Bitte zurücktreten!
Fritz B. Simon
Rücktritte haben im Moment Konjunktur. Es scheint allerdings bestimmte Berufsgruppen besonders zu betreffen:
Bischöffinnen scheinen hier besonders in Versuchung zu geraten. An zweiter Stelle, wenn auch in absoluten Zahlen öfter, aber relativ wohl weniger oft: Ministerpräsidenten.
Bundespräsidenten sind neuerdings hinzu gekommen, aber bislang ja die Ausnahme.
Trotzdem: Man fühlt sich ein bisschen komisch, wenn man nicht zurück tritt, wo das doch (fast) alle machen…
3 Kommentare
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Nun, ich denke, dass es Zeit wird einzusehen, dass diese Demokratie in einer sich wandelnden Gesellschaft ganz offensichtlich neue Strukturen braucht, dass die Rolle, die Politiker einnehmen, eine ganz andere ist als noch vor ein paar Jahren und dass die “Welle der Rücktritte” ein Zeichen dafür ist, dass die Zukunft des Kapitalismus angebrochen ist. Der Anstoß für ein intensives Nachdenken über mögliche Gründe für diese Rücktritte ist bereits sehr wirkungsvoll gewesen. Nur weiter so. Das System beginnt zu schwingen.
Kommentar by Susanne — 21. Juli, 2010 @ 21:28 Uhr
Wenn die Gesellschaftsform insgesamt dermaßen weit hinter das zurücktritt, was wir vermeinten, für alle Ewigkeit erreicht zu haben …
Von Zukunft des Kapitalismus vermag ich nicht so viel zu sehen. Mich erinnern die ökonomisch wie ökologisch immer absurderen Verhältnisse eher an die letzten Jahre in der DDR. Irgendwann waren Rücktritte da auch Mode. Hier ist die Grenze, welche sich allmählich auflöst, die der Währungen. Die Auflösung dessen, was materiell währt und als beständig gilt, wird durch die Korrosion dessen vorbereitet, was eine funktionierende Gesellschaftsform an Werten braucht, damit einer dem prinzipiell unberechenbaren Anderen auch ohne Quittung credits einzuräumen bereit ist. Wenn dieses mehr als geldwerte Kapital der Vertrauensvorschüsse aufgezehrt ist, müssen diese Werte erst durch neue Erfahrungen wieder generiert werden. Insbesondere die Wechselkurse für den Transfer einer Art von Verhaltensbeitrag für eine andere Art von Verhaltensbeitrag werden bestimmte, schon gemachte Versuchsreihen einmal mehr durchlaufen müssen bis dass sie denn funktional im Rahmen friedlicher Koexistez sind. (Wer bspw. hier in der Lausitz die Leute für mehr als 3,50 € die Stunde arbeiten läßt oder keine Fördermittel für unternehmerische Selbstverständlichkeiten (ehemals) in Anspruch nimmt, schädigt sich gegenüber Wettbewerbern am Markt.) Insofern erscheint es mir sehr zutreffend von einem “Erfahrungsschatz” zu sprechen, welcher u.a. in Form von Werten (Vgl. Krippendorff: “Kommunikation als Monument”) und Glaubenssätzen gleichsam im Tresor einer Kulturform liegt und prosoziale Entscheidungen und Handlungen im sozial reziproken Sinne eines tit for tat, bzw. Leben und Leben lassen, absichert.
Die Rolle der Politik wird sein wie in allen mehr oder minder künstlich angeregten Krisen (vgl. Nahost, da die Krisen im wesentlichen deshalb angeregt werden, damit all die Funktionäre und Cliquenfürsten des Dank Ausnahemzustand aufgeblasenen Polititbusinessapparates nicht arbeitslos werden und wichtig sein können.): Wenn es durcheinander geht und die Leute sich mit ihren vertrauten Routinen nicht mehr zurechtfinden, ist unvermeidlich autoritäre Führung angesagt. Die Kontrollmöglichkeiten sind Dank TV und Internet umfassender geworden, das mag natürlich ein relevanter Unterschied sein. Ansonsten dürften die Oligarchenzirkel diesseits und jenseits des Atlantik ein Politikverständnis pflegen, wie es bereits in der Antike diskutiert wurde.
Kommentar by Max Liebscht — 22. Juli, 2010 @ 06:36 Uhr
Wer seine Lebenszeit investiert um auf das Zeug unbekannter anderer aufzupassen, die er höchstwahrscheinlich niemals wiedersieht, schädigt sich kurzfristig betrachtet natürlich auch.
http://www.responsibilityproject.com/films/table-guardians#fbid=hvrxgsU71jQ
Kommentar by Max Liebscht — 22. Juli, 2010 @ 06:49 Uhr