Altes Jahr – Neues Jahr
Fritz B. Simon
Eigentlich ist ja nichts Besonderes an diesem Tag, ausser der Konvention, ihn als den letzten des Jahres zu betrachten bzw. den Übergang zu morgen als Jahreswechsel. Ein schönes Beispiel für eine kollektive Wirklichkeitskonstruktion, die dadurch ihre Wirksamkeit erhält, dass sie allgemein akzeptiert ist. Eine Folie à 6 Milliarden (ungefähr). Wenn das kein Grund ist, Knallkörper zu zünden und Raketen in die Luft zu jagen.
Und vielleicht ein Anlass, sich Gedanken zu machen, für die Verbreitung und Kollektivierung welch anderer Wirklichkeitskonstruktionen es sich lohnen könnte, morgens aufzustehen …
Alles Gute zum Neuen Jahr!
19 Kommentare
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Nach Gänsebraten, Knödel, Rotkraut, Moronenpurrée folgt in kurzem Abstand das Jubelfest der Konstruktivisten anderer Art. Das Ende des Jahres. Gebannt im Hier und Jetzt, rückt es immer näher und der erregte Kulturinsasse neigt zu einer kollektiven Besinnlichkeit, die zweierlei umfasst: Den Blick zurück und den Blick nach vorn.
Auch Ihnen, ein gutes neues Jahr und fröhliches „Wahrheiten prüfen“.
Kommentar by es — 31. Dezember, 2009 @ 13:38 Uhr
Des “Menschen” “Jahr” und “Leben” braucht individuelle, familiäre, soziale, regionale, nationale, globale Interpunktionen, um das Leben (jahres)zeitlich erfreulich zu strukturieren.
Je erfreulicher und eindrücklicher diese zeitlichen Abfolgen gestaltet sind, (und dazu wurden bzw. werden sie erfunden), desto erbaulicher und gefühlt qualitätvoller das Hier und Jetzt.
Auch der von seinen eigenen Konstruktionen abgetörnte und deswegen gelinde lebenslahme “Kulturinsasse” wird sich seine kulturvollen “Events” herüber gerettet haben, um das Leben besser auszuhalten….
In diesem Sinn ein kulturell Qualität volles, lustiges, anregendes, interessantes, an erfreulichen Erfahrungen und zu erwartenden Erfolgen und schönen, gelungenen Interpunktionen reiches Jahr!
Kommentar by Sylvia Taraba — 31. Dezember, 2009 @ 14:31 Uhr
Vorher? Nachher? Zwischendrin
erzeugen wir den Lebenssinn –
wünsche allen Verdächtigen
prickelnde Unterschiedsbildungen für´s Kommende!
Kommentar by Max Liebscht — 31. Dezember, 2009 @ 14:47 Uhr
Dreingabe:
Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich!
E. Kästner
Für Neugierige, eine andere Art von Knall:
http://video.stumbleupon.com/#p=jq3oski7zg
Kommentar by es — 31. Dezember, 2009 @ 14:50 Uhr
.
)
ich finde ihn sehr besonders…
und nur bedingt willkürlich.
da die wintersonnwende weltlicher ursprung unserer feierlichkeiten ist kann man dieses datum ja astronomisch einordnen. nachdem die katholische kirche aber opferbäume und geschenksrituale für die geburtstagsfeierlichkeiten Jesu uminterpretierte, mussten zumindest der jahreswechsel mit seinen sauf- und fressgelagen um eine woche verschoben werden, damit er die ach so heilige weihnacht nicht stört.
.
aber wie Du sagst Fritz: gelungene konstruktion.
Kommentar by Jan A. Poczynek — 2. Januar, 2010 @ 00:42 Uhr
In diese Kollision zweier Interpunktionskonstruktionen, nämlich Wintersonnenwende/Neujahr und die Feier der Geburt eines/des (königlichen) Kindes (sie ist mindestens so schwerwiegend wie die astronomisch konnotierte Idee der Wende), – muss, bei Religionswechsel, die Konvention eines heidnischen Festes nolens volens eingehalten, aber das Brauchtum ein wenig uminterpretiert werden, beziehungsweise wird das Neujahrsfest sinnvollerweise erweitert, also um eine Woche “hinausgeschoben”. Das ist sowohl der Fest-Ökonomie als auch der großen allgemeinen Bedeutung beider Festivitäten geschuldet, die beide, wie alles übrigens, willkürlich konstruiert, und dann aber, nur bedingt willkürlich, etwas gewohnt Besonderes sind. Dasselbe gilt übrigens bei uns für das Oster- und Pfingstfest als Orientierung, die heute oft nicht verstanden wird, obwohl beide durchaus entsprechend und weiterhin passend “uminterpretiert” werden können, ohne ihnen die tiefere ursprüngliche Bedeutung zu nehmen.
