Simons Systemische Kehrwoche

Cleverer

Fritz B. Simon

Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen die italienische verloren. Die Italiener waren einfach erheblich cleverer. Das sollte man ihnen nicht vorwerfen. Wenn man aus 13 Ecken kein Tor macht, und aus drei Chancen zwei Tore, so ist das ein Unterschied an Cleverness bzw. Chancennutzung, der beeindrucken muss.

Die tumben Teutschen haben hart gearbeitet, die leichtlebigen Italiener haben nur kurz mal zugelangt (oder, noch besser, wie heute gehört: “Die haben einfach ihren Neger vorgeschickt…”), und die Sache war erledigt.

Kein Wunder, dass die Deutschen so viel Angst vor der EU haben. Die Phantasie ist, dass die Miteuropäer aus dem Süden, die ja sowieso schon den Vorteil des besseren Wetters, der schöneren Landschaft (Mittelmeer) und des besseren Essens haben, es sich bei Rotwein und Pasta gut gehen lassen, während die fleissigen Deutschen arbeiten und arbeiten, um am Schluß dann auch noch die Rechnung für die fremde Pasta und den Vino zu bezahlen.

Aber wahrscheinlich ist es ja tatsächlich ein gutes Korrektiv für das deutsche Wesen, sich ein wenig mehr an einem südländischen Lebensstil zu orientieren und statt irgendwelchen hehren Prinzipien zu folgen, sich pragmatisch durchzuwursteln (obwohl: Wenn man vor Ort ist, dann merkt man, dass z.B. in Berlin das Alltagsleben des Durchschnittsdeutschen viel südländisch entspannter ist als das des Bewohners von Neapel oder Palermo; das gibt Hoffnung, dass wir irgendwann nicht nur im Pasta- und Rotweinverbrauch die Italiener schlagen, sondern auch auf dem Fußballfeld).

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7 Kommentare

  1. … und aus der CH-Perspektive (Tages-Anzeiger vom 28.6.12), weil’s so gut passt:

    EM 2012 Warum Italien noch immer Angstgegner der Deutschen ist. Von Martin Halter

    Bratkartoffeln gegen Bunga-Bunga

    Comment by Max Woodtli — 29. Juni, 2012 @ 14:40 Uhr

  2. Ich habe mir nur die zweite Halbzeit angeschaut. Die haben wir mit 1:0 gewonnen. Um jeder Kritik an dieser Sichtweise gleich von vornherein zu begegnen: das ist die ganze Wahrheit und nicht etwa nur die halbe :-)

    Comment by Manfred Bögle — 29. Juni, 2012 @ 17:19 Uhr

  3. Systemamalytisch wäre vllt. anzumerken, daß hundertprozentige Selbstaffimation einfach in die Hose gehen muß. Lahm und Konsorten haben den ganzen Quatsch von der goldenen Generation auch noch geglaubt.

    Comment by heru — 29. Juni, 2012 @ 19:44 Uhr

  4. Ist das nicht ein wunderbares Beispiel, wie man mit Streben nach 100% iger Perfektion den Goldenen Schnitt verpasst? Preußische Sekundärtugenden bewähren sich eben nur, wenn sie in ihrem beschränktem Rahmen als Sekundärtechniken verbleiben.
    Um Chancen zu erkennen und zu nutzen, sollte man die Scheuklappen angestrengter Verbissenheit schon ablegen können, bevor man den Boden überspannt.
    Südländer wußten das immer schon:
    “Wenn das Unerwartete nicht erwartet wird,
    wird man es nicht entdecken,
    da es dann unaufspürbar ist und unzugänglich bleibt.”
    Heraklit

    Comment by deaXmac — 30. Juni, 2012 @ 10:16 Uhr

  5. Die letzten 35 Jahre, an die ich mich erinnern kann, haben die Italiener gemauert bzw. alles weggeholzt, was ihnen vor die Stollenschuhe kam. Von südländischer Leichtlebigkeit oder pragmatischem Durchwursteln keine Spur.

    Comment by FT — 30. Juni, 2012 @ 19:49 Uhr

  6. Ich fand es einfach nur schön wie die Italiener das Feld, das gesamte Feld, bespielten. Elegant bewegten sie sich im Raum. Keine Bewegung zu viel …

    Comment by o.werner — 2. Juli, 2012 @ 10:48 Uhr

  7. ad 1.: Der Wortlaut des Artikels von Martin Halter ist beim Tages-Anzeiger direkt nachzulesen. Ein Abdruck an dieser Stelle ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich. Das deutsche Urhebergesetzt ist eben keine Bunga-Bunga-Veranstaltung.

    Comment by Administrator — 3. Juli, 2012 @ 09:23 Uhr

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