Simons Systemische Kehrwoche

Crash

Fritz B. Simon

Die Kurse der Börsen sind weltweit im freien Fall. Wie kann man sich das erklären?

Begonnen hat dieser Absturz mir dem Beschluss des amerikanischen Kongresses zur Begrenzung der Schulden des Staates.

Das scheint mir durchaus Sinn zu machen. Die Märkte (d.h. diejenigen, die dort handeln – kaufen und verkaufen) verstehen offensichtlich mehr von Wirtschaft als die US-Politiker, die diesen schwachsinnigen, eine neue Rezession provozierenden, Beschluss gefasst haben.

Amerika ist nur einmal, wie es so schön heißt, die Lokomotive der Weltwirtschaft, und wenn der Lokomotivführer offensichtlich nicht weiss, was er tut, dann ist man gut beraten, seinen Koffer mit den Wertgegenständen zu nehmen und abzuspringen.

Das Problem der USA ist, dass Ideologen die Politik beherrschen. Der Vorwurf ist dabei in erster LInie den Republikanern zu machen, die diese Leute (“Tea-Party”) unter ihrem Namen auftreten lassen, statt sich zu distanzieren und ihre Mitglieder als Idioten zu outen…

Aber natürlich ist auch Obama und den Demokraten der Vorwurf zu machen, dass sie zu definsiv sind, statt offensiv für ein Konjunkturprogramm und Steuererhöhungen für Unternehmen und die sog. “Reichen” zu streiten.

Das ist halt das Problem, wenn man Sozialarbeiter in Führungpositionen bringt. Sie haben Scheu, parteilich für ihre Sache zu kämpfen und versuchen stattdessen Kompromisse herbeizuführen. Aber, wenn eine Partei extremistische und schwachsinnige Positionen vertritt, dann wird jeder Kompromiss ebenfalls in diese Richtung tendieren…

Also: keine Kompromisse…

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22 Kommentare

  1. Herbsttag

    Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
    Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
    und auf den Fluren laß die Winde los.

    Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
    gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
    dränge sie zur Vollendung hin und jage
    die letzte Süße in den schweren Wein.

    Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
    Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
    wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
    und wird in den Alleen hin und her
    unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

    Rainer Maria Rilke

    Kommentar by Max Liebscht — 5. August, 2011 @ 09:13 Uhr

  2. Für Herbst ist es mir noch zu früh – zu warm, zu sommerlich,
    auch die Börse zeigt sich noch nicht frostig.
    Interessant finde ich das Thema Kompromiss: Political correct ist es, so erlebe ich es, kompromissbereit zu sein.
    Bei Kompromiss erinnere ich mich gerne an Paul Watzlawick:
    Gulasch schmeckt gut, Schokoladenpudding schmeckt gut, wie gut muss da erst Gulasch mit Schokoladenpudding schmecken….

    Kommentar by o.werner — 5. August, 2011 @ 15:22 Uhr

  3. Im Hinblick auf Sauerbraten mit Pfefferkuchensoße scheint mir die Metapher überraschende Geschmacksaspekte zu enthalten.

    Kommentar by Max Liebscht — 5. August, 2011 @ 16:25 Uhr

  4. Lieber Herr Simon,
    ich merke es zum zweiten Mal an: Ihre Meinung über Sozialarbeiter ist etwas merkwürdig und – wie mir scheint – verfestigt.
    Mein Tipp: einfach mal die Brille von der Nase nehmen…

    Kommentar by Petra Backes — 5. August, 2011 @ 18:07 Uhr

  5. Lieber Herr Simon,
    das Ergebnis der politischen Auseinandersetzung in den Zusammenhang zu setzen, dass Herr Obama social worker ist, halte ich für blanken Unfug. Wie kommen Sie nur auf die Idee, dass Sozialarbeiter sich scheuen, für Ihre Positionen zu kämpfen?

    Kommentar by Wolfgang Geiling — 5. August, 2011 @ 18:14 Uhr

  6. @4 + 5: Ich schreibe, glaube ich, morgen mal zu dem Thema.

    Es geht mir ja nicht um Sozialarbeiter, sondern um die unterschiedlichen Rollen: ob man sich eher in einer neutralen Rolle sieht, über oder jenseits streitender Parteien, oder ob man sich als Streiter einer Partei zurechnet. Das macht einen großen Unterschied…

    Dass Sozialarbeiter kämpfen können weiß ich. Aber sie sind eben oft in der Rolle des Dritten (wie Therapeuten oder andere Berater), der in einen fremden Konflikt einbezogen wird. Da ist Neutralität ja sinnvoll. Mir scheint, dass Obama nicht genug kämpft… Als Staatsanwalt hätte er eine andere professionelle Sozialisation erhalten (darum kommen ja so viele US-Politiker über diesen Weg in die Politik):

