Simons Systemische Kehrwoche

Amazon

Fritz B. Simon

Der Buchmarkt verändert sich ja rasant. Selbst die großen Buchhandlungen wie Hugendubel und Thalia müssen Läden zusperen. Aber dafür machen kleine, wohlsortierte, von ihren Eigentümern (in der Regel: Liebhaber von Büchern) geführte Läden auf. Das ist die gute Entwicklung, finde ich.

Auf der anderen Seite steht Amazon. Eine anonyme Organisation, die möglichst auf den Einsatz von Menschen verzichtet und die Kommunikation mit ihnen vermeidet. Mit solch einer Organisation kann man nicht mehr sprechen, sondern man kann nur noch mails schicken oder sich in irgendwelche Fragebögen einklicken bzw. sie ausfüllen.

Solche im Prinzip extrem bürokratischen Organisationen sind nicht sehr zuverlässig. Wenn es zu Fehlern kommt, dann sind sie selten in der Lage, rasch zu reagieren und die Fehler zu beseitigen.

Ein aktuelles Beispiel, das ich es – da selbst betroffen – aus nächster Nähe beobachten kann. Eines meiner Bücher (“Meine Psychose, mein Fahrrad und ich”) ist, aus welche Gründen auch immer, bei Amazon als “nicht lieferbar” gelistet. Mein Drängen beim Verlag, dies doch zu ändern, wird dort gehört und führt zu Aktivitäten. Allerdings haben diese bei Amazon keine Wirkung. Hier die Erklärung (sinngemäß), die mir dazu von der zuständigen Mitarbeiterin im Verlag gesandt wurde:

Man könne Amazon nicht anrufen, denn es gäbe keine Ansprechpartner und auch keine Telefonnummer (zumindest nicht für einen Verlag wie Carl-Auer, bei großen Verlagen sei das sicherlich etwas anderes). Der Kontakt laufe ausschließlich über die Kontaktseite “Vendor Central”. Dort stehe ihre Nachricht im Fallprotokoll noch immer als “in Bearbeitung”, sie habe keinen Einfluss darauf, wann und in welcher Schnelligkeit amazon etwas bearbeite.

Ein Problem sei, dass Amazon nicht-lieferbare Titel grundsätzlich nicht vormerken lasse, d.h. sie werden nicht automatisch beliefert, wenn der Titel wieder lieferbar sei. Und leider könne der Verlag auch nicht von sich aus einfach nachliefern, da Amazon das dann nicht bezahle.

Sie habe auch bereits die Verlagsbetreuerin bei der Verlagsauslieferung befragt, welche Möglichkeiten der Verlag sonst noch habe, und die lapidare Antwort sei gewesen: keine. (…)

Dass das bei größeren Verlagen wirklich anders ist, scheint mir – wenn ich mir die hinter diesem Modell stehende Logik an – zweifelhaft…

Ob das auf lange Sicht für Amazon ein wirklich gutes und tragfähiges Modell ist, scheint mir zweifelhaft.

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11 Kommentare

  1. Diese Erfahrung kann ich bestätigen. Vor ein paar Jahren war in der Amazon-Liste plötzlich eines meiner Bücher, ein gut gehender Titel, verschwunden. Das Ergebnis meiner Mail-Korrespondenz mit mehrfachem Hin und Her war die lapidare Auskunft: “Da können wir nichts machen, wir haben auf das Angebot keinen Einfluss.”

    Comment by Horst Kasper — 15. Februar 2012 @ 11:27 Uhr

  2. Amazon kann auch anders:

    http://www.taz.de/!74646/

    <<[...] Pavel Richter von der Wikimedia Foundation sieht statt Wikipedia eher Versandhäuser wie Amazon in der Verantwortung. “Das Geschäft funktioniert nur, weil Amazon und andere Händler die automatisierte Möglichkeit bieten, hunderttausende solcher Titel einzustellen”, sagt er. Das Problem lasse sich schnell lösen: “Amazon sollte ein Interesse daran haben, ein qualitativ so minderwertiges Angebot seinen Kunden gar nicht erst anzubieten. Meine Forderung an Amazon und andere Onlinehändler ist es, dieses Angebot zu unterbinden.”

