Simons Systemische Kehrwoche

Bankräuber

Fritz B. Simon

Der Sprachgebrauch ändert sich im Laufe der Zeit.

“Bankräuber” stand früher für jemenden, der Banken ausraubte, heute für die Banken selbst.

Falls noch irgendwer an der Berechtigung der Wut auf die Wall Street Banken bzw. die Politiker, die sie unterstützen, zweifeln sollte, möge nachlesen, wie die Banken in den Jahren 2007 bis 2010 davon profitiert haben, dass ihnen die FED (amerikanische Bundesbank) unbgrenzt Kredite unterhalb der Marktkonditionen (! – warum schreien hier die Marktfundamentalisten nicht auf?) gegeben hat. Nur auf diese Weise konnten die Banken am Leben bleiben (wogegen ja, um der Weltwirtschaft willen, nichts einzuwenden ist), aber (was katastrophal ist): Sie mussten auch nichts ändern.

Für die jeweiligen Mitarbeiter bedeutete dies, dass sie weiterhin ihre dicken Boni erhielten usw., für die Weltwirtschaft, dass die Banken weiterhin “too big to fail” blieben/bleiben.

Ausgeraubt wurde der Staat (und daran dürften die USA noch lange zu knabbern haben), der die Banken gerettet hat.

Ironischerweise nutzten die Banken das Geld des Staates, um gegen die Politik(er) zu agitieren, die für eine Regulierung der Banken und damit den künftigen Schutz des Staates vor der Notwendigkeit Banken zu retten eintraten.

Zu den Summen, die von der FED an Banken geliehen wurden, siehe die Ausschnitte unten aus einem Artikel auf bloomberg.com. Zu berücksichtigen beim Lesen ist, dass “billion” im Amerikanischen mit “Milliarde” ins Deutsche übersetzt werden muss, und “trillion” mit “Billion”:

“Bankers didn’t disclose the extent of their borrowing. On Nov. 26, 2008, then-Bank of America (BAC) Corp. Chief Executive Officer Kenneth D. Lewis wrote to shareholders that he headed “one of the strongest and most stable major banks in the world.” He didn’t say that his Charlotte, North Carolina-based firm owed the central bank $86 billion that day.

(…)

JPMorgan Chase & Co. CEO Jamie Dimon told shareholders in a March 26, 2010, letter that his bank used the Fed’s Term Auction Facility “at the request of the Federal Reserve to help motivate others to use the system.” He didn’t say that the New York-based bank’s total TAF borrowings were almost twice its cash holdings or that its peak borrowing of $48 billion on Feb. 26, 2009, came more than a year after the program’s creation.

(…)

They had no clue that one bank, New York-based Morgan Stanley (MS), took $107 billion in Fed loans in September 2008, enough to pay off one-tenth of the country’s delinquent mortgages. The firm’s peak borrowing occurred the same day Congress rejected the proposed TARP bill, triggering the biggest point drop ever in the Dow Jones Industrial Average. (INDU) The bill later passed, and Morgan Stanley got $10 billion of TARP funds, though Paulson said only “healthy institutions” were eligible.

(…)

Employees at the six biggest banks made twice the average for all U.S. workers in 2010, based on Bureau of Labor Statistics hourly compensation cost data. The banks spent $146.3 billion on compensation in 2010, or an average of $126,342 per worker, according to data compiled by Bloomberg. That’s up almost 20 percent from five years earlier compared with less than 15 percent for the average worker. Average pay at the banks in 2010 was about the same as in 2007, before the bailouts.

“The pay levels came back so fast at some of these firms that it appeared they really wanted to pretend they hadn’t been bailed out,” says Anil Kashyap, a former Fed economist who’s now a professor of economics at the University of Chicago Booth School of Business. “They shouldn’t be surprised that a lot of people find some of the stuff that happened totally outrageous.”

Der komplette Artikel ist nachzulesen unter:

http://www.bloomberg.com/news/2011-11-28/secret-fed-loans-undisclosed-to-congress-gave-banks-13-billion-in-income.html

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3 Kommentare

  1. “Was wir in Europa erleben,
    sind waschechte Staatsstreiche der Märkte.
    Die Politik hat nichts mehr zu sagen.”
    Aurèlia Mañé Estrada, Prof. für Ökonomie,
    Barcelona

    Kommentar by Christian Michelsen — 29. November, 2011 @ 15:35 Uhr

  2. Wann war früher? oder nihil novi sub sole?
    Thomas Jefferson (1816): “And I sincerely believe, with you, that banking establishments are more dangerous than standing armies; and that the principle of spending money to be paid by posterity, under the name of funding, is but swindling futurity on a large scale.”
    Bert Brecht, Dreigroschenoper: “Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes ?“
    Banken, die diesen Klischees nicht entsprechen, gibt es Gott sei Dank auch bei uns.

    Kommentar by Stephan Pesendorfer — 29. November, 2011 @ 22:00 Uhr

  3. Die welche am lautesten nah freier Markwirtschaft schreien, sind oft genug diejenigen, welchen an den Verteilerschnittstellen für Fördermittel sitzen und von den quasi sozialistischen Bedingungen in Teilbereichen der Gesellschaft profitieren.

    Die gegenwärtigen Krisen sind Symptome übermäßigen Erfolges, was die Realisierung von Möglichkeiten des Schmarotzens am Staat der Gemeinschaft angeht.

    Kommentar by Max Liebscht — 4. Dezember, 2011 @ 11:56 Uhr

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