Simons Systemische Kehrwoche

Bateson

Fritz B. Simon

Gestern habe ich den Film von Nora Bateson über ihren Vater gesehen. Die Filmerin war selbst auch anwesend (eine junge Frau, die wahrscheinlich das Werk ihres Vaters nur aus Büchern kennt; als er starb (1980) muss sie noch in die Grundschule gegangen sein).

Für Leute, die sich bislang noch nicht mit Gregory Bateson und seinen Ideen auseinandergesetzt haben, liefert der Film einen guten Einstieg. Für diejenigen, die seine Bücher (“Ökologie des Geistes” / “Geist und Natur”/ “Kommunikation” [letzteres bei Carl-Auer erschienen]) gelesen haben, ist der Film sicher nicht viel mehr als einen erweiterte Form der Home-Story.

Auch wenn der Bateson, den man im Film sieht, nuschelt und seine Texte deswegen schwer verständlich sind, wird im Film deutlich, warum Bateson so wichtig für die Entwicklung von Systemtheorie, Konstruktivismus und Kybernetik wurde: Er hat sich nie an die Unterscheidungen, die Schubladisierungen, die Grenzziehungen der traditionellen Wissenschaften gehalten, sondern sich stets – alle Fachdisziplin missachtend – mit der Dynamik der Entstehung von Beziehungsmustern, d.h. von Ordnung, beschäftigt. Er und seine Modelle ließen sich nicht in die vorgegebenen Schemata einordnen (was ihn offenbar nicht störte, sondern offenbar eher amüsierte).

Dass er nur so wenig geschrieben hat, ist sicher von Vorteil für die von ihm entwickelten Ideen und Konzepte: Seine Texte sind zwar nicht leicht zu lesen, aber es ist kein Berg von Publikationen, den man zu erklimmen hat.

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2 Kommentare

  1. Die GI´s saßen schenkelklopfend und gröhlend im Kino der Airbase, als die Wochenschau im Vorspann Ausschnitte aus einer surrealen Welt, weit außerhalb meiner kleinen Pfadfinderwelt, auf die Leinwand bannte.
    Zwei Bildsequenzen haben mich bisher begleitet. Ein Mann, der mit Farbe auf riesige Leinwände, welche am Strand lagen, schoß – Jackson Pollock. Und ein Mann, der mit Delphinen sprach und sie im Wasser beim schwimmen begleitete- G. Bateson.
    Später gab es eine Fernsehsendung mit einem Delphin. Flipper, glaub ich. Eindrücklich blieben die Bilder (mein Verständnis der Sprache hielt sich in Grenzen) in schwarz und weiß.

    Kommentar by es — 16. September, 2011 @ 13:00 Uhr

  2. Wissenschaftlicher Totlitarismus erscheint phasenweise als Fortschritt bspw. gegenüber Alchemie. Sind die Grundlagen einer Disziplin gesichtert, ergibt sich als Isomorphie zwischen Welt und Gegenwelt, dass Wissen in dem Maße anwendbar und ökologisch ist, als der Wissensträger interdisziplinäre Befunde zu integrieren sucht. Um Suche zu wagen, muss man schon ein Stück weit gefunden haben. Soweit es statt um Suche nicht eh mehr um Finden lassen geht.

    Kommentar by Max Liebscht — 19. September, 2011 @ 18:50 Uhr

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