Bekloppt (Daimler)
Fritz B. Simon
In meiner beliebten Reihe “Bekloppt” möchte ich heute über die Praxis vieler Großunternehmen (Daimler ist hier nur ein Beispiel) berichten, inhaltlich wichtige Entscheidungen von Leuen treffen zu lassen, die von den Inhalten absolut keine Ahnung haben.
Beispiel sind Beratungsleistungen. (Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich selbst war bislang noch nie Opfer der im Folgenden thematisierten Praxis, habe aber von etlichen, geschätzten Kollegen davon gehört.)
Da gibt es z.B. einen Beratungsbedarf in Abteilung oder Bereich xy. Es wird eine Ausschreibung gemacht, potentielle Anbieter werden eingeladen, ein Angebot zu machen. Sie tun das auch, und es kommt nach einem Schönheitswettbewerb zu einer Vorauswahl von, sagen wir, drei potentiellen Firmen. Nun geben diejenigen, die mit diesen Beratern später arbeiten sollen, die Verantwortung an den Einkauf ab.
Und nun kommen Leute, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, ins Spiel und versuchen die Preise zu drücken, den einen gegen den anderen auszuspielen usw. Am Schluß wird selbstverständlich der Billigste genommen, der nicht immer bzw. selten der Kompetenteste ist usw.
Das heißt oft: rausgeworfenes Geld.
Bekloppt.
Verfahrensweisen, die für austauschbare Produkte sinnvoll sein mögen, auf Dienstleistungen anzuwenden, in denen nicht-austauschbare Personen agieren, ist mal wieder die Art von Blödheit, wie man sie meist nur in Großkonzernen findet.
3 Kommentare
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Hallo Fritz,
ich weiß nicht ob das ein Trost für die Beraterzunft darstellt, aber in der Zulieferindustrie für Automobilkomponenten ist das schon lange gelebte Praxis. Es ist sogar fast noch schlimmer: der Billigste bekommt den Zuschlag und darf/muss manchmal mit dem besten technischen Konzept produzieren, das in der Angebotsphase identifiziert wurde. Wenn man also zu teuer, aber technisch gut ist, kann es sein, dass man doppelt verliert und mangelnde Kompetenz ist dann für den Billigsten kein Hinderungsgrund mehr…
Philip
Kommentar by Philip Eigen — 4. Mai, 2010 @ 07:46 Uhr
Herr Eigen,
das hört sich aber vom Standpunkt der Automobilkonzerne nicht wirklich bekloppt an. Sie bekommen ein nach dem besten technischen Konzept produziertes Produkt für den günstigsten Preis.
Der Technologieführer hat dann wohl bei der Modenschau zu viele technologische Details preisgegeben. Aber da haben wir ja immer noch die beliebten Patente…
Wieso lassen die Zulieferer das mit sich machen?
Kommentar by Holger Huckfeldt — 11. Mai, 2010 @ 13:32 Uhr
Herr Huckfeldt,
Sie haben recht. Wer als Automobilzulieferer nicht blöd und/oder am Ende ist, lässt das nicht mit sich machen.
Spannend ist für mich hier eher die Frage, ob sich Technologie von “ihrem” Unternehmen trennen lässt und ob (wieder vom Automobilkonzern her gedacht)der Schuss nicht nach hinten losgehen könnte, wenn sich diese Trennung doch komplizierter darstellt, als gedacht…
Kommentar by Philip Eigen — 13. Mai, 2010 @ 12:43 Uhr