau Käßmann bekleidet, ist die Instanziierung der Heuchelei, den Schafen Wasser zu predigen und selber Wein zu saufen.
    Dafür, dass Sie diesen Spagat hingekommt, wird sie ausgehalten. Weil sie sich als besonders gelenkig herausgestellt hat, hat man sie für diese schwierigen Turnübungen in den Ausscheid mit anderen Spitzensportlern geschickt. Irgendjemand muss es den Leuten auch voraffen (Banduras Modelllernen), damit sie es nachaffen können; wie man heuchelt und dabei noch eine gute Figur macht. Kapitalismusprinzip geht nicht ohne Bigotterie. In diesem Wettbewerb vorn zu liegen, darum geht es in der Religionswirtschaft samt der daran angeschlossenen Sozialwirtschaft u.s.w. Geht die Kandidatin dabei in die Knie, zählt es nicht als Arbeitsunfall sondern als Verstoß gegen die implizit definierte Beschreibung des Arbeitsplatzes, für den sie sich selbst nominiert hat. Ich bin sicher, sie hat sich mit blutrotem Wein abgedichtet.
    So gesehen, läuft sicher alles getreulich nach dem großen Schöpfungsplan. Und die Vertrauensfrage bzgl. Gott wird sich unvermeidlich als Gottesbeweis herausstellen.

    Herr bzw. Frau Gott ist ohnehin die Führungskraft schlechthin. Das Motto “So viel Führung wie nötig und so wenig wie möglich, damit die Resilienz der Gläubigen gestärkt wird.” hat das Zeug zum Dogma!
    “Meine Aufgabe als Gott besteht darin, mich so schnell wie möglich überflüssig zu machen.” Eingreifen nur im absoluten Notfall angesagt, bspw. wenn die vollständige Vernichtung der Schöpfung droht, muss man quasi ein paar der menschlichen Lemminge erleuchten, auf dass sie rechtzeitig zur Seite zu springen. Wenn die Nacht am tiefsten, leuchtet das Licht am hellsten. Religion lebt von gekonnter Inszenierung.

    Die Verfehlung einer verkannten Sünderin ist jedenfalls kein Krisenfall, der zur Chefsache erklärt werden müßte sondern einfach nur Hinweis mehr, dass man sich in schwachen Frauen eben stark täuschen kann und für solch einen Posten nicht gleich wieder eine von der Sorte vorsieht. Bei Kirchenmännern würden Promille schließlich wesentlich einfacher toleriert. Wer läuft in die Kirchen: Frauen. Dass Männern oft nichts anderes übrig bleibt als scheinheilig zu sein, wissen die. Sie selbst inszenieren fortgesetzt Anlässe dazu. Und so haben die Damen kein Problem damit, solange Manni noch eine gute Figur macht dabei. Hätte man gleich so eine rosige Backpflaume auf´s Podest gesetzt, hätte es keine Klagen gegeben. Als nächstes kommt aber bestimmt wieder eines der gewohnten Masturbationsgesichter, da bin ich sicher.

    Bei männlichen Kirchendienern gehören Saufen und Exzesse sexueller Sublimation einfach dazu. Selbst wegen Kindesmißbrauch regt sich kaum jemand noch auf. Das weiß der mittelklassig gebildete Durchsschnittbürger inzwischen aus unzähligen Horrorfilmen, dass bei den berufbedingt Verklemmten mit unvermuteter Enthemmung stets zu rechnen ist. Ein Priester ohne Leidenschaften wäre für die Leute auch langweilig, wie ja auch die Beliebtheit von Frau Käßmann selbst illustriert.

    Mal sehen, wie die frommen Sünder, die paradoxe Herausforderung ihrer Fitness (Kooperations- UND Konkurrenzfähigkeit) bewältigen… Dass die Popen ab jetzt alle vor ihrer Hausbar sitzen und mit schlechtem Gewissen saufen, glaub ich jedenfalls nicht. In nomine patris et filii et spiritus sancti: “Prosit!”
    Das heißt: Auf die Gesundheit!

    Kommentar by Max Liebscht — 25. Februar, 2010 @ 09:31 Uhr

  10. Bin soeben auf das originelle Projekt “The European” aufmerksam geworden; das könnte Ihnen gefallen:

    http://www.theeuropean.de/start

    Viel Spaß bei der Lektüre!

    Kommentar by Eric Schreyer — 25. Februar, 2010 @ 14:49 Uhr

  11. Was sind denn das für Polizisten in Hannover?

    Normalerweise waere der Polizist an das Auto der Bischöfin herangetreten, hätte durch die Scheibe geschaut, Frau Kässmann erkannt, mit dem Finger mahnend gedroht und sie dem göttlichen Strafgericht und ihren Gewissensbissen überlassen.

    Herr Mixer trinkt wohl nicht?

    Kommentar by duscholux — 25. Februar, 2010 @ 14:56 Uhr

  12. Empfehle Sennett:
    “Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität”

    Kommentar by Max Liebscht — 25. Februar, 2010 @ 16:25 Uhr

  13. Wenn Sie einfach zu uns nach Köln käme, so als Bischöfin, ich glaube, dann liefen alle weg vom Meissner zu Ihr und Köln wäre endlich die Hochburg protestantischen Frohsinns.

    Kommentar by Stephan Walderdorff — 27. Februar, 2010 @ 19:40 Uhr

  14. Zu erwägen wäre auch ein Karriere(-wurm?)-fortsatz im vernebelten Rußland …

    Kommentar by Max Liebscht — 27. Februar, 2010 @ 21:04 Uhr

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