Ansteckung
Fritz B. Simon
Sagt man eigentlich „Du hast mich angesteckt“ oder „Ich habe mich bei dir angesteckt“?
Beide Formulierungen suggerieren ja eine durchaus unterschiedliche Dynamik. Einmal gibt es eine klare Täter-Opfer-Unterscheidung, bei der einer (=Täter) den anderen (=Opfer) ansteckt (so wie man ein Feuer entzündet; Folge: meist eine Entzündung). Das andere Mal handelt es sich um einen selbstbezüglichen Prozess, bei dem der Angesteckte aktiv ist und damit Täter und Opfer zugleich. Selbstentzündung. Passt irgendwie besser zur Theorie autopoietischer (sich selbst ansteckender/entzündender Systeme).
Die Therapie und die Vorbeugung sind, je nach Formulierung, unterschiedlich zu konzeptualisieren. Einmal geht es um die Beseitigung der Täter, das andere Mal um die Verhinderung einer selbstrefentiellen Operation. Statt Hygiene ist dann Immunisierung gegen autodestruktive Prozesse angesagt.
Es macht wenig Sinn, instruktive Interaktionen zu unterstellen, nicht einmal einem Keim, auch wenn es ohne ihn auch nicht ginge…
6 Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.











Wir wurden angesteckt und können sie (andere) anstecken – mit Grinsen statt Entzündung bspw.
Du hast mich angesteckt und ich habe mich von Dir anstecken lassen.
Offenbar hast Du “mich” (?) zwar angesteckt, aber mir es bislang noch gar nicht aufgefallen, dass ES so (angesteckt) ist.
ES – das Kind, das unbewußte Tier in uns, das Familiensystem, Gaia?
Er hat sie oder sie hat ihn angesteckt und sie können mich, Dich, uns, sie oder sie anstecken.
Da Systemiker per definitionem rücksichtsvoll sind, würden Sie sicherlich noch zwischen informeller Anrede und Höflichkeitsform differenzieren. Und dennoch würde dies der Vielfalt möglicher Perspektivbeziehungen und Resonanzmöglichkeiten kaum ansatzweise gerecht werden. Schon das mehr oder weniger ansteckende Lachen bspw. kennt mehr Dimensionen als nur innerliches / äußerlich verhaltensmäßiges Lachen. Seltsam, dass bis heute kaum systematische Rekonstruktionen zu geben scheint, wie sie ja bspw. im Rahmen der Lehrbarkeit von Gesprächsführungstechniken wie dem Zirkulären Fragen durch aus Sinn machen würde.
Kommentar by Maxliebscht@gmx.de — 2. Februar, 2010 @ 11:47 Uhr
die frage könnte lauten, wer ist hier wem so(zu) nahe gekommen…
Kommentar by o.werner — 2. Februar, 2010 @ 13:01 Uhr
Ist die Frage der Ansteckung im Sinne einer autopoietischen Sichtweise überhaupt sinnvoll?
Kommentar by Tom — 2. Februar, 2010 @ 13:42 Uhr
bei Krätze (scabies) sollte man nicht allein auf Immunisierung setzen. Es gibt also ein drittes zwischen Opfer und Täter. Oder: einmal mehr Hygiene, dann wieder mehr Autoimmunisierung, irgendwie immer dazwischen. Zu dumm.
Kommentar by Ludwig — 2. Februar, 2010 @ 14:19 Uhr
Es muss ja einen Grund geben, warum manche Menschen bei “herumgehenden” Grippewellen darniederliegen und andere nicht. Warum sitze z.B. ich regelmäßig zwischen schniefenden, hustenden Menschen und bekomme dennoch – trotz eher ungesunder Lebensführung, die doch für Anfälligkeit sprechen sollte – fast nie die Gelegenheit, mich auch mal krank zu melden? Will meinen: Interessanter Gedanke – ich tendiere zur zweiten Variante: “Er/sie hat sich bei XY angesteckt”.
Kommentar by Kathrin — 3. Februar, 2010 @ 21:51 Uhr
In der Begegnung von Angebot und Nachfrage bei mehr oder weniger ansteckender Krätze oder Lachen, bilden beide aus der Perspektive eines Dritten ein eigensinniges “System”. Inwieweit eine Frage sinnvoll ist, hängt u.a. davon ab, aus welcher Perspektive sie gestellt wird, bzw. aus welcher sich jemand dieser FrageSTELLUNG stellt.
Kommentar by Max Liebscht — 4. Februar, 2010 @ 08:43 Uhr