Simons Systemische Kehrwoche

Alt-68er

Fritz B. Simon

Um meinen gestern begonnenen Rundgang durch die Berliner Kneipenszene weiter zu führen, habe ich heute Abend den Stuttgarter Platz besucht. Dort gibt es auch viele Lokale, unter anderem eines, in dem offensichtlich nur Alt-68er verkehren. Sie geben sich mit einer bescheidenen Speisekarte zufrieden – meist Sachen, die man in der Küche schon fertig haben kann -, weil der Fokus der Aufmerksamkeit eher beim Trinken (nicht exzessiv, sondern “gesellig”) liegt. Oft haben sie für ihr Alter zu lange Haare und sind zu schlecht angezogen für die Einkommensklasse, der sie sicher angehören. Mit der Kellnerin sind sie per Du, und die weiss auch schon genau, was sie zu essen bestellen. Manche sind (nur etwas) zu laut. Sie rauchen viel – Selbstgedrehte.. Alle sind in der Altersklasse von Mitte 50 bis Ende 60. Und sie sind offensichtlich treu, denn sie verhalten sich noch so wie vor 30 – 40 Jahren.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich da gar nicht aufgefallen bin. Aber tief drinnen wußte ich: Hier will ich nicht dazu gehören.

Überhaupt, wo will man schon dazu gehören? Eigentlich ist das ja schrecklich, oder? Aber nicht dazu zu gehören ist ja auch schrecklich, oder?

Immerhin weiss ich nach dem heutigen Abend, dass man sich die Kellner(innen) ansehen muss, wenn man wissen will, wer in welchem Lokal verkehrt. Und der Begriff “verkehrt” passt natürlich mal wieder genau: Irgendwie ist man immer verkehrt.

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27 Kommentare

  1. Alternativ: Man ist immer richtig in einer verkehrten Welt.

    Kommentar by Manfred Bögle — 30. Juni, 2009 @ 21:19 Uhr

  2. Too old to rock and roll, too young to die.
    Solange man immerhin noch verkehrt,
    ist man eigentlich nie ganz verkehrt.

    Kommentar by Max Liebscht — 1. Juli, 2009 @ 08:03 Uhr

  3. (((“Einsamkeit ist ungestillter Durst nach Illusionen.”
    (Kobo Abe)))

    Ihren Wandlungen nach
    würde ich Ihnen
    gern diesen Autoren verschreiben.

    Kommentar by Max Liebscht — 1. Juli, 2009 @ 08:07 Uhr

  4. Lieber Fritz,
    ich habe dich vor kurzem beim Savignyplatzfest mit deiner Frau getroffen und gegrüsst. Meine Begleiterin hat mich gefragt, wer das denn sei, den ich da gegrüsst habe. Ich habe ihr erklärt, dass das der Fritz Simon ist bei dem ich mal einen Lehrgeng besucht habe. Sie sagte “Der sieht ja aus wie ein Alt 68 er”. Das zu Fragen der Identität und der Zugehörigkeit! Gestern Abend war ich bei Rainald Grebe im Tipi. Das Programm hieß “68″. Kann ich nur empfehlen ist Spitze. Da er jede Gruppe und jede Zugehörigkeit auf die Hörner nimmt fragt man sich irgendwann selbst, wo man sich eigentlich selber einordnet.Ich kam zum Schluss: Bei mir selbst!Da liege ich immer richtig.

    Liebe Grüße Wolfgang Libera

    Kommentar by Wolfgang Libera — 1. Juli, 2009 @ 08:31 Uhr

  5. There can be no distinction without motive, and there can be no motive unless contents are seen to differ value. (SB)

    Kommentar by es — 1. Juli, 2009 @ 08:55 Uhr

  6. Willkommen im SB-Club. Hier scheint mir Zugehörigkeit akzeptabel (auch wenn GSB ein Ekel ist).

    Kommentar by Fritz B. Simon — 1. Juli, 2009 @ 08:59 Uhr

  7. “Ich würde nie einem Club beitreten,
    der jemanden wie mich als Mitglied akzeptiert.” (W. Allen)

    Das mit dem Ankuscheln bei Spencer – Brown scheint gründlich in die Hose gegangen zu sein.

