Simons Systemische Kehrwoche

Candice Breitz

Fritz B. Simon

Gestern Abend war ich zur Ausstellungseröffnung in der neuen, temporären Berliner Kunsthalle – dort, wo früher der Palast der Republik stand.

Gezeigt wurden Video-Installationen von C. Breitz, die mir deswegen bemerkenswert erscheinen, weil ich sie auf Anhieb verstanden habe. Ist das wirklich Kunst, wenn einem schlichten Gemüt wir mir der Sinn des Ganzen sofort evident ist? Aber, Kunst hin oder her, mir haben diese Arbeiten ausgesprochen gut gefallen.

In einer Installation wird Jack Nickolson in unterschiedlichen Rollen, die er in den letzten 40 Jahren gespielt hat, gezeigt. Er ist – das hat mir technisch gefallen und das werde ich zu gegebener Zeit nachmachen – aus seinem Kontext gelöst, d.h. er erscheint stets vor schwarzem Hintergrund. Und die Sätze, die er spricht, gelten stets Fragen seiner Identität. Über die Jahre bleiben manche Aspekte seines Äußeren wiedererkennbar, manche Gesten, die Art des irren Lächelns, wie er raucht usw.

In einer zweiten Installation werden ebenfalls Filmschnipsel verarbeitet. Es handelt sich um Filme mit Steve Martin, Harvey Keitel, Donald Sutherland, Dustin Hoffmann und zweier anderer Schauspieler, deren Namen ich nicht weiss (einer von beiden, das weiss ich allerdings, hat gerade sehr aktiv Wahlkampf für McCain gemacht). Sie alle spielen Väter und geben die Worthülsen von sich, die man von sich gibt, wenn man seine Vaterrolle im Kino gelernt hat. Auch hier wieder Identität, aber diesmal nicht derselbe Körper zu unterschiedlichen Zeiten mit identischem Verhalten, sondern unterschiedliche Körper zu unterschiedlichen Zeiten mit identischem Verhalten.

Wenn man Freude an Mustrerkennung hat, dann sind diese Arbeiten sehr vergnüglich anzusehen.

Auch die dritte Arbeit ist nett: 25 John Lennon-Fans singen – jeder für sich und doch alle gemeinsam – die Songs seiner letzten (oder war es die erste?) LP. Besonders gut hat mir der depressive Fan, der die Texte nicht konnte, gefallen. Er sah so verloren aus, wie man nur aussehen kann, wenn man merkt, dass alle den Text kennen nru man selber nicht.

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