Simons Systemische Kehrwoche

Bazooka

Fritz B. Simon

Es gibt den Vorschlag von angesehenen Ökonomen, die EZB solle unbegrenzt Staatsanleihen von Euro-Staaten kaufen. Das sei das ultimative Mittel, die Spekualtion gegen einzelne Staaten zu beenden.

Die Gegenargumente – auch von vielen angesehenen Ökonomen vertreten – bestehen darin, dass dies de facto “Gelddrucken” bedeuten würde und – langfristig zur Inflation führe.

Ich stimme denen zu, die für das Gelddrucken sind, d.h. die Bazooka (so wird das unbegrenzte Aufkaufen von Staatsanleihen durch die EZB genannt).

Mir scheint, dass dies das beste Mittel ist, der Politik wieder den Primat gegenüber den (Finanz-) Märkten zu geben. Paradoxerweise dürfte dadurch auch wieder Ruhe in die Finanzmärkte kommen (“adult supervision”). Denn die brauchen Begrenzungen von Spekulationsmöglichkeiten. Alles andere ist das Bekenntnis, dass Zocken intelligenter und profitabler ist als Investionen in die sog. Realwirtschaft. Dies nicht zuzulassen, ist eine politische Entscheidung, die auch durchgesetzt werden muss. Deswegen ist das ökonomische Argument der Inflationsgefahr in diesem Fall zweitrangig.

Die europäische Staatengemeinschaft muss einfach beschließen, dass sie keinen Eurostaat pleite gehen läßt. Und die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Basta. Das reicht.

Wenn es um Vertrauen geht, dann kann man es auf diese Weise herstellen, d.h. durch einseitige Verpflichtung.

Dass es dadurch zur Inflation kommt, halte ich persönlich für unwahrscheinliich. Zum einen ist soviel an Kapital – und in der Folge auch umlaufendem Geld – in den letzten Jahren durch die Krise vernichtet worden, dass schon deswegen die Gefahr gering ist. Und selbt wenn: Inflation (wenn sie milde ist) stellt einen guten Mechanismus dar, um die Unterschiede zwischen arm und reich ein wenig auszugleichen: Wer kein Vermögen hat, leidet auch nicht unter der Entwertung seiner Ersparnisse. Eine milde Inflation ist eigentlich das, was jeder verantwortungsbewußte Politiker anstreben sollte (schon damit es sich lohnt, heute zu investieren, statt auf irgendein besseres Morgen zu warten).

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15 Kommentare

  1. Begrenzung der Spekulanten bezüglich ihrer Spekulationsgeschäfte klingt gut, aber wer begrenzt die Politik in ihrem unproduktiven Ausgaben- sprich Verschuldungsverhalten?

    Kommentar by ludwig — 20. November, 2011 @ 16:18 Uhr

  2. @ 1.
    http://www.global-change-2009.com/blog/die-bundesbankzahlen-fur-2010-sind-da-die-privaten-deutschen-haben-noch-mehr-uber-ihre-verhaltnisse-gespart/2011/10/

    Kommentar by chabis — 20. November, 2011 @ 19:05 Uhr

  3. Nichts gegen den Vorschlag, die EZB für Vertrauen bei den Märkten sorgen zu lassen, sei es durch eine Garantie oder durch direkte Finanzierung einiger Staaten.
    Aber vielleicht trauen die Anleger (die ja oft auch ihr eigenes Geld anlegen/wetten) den europäischen Eliten keine vernünftige Problemlösung zu, weil diese das ganze Problem der Schieflage unserer Währungsunion darauf reduzieren, dass manche Länder gut wirtschaften (=sparsam sind) und andere schlecht (=Schulden machen).
    Wenn jemand ein unzutreffendes Bild des Problems hat, ist es einfach unwahrscheinlicher, dass auch mit größten Anstrengungen eine adäquate Lösung geschaffen wird.
    Die Sparanstrengungen, die jetzt dem griechischen Volk abverlangt werden, sind solche Anstrengungen.
    Dem Problem angemessen wäre es, offiziell festzustellen, dass die Eurozone an einer Leistungsbilanz und Wettbewerbsfähigkeitsscheere leidet. Die
    Für die nicht-Ökonomen: Die Griechen haben 10 Jahre lang die Löhne steigen lassen, während die Deutschen seit 10 Jahren real für das gleiche Geld arbeiten. Folge: Deutschland ist auch in Europa Export-Weltmeister und die Südländer importieren mehr, als sie exportieren.

    Man könnte dann auch gemeinsame Maßnahmen beschließen um das Wettbewerbsniveau anzugleichen, also in Deutschland höhere Löhne durchsetzen (z.B. durch einen echten Mindestlohn) und in Südeuropa die Löhne nicht steigen lassen.
    Vielleicht würde das auch an den Finanzmärkten für Vertrauen sorgen. Wenn sichtbar ist, dass sich die Europäischen Eliten auf eine tragfähige Strategie geeinigt haben mit der das Problem mittelfristig gelöst werden kann.