    Kommentar by Max Liebscht — 1. Juli, 2009 @ 09:46 Uhr

  8. In die Hose geht aber nur dann etwas, wenn man sich nicht rechtzeitig der Notwendigkeit Ausübung der körperlichen Funktionen besinnt und das dafür vorgesehene Örtchen aufsucht….Man hat vergessen, diese wichtige Unterscheidung zu treffen, weil man sich im Besserwissen übte, statt im Leben die notwendigen Unterscheidungen und Entscheidungen zu treffen

    Kommentar by Sylvia Taraba — 1. Juli, 2009 @ 10:29 Uhr

  9. Die Zugehörigkeit…., das ist echt so eine Sache, wo man sich selbst gegenüber Ambiguitätstoleranz üben muss, beziehungsweise sich selbst Ambivalenz-Erlaubnis geben muss. Im Kleinen wie im Großen…
    Priorität hat unbedingt die Einordnung bei sich selbst und der eigenen Ambivalenz; dann kommt die kulturelle Gruppe in die man hineingeboren ist, in der man seine Wurzeln hat, ob flache oder tiefe Wurzeln ist eine andere Frage,- von dort her erwächst einem dann die persönliche Öffnungserlaubnis (nicht der Öffnungszwang)…. dann funktioniert vermutlich auch Annäherung, gegenseitige Anerkennung und Unterstützung und Rücksichtnahme auf der Basis der lokalen Gegebenheiten.
    In Österreich sind die 68-er in der Politik und im Fernsehen und in den Medien, sie sind die herrschenden Meinungsmacher, ihre Ambivalenz-Erlaubnis sich selbst gegenüber ist gleich null, weil sie sich vermeintlich selbst treu geblieben sind, aber, wie Sie schreiben, sind sie nur (einer Ideologie) treu geblieben…

    Kommentar by Sylvia Taraba — 1. Juli, 2009 @ 10:52 Uhr

  10. Man sollte sich wirklich fragen, wer mit der Kellnerin verkehrt…

    Kommentar by Holger Huckfeldt — 1. Juli, 2009 @ 11:36 Uhr

  11. Lieber Herr Liebscht,

    als Synapsen-surfer fällt mir da wieder Herr Kraus ein:

    “Man glaubt gar nicht, wie schwer es oft ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen!”

    Liebe Grüße

    Kommentar by es — 1. Juli, 2009 @ 12:16 Uhr

  12. Alt-68er von Mitte 50?
    Die waren 1968 gerade einmal 14 Jahre alt.

    Kommentar by duscholux — 1. Juli, 2009 @ 15:59 Uhr

  13. Ja, doch die 68-er Bewegung hat sich noch über eineinhalb Halbgenerationen hingezogen, und wie man sehen kann bis heute

    Kommentar by Sylvia Taraba — 1. Juli, 2009 @ 16:31 Uhr

  14. Groucho-Marx-Paradoxon

    http://de.wikiquote.org/wiki/Groucho_Marx

    Kommentar by duscholux — 1. Juli, 2009 @ 17:27 Uhr

  15. Dieser Mann scheint sich gründlich mißverstanden gefühlt zu haben. Fritz B. Simon, Matthias Varga von Kibéd scheinen sich um den Kontakt bemüht zu haben. Und an dem “Ekel” ziemlich gründlich gescheitert zu sein. Haben Sie es an Ehrerbietung fehlen lassen? Unhöflich wirken beide nicht gerade.

    “Ein Schüler kommt von einer Pilgerfahrt zurück, auf der er Satori hatte. Ehrfürchtig nähert er sich dem Meister, der ihn schweigend erwartet, und geht vor ihm auf die Knie. In dem Augenblick, in dem er den Kopf hebt und beginnen will, etwas zu sagen, sausen dreißig harte Stockschläge auf ihn nieder. «Aber Meister», fragt der Schüler erstaunt, «warum das? Ich habe doch noch kein einziges Wort gesagt.» Der Meister erwidert: «Hättest du auch nur ein Wort gesagt, es wäre zu spät gewesen».
    Marco Aldinger, “Was ist die ewige Wahrheit?” “Geh weiter!”"

    Kommentar by Max Liebscht — 2. Juli, 2009 @ 07:54 Uhr

  16. PS:
    Es gefällt mir.

    Kommentar by Max Liebscht — 2. Juli, 2009 @ 07:55 Uhr

  17. Jetzt will ich aber dringend ein Missverständnis aufklären, dass mir in der Eile passiert ist: Dass George Spencer Brown eine Art “Ekel” ist… es ist völlig bedeutungslos, wenn FBS es mal so nebenbei erwähnt. Hinsichtlich dem, was GSB geistig geleistet hat, ist es zwar etwas frivol, wenn jemand sich diese Aussage leistet, – doch FBS darf sie sich leisten. Wirklich frivol ist es allerdings, zu behaupten, FBS wolle sich bei GSB “ankuscheln”. …und dass das angeblich “in die Hose” gegangen sei … das „bon mot“ wurde von mir nun invers auf Herrn Liebscht gemünzt, der mit dieser „Metapher“ hantiert hat ….. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass es ziemlich unpassend ist, sich mit derartigen Aussagen bei anderen anzukuscheln. Es täte mir wirklich leid, wenn Sie Herr Simon sich dabei gemeint gefühlt hätten! Aber ich bin mir sicher, Sie fühlen sich nicht betroffen – ich will das Missverständnis jedoch hier vor den Lesern aufklären