    Kommentar by Fritz B. Simon — 5. August, 2011 @ 19:13 Uhr

  7. Ok, er könnte mehr “kämpfen”. Vielleicht hat er nicht so sehr mit der Erpressungstrategie gerechnet. Doch: Was würde passieren, wenn er “mehr” kämpfen würde? Ob er noch genug Geld/ publizistische Medienmacht für seine Wiederwahl zusammenbekommen würde?
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=10325

    Kommentar by Wolfgang Geiling — 5. August, 2011 @ 19:51 Uhr

  8. Zitat: “Die Kurse der Börsen sind weltweit im freien Fall. Wie kann man sich das erklären?”

    Herr Simon, ich versteh die Frage nicht.
    Obama, Sozialarbeiter, “Tea-Party”, Durchsetzung, Kämpfer … alles nebensächlich.
    Pappalapapp. Die Welt lebt auf Pump, schon lange, keine realen Gegenwerte mehr, zu viele virtuelle Werte. Das muss auf Dauer schief gehen. Ist ne Milchmädchenrechnung. Irgendwer muss dann doch den Mist bauen, dass es passiert. Und da stricken schon viele dran, der arme Obama ist da nur einer davon. So einfach ist Tennis …. ;-)

    Kommentar by Hedwig Gebbeken — 5. August, 2011 @ 23:49 Uhr

  9. Dass ausgerechnet Schauspieler, bzw., wie Sie meinen, Sozialarbeiter hier als neoheroische (?) Heros irgendwas reißen sollen, die man doch für diese Inszenierung herbeizitiert hat, Junge, Junge! Da ist der Systemiker wohl zuviel im Cinema gewesen, befürchte ich.
    “Die Welt lebt auf Pump, schon lange, keine realen Gegenwerte mehr, zu viele virtuelle Werte.” Exakt dieses Problem ist für viele eine phantastische Lösung. Nun geht es darum, wer als letztes mit irgendwelchen elektronischen Blüten in der Hand erwischt wird und sich noch keinen Sack Reis oder andere Colonialwaren dafür eingetauscht hat. Der gigantische Wertetransfer mittels der Waffe Geld tritt nun einfach in ein neues dramaturgisches Stadium ein. Dass der Krebs sich selbst angreift, solange noch gesundes Gewebe ausgezehrt werden kann, ist nicht zu erwarten.

    Kommentar by Max Liebscht — 6. August, 2011 @ 10:05 Uhr

  10. Welche “realen Gegenwerte”?
    Wenn Glaubenssysteme ausbleichen wird es Zeit für neue Scheinheilige.

    Kommentar by es — 6. August, 2011 @ 10:21 Uhr

  11. Zit: “Die Welt lebt auf Pump, schon lange, keine realen Gegenwerte mehr, zu viele virtuelle Werte.”

    Sind diese virtuellen Werte nicht irgendwie eine konsequente Weiterführung des konstruktivistischen Gedankens? Kann es überhaupt etwas anderes als “Virtualität” geben? “Das ist doch wunderbar so!”, hat H.v.Foerster mal auf eine ähnliche Fragestellung geantwortet.

    Welches virtuelle Konstrukt wäre besser geeignet? Und wird man dann mal wieder als Linker Spinner betrachtet, wenn man den Markt nicht selbst überlassen möchte?

    “Alles wird gut”

    Kommentar by Tom — 6. August, 2011 @ 13:25 Uhr

  12. Kissinger & Co sind schon Konstruktivisten und Systemiker gewesen, da wußte hier vermutlich noch kaum einer wie man derlei schweinische Worte schreibt. Wenn es schon ein Problem ist, dass solche Killer ganze Kulturen unbehelligt auf den Abgrund zutreiben können, so ist es ein noch größeres Problem, dass die Konstruktivisten des Grauens und der Perversitäten irgendwo leider auch recht haben mit den Prämissen ihrer Systemrekonstruktionen: die Gaussche Mitte bis weit in die Ränder hinein ist tatsächlich derart blöd, dass man offenbar getrost draufhauen kann. Selten waren wir derart dämlich, was die Allgemeinbildung und Informiertheit über politische Zusammenhänge angeht. http://www.youtube.com/watch?v=tZsgM45freU

    Kommentar by Max Liebscht — 6. August, 2011 @ 20:25 Uhr

  13. *schweinisch, weil sich heutzutage ein jeder darunter alles mögliche und unmögliche vorstellen kann.

    Kommentar by Max Liebscht — 6. August, 2011 @ 23:14 Uhr

  14. Geht Dir jemand auf die Nerven? Gib ihm ein Amt!
    Die inneren Selbstzweifel, welche sein Engagement motiviert haben, hören auf.
    In diesem Sinne haben nicht nur die Sozialarbeiter als Berufsstand gesellschaftlich versagt. (Die ganzen Kongresse zur Desolidarisierung der Gesellschaft derzeit zeigen nur, dass vielen allmählich schwant, dass man über die Profession schon in 5 Jahren wie über Gürtler und Hutmacher reden wird. Es bleiben ein paar Sachbearbeiter und durch die Pharisärerkaste alimentierte Propagandapillendreher übrig.)