Kommentar by Sylvia Taraba — 2. Januar, 2010 @ 09:08 Uhr
Wissen Sie, ich habe mich durch meine Sozialisierung daran gewöhnt, diesen Tag als etwas anzusehen, das “man” feiert, als etwas Besonderes ansieht, however…
Ich glaube, es liegt in der Natur der Gesellschaft, dass diese Tage notwendig sind, denn sie stellen Werkzeuge zur Beherrschung dieser Gesellschaft dar.
Letztlich ist Religion “Opium für das Volk” und macht es dadurch berechenbar und regierbar…religiöse Feiertage sind ergo sehr nützlich..schlimm für die, die das nicht merken.
Knallkörperkonsum ist nur eine Konsequenz der Angriffsfläche “Werbung-Konsum”
Intelligenz ist auf dem Rückzug. Die Alten machen es den Jungen vor.
Insofern ist dieser Tag einer wie alle anderen für mich…
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen trotzdem einen distanzierten Blick auf Ihre Umwelt und finde Ihre Gedanken nach wie vor sehr anregend…mögen Sie viele neue Betrachtungen anstellen…
Kommentar by Susanne — 5. Januar, 2010 @ 22:21 Uhr
Danke für das nette Feedback! Und gleich eine Antwort: Ja das stimmt „man“ feiert, aber das kann ganz und gar unterschiedlich aussehen. Kulturinterne Feiertage sind zeitliche Markierungen, Orientierungen, Höhepunkte, die Möglichkeiten der Gemeinsamkeit bieten, die heute auch jeder für sich gestalten und ihnen „neuen“ oder „alten“ oder individuellen Sinn geben kann.
Ich kann nicht davon ausgehen, dass wir von der Gesellschaft „beherrscht“ werden. Diese Sicht liegt mir nicht. Für mich macht Gesellschaft Sinn. Ich sehe uns auch nicht als „Kulturinsassen“, also quasi als Gefangene in einem unfreiwilligen Sinn, die nicht anders können als in deren Macht nischenartig zu vegetieren. Schon eher sehe ich es als eine freiwillige Bindung, da Grenzen gezogen werden müssen und Gemeinsamkeiten bestehen müssen. Ich halte es da, wenn, schon lieber mit Nietzsches amor fati – man muss sein Leben und Schicksal wollen, und man hat es sowieso, weil man es wollte….nur zu diesem Wollen wollen viele nicht stehen, wollen sich lieber beklagen…
Aber es gibt logisch solidere Anhaltspunkt als Nietzsches Philosophie der ewigen Wiederkehr. Ich finde die Beobachtung interessanter, dass wir als Individuen (als psychische Systeme) eben nicht Teil der Gesellschaft sind, sondern der Umwelt von Gesellschaft angehören. Diese konsistente Beobachtung Luhmanns, die den Gesetzen der Form entspricht, erlaubt es, sich als Beobachter zu sehen, der Unterscheidungen trifft. Alles, was Sie oben schreiben, unterscheiden und konstruieren gerade eben jetzt Sie selbst. Natürlich nicht alleine. Es wird hier eine Menge Leser und andere Menschen geben, die das genauso, wie Sie sehen. Je mehr Menschen etwas auf die gleiche Weise unterscheiden und kommunizieren, desto eher scheint die Welt so zu sein…. wie sie diesen Übereinkünften nach ist.
Ich kann Ihren Kommentar gut verstehen, also ihm folgen, Anflügen von Resignation begegnet „man“ oft… aber eigentlich ist Intelligenz nur von Ihnen, also von einem selbst verlangt, wer sonst sollte sie Ihrer Meinung nach haben und umsetzen? Die Anderen?
