Abspann
Fritz B. Simon
Ich war im Kino. Der Film war nicht schlecht, keine verlorene Zeit, aber auch nicht wirklich so gut, dass es sich lohnt, hier über ihn zu schreiben. Da mir die Filmmusik gefiel, und ich wissen wollte, welche Band gespielt hat, habe ich mir den Abspann am Ende bis zum Schluß angesehen (der Hinweis auf die Musik kam erst als Letztes).
Dabei viel mir auf – bzw. ich habe die Hypothese entwickelt -, dass Kinofilme wahrscheinlich die einzigen Produkte sind, bei denen alle an der Herstellung Beteiligten – vom Hauptdarsteller über den Finanzberater bis zum Assistenten des Kochs – öffentlich gewürdigt (d.h. im Abspann genannt) werden…
Das ist außergewöhnlich, angesichts der Tatsache, dass sonst in organisationalen Kontexten ja die Anonymität der Akteure (und ihre Austauschbarkeit) ein charakteristisches Merkmal ist.
Aus welcher Tradition mag sich dieses spezifische Kulturmerkmal der Filmindustrie entwickelt haben? Dem künstlerischen Umfeld? Jeder eine Diva? Auch der Assistent des Kochs? Auf jeden Fall wohl ein System, in dem Personen im Mittelpunkt des Interesses stehen.
11 Kommentare
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Lieber Herr Simon,
hier hat sich bereits jemand darüber aus organisationssoziologischer Perspektive Gedanken gemacht: http://www.uni-bielefeld.de/soz/forschung/orgsoz/StefanKuehl/pdf/GrotheFilmteams03.pdf
Beste Grüße
Kommentar by Moritz Ansmann — 19. März, 2010 @ 08:53 Uhr
(@Moritz Ansmann: Der Link bringt mir leider nur eine 404.)
@Fritz B. Simon: Ich meine mich zu erinnern, dass das früher nicht so war. Meines Wissens handelt es sich nicht um eine Tradition, sondern wurde von den betreffenden amerikanischen Gewerkschaften juristisch durchgesetzt.
Kommentar by stoeps — 19. März, 2010 @ 14:47 Uhr
@ stoeps: das mag daran liegen, dass bei der übertragung des kommentars dem link seltsamerweise immerzu die in der url befindlichen ‘unterstriche’ geklaut werden. diese sind hier folgendermaßen einzusetzen: stefankuehl/pdf/grothefilmteams03.pdf
klappts?
Kommentar by Moritz Ansmann — 19. März, 2010 @ 16:26 Uhr
puh, nerv. was hat dieses kommentarformular nur bloß gegen unterstriche? also: 1. unterstrich zwischen ‘stefan und kühl’ 2. unterstrich zwischen grothe und filmteams.
Kommentar by Moritz Ansmann — 19. März, 2010 @ 16:30 Uhr
Das ist ein altes Problem dieser Blog-Plattform. Unterstriche werden als Formatierungszeichen für Kursivdruck gelesen. unterstrichTESTunterstrich ergibt TEST
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 20. März, 2010 @ 09:43 Uhr
Fantastisch, dass es für fast alles eine Erklärung gibt und ich nun nicht mehr frustriert ein Kino verlassen muss, weil es nicht an meinen schlechter werdenden Augen liegt, dass der Abspann an mir vorbeirauscht.
Kommentar by E.B. Far — 20. März, 2010 @ 11:12 Uhr
Ich hatte einmal einen Job, da gab es als standardmässige Vorgabe für Berichte vielerlei Art auch eine Liste der beteiligten Personen.
Ich habe jahrelang gewissentlich alle aufgeführt, wie z.B.
CEO N.N.
Vorstandsekretärin
Ali – driver
unbekannter Chauffeur
Dolmetscherin (arbeitslose Lehrerin)
etc.
Lediglich diejenigen SekretärInnen, die es getippt haben, haben ich manchmal kichernd darauf angesprochen. Sonst viel es offenbar niemand auf.
Soviel zur Effizenz eines ausufernden Berichtswesens. Ührtwurden bei Berichten unterschi
Kommentar by duscholux — 20. März, 2010 @ 16:53 Uhr
o
Kommentar by toad — 21. März, 2010 @ 04:27 Uhr
@duscholux
Nanu, wen haben Sie denn vorgestern für sich tippen lassen? : )
Kommentar by E.B. Far — 22. März, 2010 @ 11:55 Uhr
-FIN-
Kommentar by es — 23. März, 2010 @ 09:42 Uhr
Solange nicht das Leben vorbeirauscht an den “schlechter werdenden Augen”…
Kommentar by Max Liebscht — 27. März, 2010 @ 01:32 Uhr