    Amazon antwortet auf Nachfrage, man wolle die Geschäftsbeziehung mit VDM nicht beenden, “schließlich mögen auch die von Ihnen genannten Titel genau das sein, was ein Amazon-Kunde gerade sucht – und wir wollen ihm die Möglichkeit geben, einen solchen Titel dann auch zu finden.”

    Die Wikimedia Foundation prüft nun rechtliche Mittel, weil der Verlag mit folgenden Text wirbt: “Aktuell & In hier ist Wikipedia drin!” Die Bewertung sei jedoch “schwieriger als gedacht”, so Richter.

    Der VDM begreift sich selbst schon mal als Avantgarde, als “eine moderne Verlagsfabrik, die nach Industriestandards arbeitet”. Der Chef Wolfgang Philipp Müller schreibt: “Die Zeiten, in denen Verlage auf dem hohen Ross des Besserwissens saßen und Freude dabei empfanden, Manuskripte abzulehnen, sind glücklicherweise endgültig vorbei.” [...]>>

    Comment by duscholux — 15. Februar 2012 @ 18:25 Uhr

  3. Ich habe “Meine Psychose, mein Fahrrad und ich” jetzt einfach einmal auf meinen Amazon-Wunschzettel plaziert. Wenn andere auch nachziehen, vielleicht hilft dann das?

    Comment by deaXmac — 15. Februar 2012 @ 19:29 Uhr

  4. Im Hinblick auf die Potentiale, Monopol krass zu mißbrauchen können wir nur hoffen, dass Global Player wie Amazon, Apple, Google, e.t.c. rechtzeitig das Schicksal wie Quelle, Schlecker, Telekom ereilt und sie degenerieren, organisational verholzen bevor sie in ihren Branchen die so erfreuliche und für den Kapitalismus kennzeichnende Vielfalt abschaffen und die Monarchie einführen. Herrn Heinold http://hspartner.de/jsp292/contentPath=hauptmenue/dasunternehmen/ueberuns …. den anläßlich der Leantec zu erleben ein echtes Vergnügen war, äußerte und fundierte, dass auch kleinere Verlage – wie bspw. der CAV – die aus der aktuellen Umbruchsituation resultierende Gunst der Stunde nutzen können, wenn sie überlebte Geschäftsmodelle konsequent hinterfragen und innovative Geschäftsmodelle umsetzen.

    Comment by Max Liebscht — 16. Februar 2012 @ 00:04 Uhr

  5. Ist es nicht das Prinzip der Demokratie, daß abgestimmt wird, gezählt wird, und dann das aktiviert wird was die Mehrheit will ? Auf diese Weise formieren sich machtvolle Parteien, und gewinnträchtige, industriell organisierte Firmen.
    Differenzierungen für zahlenmäßig kleine Einheiten erfordern mehr Zeit, ( GSB: jedes Kreuz lässt Zeit enstehen), mehr Aufwand, der sich im Phänomenbereich -Finanzen spiegelt.
    Wir erleben das z.Zt sehr stark in der Medizin: es wird verkauft und !gekauft was gut geht.
    Es bilden sich rational – irrationale rückbezügliche Schleifen: Das Häufige bei häufigen Bevölkerungsgruppen wird, da es häufig und damit poltisch relevant ist, gut bezahlt. Da es gut bezahlt wird. wird die Indikation noch häufig(-er)/früher gestellt, damit wird es noch häufiger …
    Das medizinische Angebot entdifferenziert sich … und wird dank industrieller Organisation billiger.
    Wenig nachgefragte > schlecht bezahlte Leistungen, unterliegen nicht der industriellen Organisation, sind seitens der Organsiation nicht gewünscht, werden nicht organisiert und damit zeitaufwändig, teuer, wirtschaftlich uninteressant, wieder eine Schleife !
    Und der Markt perpetuiert diese Schleife …
    Die Diktatur der Mehrheit generiert sich selbst.
    Warum denn Fritz B. Simon wir haben doch Harry Potter.