Kommentar by Sylvia Taraba — 8. Januar, 2010 @ 22:22 Uhr
“Die Hölle, das sind die anderen.” (Sartre in “Geschlossene Gesellschaft”)
Kommentar by Max Liebscht — 9. Januar, 2010 @ 07:23 Uhr
und wenn man jetzt von der Annahme ausgeht, dass “die anderen” – im Einzeln und im Kollektiv – exakt aus der Unterscheidung meines Ich hervorgehen…..so ist das eine ungeheure, unausgeschöpfte Potenzialität, die dieser Unterscheidung innewohnt…
Kommentar by Sylvia Taraba — 9. Januar, 2010 @ 11:40 Uhr
Liebe Frau Taraba,
als Insassin wollen Sie sich offensichtlich nicht bezeichnen lassen. Ob nur in der Kulturgemeinschaft oder auch beim Busfahren wird nicht klar. Wahrscheinlich sind Sie auch eher eine Mitfahrerin. Ein Ego auf dem Beifahrersitz, das sich gleichberechtigt einbringt. Diesen Gedanken möchte ich allerdings nicht weiter verfolgen. Vielmehr erinnert mich Ihr Hinweis auf das Ich an Ihren (von mir) geschätzten Landsmann Richard Engländer. Sein Aphorismus:
„Sei, der du bist, nicht mehr, nicht weniger, aber der sei!“
definiert auf seine impressionistische Art einen Kulturübergang. Die Moderne schlug ein, mit Hagel und Granaten.
So, oder so, Kulturübergänge werden von Wehen begleitet. Und ich glaube, Kulturepochen wie Romantik, Moderne oder Postmoderne beeinflussen. Gewaltig!
Und in unserer postmodernen Epoche? Das „ICH“!
Das „Ich“ als wohlig, gleichbleibend temperierte Instanz. Die Konstante in einer sich beschleunigenden Umwelt.
Da gestalteten medienbewegte Kulturinsassen mit Besserrecht Syndrom Wahrheitssymposien, dass einem schwindlig werden kann.
Aber da ist ja unser „Ich“. Daran können wir noch glauben. Es wird verteidigt dieses „Ich“, denn es wird noch gebraucht.
Da schreibt ein derzeit populärer Herr Precht: Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?
Ich und Irritation = Verkauf.
Da werden die „Ichs“ mit Accessoires und Labels versehen.
Ich will so bleiben wie ich bin! Ich bin Ich! Ich und Ich! Usw. usw.
Und das „Ich“? Das „Ich“ verliert sich wie die Erotik im Pornoshop.
Im bunten Potpourri der „Ich“ Angebote erhalten „Ichs“ dann auch eine angemessene Schutz-Impfung mit Meinungen, Überzeugungen präsentablen Redewendungen. „Ich bin doch nicht blöd!“
Diese Statussäulen und Meinungsträger werden dabei ständig unterstützt im Glauben an einen tiefen, unveränderbaren Wesenskern, dem „Ich“. Heilslehrer, Psychoschulen und Unternehmenscoaches, alle helfen. Die Stagnation und die Stupidität die propagiert werden scheinen Legion.
Bereits unseren Kleinsten wird ein „Ich“ unterstellt. Der dreijährigen Monique, die brüllend im KDW steht, wird von der stolzen Mutter ein Wesenskern angedichtet, der nicht mehr verändert werden darf, auch wenn das Quengeln und Brüllen noch so nervt.
Immerhin wird ja auch in der Bildungspolitik bereits im frühen Alter entschieden, die Guten ins Establishment, die Schlechten ins Prekariat. Da ist es, das „Ich“, und es wir sich nicht mehr ändern. Nie!
Ich möchte mit einem Gedanken abschließen, der aus diesem lotterlichen Prokrustesbett der Herrscher des Wörterbuches herausführen kann.
Statt: „Ich will so bleiben, wie ich bin“
Vielleicht: „Entwickle dich zu dem, der du werden könntest.“
Allerdings, „Ich liebe Dich“ gewinnt dann auch eine neue Dimension.
Kommentar by es — 9. Januar, 2010 @ 17:22 Uhr
Liebe Frau Taraba,
als Insassin wollen Sie sich offensichtlich nicht bezeichnen lassen. Ob nur in der Kulturgemeinschaft oder auch beim Busfahren wird nicht klar. Wahrscheinlich sind Sie auch eher eine Mitfahrerin. Ein Ego auf dem Beifahrersitz, das sich gleichberechtigt einbringt. Diesen Gedanken möchte ich allerdings nicht weiter verfolgen. Vielmehr erinnert mich Ihr Hinweis auf das Ich an Ihren (von mir) geschätzten Landsmann Richard Engländer. Sein Aphorismus:
„Sei, der du bist, nicht mehr, nicht weniger, aber der sei!“
definiert auf seine impressionistische Art einen Kulturübergang. Die Moderne schlug ein, mit Hagel und Granaten.
