Analphabeten
Fritz B. Simon
Es gibt den Internationalen Tag der Frau, des Buches, des Kindes usw., und heute ist der Tag der Analphabeten.
In Deutschland, sagt man, gibt es 7,5 Millionen Menschen (Kleinkinder und Säuglinge nicht mitgerechnet), die nicht lesen können.
Das ist für einen Verlag eine beängstigende Zahl.
Das ist der Grund, war der Auer-Verlag schon in seinen Anfangsjahren das Hörbuch erfunden hat (ist wirklich wahr).
Wir wollten, dass auch Analphabeten Anteil an den wunderbaren Entfaltungen des systemischen Denkens teilhaben konnten. Wir gründeten deshalb die Autobahn-Universität, und gleich unser erstes Projekt war aus unserer Sicht ein Volltreffer: “Luhmann für Analphabeten” (= “Einführung in die Systemtheorie”).
Damals, Anfang der 90er Jahre gab es noch keine “Hörbücher”. Deswegen wurde die Autobahn-Universität auch Thema im Stern (mit Foto von mir – Luhmann wollte nicht) an einem Stau-Schild auf der Autobahn Frankfurt-Heidelberg (“Jeder Stau bringt sie weiter!”) und ich war Gast in einer Talkshow eines von Silvio Berlusconi gegründeten Fernsehsenders, den es heute nicht mehr gibt (Tele 5 – einer der typischen Sender für Analphabeten).
Aber trotz all unserer Bemühungen: Die 7,5 Millionen potentieller Studenten haben wir nicht gewinnen können.
Und ich stelle mir natürlich die Frage: Was haben wir falsch gemacht?
Das Medium war jedenfalls richtig.
7 Kommentare
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von luhmanns systemtheorie auf der autobahn-universität und damit auch dem carl auer verlag hörte ich erstmals 2003 in einer vorlesung über die grundzüge der soziologie (empfohlen wurde sie von unserem an der marx-engels-gesamtausgabe mitarbeitenden professor). der beginn einer unendlichen beziehung…
Kommentar by markus.haun — 9. September, 2011 @ 01:23 Uhr
Bei LEO gibt es ein Forum, weches sich schon seit ein paar Tagen mit der Frage beschäftigt:
http://dict.leo.org/forum/viewGeneraldiscussion.php?idForum=18&idThread=1098645&lang=de&lp=ende
Kommentar by duscholux — 9. September, 2011 @ 06:31 Uhr
Worüber man nicht reden kann, darüber soll man singen:
http://www.youtube.com/watch?v=LZbUYiSTvqA
Kommentar by es — 9. September, 2011 @ 10:35 Uhr
Ein Fehler: Zu viel Wert auf die technische Qualität gelegt, was Zeit kostete. AnalPhabeten hören auch bei schlechterer Qualität konzentriert raus, was sie interessiert, weil sie´s ja nicht nachlesen können …
Kommentar by Matthias Ohler — 9. September, 2011 @ 11:37 Uhr
Die Stuttgarter Schulbürgermeisterin sagte in einem heute veröffentlichten Interview mit der Badischen Zeitung: „Wir haben in Stuttgart keine Rütli-Schule, aber viele 12- bis 14-Jährige Hauptschüler, die die deutsche Sprache kaum beherrschen, obwohl sie hier aufgewachsen sind… Die wichtigen Fragen sind doch: Welche Förderung, welche Inhalte, welche Ressourcen brauchen wir, damit unsere Jugendlichen die Schule ausbildungsreif verlassen?“ Späte Einsicht bei der CDU, die bisher alle Appelle für ein intensiveres elementares Lernen geflissentlich überhört hat. Weniger Analphabeten bekommt – welche Binsenweisheit – die Gesellschaft nur dadurch, dass alle Kinder in Deutschland so gefördert werden, dass sie selbstverständlich das elementare Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschen.
So fantastisch die Idee mit der Autobahnuniversität auch ist, als Ersatzveranstaltung statt Lesen Lernen ist sie ungeeignet.
Kommentar by Horst Kasper — 9. September, 2011 @ 12:02 Uhr
Auf der Fahrt zur Arbeit habe ich regelmäßig Luhmann gehört, Anfang der 90er (vom Band). Gerne wurde ich ihn nochmals hören; bietet Carl Auer seine Vorlesungen auf einem aktuellen Medium an ?
Kommentar by owerner — 11. September, 2011 @ 11:17 Uhr
Soweit ich weiß, ist er bereits gestorben.
Ein altes und technisch bislang ungelöstes Problem in punkto Systemaktualisierung.
Kommentar by Max Liebscht — 12. September, 2011 @ 22:31 Uhr