Aufhängen
Fritz B. Simon
Gestern bin ich mit dem Taxi von München in die Gegend von Garmisch gefahren, und mein Fahrer hat mich aufgeklärt, wie man mit Bankern umgehen sollte. Wenn er zu entscheiden hätte, in Berlin, dann würde er so vorgehen: Die Regierung würde von allen Bankern ihre Boni zurückverlangen und alle Schäden aus deren Privatvermögen ausgleichen. Wenn sie dann nichts mehr hätten, sollte man sie zu gemeinnütziger Arbeit einsetzen. Und, falls sie sich weigern sollten, ihre Vermögen freiwillig abzugeben: Aufhängen! Einer würde wahrscheinlich ja genügen, dann würden alle anderen schon machen, was man von ihnen verlangt. Er fand auch, über die Rettungspakete für die Banken hätte eine Volksabstimmung stattfinden sollen.
Ich konnte dazu nur bemerken, ich sei froh, dass er nicht am Steuer sässe – in Berlin. Denn gefahren ist er ja schon sicher. Auch hat mir das sehr zu denken gegeben, was die Sinnhaftigkeit von Volksabstimmungen zu konkreten politischen Entscheidungen betrifft.
6 Kommentare
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Und da gibt es noch Leute, welche die Warnung vor drohenden sozialen Unruhen für gefährliche Unruhestiftung halten und verteufeln, aus Angst vor sich selbst erfüllender Prophezeiung. War Ihr Taxifahrer, lieber Herr Simon, nur einfach ein typisch bayerischer Polterer oder handelt es sich doch bei solchen Äußerungen um ein Symptom der wachsenden sozialen Spannungen?
Kommentar by Horst Kasper — 26. April, 2009 @ 10:46 Uhr
Albert Einstein meinte schon, dass man Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen kann, durch die sie entstanden sind. Dass aber genau das in Berlin (und anderswo) versucht wird, ist ein Eindruck, dessen man sich kaum erwehren kann.
Nun beruht das Rezept Ihres Taxifahrers vielleicht auch nicht gerade auf einer Denkweise, die in unserer letzten deutschen Vergangenheit mit Erfolg zu Frieden und Wohlstand geführt hat, aber sympathisch finde ich das total Konträre in seinem Ansatz: nicht erhalten wollen, was besteht. Das könnte auch das durchaus sinnhafte Ergebnis einer solchen Volksabstimmung sein, der Sie scheint’s skeptisch gegenüberstehen.
Ich bin aber entschieden gegen die Todesstrafe, egal welches Verbrechen es zu bestrafen gilt. Vielleicht reicht es, wenn in den Banken/Ministerien/Firmen nach jungen Leuten gesucht wird, die noch nicht 20 Jahre auf eine bestimmte Art und Weise zu denken gewohnt sind, keine Erfahrungen (von zweifelhaftem Wert) haben und diese ermächtigt, Lösungen zu finden. Allein des Überraschungseffektes wegen, würde ich das eines Versuchs wert finden.
Kommentar by Friederike Most — 26. April, 2009 @ 16:11 Uhr
Nein, das war kein Hinweis darauf, dass es zu sozialen Unruhen kommen könnte oder wird. Denn dieser Fahrer war ja keiner, der sozial Not leidet, sondern einer, der als selbständiger Unternehmer viel arbeitet, Vermögen besaß, mir sagen konnte, um wieviel Prozent an diesem Tag welche Aktien gestiegen/gefallen sind (sie sind gestiegen). Und deshalb hat er in der Krise auch einiges verloren bzw. noch zu verlieren.
Und obendrein war er der typische Grantler…
Kommentar by Fritz B. Simon — 26. April, 2009 @ 16:13 Uhr
Zu den Ostermärschen waren in ganz Deutschland gerade mal 20 000 Leute marschieren auf der Straße. Wer wird denn da Unruhe im Glied befürchten?!
Kommentar by Max Liebscht — 26. April, 2009 @ 20:30 Uhr
anscheinend kennt er Luhmann nicht..
Kommentar by o.werner — 27. April, 2009 @ 09:06 Uhr
Soziale Unruhe ante portas?
Ich ging heute einmal wieder ueber einen westdeutschen Uni-Campus.
Wenn ich die neueren Graffitti richtig deute, hat Gesine Schwan wohl das richtige Gespuer.
Kommentar by duscholux — 28. April, 2009 @ 18:21 Uhr