Cricket und Georges Spencer-Brown
Fritz B. Simon
Als ich vor vielen Jahren (1993) Georges Spencer-Brown in seinem Londoner Domizil aufgespürt habe, sah er gerade fern: Cricket. Er schwärmte von der mathematischen Raffinesse dieses Spiels. Jetzt scheint mir klar, dass er dem Cricket seine Ideen verdankte, aus denen er die Laws of Form gebastelt hat. Denn ein freundlicher Zeitgenosse hat mir folgende Cricketrules geschickt:
You have two sides, one out in the field and one in. Each man that’s in the side that’s in the field goes out and when he’s out comes in and the next man goes in until he’s out. When a man goes out to go in, the men who are out try to get him out and when he is out he goes in and the next man in goes out and goes in. When they are all out, the side that’s out comes in and the side that’s been in goes out and tries to get those coming in out. Sometimes, there are men still in and not out. There are men called umpires who stay out all the time and they decide when the men who are in are out. Depending on the weather and the light, the umpires can also send everybody in, no matter if they’re in or out. When both sides have been in and all the men are out (including those who are not out), then the game is finished
8 Kommentare
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Wunderbar!
Wie sagte Erickson so schön:
“there is no theory like no theory”
Kommentar by es — 29. Oktober, 2009 @ 11:57 Uhr
“Einmal hin einmal her, ringsherum das ist nicht … ” Angenommen, GSB hätte so etwas wie das Addieren entdeckt. Eine fundamentale Funktion, bedeutsamer als die Erfindung des Rades. Und so geht´s: Ein Atom plus ein Atom, ein Stein plus ein Stein, eine Birne plus eine Birne, ein Säugetier plus ein Säugetier… phantastische Sache! Ein Planet plus ein Planet.
Vielleicht hätte er auch so etwas wie das Prinzip des übersummativen Addieren entdeckt. Das Ganze ist mehr …
Ein Apfel plus eine Birne, in Wahlkampfbudget plus ein Militärbudgetein, ein Sandhaufen plus ein Kalkhaufen plus ein Tonhaufen plus ein Haufen Eisenerz, ein Regentropfen + ein Glas Wein, ein tanzender Bauarbeiter plus ein Straßenbagger.
Diese phantastische Prinzip können wir nun auf alles mögliche anwenden! Wir können die Welt rekonstruieren! Es funktioniert mit allem – egal, was man nimmt! Das wurde ja auch mal Zeit.
Wie rekonstruieren sie damit das Entstehen der Birne, das Entstehen von Vulkanismus, Seeräuberei und womöglich sogar von Empfindungen und Gefühlen, das Entstehen von bedingten Reflexen, von unternehmensethisch vorbildlichem Verhalten, das Entstehen eines Kindes, das Genesis ökologischer Viabilität, die Entstehung und Aufrechterhaltung von Resilienz, von Bewußtsein, das Entstehen des Eindruck von der Präsenz eines Gegenübers?
Wir stellen uns nun weiter vor, da sitzt Fritz B. Simon höchstselbst auf einem Stuhl und guckt. Guckt ab und an in Richtung Beobachter. Dass das von ihm erwartet wird, hat er von klein auf gelernt. Ansonsten wirkt er eher etwas in sich gekehrt. Abwartend, was die anderen wieder mal von ihm wollen. Gelassenheit angesagt, nur hin und wieder … kaum merklich … ein etwas argwöhnischer, bißchen verbiestert wirkender Blick. Gegenüber unbefriedigten weiblichen Dominanzwünschen hat er sich seit Urzeiten laissez faire angewöhnt. Gegenüber Sensationserwartung und Schutzbedürfnissen … routinierte Geduld. Auch das hier wird vorbei gehen.
Deneben sitzt eine tough und gutbürgerlich wirkende Lady. Typus lebhaft. Mit viel schwarz auf der Palette fühlt sie sich augenscheinlich am sichersten. Trotz demonstrativer Entschlosseneit und routinierter State control wirken einige ihrer wachen Blicke zwischendurch dennoch eher scheu, erwartungsvoll, fast ein bißchen mädchenhaft. Auch das wird sie hinbekommen. Wird sie? Ja sie wird!
Nun gut, da sitzen die beiden also. In diesem Arrangement soll es ums systemische Hinkeln gehen. Um die wechselseitige “kommunikative” Rekonstruktion ihrer Welten. Wie werden die beiden das anstellen??
Kommentar by Max Liebscht — 29. Oktober, 2009 @ 13:08 Uhr
Klingt ähnlich den Cricket-Regeln der Königin von Alice im Wunderland.
Kommentar by Sylvia Taraba — 29. Oktober, 2009 @ 13:13 Uhr
Das ist lustig! Ich weiß noch, als ich das erste Mal ein Bild von Ihnen gesehen habe, dachte ich mir “Die sieht aus wie Alice hinter den Spiegeln”.
Heut kann ich mir gut vorstellen, dass sie eine Heldin von Ihnen ist. Also nicht eine, auf die Sie hoffen sondern eine, mit der Sie sich identifizieren.
Kommentar by Max Liebscht — 29. Oktober, 2009 @ 16:00 Uhr
Großartig! Man sollte sich viel mehr mit den Eigenheiten und Spielregeln von Mannschaftssport befassen, das scheint ausgesprochen anregend zu sein. Wenn doch nur mal jemand etwas über Fussball und Systemtheorie schreiben würde…
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 30. Oktober, 2009 @ 11:18 Uhr
Super Anregung! Theoretisch könnte man ja das Zusammenspiel der beiden Mannschaften inklusive Reservespielern, Trainer, aktuellen Groupies, kooperienden Geldwäscheinteressierten, Publikum, mehr oder weniger korruptem Schiedrichter, Seelsorgern, Journalisten, Werbesponsoren, Stadionsbetreiberfirma, Spielübertragungsrechteverwaltern, theoretisch absolut teilnahmslosen systemischen “Beobachtern” u.s.w. u.s.f. ad infinitum als sog. “System” ansehen. Vielleicht wollen auch diese minikleinen, putzigen Wesen, die im Inneren des Mars leben und nach Wasser schmachten, just an dem Spieltag eine Art ferngesteuerten “Komet” ins Tor schießen, überlegen Spencer – Brown- bzw. tetralemmamäßig aber noch ein bißchen hin und her, ob das Wetter für diesen Hilferuf an die Menschheit gut genug ist – Wer ist in / wer ist out?
Kommentar by Max Liebscht — 30. Oktober, 2009 @ 12:46 Uhr
Da hat doch glatt Oliver K. ein Buch mit Carl. A. veröffentlicht und es steht nicht in der B.Z.!
Danke für die Übersetzungshilfe Herr Wölfelschneider.
Kommentar by es — 30. Oktober, 2009 @ 12:54 Uhr
Ben Furmann verändert das (Fußball) System dieser Welt.
Kommentar by Max Liebscht — 30. Oktober, 2009 @ 13:08 Uhr