    Comment by o.werner — 16. Februar 2012 @ 10:38 Uhr

  6. Willkommen im Nettiversum des Vergessens.

    Das einige Marktteilnehmer wieder vom Markt verschwinden ist eine „Realität“, mit der konsumorientierte Kulturinsassen keine konstruktiven Schwierigkeiten haben.
    „Is halt so.“
    Man könnte allerdings auch darüber nachdenken, dass es hierbei um die Beschleunigung der Entropieerhöhung geht.
    Noch weiter gedacht ist das Projekt „Internet“ ein „Schneller Brüter“ des Informationsverlustes.
    Rolf Landauer (sozusagen Duecks Opa) hat in seiner Arbeit eine interessante Beziehung zwischen Thermodynamik und Informationstheorie geschaffen.
    - Entropie nimmt immer zu (2. Hauptsatz Thermodynamik) d.h. Information nimmt immer ab.
    - Je mehr Arbeit verrichtet wird, desto schneller die Entropiezunahme.
    Je mehr wir uns bemühen, Informationen im Netz zu sammeln und zu verwalten, desto mehr Information wird vernichtet.
    Zwangsdifferenzierer plündern hemmungslos im Kolonialwarenladen der Unvernetzten.
    Es geht mehr um das Vergessen, als das Wissen.
    Also, vergessen Sie`s.
    Obwohl…..
    Kann ich, als Beobachter Bedeutung hinzufügen, die Information mit Inhalt anreichern, indem ich Unterscheidungen schaffe, die vorher nicht existent waren?
    Auch dieses Schreiben war Arbeit. Ein selbstorganisiertes System mit abnehmender Entropie, im Universum mit zunehmender Entropie, was nach Definition H.v.Förster (Sicht und Einsicht) nicht existieren kann.
    Es gibt keine Beobachter!
    Machen Sie doch was Sie wollen.

    Comment by es — 16. Februar 2012 @ 15:57 Uhr

  7. Hat schon mal wer als KUNDE an Amazon geschrieben?
    Wenn ja: Was gibts davon zu verkünden?

    Comment by Ewald Dietrich — 16. Februar 2012 @ 17:48 Uhr

  8. @7: Habe bei amazon einen IPod 32GB bestellt und bekam einen 8GB geliefert. Das merkte ich erst, als ich ihn in Betrieb genommen hatte. Der Einstieg in die amazon-website um reklamieren zu können, war etwas mühsam. Ich habe es jeoch geschafft, einen Menschen ans Telefon zu bekommen. Dieser erklärte mir, ich solle den 8GB IPod weiter benutzen, bis ich den richtigen geliefert bekomme, er veranlasse die richtige Lieferung. Wenn es kein Einlagerungsfehler im Hochregal sei, müsste der richtige IPod in zwei Tagen bei mir sein. Erst dann soll ich die Falschlieferung zurück schicken. Der richtige IPod kam wie angekündigt. Ich hatte mich aber umentschlossen. Keines dieser Geräte sagte mir zu. Ich habe beide für mich kostenfrei zurückgeschickt und bekam den Kaufpreis umgehend wieder gut geschrieben.

    Comment by Dorothea Jung — 16. Februar 2012 @ 19:25 Uhr

  9. @6&5 Schöhne Überlechjungens!
    http://www.youtube.com/watch?v=SxEa0dglPJA&feature=related

    Comment by Max Liebscht — 17. Februar 2012 @ 02:36 Uhr

  10. Interessanter Weise ist die franzöische Ausgabe des Buches von Amazon lieferbar. Billiger übrigens als die deutsche Originalausgabe. Müssen / sollen wir jetzt alle Französisch lernen?

    Comment by Anno Stockem — 17. Februar 2012 @ 10:05 Uhr

  11. Ha!!
    Es ist doch wieder direkt verfügbar.
    http://www.amazon.de/Meine-Psychose-mein-Fahrrad-Selbstorganisation/dp/3896704613/ref=sr11?ie=UTF8&qid=1330478483&sr=8-1

    Helfen Wunschzettel, vielleicht nicht an den Himmel, aber an Amazon doch? Keine Ahnung…

    Comment by deaXmac — 29. Februar 2012 @ 02:26 Uhr

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