Simons Systemische Kehrwoche

Autoritäre Strukturen und Systeme

Fritz B. Simon

Die Geschichte Chinas liefert gute Beispiele dafür, wie autoritäre Herrschaft zu einem Ende kommt. Denn dort hatten seit Jahrtausenden irgendwelche Kaiser eine unangefochtetene Machtposition inne.

Ich habe irgendwo gelesen (es könnte die “Zeit” gewesen sein), dass Historiker analysiert haben, wann und wie es zum Regimewechsel in China kam. Sie haben die Ergebnisse statistisch zusammen gefasst:

In 20% der Fälle kam es zu einem Wechsel der Herrscher bzw. Herrschaft durch eine Intervention von außen. In 40% kam es zu einer Revolution, d.h. durch interne Aufstände und Kämpfe, und in 40% der Fälle kollabierte das Regiem einfach deshalb, weil es sich offensichtlich überlebt hatte, seine Kraft und jegliche Unterstützung verloren hatte.

Ich finde diese Zahlen sehr beruhigend. Auf jeden Fall sind sie – wenn man sie denn verallgemeinern kann (und ich denke, das darf man) – ein gutes Argument gegen Interventionen von außen… – auch in Syrien. Im Irak wäre es sicher besser gewesen, Saddam Hussein von seinen Landsleuten absetzen zu lassen usw.

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9 Kommentare

  1. Ja, so eine Intervention ist eben systemerhaltend. Sie bündelt Kräfte, schafft Sinn und sichert Unterstützung.

    Comment by es — 4. Mai 2012 @ 19:14 Uhr

  2. Kommt lt. Marx & Followers von der sog. asiatischen Produktionsweise;
    http://bongards.gmxhome.de/apw5.html

    Eine phasenweise strukturelle Entsprechung dazu; http://de.wikipedia.org/wiki/EhernesGesetzder_Oligarchie

    Wenn wir warten wollten bis die Leute selber schlau genug werden gingen uns die Argumente aus durch Einmischung in deren Interna unsere Antagonismen auszubalancieren. Unsere Wirtschaftsweise tendiert hinsichtlich ihrer ökologischen Angemessenheit Richtung DDR Spätphase.
    Da können wir uns selber dadurch vor Innovation bzw. Restrukturierung bewahren, dass wir uns zu deren Maßstab machen. Du bist Plastikbeutel.

    Comment by Max Liebscht — 4. Mai 2012 @ 19:15 Uhr

  3. Leider ergibt sich daraus keine praktische Handlungsanleitung.

    Nehmen wir einmal einen DDR-Genossen.

    1918 & 1945 durch Intervention von aussen eine autoritäre Herrschaft beseitigt.

    1984 hat der DDR-Bürger die Nase so voll, dass er Revolution anzettelt. Aus heutiger Sicht schön blöd, denn 1989 bricht das Regime sowieso zusammen.

    Heute mit Merkel unzufrieden. Was tun? Auf €urokollaps warten?

    Comment by duscholux — 4. Mai 2012 @ 19:31 Uhr

  4. Damit Herr Simon die narzistische Kränkung übersteht (Genossen Duscholuxens Kritik an dessen zenbuddhistisch eingetrübter Gebrauchsanweisung für feudalistische Kulturformen erscheint folge eigener tiefenphänomenologischer Erhebungen legitim) werden ich ihm etwas abgeben vom meinem Alternativem Nobelpreis für Gelegenheitssystemiker anläßlich meiner Entdeckung des – ein wenig paradox erscheindenen – systemischen Grundgesetzes §1, welches besagt; in dem Maße wir die Anfragen der Ökologie berücksichtigen – in dem Maße vermögen wir uns selbst genug zu sein.

    Comment by Max Liebscht — 4. Mai 2012 @ 21:27 Uhr

  5. Was belegt, dass sich hierarchisch strukturierte autoritäre Systeme, die sich durch positive top-down – Rückkopplung aufschaukeln, irgendwann von selbst erledigen. Die führenden Köpfe (die restlichen 20%) auszutauschen macht insofern auch keinen Sinn und führt lediglich zu einem temporären Aufschub, wenn die Methoden gleichbleiben.
    (vgl.auch HvF’s “Viel-Hirn-Problem”)

    @3: Wenn allerdings in 40% bereits ein Systemkollaps durch Machtentzug provoziert werden kann, dann wäre das doch vielleicht ein Ansatz zur praktischen Handlungsanleitung.
    Entzug all dessen, was die Herrschaften am dringstendsten benötigen: Aufmerksamkeit, Stimmen, Kooperation. Nach dem Motto:
    “Quote, wem Quote gebührt und Gnade dem, der sie braucht.”
    Unter dieser Prämisse wäre das doch vielleicht bereits eine respektable Handlungsanleitung: Gewaltfrei, praktisch und gut.