So, oder so, Kulturübergänge werden von Wehen begleitet. Und ich glaube, Kulturepochen wie Romantik, Moderne oder Postmoderne beeinflussen. Gewaltig!
Und in unserer postmodernen Epoche? Das „ICH“!
Das „Ich“ als wohlig, gleichbleibend temperierte Instanz. Die Konstante in einer sich beschleunigenden Umwelt.
Da gestalteten medienbewegte Kulturinsassen mit Besserrecht Syndrom Wahrheitssymposien, dass einem schwindlig werden kann.
Aber da ist ja unser „Ich“. Daran können wir noch glauben. Es wird verteidigt dieses „Ich“, denn es wird noch gebraucht.
Da schreibt ein derzeit populärer Herr Precht: Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?
Ich und Irritation = Verkauf.
Da werden die „Ichs“ mit Accessoires und Labels versehen.
Ich will so bleiben wie ich bin! Ich bin Ich! Ich und Ich! Usw. usw.
Und das „Ich“? Das „Ich“ verliert sich wie die Erotik im Pornoshop.
Im bunten Potpourri der „Ich“ Angebote erhalten „Ichs“ dann auch eine angemessene Schutz-Impfung mit Meinungen, Überzeugungen präsentablen Redewendungen. „Ich bin doch nicht blöd!“
Diese Statussäulen und Meinungsträger werden dabei ständig unterstützt im Glauben an einen tiefen, unveränderbaren Wesenskern, dem „Ich“. Heilslehrer, Psychoschulen und Unternehmenscoaches, alle helfen. Die Stagnation und die Stupidität die propagiert werden scheinen Legion.
Bereits unseren Kleinsten wird ein „Ich“ unterstellt. Der dreijährigen Monique, die brüllend im KDW steht, wird von der stolzen Mutter ein Wesenskern angedichtet, der nicht mehr verändert werden darf, auch wenn das Quengeln und Brüllen noch so nervt.
Immerhin wird ja auch in der Bildungspolitik bereits im frühen Alter entschieden, die Guten ins Establishment, die Schlechten ins Prekariat. Da ist es, das „Ich“, und es wir sich nicht mehr ändern. Nie!
Ich möchte mit einem Gedanken abschließen, der aus diesem lotterlichen Prokrustesbett der Herrscher des Wörterbuches herausführen kann.
Statt: „Ich will so bleiben, wie ich bin“
Vielleicht: „Entwickle dich zu dem, der du werden könntest.“
Allerdings, „Ich liebe Dich“ gewinnt dann auch eine neue Dimension.
Kommentar by es — 9. Januar, 2010 @ 17:22 Uhr
“Sei Du selbst, sonst ist es ein anderer.”
Inneres Parlament – Nietzsche
Ego States – Watkins
Kopfebewohner – Goulding
Innere Familie – Schwartz
Self Relations – Gilligan
Teilearbeit – Lenk
“Facetentheorie” – Gunther Schmidt´s
…
Peter Uwe Hesse hat das zusammengefaßt, siehe Verlagsprogramm.
Ein Pendant für die Entsprechungen dazu in den Religionen; monotheistisches / polytheistisches Welt- Selbst- bzw. Gottesbild kenne ich leider nicht.
Ich als Flamme
Kommentar by Max Liebscht — 10. Januar, 2010 @ 00:09 Uhr
Geh ich von einer offenen Gesellschaft,
von Struktur statt System aus,
wäre die Hölle immer nur “ich” selbst
in der Realisierung dessen,
was als Ich möglich sein kann
Kommentar by Max Liebscht — 10. Januar, 2010 @ 00:15 Uhr
Kaum unterscheidet der unbedarfte Beobachter ein Subjekt, schon kommt ein Psychologe und macht es zum Objekt.
Kommentar by es — 10. Januar, 2010 @ 16:32 Uhr
Lieber Herr E.S., wenn Sie mich schon mal so ausführlich ansprechen, dann antworte ich Ihnen natürlich gern ebenso ausführlich.
“Ich” bin immer (gleichberechtigte) Insassin. Es gibt keinen Fahrer, der Bus fährt im Kreis. Aber wenn ich mich ständig als “Insassin” bezeichne, dann tue ich so, als ob es ein Außen gäbe und ich eine Gefangene des Innen wäre. Das wäre aber kontraproduktiv.
