Armes Amerika 2
Fritz B. Simon
Jetzt wird also das Schuldenlimit der USA angehoben. Wäre es nicht angehoben worden, hätte das wahrscheinlich ziemlich negative Folgen für die Weltwirtschaft gehabt. So, wie es jetzt gemacht wird, hat es wahrscheinlich ziemlich negative Wirkungen auf die amerikanische Wirtschaft.
Inzwischen weiss jeder Mensch, der eine überregionale Zeitung liest (was in den USA nur sehr wenige Leute tun), dass die marktfundamentalistische Ideologie von Reagan und Thatcher gescheitert ist und dass Keynes mit seiner antizyklischen Wirtschaftspolitik recht hat. Doch in den USA sind mit dem beschlossenen Sparpaket alle in diese Richtung weisenden Ideen in den Mülleimer geworfen worden. Folge wird sein, dass die US-Wirtschaft die nächsten zehn Jahre dahin vegetiert. Nicht die einzelnen Unternehmen, die weltweit agieren (wie etwa Coca Cola oder GE), aber Millionen durchschnittlicher amerikanischer Bürger. Sie werden sich auf längere Arbeitslosigkeit einstellen müssen, auf einen weiter sinkenden Lebensstandard.
All dies ist Folge der Tatsache, dass eine große Zahl fanatisierter, ideologischer Idioten faktisch die Macht im Repräsentantenhaus übernommen hat (Tea-Party).
Amerika – das muss uns Sorgen machen – ist nur noch bedingt regierbar. Das Ende dieser unser bisheriges Leben (nach dem 2. Weltkrieg) weitgehend gestaltenden Großmacht ist absehbar…
8 Kommentare
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Wer weiß dort noch mit diesen Namen was anzufangen? Ronald Reagan war doch der Schauspieler, der beinah anstelle von Humphrey Bogart mit der Ingmar geturtelt hätte, nicht?
Und ja, warum hängen Sie so an den Yanks? Haben Sie seinerzeit Kaugummis bekommen? Moralisch habe die sich doch so was von überlebt, da verdienen ja selbst die Pharisäer hierzulande noch nicht ganz so sehr ihre Abschaffung- nur so im Vergleich, mein ich. Oder sind die bekennenden Systemiker doch borderlinmäßiger als gedacht? Haben Sie da Vermögen gebunden?
http://www.geschichte-kinder.de/weltwirtschaftskrise-1929.shtml
In dem Maße ich Ihnen unterstelle, dass Sie moralisch noch nicht völlig verlottert sind, verstehe ich Ihre Argumentation nicht. Schlimm, schlimm für all die armen Schweine, die den Irrsinn mit ihrer Hände Arbeit für ein Butterbrot am Laufen halten, wäre es doch, wenn die Cowboys noch 10 Jahre weiter so machen könnten wie bisher, die Ressourcen dieser Welt ohne Sinn und Verstand zu verheizen. Nett, wenn es nicht so wäre. http://vimeo.com/10441794 Für die Welt wäre es ein Segen, wenn die Burgerminds mal ein bißchen in die Verinnerlichung gehen, ob sie nun mit dem Tendzin Gyatsho beten mögen oder einem der chineischen Weisheitslehrer – immer noch besser als weiter “Mein Kampf” in angloamerikanischer Übersetzung umzusetzen.
Jetzt mal eine Frage, so von Welt zu Welt:
Einer der Unterschiede, die womöglich Unterschiede machen, ist ja, dass wir im Unterschied zu 1929 Geld nicht mehr als etwas sehen, dass mit irgendetwas Materiellem verknüpft sein muss. Was die Vorstellungskraft mancher Zeitgenossen etwas fordert, aber das ist eben der Preis für den Fortschritt. Damals gab es zwar schon Buchgeld, aktive Giralgeldschöpfung durch die Banken e.t.c. aber im wesentlichen war das Geld schon noch da, wo man es anfassen konnte. Notfalls war man mit dem Schubkarren unteregs und riskierte, dass sich die Schuhlederkosten nicht amortisierten, oder so ähnlich. Aktuell hingegen ist es, das der materiellen Hüllen enthobene teure Geld überall und – was die postulierten Werte dahinter angeht – gleichzeitig nirgends, außer im Supermarkt noch irgendwie greifbar. Heute haben wir uns also in viel konsequenterer Form dem Umstand angenähert, dass Kapitalismus auf Ideenreichtum, ja Religion basiert. Irgendwie kann sich jeder was unter x vorstellen. Wir haben elektronisches Geld, welches der Form nach immer mehr der reinen Idee entspricht und immer schneller bzw. in immer größerem Umfang um den Globus kreiselt. Also (auch) aufgrund dessen immer mehr Geld im Sekundentakt um die Welt läuft, haben wir schon längst Inflation, ohne dass es Krethi und Plethi auffallen würde, dass es mit ihren goldenen Kälbern in elektronischer Form keinen Suppentopf mehr zu gewinnen gibt. Sobald jeder seinen Teil einfordern würde, reicht