Simons Systemische Kehrwoche

Cinema for Peace

Fritz B. Simon

Letzten Montag hat in Berlin die Veranstaltung “Cinema for Peace” stattgefunden. Alle nur denkbaren Promis waren dort. Ein Freund von mir (ja, es ist wirklich wahr, ich kenne auch Promis – na ja, zumindest einen…) war ebenfalls eingeladen. Wer nicht eingeladen war, musste – wenn ich das recht in Erinnerung habe – 500 Euro Eintritt bezahlen.

Die etwas absurden Einzelheiten der Veranstaltung, die mir mein Gewährsmann erzählt hat, habe ich mir nicht alle gemerkt. Nur so viel: Es war eine durch und durch amerikanische Veranstaltung. Und die ganz großen Promi-Promis kamen aus den USA: Angelina Jolie, Brad Pitt und ein paar andere. Aber auch Catherine Deneuve war da, und der bei Veranstaltungen, wo es darum geht, jemanden zu retten, unvermeidliche Bod Geldof.

Die Gäste waren durch farbige Armbänder klassifiziert. Diejenigen, die beim Essen dabei sein durften und unten sassen, hatten eine andere Farbe als die auf der Empore usw.

Während der Nachspeise liefen die Filmbilder von einem Massaker in Bosnien. Dass Angelina Jolie den Hauptpreis (es gab, um der Abendfülle willen, mehrere Kandidaten) erhielt, war schon vorher klar. Sonst wäre sie ja nicht gekommen. Dennoch wurden in Oscar-Manier mehrere nominierte Kandidaten-Filme vorgeführt, um dann überraschend Angelina zu ehren.

Als irgendein – wahrscheinlich ja psychisch gestörter Mensch (warum denn um Himmels willen sonst?) – das Wort ergriff, um zu monieren, dass diese Veranstaltung verlogen sei, wurde er mehr oder weniger fürsorglich in Gewahrsam genommen und entsorgt.

Dann gab es noch eine Auktion, wo man was ersteigern konnte, was man nicht braucht – alles für den Weltfrieden.

Am auffallendsten waren aber die vielen allein bzw. als Gruppen von zwei oder drei Personen anwesenden, sehr attraktiven russischen Huren. Sie konnten offensichtlich die 500 Euro von der Steuer als Werbungskosten absetzen.

Ein wenig erinnert das wieder einmal an die von Harald Schmidt vor Jahren organisierte “Hungergala” – Hummer gegen Hunger.

Trotzdem: Alles in allem offenbar eine sehr interessante Veranstaltung. Schade eigentlich, dass mich da niemand eingeladen hat. Denn ich bin ja auch für den Frieden.

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6 Kommentare

  1. Das hohe Maß von Nüchternheit und Lakonie, die deine Schilderung (der Schilderung deines Freundes) auszeichnet, steht in direktem Verhältnis zum Grad der Kotzübelkeit, die ich bei der Vorstellung – “Während der Nachspeise liefen die Filmbilder von einem Massaker in Bosnien” – empfinde. Dennoch Dank für deine stilistisch elegante Methode der Erzeugung von Emotionen und Widerwillen bis Widerstand, Fritz.

    Kommentar by Christian M. — 16. Februar, 2012 @ 12:43 Uhr

  2. Also die farbigen Bändchen erinnern mich an die Ergo-Sause in Budapest…

    Kommentar by Philip — 16. Februar, 2012 @ 12:56 Uhr

  3. Farbliche Unterscheidungen sind offensichtlich sehr beliebt…

    Kommentar by o.werner — 16. Februar, 2012 @ 15:46 Uhr

  4. Das erinnert doch irgendwie an:
    http://www.youtube.com/watch?v=_D7AebhY4qg

    Kommentar by deaXmac — 16. Februar, 2012 @ 17:57 Uhr

  5. Zitat: “Als irgendein – wahrscheinlich ja psychisch gestörter Mensch (warum denn um Himmels willen sonst?) – das Wort ergriff, um zu monieren, dass diese Veranstaltung verlogen sei, wurde er mehr oder weniger fürsorglich in Gewahrsam genommen und entsorgt.”

    Hat man Sie denn wenigstens gut behandelt?

    ;)

    Grüße…

    Kommentar by thosmas evers — 16. Februar, 2012 @ 21:17 Uhr

  6. Tja so ist das. Wer zu lang mit seinen Reizen kokettiert riskiert seinen Kurswert. Vielleicht nennt man dafür aber mal eine Seitenstraße nach Ihnen. Auf der dann piroggengeprüfte russische Huren mit ihrem fetten Hintern wackeln. Ihnen zu Ehren.

    Kommentar by Max Liebscht — 17. Februar, 2012 @ 02:41 Uhr

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