    Kommentar by Sylvia Taraba — 2. Juli, 2009 @ 12:53 Uhr

  18. jetzt kam es schon wieder missverständlich, sehe ich gerade, na ja, jeder weiß vermutlich eh immer selbst, was genau gemeint ist…..

    Kommentar by Sylvia Taraba — 2. Juli, 2009 @ 13:08 Uhr

  19. Metaphor is meta for….

    Kommentar by es — 2. Juli, 2009 @ 15:03 Uhr

  20. Dass GSB ein Ekel ist, ist bezogen auf sein Werk vollkommen bedeutungslos. Trotzdem stimmt es. Er würde wahrscheinlich aber noch weit weniger nette Dinge über mich sagen. Aber, obwohl er einfach ein Ekel ist (ich weiss, ich wiederhole mich), sind die “Laws of Form” eines der für mich (und wahrscheinlich drüber hinaus) wichtigsten Bücher, die zur Zeit verfügbar sind.

    Es gibt Bücher, denen muss eben ihren Autor verzeihen…

    p.s.: Wer GSB kennt käme nie auf irgendwelche Kuschel-Phantasien, nebenbei bemerkt

    Kommentar by Fritz B. Simon — 2. Juli, 2009 @ 20:19 Uhr

  21. Ja, da stimme ich vollkommen überein. Hatte auch das Vergnügen; aber wenn ich’s richtig verstehe…..dass es nämlich Bücher gibt, denen man ihren Autor verzeihen muss, dann ist das schon wieder etwas überzogen, da man diese beiden eben NICHT voneinander trennen kann und dass das erst das Wunder ist…

    Kommentar by Sylvia Taraba — 2. Juli, 2009 @ 22:47 Uhr

  22. Ja, klar. Man bekommt beides nur im Paket. Aber Wunder ist es eben nicht. Denn wahrhaft originelle Ideen sollte man sich nicht von jemandem erhoffen, der ansonsten allen gutbürgerlichen Erwartungen entspricht. Auch Einstein wäre ohne die Relativitätstheorie wahrscheinlich eher von seiner Umwelt als irgendwie komisch oder gar behandlungsbedürftig bewertet worden (nach dem, was ich so über ihn gelesen habe…).

    Kommentar by Fritz B. Simon — 3. Juli, 2009 @ 07:10 Uhr

  23. ja. als “Wunder” empfinde ich die Diskrepanz von fleischlicher Existenz und geistiger Existenz – von den Erwartungen der Umwelt ganz zu schweigen….und alle drei in sich zu einigen….

    Kommentar by Sylvia Taraba — 3. Juli, 2009 @ 09:03 Uhr

  24. …. also dort, wo diese Unterscheidung ja herkommt …

    Kommentar by Sylvia Taraba — 3. Juli, 2009 @ 09:04 Uhr

  25. …anders gesagt Unterscheidung, Markierung und Beobachter sind identisch….was – es zu denken – ja das größte Wunder ist…

    Kommentar by Sylvia Taraba — 3. Juli, 2009 @ 09:19 Uhr

  26. Hätte man den Nazarener Zimmermann nicht rechtzeitig gemobbt,
    wäre er womöglich auch einigermaßen eklig geworden, in seinem Sich- unverstanden- fühlen.
    Selbstverständlich kenne ich Spencer – Brown nicht.
    Ich nehme an, daß er für die systemische Gemeinde seinerzeit eine ganz besonders einladende Projektionsleinwand abgegeben hat.
    Andes als bei den meisten anderen Volksbewegungen der Geschichte gab es keine zentralen Führer, Väter, Mütter e.t.c. wie bspw. bei Freud. Diejenigen, welche als eine Art Gründerväter in Frage sgekommen wären, die kamen nicht in Frage. Erickson, Satir, Bateson. Watzlawick war ein handsome Zeitgenosse aber theoretisch nicht unbedingt ein Innovator. Von der energischen Italienerin redet man inzwischen vornehmlich aus historischen Gründen. Nach Herrn Stierlin hat man inzwischen ein Institut benannt. Das Bemerkenswerte speziell an solchen Leuten scheint mir zu sein, daß sie keinen expliziten Führungsanspruch stellten bzw. Autoritätssehnsüchte von vornherein von ihrem persönlichen Stil her ad absurdum führten. Trotz kollektiver Excellenz ein eklatanter Mangel an Lichtgestalten im systemischen Feld. Was m.E. sehr für die systemisch – konstruktivistischen Konstrukte spricht. Um so mehr Knatsch kam auf, als der beste aller möglichen Berts da womöglich etwas in seinem Sinne dran ändern wollte.