es kaum für ein Krümel des Scherbenhaufens. Was auf unschöne Auseinandersetzungen hinauszulaufen scheint. Da wir ja alle letztlich so oder so Unternehmer sind, muss man freilich mit gewissen Wettrisiken leben. Krethi und auch Plethi haben immerhin noch Spielgeld in den Händen, dass sie als Ikone vergötzen dürfen. Aus PR-Gründen fahren auch heute noch ab und an Sicherheitstransporter bei den Banken vor, wo Bewaffnete mit hochwichtiger Miene Geld rein- und rausschaffen. Wahrscheinlich währe es billiger, das Zeug nach Schalterschluss auf einen Haufen zu kehren und durch die Reinigungsfirma entsorgen zu lassen und die Geldautomaten mit Druckern auszutauschen. Aber man will sich eben nicht lumpen lassen und tut eben noch so ein bißchen als ob. Im Supermarkt ist ja auch noch Strom. In einer Pharisäerkultur übervoll zynischer Vernunft beruht der Glaube letztlich darauf, dass sich am Ende doch noch irgendein armer Hund in der internationalen Transaktionskette ausfindig machen lassen muss, der für die Einlösung der Werte gerade steht bzw. den Buckel krum macht. Darin besteht letztlich das Evangelium bürgerlich bigotter Kulturformen. Letztlich ist es diese Sicherheit der gewohnten Verhältnisse, die unsere Friedenskämpfer da verteidigen am Hindukush. Da die Mohnkapselzupfer das Buckeln nicht so drauf haben wie andere Völker müssen sie das Öl für unsere Einkaufstüten, Zivilpanzerwagen und Plastikflaschenozeaninseln rausrücken. Immerhin irgendwo noch ein Realwert. Der Iraner ist unsympathisch, weil er hetzt, sich das Öl nicht mit wertlosem Papier bezahlen zu lassen. So weit so gut, als jemand der vom Lande kommt, seh ich es erst mal so. Nun haben die Ökonomen ja für alles so witzige Begriffe (Mandrakemechanismus, Schuhlederkosten). Wenn es nun darum geht auszumitteln, wie viel an realer Inflation sich ausgleichen läßt, dadurch immer mehr Geld auf elektronische statt durch Angebot und Nachfrage bedingte Umlaufgeschwindigkeit gebracht wird, so muss es doch auch eine Bezeichnung für den Effekt geben, der sich durch das Internet und seine Möglichkeiten des Trilliarden- um- den- Globus- kreiseln- lassens („Schwarzer Peter“ quasi als globales Gesellschaftsspiel) ergeben hat? Womit nach so viel Vorrede meine Frage formuliert wäre.
Sofern es wider Erwarten so sein sollte, dass es noch keinen VWL-Term für dieses Phänomen gibt, könnte man hier einen Wettbewerb für die originellste Bezeichnung ausrufen! Der Vorschlag, mit dem ich mich gleich selbst für Aufnahme in die volkswirtschaftlchen Belletristik bewerben möchte, lautet „Nirvanesischer Effekt“. Weil, soweit ich es als Laie verstehe, wird mit all den immer größeren, erfundenen Geldmengen, die Dank Internet ab den 90-er Jahren mehr und mehr hin und hergejagt wurden und werden sowie den im Grunde inhaltlosen Darlehen ja in imaginäre Reiche investiert. Eine Art second life für die Finanzjongleure von FED & Co. Das heißt, mit Hinzukommen virtueller Räume für das Verschieben erfundener Werte, kann man das Spiel noch weiter ausreizen als ohnehin mit Buchgeld e.t.c. Irgendwann müßte es auch da an eine Grenze geraten und der nirvanesische Effekt würde relativiert. Ist das jetzt schon so weit? Inflation würde für uns niedere Kasten merklich, wenn die Zocker es überreizen und schneller Geld erfinden, als im Hin- und her der Überweisungen und Börsenwetten unterzubringen ist. Schon originell, wer die beiden größten Gläubiger der Staaten sind. Solange wir quasi noch an uns selber glauben, kann man den Chinesen auch Papier ausstellen. Solange dieser Plunder wiederum noch als wert gilt, nutzen diese die Zeit, um damit reale Werte dieser Welt aufzukaufen. Macht den Eindruck von einem Zeitspiel, das auf Showdown hinausläuft. Wenn das Leben so einfach wäre! Ist es nicht?
Auf den Zusammenhang erhöhter Religiösität im banalen Sinne und vermindertem IQ sind Sie im Hinblick auf die US-Amerikaner (“Idioten” e.t.c.) schon mehrfach eingegangen.
Wahrscheinlich haben Sie Recht. Wenn Sie aber Recht haben, wieso wundern Sie sich dann öffentlich? Die Amis sind dümmer als die Chinesen.
http://www.china-intern.de/page/wissenschaft-neue/1133658133.html
Kommentar by Max Liebscht — 2. August, 2011 @ 07:23 Uhr
Zwischenstaatlich organisiert sind nur das Verbrechen und der Kapitalismus.
