Bekloppt
Fritz B. Simon
Dass ich mit einigen Programmpunkten unserer neuen Bundesregierung meine Schwierigkeiten habe, habe ich ja schon gestern signalisiert. Einer der Punkte, die mir einer besonderen Erwähnung wert scheinen, ist das geplante Betreuungsgeld für Kinder, die zu Hause bleiben, statt in die KiTa zu gehen.
Hier wird Kindern eine frühe Förderung ausserhalb der eigenen Familie verweigert. Würde das Geld in die Vorschulerziehung gesteckt, hätten auch Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen langfristig eine Chance, sich autonom ihren Lebensweg zu suchen. Würde das Geld in kostenfreie Kindergärten etc. gesteckt, würde in Zukunft investiert.
Wie der Bürgermeister von Neukölln so schön formuliert: Hier wird in Eltern investiert, statt in Kinder. Das Geld wird zum Teil des Familieneinkommens, das gegebenenfalls auch versoffen werden kann, und wenn die Oma aus Anatolien kommt, um das Kind zu betreuen, so lernt es bei ihr eben auch nicht Deutsch – was unabdingbar ist, um sich zu integrieren (nicht wörtlich, aber sinngemäß zitiert).
Mir scheint, dass diese Regierung eher von Ideologie als von gesundem Menschenverstand geleitet wird – zumindest in ihrer Programmatik. Bleibt nur zu hoffen, dass die Praxis dann anders aussieht.
5 Kommentare
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Ich bin in diesem Punkt prinzipiell derselben Meinung. Es ist besser, das Geld an Institutionen zu vergeben. Gewiß ist da Ideologie im Spiel gewesen, aber wahrscheinlich noch was anderes. Was mit Institutionen (Organisationen!) geschehen wird, weiß man nie so recht. Und so mag es schlauer dünken, das Geld an (uninstitutionelle!) Individuen zu vergeben. Da weiß man/frau dann wenigstens, wo es landet – oder auch versandet. Die Adressen hat man ja.
Zu Berlin-Neukölln: Das Bundeskanzler-Schrödersche Prinzip „Fordern und fördern“ – inspiriert durch einen Kriminellen, der dem VW-Betriebsrat brasilianische Bajaderen ins Bett getrieben hat – ist ein wenig witzig schon allein angesichts der Tatsache, daß „Deutschland“ (beide Teile!) 50 Jahre lang tapfer geleugnet hat, ein Einwanderungsland zu sein. Zwar hat die Bundesrepublik Deutschland seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts Leute hereingeholt, die erst „Fremd-“, dann „Gastarbeiter“ und inzwischen „Migranten“ genannt werden. Aber plötzlich (nach einem halben Jahrhundert!) erkennt man, daß es nicht schlecht wäre, wenn die Türken besser Deutsch sprechen würden. Was hat man dafür getan? 50 lange Jahre lang? Nichts.
Es gibt ein vagabundierendes Zitat, das inzwischen allen möglichen Menschen, auch Heinrich Böll, zugeschrieben wird, es stammt aber, meiner Erinnerung nach, von Max Frisch – dem Schweizer –: „Wir haben Arbeitskräfte gerufen, aber es sind Menschen gekommen.“
Herr Sarrazin, aus gutem und edlem (Bank-)Haus stammend, hätte seine rassistischen Interviewäußerungen mit etwa folgendem Satz verwahrheitlichen können: „Liebe Mitmenschen! Ich habe jetzt geschildert, wie schlimm es um das Land und speziell um Berlin steht. Ich möchte noch eines hinzufügen. Ich war sieben Jahre lang, als SPD-Mitglied, Finanzsenator in Berlin. Ich bin für die Zustände, die dort herrschen, an vorderster Stelle mit verantwortlich. Ich bitte Sie alle um Entschuldigung. Ich werde mit der mir verbleibenden Kraft und Möglichkeit versuchen, die Zustände zu verbessern.“
DANN – – – könnte ich über seine Äußerungen in einer gewissen Ernsthaftigkeit nachdenken.
Gruß nach allerwärts –
Uli Wetz
Kommentar by Uli Wetz — 28. Oktober, 2009 @ 00:01 Uhr
Ist es nicht eher listig vorauseilende Wahlwerbung?
Das Geld wird wohl von den Eltern nicht ungern entgegengenommen und man wird die Spender in guter Erinnerung behalten, als Politiker, die die Ärmel aufgekrempelt haben und direkt geholfen haben, dort wo das Geld gebraucht wird…
Kommentar by Sylvia Taraba — 28. Oktober, 2009 @ 09:04 Uhr
Gott sei Dank, wir haben noch idologiefreie Politker, die diesem Elternpack kontra bieten. Die Unverantwortlichkeit dieser triebgesteuerten Schmarotzer erkennt man unschwer daran, dass sie Kinder in diese Welt setzen. In ihren alkoholvernebelten Gehirnen sperren sie ihre Kinder ein, um als ehrenwerte, gefeierte und umschmeichelte mündige Bürger ihr Kreuz zu machen.
Warum eigentlich entweder oder? Warum nicht sowohl als auch?
Kommentar by es — 28. Oktober, 2009 @ 10:38 Uhr
Die FTP ist ja bisher ein zahnloser Tiger gewesen, so lange wie die nicht mehr regieren durften. Da “idiologisiert” man sich eben. Hoffentlich lernen die schnell genug, das provizierende Opositionssprücke keine Regierungsverantwortung beinhaltet.
Kommentar by Holger Huckfeldt — 28. Oktober, 2009 @ 10:54 Uhr
Weil frisch gebackene Entscheider meinen, sich im Rampenlicht am besten durch Entscheidungen statt open ending profilieren zu können.
Kommentar by Max Liebscht — 28. Oktober, 2009 @ 18:25 Uhr