Bücher entsorgen
Fritz B. Simon
Wie schafft man es, sich von Büchern zu trennen?
Meine Bücherregale quellen über. Lange Jahre habe ich neue Regale gekauft, um der Flut Herr zu werden. Ich musste dann aber immer mal wieder eine größere Wohnung suchen.
Was hilft sind Trennungen. In solch einer Situation ist die emotionale Voraussetzung gegeben, auch Bücher zurück zu lassen – mit dem ganzen bisherigen Leben.
Aber, was tun, wenn man sich nicht vom Partner, sondern nur von Büchern trennen will? Wie gelingt es, sich von den vermeintlichen Schätzen, die natürlich in erster Linie als Staubfänger fungieren, zu verabschieden?
Gestern habe ich ein erstes Regalbrett durchforstet. Und – Stolz in meiner Stimme – ich konnte die meisten Bücher aussortieren (ich habe allerdings bei dem Brett begonnen, von dem ich wußte, dass dort viele Bücher stehen, die nur noch da waren, weil man Lebensmittel nicht wegwirft…).
Das Prinzip, dem ich gefolgt bin: Bücher, die ich nicht gelesen habe und von denen ich mir nicht vorstellen kann, sie in den nächsten 5 Jahren zu lesen – weg damit!
Ich ahne, dass sich mein Leben radikal ändern könnte, wo ich zu diesem grausamen Schritt in der Lage war…
11 Kommentare
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Ja, beim ersten Mal mußte ich an Bücherverbrennungen denken.
Kommentar by Tepper — 12. Juni, 2008 @ 09:13 Uhr
Ich habe eine Idee:
Also, Herr Simon, sagen wir ich kaufe Ihnen eine Ladung Bücher ab, sagen wir das Regal oben Rechts, sie wissen schon… 20€, sie packen alles ein und schicken es mir. Ich behalte was mir gefällt, den rest verhökere ich auf einem Flohmarkt.
Das war dann ein Handel, dabei bemerkt man die Trennung ja nicht so direkt, oder? Außerdem brauchen sie nicht aussortieren.
Ich will Ihnen damit aber auf keinem Fall ihre emotionale Fähigkeit in abrede stellen, sich von Büchern trennen zu können…
In Frabkreich gibt es übrigens eine gute Alternative: Bücher werden gezielt “liegengelassen” ) (Im Kino..). Mit einem Kommentar: “Ich habe es gelesen, mir hat es gut gefallen…”
Kommentar by Holger Huckfeldt — 12. Juni, 2008 @ 10:15 Uhr
“weg damit”. Wohin?
Zu dieser Diskussion gibt es bislang 224 Antworten:
http://dict.leo.org/forum/viewGeneraldiscussion.php?idThread=447063&idForum=18&lp=ende&lang=de
Bücher dosiert im Treppenhaus, Wartezimmern, Kneipen ablegen. Bücherklappen hat ja leider kein Krankenhaus.
Ich selbst “verstecke” meine vergreisten Bücher in öffentl. Bibliotheken oder als Deko bei IKEA.
Bei uns hat die Sondermüllsammelstelle ein Bücherbord, ca 32 lfd. Meter. Da bekommen Bücher eine letzte Chance zur Adoption. Alle paar Tage, wenn dort die 32 Meter voll sind, wandert die Bibliothek in die Papiersammlungscontainer. Risiko: man geht mit mehr Büchern raus als rein.
Kommentar by duscholux — 12. Juni, 2008 @ 10:24 Uhr
“Du bist okay, ich bin okay” hab ich mal auf der Straße neben einer Schlammpfütze gefunden. Hat mich irgendwie nachdenklich gemacht, wie manche Menschen mit an sich doch frohen Botschaften umgehen.
Kommentar by Max Liebscht — 12. Juni, 2008 @ 17:11 Uhr
Jetzt bin ich mal neugierig: Was sind denn das so für Bücher, die Sie in den nächsten fünf Jahren nicht lesen werden?
Kommentar by Elisabeth Farack — 12. Juni, 2008 @ 20:01 Uhr
Ich trenne mich von lästigen, überzähligen Büchern so: Ich verstaue sie in Kisten, wie für später oder einen Umzug u. staple diese im Abstellbereich. Wenn ich sie mindestens 3-5 Jahre nicht mehr gesucht habe, habe ich sie auch vergessen. Ich trenne mich von der oder den verklebten Kisten, ohne einen Blick hineinzuwerfen und gebe sie am geeigneten Ort ab, während ich schon die nächste gefüllt habe….
Kommentar by Sylvia Taraba — 13. Juni, 2008 @ 14:19 Uhr
Es bietet sich an, sich aller Druckwerke zu entledigen, die es im Internet gibt. Angefangen mit Grundgesetz und BGB, Bibel, Schiller, Goethe, Brockhaus (alle Auflagen), viel Bibliophiles, Lederrücken, usw.
Das Vorsatzblatt mit Signatur des AutorIn evtl. heraus reissen und behalten oder scannen.
Ich verschenke auch Bücher mit der Massgabe: Zurückgeben, wenn Du meinst, ich sollte es auch lesen.
Kommentar by duscholux — 13. Juni, 2008 @ 18:34 Uhr
“Bookcrossing”, das Auswildern von gelesenen (oder ungelesenen) Büchern in der U-Bahn, im Wartezimmer oder an anderen belebten Plätzen, gibt es nicht nur in Frankreich, sondern weltweit. Und bestens organisiert. Mehr dazu unter http://www.bookcrossers.de.
Kommentar by Ralf Holtzmann — 16. Juni, 2008 @ 13:04 Uhr
Überrascht und erstaunt finde ich hier ein Thema, dass mich auch seit einiger Zeit beschäftigt: Bücher wegwerfen!?!
Urlaubslektüre im Hotel liegen lassen ist das eine, das geht schon, wenn ich eine kuschelige Ecke dafür finde.
Ungelesene Bücher sind etwas anders …….
Aber Bücher, die mein Leben (und alle Umzüge und Trennungen) begleiteten? – Letzte Woche habe ich meinen Chemielehrer besucht (kurz vor seinen verdientem Unruhestand)in meinem Gymnasium. Nicht nur ich, sondern auch er waren älter geworden, die Schüler dagegen waren immer noch sehr jung. Zurück zuhause trat ich an mein Bücherregal und fand mehrere Festmeter Bücher aus dieser Zeit. Erst die 35 Jahre alten Chemiebücher aus der Schule, kaum jüngere aus dem Studium. Schon suchte ich nach den Büchern der anderen Fächer. Da braucht man nicht mal nachzudenken, ob man selbst das in den nächsten 5 Jahren lesen wird, das liest auch sonst niemand mehr. Ganz plötzlich konnte ich mich von diesen Büchern trennen. – Immerhin haben jetzt die ungelesenen Bücher, die so schön gestapelt in der Wohnung herumlagen, endlich ein neues Zuhause gefunden.
Kommentar by Barbara Seidler — 19. Juni, 2008 @ 16:26 Uhr
Ich sammel Bücher, die andere stehen lassen. Wenn dieser elektronische Gehirnfasching hier in sich zusammengefallen sein mag, wird es wieder Leute geben, die sich dafür interessieren werden, aus schlechten Büchern Gutes heraus zu lesen.
Kommentar by M.M.M. Liebscht — 26. Juni, 2008 @ 19:59 Uhr
(Was mag das für eine romantische Ruhe geben!?)
Kommentar by M.M.M. Liebscht — 26. Juni, 2008 @ 20:00 Uhr