Davos
Fritz B. Simon
In der taz von heute steht ein Artikel, der sich mit dem Eklat beschäftigt, der durch die Kontroverse zwischen Peres und Erdogan bei einer Podiumsdiskussion beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos ausgelöst wurde. Der Autor weist dabei auf die Naivität und den Größenwahn der Veranstalter hin, die tatsächlich wohl meinen, sie könnten die Probleme der Welt einer Lösung näher bringen, indem sie dafür sorgen, dass die Mächtigen der Welt in netter Atmosphäre einfach mal – ohne alle diplomatischen Vorklärungen und Arrangements – miteinander reden.
Und er hat recht. Denn Politiker, die in der Öffentlichkeit auftreten, reden nie einfach nur mal nett miteinander. Schon dass sie sich auf ein Gespräch miteinander einlassen, ist ein Politikum. Und wenn sie dies unter den Augen einer sensationsgeilen Öffentlichkeit tun, ist dafür gesorgt, dass hier auf gar keinen Fall irgendetwas Neues geschieht oder neue Lösungswege beschritten werden können. Ganz im Gegenteil: Solch ein Forum kann einzig und allein dazu dienen, alte Positionen zu betonen und festzuschreiben. Das ist eine Frage der Ehre, der Gesichtswahrung.
Vielleicht wird ja generell der Nutzen des Miteinander-Redens überschätzt. Schließlich gilt dafür die alte systemische Regel: “Was nicht in die Kommunikation kommt, existiert sozial nicht!”
Manchmal ist es eben einfach besser, Meinungen nicht zu äußern. Denn wenn sie erst einmal ausgesprochen sind, entwickeln sie eine Eigendynamik, die derjenige, der sie formuliert hat, nicht mehr unter Kontrolle hat. Mit der Teilnahme an Kommunikation gibt man ja immer die Kontrolle über die Bedeutung, die den eigenen Worten und Taten gegeben wird, auf. Die schreiben dann andere zu, und auch der Versuch irgendwelche Äußerungen “richtig zu stellen”, d.h. ihren Sinn einseitig zu definieren, ist zum Scheitern verurteilt.
3 Kommentare
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Ich würde gern schweigen aber es geht mal wieder nicht.
Vielleicht hätte ich statt Systemiker Politiker werden sollen.
Letztere werden sowohl fürs Reden bezahlt als auch für´s Schweigen.
Als Systemiker hingegen sagt man man, scheint’s, vieles umsonst.
Kommentar by Max Liebscht — 1. Februar, 2009 @ 01:24 Uhr
der Nutzen des Miteinander-Redens wird sicher häufig überschätzt, insbesondere in der zeitlichen Ausdehnung, und dann kann es ziemlich nerven – aber, wie Bateson schreibt, wir reden miteinander um miteinander zu reden – und so tun wir es sehr oft nur deshalb…
Kommentar by o.werner — 3. Februar, 2009 @ 17:04 Uhr
… na gut, aber reiner Selbstzweck ist es natürlich nicht, wenn jemand zu bedenken geben möchte, er habe womöglich etwas zu sagen. Statusgeäffel halt. Wenn wir beim Status sind, sind wir bei der Zugehörigkeit zur community, zu den communities. Peres und Erdokan wissen sich in erster Linie unterschiedlichen communities verpflichtet. Solange eine gemeinsame community hinsichtlich dessen, was sie zu geben und nehmen hat, nicht als verbindlicher begriffen wird in kosmopolitischem Sinne, solange werden sie sich vorzüglich den Substraten gegenüber verpflichtet zeigen, welche sie nähren. Das ist nur zu natürlich. Wer wird die Hand beißen, die ihn füttert… Gelingt es Veranstaltern – und manchmal ist so etwas der Fall – Verbindlichkeit infolge Involvierung gegenüber einer gemeinschaftlich als relevant begriffenen Aufgabe zu erzeugen, so hört auch der Kompromiss des Redens um des Redens auf. Siehe bspw. die Ferienlagerexperimente von Serif … oder auch Peter Kruse auf Youtube bzgl. Mitarbeiterinvolvierung.
Kommentar by Max Liebscht — 4. Februar, 2009 @ 05:49 Uhr