In erweiterter Auslegung von K. Tucholsky.
Kommentar by es — 2. August, 2011 @ 09:29 Uhr
@1. Namen, natürlich, Herr Liebscht! “Schau mir in die Augen, Kleines!”, sagte Humphrey (beinahe Ronald) zu Ingrid, nicht zu Ingmar. Ingrid, die berühmte Schauspielerin, Ingmar der nicht weniger berühmte Regisseur, beide namens Bergman aus Schweden und dieser, Vater von neun Kindern mit fünf verschiedenen Frauen, auch noch der Schwiegervater von Henning Mankell konnte nicht mit Humphrey turteln. Aber das war ja nur die Einleitung zu Ihren wichtigeren Gedanken.
Kommentar by Horst Kasper — 2. August, 2011 @ 15:58 Uhr
Grazie! So verwandt und vervettert wie all die Rossellinis der haute volée aber sind, nimmt es Gottlob wenig Wunder, wenn so ein kleiner Provinzberichterstatter all deren Namen und darstellerbezeichnungen fellwechselt. Til Schwaiger for president! Das mit dem siebten Siegel und so Zeuch is mir ächt zu komplex.
Kommentar by Max Liebscht — 2. August, 2011 @ 16:38 Uhr
Was Arnie nicht ward, wird Till nimmermehr! Das arme Amerika hat jetzt andere Sorgen.
Kommentar by Horst Kasper — 2. August, 2011 @ 16:55 Uhr
Wahrscheinlich hat es mit der Erziehung durch kriegsgeschädigte Sozialisationsbevollmächtigte zu tun; dieser Arni wär mir auch irgendwie lieber for president;
http://www.aamindell.net/
Immerhin wäre es im Rahmen faschistoider bzw. neofeudalistischer Dramatisierung der Verhältnisse einmal mehr naheliegend, dass jetzt, nachdem all Welt gesehen hat, das Quotenneger es nicht bringen, ein Terminator eingesetzt wird. Gutti hätte die Bundeswehr vermutlich gern in ein privatwirtschaftliches Unternehmen transformiert, derart wie XE-Services. Wahrscheinlich liegt es an dieser Art sozialer Demenz, von der es Assmanns haben, dass wir selber gar nicht mehr so recht erinnern können, ob wir der Quotenfrau für´s Wegbeißen dankbar sein sollen oder mangels Lichterkette doch lieber nicht.
PS: Einem Bekanntem nach, der sie von früher her persönlich kannte, hat sich die Pfarrerstochter seinerzeit in Leipzig erfolgreich für die sexuelle Aufklärung innerhalb der Kirche stark gemacht. Interessanterweise ohne je selbst in staatlich veranlaßte Querelen hinein zu geraten. Was wäre schon jetzt möglich geworden wenn ihr noch mehr Erfolg beschieden gewesen wäre oder – je nachdem – der Schniegel nicht ganz so dämlich im revanchelosen Abgang? Womöglich hätten sich viele junge Männer gefreut! Insofern all die Kommentare als Zeugnisse unserer Verfassung Gültigkeit beanspruchen und – Habermas hin oder her – auch Gültigkeit beanspruchen können: http://www.youtube.com/watch?v=rDmdtcyDVlg&feature=related
Auch die Reklametafeln auf den Arbeitsämtern sprechen eine eindeutige Sprache: Es ist wieder Zeit für Freiwillige. The song remains the same.
Kommentar by Max Liebscht — 2. August, 2011 @ 20:02 Uhr
Innovation und Kreativität.
Die Hoffnungstreiber der kapitalistischen höher-, weiter-, neuer- Prediger. Suchtmythen.
„Weinhousing“ gehört zu manchen Berufen, wie Luft zum Atmen. Das ist gut so.
Vorsicht ist angesagt, wenn Buchhaltung oder Juristen mit Kreativität angefixt werden.
Jack Balkin, angesehener Verfassungsrechtler aus Yale, dessen Fantasie seine Rechtskundigkeit an kreativer Freude noch übertrifft, hat einen (nicht ganz ernst? gemeinten) Vorschlag zur Beseitigung des Haushaltsdefizits entwickelt:
http://balkin.blogspot.com/2011/07/obamas-top-secret-plan-to-solve-debt.html
Kommentar by es — 3. August, 2011 @ 10:46 Uhr
In einem wohl schon alten Buch hab ich mal gelesen, dass Zynismus eine Art Gemütserkrankung darstellt. Dabei scheint es nur so, dass die Identifikation mit prosozialen Werten in dem Maße von persönlichem Nachteil ist, als es einem Individuum oder einer Subkulturellen Gemeinschaft gelungen ist, sich gegenüber den Anforderungen der Ökologie zu emanzipieren. So gesehen sind wir auf gutem Wege Richtung allgemeinster Genesung.
Kommentar by Max Liebscht — 3. August, 2011 @ 15:22 Uhr