Simons Systemische Kehrwoche

Ackermanns Nachfolger

Fritz B. Simon

Im Handelsblatt von heute steht ein Artikel zum Thema Nachfolge von Joe Ackermann. Anlass ist wahrscheinlich der Kreislaufkollaps, den er gestern Abend hatte. Eine Nachricht, die zum weiteren Absturz der Börsenkurse der Deutschen Bank führte.

Meines Erachtens zeigt sich hier ein weiteres Merkmal einer nicht allzu intelligenten Organisation: die Abhängigkeit von einzelnen, als nicht-austauschbar erlebten oder tatsächlich unersetzbaren Personen.

Normalerweise findet man das eher bei Familienunternehmen, in denen der Gründer um sich eine ganz auf seine Person zugeschnittene Leitungsstruktur gebaut hat. Es ist das klassische Modell heroischen Managements, in dem auf das “Charisma” (was immer das sein mag) eines einzelnen, unvergleichlichen Individuums gesetzt wird.

Nüchtern betrachtet ist solch ein Modell deswegen nicht sehr intelligent, weil alle Organisationen nur dann überleben können, wenn jeder (!) im Prinzip austauschbar und ersetzbar ist und bleibt. Das ist für Gründer-Unternehmer oft schwer zu akzeptieren, weil sie sich ja ihr ganzes Leben lang ihre Einzigartigkeit beweisen wollten und konnten. Aber dennoch, auch sie können ihre Unsterblichkeitsphantasien – Weiterleben in ihrem Unternehmen – nur realisieren, wenn sie sich ersetzbar machen.

In der gestern hier thematisierten Änderung der Leitungsstrukturen deutscher Aktiengesellschaften hin zur Steigerung der formalen Macht von Einzelnen ist das Heldenmodell des Managements impliziert. Es ist – so leid es mit tut – nicht wirklich funktionell. Wenn eine Person so wichtig wird, dass die Börsenkurse fallen aufgrund ihres Kreislaufkollapses oder verdorbenen Magens, dann ist das kein gutes Zeichen. Ja, es ist ein Symptom für eine dysfunktionelle Leitungsstruktur. Ihre Dysfunktionalität resultiert aus der zu großen Orientierung an einer einzelnen Person. Eine der Nebenwirkungen solch eines Modells ist, dass es für potentielle Nachfolger schwer ist, sich zu profilieren und auf das Amt, das auf sie zukommen könnte, vorzubereiten… Deswegen gibt es bislang keine aussichtsreichen Nachfolger für Ackermann.

Eh ich es vergesse: Revue für postheroisches Management lesen. Denn die Zeiten der Heroen sind vorbei, und die Zeiten intelligenter Organisationen beginnen – ein Effekt des Scheiterns der Helden.

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3 Kommentare

  1. mir fällt dazu ein …emergency..
    oder auch “Untersuchungen zur Emergenz des Heldentums”

    Kommentar by o.werner — 16. Januar, 2009 @ 10:32 Uhr

  2. Für mich stellen sich da noch einige weitere Fragen; ist es klug zu behaupten, dass der Aktienkurs aufgrund der Befindlichkeit des Hrn. Ackermann sinkt? Die Apple Aktie ist auch gefallen und um Herrn Steve Jobs Gesundheit scheint es nicht gerade gut bestellt zu sein. Gilt da ein ähnliches Argument? Wie intelligent ist die Organisation von Apple? Wie schlau sind die Analysten, welche uns diese Gründe vorgeben? Reicht es zu sagen, dass eine Begründung wahr ist, wenn sich hinreichend viele Menschen finden, die das für wahr halten, was in den diversen Massenmedien verbreitet wird? Und aufgrund welcher Informationen oder Motive kaufen und verkaufen gegenwärtig Personen Aktien? Wer hält wen zum Narren, wer ist der Narr und wer der Kaiser ohne Kleider? Drewermanns Wahnsinn der Normalität – und wer bin ich, der ich darüber urteile und behaupte, wirklich auf der Seite zu stehen, auf der ich glaube zu stehen? Letztlich ist es mir egal, solange ich meine, noch eine eigene Meinung zu haben… Und daher habe ich alle meine Aktien rechtzeitig verkauft.

    Kommentar by hsekyra — 16. Januar, 2009 @ 20:22 Uhr

  3. Ja, Steve Jobs ist auch so ein Fall. Ein Beispiel, dass Einzelne wirklich wichtig für die Entwicklung eines Unternehmens sein können. In seinem Fall ist ja versucht worden, ihn zu ersetzen, und Apple wurde zu einer Langweilerfirma.

    Dass Aktionäre individuell aufgrund von Propaganda ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen treffen, ist sicher nicht sehr schlau.

    Glückwunsch, dass Sie rechtzeitig ausgestiegen sind…

    Kommentar by Fritz B. Simon — 17. Januar, 2009 @ 01:53 Uhr

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