Simons Systemische Kehrwoche

Amok

Fritz B. Simon

In Alabama hat eine Professorin während einer Fakultätssitzung mehrere ihrer Kollegen erschossen. Die Frage, die sich jedem, der solche Sitzungen kennt, sofort aufdrängt, lautet:

Warum geschieht so etwas nicht häufiger?

Nicht, dass ich hier zum Professoren- oder Kollegenmord aufrufen will, aber festzustellen ist, dass in solchen Gremien häufig ziemlich starke Aggressionen herrschen. Und auch ohne dass Schüsse fallen, fühlt man sich nachher oft erschossen.

Wahrscheinlich liegt es ja daran, dass die meisten der Fakultätsmitglieder verbeamtet sind. Das hat eine Frieden stiftende Wirkung. Man kann sich sicher fühlen, braucht um nichts und gegen niemanden zu kämpfen, um seines Lebensunterhalts bis zur Pensionsgrenze gewiss zu sein. Das einzige, was man riskiert beim Nicht-Kämpfen, ist ein gewisser Statusverlust (aufgrund geringerer Ressourcen, weniger Einfluss, weniger Siege etc.). Aber den bekommt man durch die Ehrfurcht der Nachbarn angesichts des würdigen Titels wieder kompensiert.

So nimmt es nicht Wunder, dass die Kollegin in Alabama geschossen hat, nachdem ihr die Lebenszeitanstellung verwehrt wurde.

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12 Kommentare

  1. offensichtlich hat niemand damit gerechnet, daß sie sich wehren (rächen) könnte …

    Kommentar by o.werner — 16. Februar, 2010 @ 14:48 Uhr

  2. Um härtesten tobt der Dschungelkrieg bekanntlich in Verwaltungen sowie in von extern mit Ressourcen versorgten sog. sozialen Einrichtungen und Bildungs- bzw. Trivialisierungsanstalten mit unwägbaren Produktivitätskriterien. Organisationen, welche ein gewisses Monopol haben auf die Versorgung mit Unwägbarkeiten und Organisationsmitspieler, welche scheinbar nichts zu gewinnen oder verlieren haben, versorgen das Zelleninnere mit angemessener Spannung und Dynamik, um sich selber zu spüren. Wie heißt es doch so schön? “Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg.”
    Ich bin gespannt, wie sich solche Attraktoren im Feld der akademischen Welt vorbildhaft auswirken. Hier in Görlitz hat der Sohn einer verdienten Pädagogin seine Mutter mit Benzin angezündet.

    Kommentar by Max Liebscht — 16. Februar, 2010 @ 17:50 Uhr

  3. Hm, wie leicht hier über schwere Dinge gesprochen wird…!

    Kommentar by jochen heiner — 16. Februar, 2010 @ 21:11 Uhr

  4. … gelegentlich wird ja hier auch schwer über leichte Dinge gesprochen; und manchmal ist beides nicht zu unterscheiden…

    Kommentar by Fritz B. Simon — 16. Februar, 2010 @ 21:54 Uhr

  5. Das finde ich jetzt aber verwirrend!
    Aber na gut.
    Solange Professoren noch nachdenken, schießen sie nicht.

    Kommentar by Max Liebscht — 17. Februar, 2010 @ 10:19 Uhr

  6. Jip, und solange Pädagogen nicht brennen, tun sie noch…

    Kommentar by jochen heiner — 17. Februar, 2010 @ 15:02 Uhr

  7. Ausserdem hat Garfield schon gesagt: wenn du sie nicht überzeugen kannst – verwirre sie!

    Kommentar by jochen heiner — 17. Februar, 2010 @ 20:04 Uhr

  8. Nur die Ruhe!
    Mit “ELENA” wird man schon aufpassen, dass da nichts anbrennt.
    Bei den verdächtigen Gesellschaftselementen kann man dann vorsorlich einen Feuermelder implantieren.
    http://www.das-elena-verfahren.de/

    Kommentar by Max Liebscht — 18. Februar, 2010 @ 08:05 Uhr

  9. Wo steht das?
    Wo ist die Meldung in den Medien?
    Passt nicht in das Konzept der Herrscher des Wörterbuchs?

    Lehrer als Opfer wirkt besser, außer das Kollektiv gehört einem veröffentlichtem Dogma an. Bei Jesuiten und Moslems können alle andocken.

    Es lebe der Unterschied!

    Kommentar by es — 20. Februar, 2010 @ 10:50 Uhr

  10. Sehr geehrter Herr Simon,

    danke für diesen zugleich humorigen und ernsthaften Beitrag (zumindest habe ich diesen so erlebt). Ich teile Ihre Ausführungen – auch aufgrund eigener universitärer Erfahrungen. Eine der häufigsten Appelle im Rahmen von Institutssitzungen illustriert die regelmäßig vorhandene latente Aggression sehr deutlich. Er lautet (mit erhobener Stimme vorgetragen): “Wer wird denn hier so emotional werden, bleiben wir doch sachlich!” Diese “klassische Killerphrase” ist so etwas wie ein emotinaler Gong, der die nächste Runde einläutet…

    Kommentar by Tom Hansmann — 20. Februar, 2010 @ 14:20 Uhr

  11. Früher war man so fromm zu glauben, dass sich das sog. Metakommunikation mediieren läßt. Inzwischen dürfte klar sein, dass das keine Garantie dafür ist, auf “höher” bzw. dichter reflektierter Ebene nicht in dieselben automatisiert ablaufenden, eskalierenden Interaktionsschleifen hineinzugeraten. Dazu kommt, dass man offenbar gelegentlich außer sich geraten muss, um das gute Verhältnis mit sich selber nicht zu riskieren. Da sind die Keynotes der anderen Sportbrüder und Schwestern eine echte Erinnerungshilfe.

    Kommentar by Max Liebscht — 21. Februar, 2010 @ 00:12 Uhr

  12. für das sprachkritische Unbewußte:
    http://www.youtube.com/watch?v=59PU3yYLeR8&feature=related

    Kommentar by Max Liebscht — 21. Februar, 2010 @ 00:34 Uhr

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