    Freilich: So ein bißchen wünschen sich Leute dergleichen: zentrale, zentrierende Gestalten. Intellektuell hin oder her. Rudelstruktur – hallo, da sind wir wieder. Die ohnehin unübersichtlichen Verhältnisse erscheinen übersichtlicher, wenn man Attributionen zuordnen kann. (was sich m.E. nicht unbedingt mit den Errungenschaften systemischer Weisheit verträgt.) Sicherlich kann es sich nur um Herumgespinne meinerseits handeln – aber wie muß das eingeschlagen haben, dieser George Spencer Brown, dieses allmähliche Heraufdämmern der Bedeutung seines Durchbruchs!! Luhmann wurde unterstellt, ihn erfunden zu haben. Die Verwandschaftsverhältnisse mit Carl Auer belassen wir besser der Geschichtsforschung des 22. Jahrhunderts zur Klärung. Ein überirdischer Held wäre wohl durchaus willkommen gewesen.

    Über Vaclav Havel wurde geschrieben: “Ein Mensch von geradezu beleidigender Höflichkeit.” Gerade auf eine Persönlichkeit wie Matthias Varga von Kibéd scheint mir diese Formulierung übertragbar zu sein. Direkt ungehobelt scheint auch Herr Simon für gewöhnlich nicht zu sein. Menschen mit derartiger Übersicht und Kultur sind mit dem Ekel eingestandenermaßen nicht zurecht gekommen. Bemerkenswert, wie ich fand. Ich selber habe ja bis zu einem gewissen Grade eine Schwäche für solche ekelhaften Menschen … Cioran & Co. Überhaupt für Verrückte. Gunther Schmidt pilgerte zum lila Rollstuhlfahrer. Und wurde freundlicher angenommen. Seine Hymnen immerhin – haben manchmal Kratzer. Spencer – Brown ggü. aber hatte sich offenbar etwas außerplanmäßig entwickelt – ob es daran was zu lernen gibt?

    Was ich daran einmal mehr zu sehen meine:
    Wir alle sind Schüler. Wir alle sind Lehrer. Unauflösliche Dialektik. Lebt der Schüler vom Lehrer? Lebt der Lehrer vom Schüler? Gerade die Gleichnisse des Zen zeigen uns, wie sie aussehen kann: eine lebendige, weil in gewisser Hinsicht gleichberechtigte Beziehung. Ich phantasiere, die beiden wären nicht, was sie sind, wenn sich ihre Phantasien diesem Menschen gegenüber erfüllt hätten. Die Zurückweisung war mit hoher Ws. gut für sie, um über sich und ihr Anlehnungsbedürfnis hinaus zu wachsen. Wunden – nicht zu groß, nicht zu klein – die halten wach. Den gesunden Zweifel mein ich. Wissenschaft statt Religion.Das Bedürfnis nach Anlehnung, Heimkommen oder meinetwegen einfach nur Dialog mit einem, dem man höheren Status zuschreibt, ist nur allzu menschlich. Hätten sich die Benannten nicht derart haltlos, hin “geworfen” gefühlt, hätten sie vermutlich längst nicht soweit zu denken sich bemüßigt.

    Inzwischen haben wir ja alle gelernt, zwischen der Persönlichkeit eines Menschen und dem Verhalten eines seiner vielen “Gesichter” in verschiedenen Frames zu unterscheiden. FBS und MVvK kommen offenbar klar. Wäre GSB ein Alter Ego von Luhmann gewesen – wäre natürlich schicker gewesen. Was er aber nicht, dieses Ekel.