Dass ich beobachte, heißt nicht dass ich „von außen“ beobachte. Die Zwei-Seiten-Form ist ein Innen, auch wenn Sie die Seiten in der Form wechseln können und “hinüber”, über die Grenze schauen…..und sogar die Zwei-Seiten-Form , wie von außen, beobachten können – das alles ist immer nur von innerhalb der Form möglich.
Leben funktioniert nur durch asymmetrische Bezeichnung – ich kann nicht beide Seiten von etwas gleichzeitig bezeichnen, außer ich ziehe es vor ein bisschen schizophren oder gleichzeitig tot und lebendig zu sein.
Ja und Ihr zitierter Aphorismus, der stimmt in genau diesem Sinn. Sie können kein anderer sein. Obwohl Sie natürlich, indem Sie (in Sich) ein “Ich” namens E.S. markieren, alles „Andere“ von sich unterscheiden, das Sie selbstredend auch sind…. das ist paradox, wie eben auch die Gesetze der Form es sind.
Und da Sie jetzt von „Kulturübergängen“ zu sprechen beginnen, scheinen Sie als versessener „Kulturinsasse“ plötzlich Bewegung zu verspüren? Durch Wehen?
Wenn Sie von der Zwei-Seiten-Form ausgehen, haben Sie immer genug Bewegung.
Sie oszillieren. Ihre hier geltende Ich-Position “E.S.” sorgt z.B. dafür, dass Sie „Gegner(innen)“ haben, die mit Ihnen spielen, dass es Ihnen nicht lang-weilig ist.
Und schon will sich eine Verschwörungstheorie („wir werden beherrscht“) etablieren.
Doch warum gehen Sie nicht schon von vornherein von Ihrem Satz: „Entwickle dich zu dem, der du werden könntest“ aus?
So wohlig gleich bleibend ist das Ich nun nicht. Es WIRD geformt. Von den Anderen, denen es sich stellt. Insofern ist niemand „frei“, also „ein nichts“ – sondern ein sich von anderen unterscheidendes und Anderes unterscheidendes….Ich
Es „gibt“ auch keine fixen „Ich-Angebote“, sondern Milliarden sich unterscheidende Ich-Werdungen, abgeschlossen mit dem Tod des individuellen Ich, dessen „Wesenskern“, ob tot oder lebendig, die LEERE ist.
Die geografischen, genetischen, sozialen Unterscheidungen schon im zarten Beginn, sind individuelle, vorauszusetzenden Parameter, entlang derer – in deren Grenzen (!) – sich das biografische Werden des individuellen Selbst ereignen kann –gegenwärtig in einer Variationsbreite von etwa 7 Milliarden Unterscheidungen….sollen die alle gleich sein? Wäre Ihnen da nicht als erstem langweilig?
Wenn Sie nun bei sich und allen, die Sie ansprechen von Ihrem Satz „Entwickle dich zu dem, der du werden könntest“ ausgehen bzw. noch deutlicher: „Entwickle Dich zu dem der Du bist“, bzw. umwerfend klar: „Werde, der Du bist“ Dann sind die Erwartungen schon etwas göttlicher und höher geschraubt, als bei Ihrer Obsession eines Bildes von nervenden, quengelnden, angebenden, stagnierenden, gefangenen, geknebelten „Kulturinsassen“
Ich empfehle Ihnen für Ihre Große Erzählung der Post-Post-Moderne, dass Sie die Bewegung innerhalb der Kulturen betonen, also gleich das Werden – und dass Sie die Bedingung der Möglichkeit des Werdens darstellen – nämlich (vorsichtige, umsichtige, flexible, differenzierte) Unterscheidungen in Nichts zu treffen. Ich denke das macht einen Unterschied.
Kommentar by Sylvia Taraba — 11. Januar, 2010 @ 12:55 Uhr
nachträglich fällt mir ein, der letzte Satz könnte missverstanden werden. Unterscheidungen werden zwar in nichts bzw. in sich getroffen, aber sie müssen in nichts bzw. in sich anschlussfähig sein….
Kommentar by Sylvia Taraba — 11. Januar, 2010 @ 13:28 Uhr
Hallo, Frau Taraba,
besten Dank.
Kommentar by es — 11. Januar, 2010 @ 17:34 Uhr
Schöne Konversion.
Kommentar by Max Liebscht — 12. Januar, 2010 @ 13:51 Uhr