    Aber dennoch Vorsicht und nicht alles auf einmal. Denn es fragt sich unmittelbar: Wer räumt anschließend den Trümmerhaufen auf und hat einen tragfähigen Plan zum Wiederaufbau? Letzteres scheint bei der allgemeinen Unzufriedenheit doch noch nicht so ganz in Sicht, oder? Aber systemisch und kybernetisch vorzudenken in dieser Richtung wäre doch erlaubt, oder?

    Comment by deaXmac — 5. Mai 2012 @ 11:41 Uhr

  6. Freiheit und Glück, ein politisches Konstrukt?
    Hier ein schöner Vortrag:
    http://t.co/EcFFvwoK #TED.

    Comment by es — 6. Mai 2012 @ 09:41 Uhr

  7. Machtenzug durch andere Attraktoren, Vordenken – gut und schön.
    Aber die Obermafiosi werden doch jetzt auch über´s Hacken von Systemen aufgeklärt.
    Von daher … the song remains the same.

    Comment by Max Liebscht — 6. Mai 2012 @ 15:30 Uhr

  8. @7. …”the song remains the same”.
    Einverstanden!
    “It’s just the same old story….”

    Hoffnungslose Romantiker glauben an ein “re-entry” und daran, dass am Ende doch noch alles gut wird. Zumindest erscheint am Ende immer etwas Neues am Horizont: “The beginning of a beautyful friendship”. That’s it. Wäre das nicht “gut und schön”?

    http://www.youtube.com/watch?v=FDhGS4EJS8M&feature=related
    http://www.youtube.com/watch?NR=1&feature=fvwp&v=7vThuwa5RZU

    Wenn man es sich genauer anschaut, scheint das strategische Konzept doch zu sein: Bei kritischen Zuspitzungen die “Obermafiosi” an ihren emfindlichsten Stellen zielsicher auszuschalten und gleichzeitig die positiven Kräfte diskreter subversiver Strömungen zu nutzen.
    Dieses doppelgleisige Muster mit gemischter Rückkopplung, ließe sich doch -aus binokularer Tiefenperspektive betrachtet- auch differentialdiagnostisch, therapeutisch und präventiv nutzen, oder?
    Wo man auch hinschaut, schaukeln sich Konflikte auf, bröseln bereits Ränder und Fundamente und gleichzeitig sind “strange attractors” in Hülle und Fülle längst aktiv. Es scheint doch nur noch ein systemischer Krisenplan für paradoxe Interventionen mit Erste-Hilfe-Massnahmen unter Triagebedingungen zu fehlen, oder?

    Nicht nur für Romantiker, sondern auch für Realisten und Pragmatiker scheint sich dieses Klassiker-Konzept gerade im Hinblick auf die Salutogenese doch immer wieder zu bewähren.
    Die Menschheit hätte es vermutlich auch anders nicht überlebt.

    Insofern: “It’s just the same old story….”

    Comment by deaXmac — 7. Mai 2012 @ 11:40 Uhr

  9. Keine Sorgen machen wegen dem Gebrösel,
    irgendwo bei Luhmann findet Dirk Baecker bestimmt,
    es läge nur an der Bildeinstellung.
    “Inseln der dritten Welt” hat es mal bei Heiner Müller dazu geheißen. Aber letztlich: verdient, ist verdient, wie die alten Römer sagten.
    Die kommende Gesellschaft sieht jedenfalls ziemlich alt aus,
    durch welchen Spiegel sie sich auch beobachten mag.

    Gleichwohl merke ich, dass ich ein alter Sack geworden scheine.
    Revolution war mal Ehrensache. Mindestens.
    Heute würde ich selber dahin neigen, Herrn Baeckers Wozu?-Reihe fortzusetzen:
    Revolution – für wen? Einigermaßen dekadent. “Man” müßte mehr wandern gehen und Selbstversorgung trainieren. Ja, ja.

    Comment by Max Liebscht — 8. Mai 2012 @ 09:21 Uhr

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