    Prinzip Omega würde ich also sagen. Wir haben einen sozialen Trottel. Wäre er nicht ein solcher, würde ihn die Mißachtung der Meute viel mehr zu Herzen gehen. Später im gewöhnlichen Karrierefortlauf als Alpha und Beta wird die soziale Idiotie im besten Fall als “gesunder Abstand” bezeichnet werden. So mag Omega seinen Ausgleich vorerst in unverhältnismäßiger Sachkompetenz suchen und finden. Man hat GSB nicht auf irgendwas Hölzernes festnageln können. Beschäftigt hat ihn das mit dem Cross.

    So sehr es von den heimatlichen Verhältnissen her auch ersehnt sein mag, hehre Leuchtgestalten – Leute wie FBS oder MVvK wie Ölgötzen anzubeten, um an ihnen seine Grenze zu finden – damit tut man sicher weder ihnen noch sich selbst einen Gefallen. Ganz im Gegenteil: die In- Frage- Stellung hält deren Geister im besten Fall frisch. Regt zur intellektuellen Resilienzbildung an.

    Das Geblödel von Omega ist ein Service, der da zur Verfügung gestellt wird. Degenerationsprophylaxe. Kluge Führungskräfte wissen das und kultivieren ihr Umfeld dementsprechend. Die Zen- Geschichten von fürwitzigen Schülern und wohlwollend ignoranten Meistern handeln genau davon.

    FBS und MVvK wurden selber lang genug als grenzwertige Omegas gehandelt. Gefühlsmäßig dürften sie die Dimensionen aus 1 A- Lage heraus abschätzen können, wenn sich ein Mensch existenziell um Anerkennung bemüht, welche ihm infolge kultureller Zurückgebliebenheit im Biotop sozial versagt wird.

    Jegliche Autorität leitet sich her aus dem Wissen um ökologische Zusammenhänge. Trotzdem er mit seinen Ableitungen in dieser Richtung wie wenige erfolgreich war, konnte GSB diese Chips offenbar nicht wie gewünscht in soziale Währungseinheiten einlösen. “Arroganz ist flehentlich.” hat Carl Auer angeblich mal irgendwo geschrieben.

    Diejenigen Charaktere, welche heute am zügigsten Zustimmung ggü. diversen Alphas aussprechen mögen, sind vom Typ her immerhin genau jene, welche am zügigsten die soziale Auffälligkeit mißverstandener Talente beschreien.

    Die Herausforderungen besteht m.E. gerade nicht darin, Werk und Person auf schizoid elegante Art und Weise zu trennen. Sinnvoll ist und bleibt genau das: FBS und sein betont ehrwürdiger Professoren- Bart + Alt- 68´Look gehören als Errungenschaft in Sachen Kompromissbildung ebenso untrennbar zusammen wie MVvK und sein buddhistischer Bauch und die Bitternis des alten Affen GSB. Ohne Not keine Wendigkeit. Philosophen messen wir nach wie vor 1. an ihren Biographien und 2. an ihren Postulaten.

    Gewohnt respektvoll: MMML

    PS:

    Zitat aus
    http://www.rudolf-maresch.de/rezensionen/rezens23.pdf:

    “Mit Spencer-Browns Kalkül ist die Welt in der Lage, sich selbst zu sehen. Die
    Gesetze der Form zu exekutieren heißt seitdem, Theseus keinen Ariadnefaden an die Hand zu
    geben, der ihn aus dem Labyrinth führt. Kein Weg führt heraus. Alles weist auf sich selbst,
    die Sprache zurück. Ariadne hätte sich folglich umsonst erhängt.
    Vielleicht ist es das Schicksal großer Bücher, daß sie bisweilen, je häufiger sie zitiert werden
    oder über sie gestritten wird, von Apologeten trotz aller Beteuerung von Entzauberung und
    Abklärung zu Glaubenssystemen oder Weltanschauungslehren aufgespreizt werden. Zuweilen
    kann man eine solche Haltung bei systemsoziologischen Jüngern beobachten, wenn sie allzu
    forsch die Welt in ein indeterminiert-konstruktivistisches Spiel von Unterscheidungen, das
    allein Zeit verzehrt, auflösen und Räume, Materialitäten, historische Signaturen und Körper
    wegkommunizieren.”

    Kommentar by Max Liebscht — 4. Juli, 2009 @ 23:04 Uhr

  27. Nimmt man die Jahreszahl 68 und stellt sie vom Kopf auf die Füße…
    Ohne 68er keine 89er.
    Ich verstehe nicht, warum das bei all dem Jubiläumstrubel nicht bedacht wird.

    Kommentar by E. B. Far — 15. Juli, 2009 @ 19:25 Uhr

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