    Trotzdem es in der Tat manchmal nicht einfach ist bei FBS verspäteter Rekonstruktion seiner verfehlten Karriere als Journalist den roten Faden zu sehen: Die Zeit der Heros, Universalgenies e.t.c ist vorbei /// hopps, die Zeit der Heros ist doch nicht vorbei, zumindest hätte ich es gerne, dass es so ist … wird er vermutlich nicht so naiv sein, wie er mitunter gern schreibt.
    Im Grunde hat er sich sehr liebenswürdig geäußert. Ein Haufen dieser Ahnungslosen ist letztlich Kunde beim Verlag.

    Kommentar by Max Liebscht — 7. August, 2011 @ 08:31 Uhr

  15. Saetze wie “Das Problem der USA ist,…”, “Das ist halt das Problem…” oder “wenn eine Partei extremistische und schwachsinnige Positionen vertritt” versetzen mich immer wieder in Erstaunen und ich frage mich, wie man solche Aeusserungen mit einer systemischen und radikal konstruktivistischen Grundhaltung vereinbaren kann.

    Kommentar by pp — 7. August, 2011 @ 10:42 Uhr

  16. @ 15:

    Wer immer pp sein mag: Der radikale Konstruktivismus und die Systemtheorie sagen, dass der Beobachter immer bewertet. Und das ist nicht nur legitim, sondern unvermeidlich.

    Auf dem Holzweg sind diejenigen (pp: ?), die denken, das ließe sich vermeiden.

    Die ethische Konsequenz dieser theoretischen Ansätze ist, sich der eigenen Bewertungen bewußt zu sein und die Verantwortung zu übernehmen… (d.h. sich auch der Tatsache bewußt zu sein, dass andere andere Bewertungen haben oder andere theoretische Prämissen).

    Kommentar by Fritz B. Simon — 7. August, 2011 @ 12:07 Uhr

  17. Rein rechnisch: Wie kann ich mir das vornehmen ein bestimmtes Bewußtsein zu entwickeln? Un wie genau geht das eigentlich mit dem “Verantwortung übernhemen? Sagt man sich das dann so, und ist für eine Weile eine bißchen zerknirscht, kann man irgendwo in eine Ablasskasse einzahlen – oder wie funktoniert das, systemisch betrachtet?

    Kommentar by Max Liebscht — 7. August, 2011 @ 14:21 Uhr

  18. @ 16 / FBS

    Ich glaube, dass Kognition subjektiv und damit Bewertung unvermeidbar ist.

    Fuer mich reicht es allerdings nicht aus, sich der eigenen Bewertungen bewusst zu sein. Ich halte es fuer wichtig, die Subjektivitaet der eigenen Aeusserung auch explizit zu kommunizieren. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sonst moeglich sein koennte, den Bereich der “co-Inspiration” zu betreten.
    Es ging mir in meinem Kommentar also nicht um die Bewertung an sich, sondern darum, dass ich keinen Hinweis auf die Subjektivitaet der Bewertung erkennen konnte.

    Kommentar by pp — 7. August, 2011 @ 21:24 Uhr

  19. Gürtel- und Hosen-Träger?

    Kommentar by es — 8. August, 2011 @ 08:02 Uhr

  20. Kollektives Bewußtsein wird also gewünscht. Und die Gewährleistung der Voraussetzungen dafür.

    Der scheinbar nebensächliche und leicht für überflüssig gehaltene Hinweis auf die Subjektivität der Bewertung macht in der Tat einen Unterschied. Bei länger anhaltenden Diskursen läßt man ihn der eingeschliffenen Form halb einfach weg bzw. setzt die Bekanntheit dieser Fußnote voraus. Digital Vermitteltes stellt doch etwas andere Anforderungen als Face-to-Face.

    Kommentar by Max Liebscht — 8. August, 2011 @ 16:26 Uhr

  21. Da möchte ich doch auf eine, vielleicht als Regierende wieder kommende Soialarbeiterin hinweisen:

    “[...] Mit 21 Jahren kam Renate Künast 1977 nach Berlin, um als
    S o z i a l a r b e i t e r i n in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel zu arbeiten. Später studierte sie Jura an der Freien Universität und schloss das Studium 1985 mit dem zweiten Staatsexamen ab. Sie ist Rechtsanwältin [...] und grüne Spitzenkandidatin bei der nächsten Wahl in Berlin.

    http://renate-kuenast.de/renate-k%C3%BCnast/lebenslauf

    Kommentar by duscholux — 9. August, 2011 @ 18:35 Uhr

  22. Nomen est omen.

    Kommentar by Max Liebscht — 11. August, 2011 @ 15:42 Uhr

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