    Kommentar by Lukas — 20. November, 2011 @ 22:19 Uhr

  4. http://derstandard.at/1319183327280/Videocast-von-Robert-Misik—Folge-208-Der-Bloedsinn-Schuldenbremse

    Kommentar by chabis — 20. November, 2011 @ 22:40 Uhr

  5. Die von meinermuttersohn vor Jahren geweissagte Rekonstruktion DDR-licher Verhältnisse nimmt erste Formen an. Die Grenzen werden nicht wie damals geographische sein. Die Grenzen ergeben sich aus der zunehmenden Verknappung der jahrzehntelang mit Gewalt verschleuderten Ressourcen. Derzeit wird aber noch über bedrucktes Papier geredet – eine Orchesterprobe mehr. Ein Thema für die armen Tröpfe in den Kirchenbänken.

    Kommentar by Max Liebscht — 21. November, 2011 @ 08:47 Uhr

  6. und die Barrosos Eurobonds nenen wir dann

    B a r r o s o – O r g e l n.

    Ich nehme schon mal Titelschutz in Anspruch.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stalinorgel?redirect=no

    Kommentar by duscholux — 21. November, 2011 @ 09:32 Uhr

  7. Zwei Mönche betrachteten eine Fahne, die über dem Klostertor im Wind flatterte. “Die Fahne bewegt sich”, sagte der Eine. “Nein”, erwiderte der Andere, “nicht die Fahne bewegt sich. Der Wind bewegt sie.” In diesem Moment kam der sechste Patriarch vorbei. “Weder die Fahne bewegt sich”, sagte er, “noch der Wind. Eure Herzen bewegen sich!” Da erschraken die Mönche.

    Kommentar by Michael Gerstner — 21. November, 2011 @ 20:19 Uhr

  8. http://www.youtube.com/watch?v=ZzO-kzwvyDE

    Kommentar by Max Liebscht — 21. November, 2011 @ 21:03 Uhr

  9. @5 u. 8.: Die Auszüge aus dem Buch “Der kommende Aufstand” haben wir aus urheberrechtlichen Gründe entfernt.

    Kommentar by Administrator — 22. November, 2011 @ 10:05 Uhr

  10. Diese Übersetzung; http://media.de.indymedia.org/media/2010/07//286489.pdf ist doch frei, nicht?!?

    Kommentar by Max Liebscht — 22. November, 2011 @ 10:37 Uhr

  11. @10: Das heißt aber nicht, dass diese zur “freien Verbreitung” bereit gestellte Übersetzung rechtens ist. Die offizielle deutsche Übersetzung ist bei der Edition Nautilus erschienen.

    Kommentar by Administrator — 22. November, 2011 @ 12:12 Uhr

  12. Die freie gilt als genauer.

    Im Zweifelsfall müßte man das “unsichtbare Kommitee” fragen.
    Den bisherigen Ermittlungen nach
    wohnt es in der Nähe von Carl Auer.
    Möglicherweise ist dieser Befund aber gar nicht richtig.

    Kommentar by Max Liebscht — 22. November, 2011 @ 16:20 Uhr

  13. http://varoufakis.files.wordpress.com/2011/04/ceb1-modest-proposal-2-2-6th-april-20111.pdf

    A MODEST PROPOSAL FOR OVERCOMING
    THE EURO CRISIS

    http://yanisvaroufakis.eu/2011/11/20/the-brussels-eurocracy-is-embracing-eurobonds-but-they-seem-determined-to-hold-the-wrong-end-of-the-stick/

    “I very much fear that Mr Baroso’s Commission is putting these ideas about in a game of chess with Berlin and Paris; in order to assert his authority; as a protest at the effective sidelining of the Commission. If so, the Green Book’s eurobond proposals will be blasted out of the water by a German government determined to take matters in its own hands and to, in this sense, push Brussels into the margins of EU decision making.”

    Kommentar by duscholux — 24. November, 2011 @ 17:30 Uhr

  14. My MODEST PROPOSAL FOR OVERCOMING
    THE EURO CRISIS: Schinkenbeine und Rosinen?
    Nee, nur bedingt. “Willst Du einen Tag lang glücklich sein, so trinke ein Glas Wein. Willst Du einen Monat glücklich sein, so freie (?) eine Frau. Willst Du aber ein ganzes Leben lang glücklich sein, so werde Gärtner.” (Anonymus)

    Kommentar by Max Liebscht — 25. November, 2011 @ 06:15 Uhr

  15. http://yanisvaroufakis.eu/2011/11/24/a-sadly-apt-poem-for-europes-current-course/

    Who is in charge of the clattering train
    The axles creak and the couplings strain
    The pace is hot and the points are near
    Sleep has deadened the driver’s ear
    And the signals flash in the night in vain
    For Death is in charge of the clattering train.

    Kommentar by duscholux — 25. November, 2011 @ 09:40 Uhr

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