Anti-Bueb
Fritz B. Simon
Rolf Arnold, Pädagogik-Professor aus Kaiserslautern, ist ja einer der bekannteren Kritiker des Herrn Bueb, der mit seinem “Lob der Disziplin” zu einem der Stars vieler Talk-Shows geworden ist.
Gestern hat Herr Arnold in einem Radio-Interview noch einmal deutlich gemacht, warum er die Ansichten von Bueb für eine Aufforderung, zurück ins 19. Jahrhundert zu marschieren, hält. Bemerkenswert scheint mir dabei an seiner Argumentation, dass – was mir nicht wirklich neu war – wir ja alle in unserem Erziehungsstil unbewusst die Prinzipien realisieren, nach denen wir erzogen wurden. Der Rückgriff auf Methoden des 19. Jahrhunderts ist – so Arnold – auch wegen der gesellschaftlichen Folgen solcher Erziehung mehr als bedenklich.
Was mir auch noch gefallen hat, ist das von Arnold zitierte Prinzip der schulischen Pädogogik in Dänemark: Nie Kinder kränken.
Alles zu hören im Netz:
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/journal/interviews/-/id=659252/did=5548900/pv=mplayer/vv=popup/nid=659252/8ym5o1/index.html
4 Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.











Wenn Ihre Mitarbeiter mal wieder machen, was sie (die Mitarbeiter)wollen, machen sie (die Mitarbeiter) dann, was sie (die Mitarbeiter) sollen? Systemisch hieße wohl, zu differenzieren, in welchem Kontext, welche Führungsauffassung von Führenden / Angeführten miteinander Hand in Hand geht mit den Aufgabeerfordernissen. Im OP bspw. wünsch ich mir auf´s Verbindlichste einen Chirurgen als anerkannten Alpha und die OP- Schwester als einzige Beta. Da hab ich es verdammt gern, dass die Spielbeteiligten Ihre Verhaltenserwartungen aneinander vom Verbindlichkeitsgrad her als ein Muss statt als ein Soll oder Kann verstehen. Wenn ich eingekeilt im Auto festhänge, finde ich es ausgesprochen nett, wenn sich ein kompetenter Diktator in der Menge findet, der die allzu lang untätig am Unfallort Gaffenden zur disziplinierten Ausführung seiner Direktiven anzuhalten versteht. Systemisch handeln heißt doch am Ende nichts anders als rücksichtsvoll sein. Je nach zu diagnostizierender Anforderung des Kontextes und den zu diagnostizierenden Orientierungsbedürfnissen der an ihrer Gemeinschaftsbeteiligung mitarbeitenden Heranwachsenden so viel Führung und Disziplin wie nötig und so wenig wie möglich. Wo ist das Problem?
Kommentar by Max Liebscht — 30. Oktober, 2009 @ 13:05 Uhr
Jemand fragt: “Wo ist das Problem?”
Es ist täglich zu besichtigen, z.B. in der U-Bahn, im Bus, auf der Strasse.
Kommentar by duscholux — 30. Oktober, 2009 @ 17:45 Uhr
Meine Frau und ich kommen gerade aus “Das weiße Band” und irgendwie passt es hier im Augenblick ja zeitlich zusammen mit dem “Disziplin-Beitrag”. Und auch hier von uns die uneingeschränkte Empfehlung sich den Film anzusehen: ohne zukleisternde Musik, fantastisches Schwarz-Weiß, trotz 144min Länge nie langweilig, tolles Drehbuch. Natürlich ein Haneke.
Kommentar by Tomte — 30. Oktober, 2009 @ 21:46 Uhr
Was auch immer wer an diesen notorischen Grenzverletzern problematisch finden mag, sie sind alle genau so erzogen worden, wie sie sich nun geben. Heranwachsende werden immer nur von der Gesellschaft als Ganzes erzogen, nie nur von einzelnen Fraktionen. Wir alle sind die soziale Ökologie für deren Psyche. Halten wir als Ganzes die Grenzen ein anderen gegenüber?
Jede Gesellschaft hat genau die Jugend, die sie verdient.
Kommentar by Max Liebscht — 31. Oktober, 2009 @ 10:38 Uhr