Der ADHS-Skandal
Fritz B. Simon
In der Zeitung steht heute eine kleine Nachricht, dass in Deutschland ca. 500 000 Kinder mit der Diagnose ADHS versehen worden seien, und etwa die Hälfte dieser “Zappelphilip”-Kinder würden mit Psychopharmaka behandelt.
Für mich ist das ein politischer Skandal ersten Ranges. Wenn unsere Kinder ein Verhalten zeigen, das nicht kompatibel mit den Anforderungen unserer Schulen ist – denn die Diagnose wird in der Regel erst mit Schuleintritt gestellt -, wäre es bei so großen Zahlen weit plausibler zu fragen, was denn mit der Schule nicht in Ordnung ist, statt das Problem zu individualisieren und die Kids zu pathologisieren. Werden die Kinder zugetoxt, so dass sie ihren Handlungsimpulsen nicht mehr folgen, wird der Betrieb nicht gestört und die Schule kann bleiben, wie sie ist…
Die Ärztekammern fordern nun, dass die Kinder psychotherapiert werden, statt sie mit Ritalin zuzustopfen. Das klingt auf den ersten Blick ja so, als ob es sich um einen Fortschritt handelt. Aber bei genauerer Analyse wird deutlich, dass sich an der zugrunde gelegten Erklärung nichts ändert: das das Problem, dass die Schule mit diesen Kindern bzw. diese Kinder mit der Schule haben, wird in beiden Fällen bei den Kindern verortet (d.h. individualisiert).
Dieser Trend ist nicht nur in der Schule zu beobachten, sondern auch in den Unternehmen. Seit etlichen Jahren erlebt das Coaching ja einen ungeheuren Boom. Auch hier wird nicht reflektiert, was die Organisation mit dem Individuum macht, sondern die Anpassungsforderung wird dem Einzelnen zugeschustert…
Dass in diesem Nicht-Funktionieren von Individuen auch der Hinweis stecken könnte, dass die Organisationen (= Arbeitsbedingungen) sich ändern müssen, wird übersehen.
Schade eigentlich, denn diese Kinder sind ja oft ziemlich kreativ. Eine verschwendete Ressource, wenn sie einfach ruhig gestellt werden…
14 Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.











Vielleicht müssen die heutigen Eltern wieder selbst kreativ und aktiv werden in eigener Sache? In den 70er Jahren, ohne deren Errungenschaften nur im geringsten übertreiben zu wollen, wollten wir unsere Tochter weder einem öffentlichen, noch einem privaten Kindergarten anvertrauen. Also gründeten wir zusammen mit anderen Eltern, die wir zuerst suchten, selbst einen und beteiligten uns mehr als vier Jahre an Lokal-Renovierungen, Logistik, Organisation, Transport, Betreuung und sinnvoller Ernährung der Kinder. Ganz abgesehen von den protokollierten Elternabenden… Modell. Repressionsfreies Aufwachsen, Spielen und Lernen. Auch gründeten wir, als es so weit war, eine Vorschule mit Lehrerin. Man kann sogar Schulen gründen, wenn einem wichtig ist mitzubestimmen, was mit den Kindern passiert, man den Lehrern nicht traut und man die Kinder nicht nur aus dem Haus haben will/muss, sondern sie dabei auch noch gut versorgt wissen will. Dass Kinder erst bei Schuleintritt “ADHS” diagnostiziert bekommen, hat mit Statistik was zu tun, muss nicht an der Schule liegen, sondern liegt möglicherweise daran, dass deren Verhaltenskreativität, auf vorausgehende emotionale Vernachlässigung durch abwesende Eltern oder aber auf deren überzogenen Overprotection und Aufmerksamkeit zurückzuführen ist. Ich denke, dass man die Schulen nicht generell mit Misstrauen belegen darf, vielmehr müsste man von Eltern erwarten können, dass sie mit ihren Kindern und mit der Schule kooperieren. Gerade heute besteht die Tendenz, Zusammenarbeit zu realisieren, wenn Eltern daran interessiert sind.
Hinsichtlich Organisationen, wundert es mich, dass Sie darauf hinweisen. Denn Organisationen können auch nicht besser sein, als die die darin arbeiten und das Spiel mitmachen…Denn die Organisationen, werden sich von selbst nicht ändern… Lieber Herr Simon, das wundert mich jetzt wirklich…
Kommentar by Sylvia Taraba — 30. Mai, 2008 @ 09:25 Uhr
Gleich zurück gewundert:
Organisationen sind autonome Systeme, und die “darin” Arbeitenden sind am sinnvollsten als deren Umwelten zu konzeptualisieren. Die Interaktion zwischen System und Umwelt funktioniert bei strukturdeterminierten Systemen nun einmal nicht instruktiv, d.h. die Umwelt (= der oder die Mitarbeiter) können leider nicht gezielt die Organisation verändern. Bestenfalls irritieren sie sie – und für den Fall können sie ausgetauscht werden, so dass sich nichts ändern muss…
Natürlich gilt: “Stell dir vor, es ist Organisation und keiner geht hin…!” Aber wer hat heute die Chance nicht hinzugehen?
Die Idee, Einzelne könnten – Stichwort: “Marsch durch die Institution” – die Welt der Organisationen zielgerichtet verändern, ist wohl einer der 70er Jahre Träume, die sich nicht wirklich realisiert haben.
Aber, wo Sie recht haben, haben Sie recht: Wer mit bestehenden Organisationen nicht zufrieden ist, muss selber neue (= andere) gründen und sie dann, wenn man so will, von der Umwelt (den psychischen und biologischen Systemen der Teilnehmer) her definieren und strukturieren. Das geht, wenn auch mit Mühe, wie Ihr Kindergarten zeigt.
Aber: Gibt es ihn noch? Hat das Engagement gehalten? Die Selbst-Ausbeutung? Der Idealismus?
Kommentar by Fritz B. Simon — 30. Mai, 2008 @ 10:40 Uhr
Sie sprechen (schreiben) mir aus dem Herzen, Herr Simon! Die Frage könnte doch lauten: Sind Schulen für Kinder da, und zwar für die Kinder, die da sind, so wie sie sind, oder sind die Kinder dafür da, Schulen zu füllen, die so sind, wie sie sind.
Für uns war das Thema ein Grund vor 4 Jahren mit neun anderen Elternpaaren unsere Kinder der neugegründeten Laborschule in Dresden anzuvertrauen. Die Schule wächst und gedeiht. Manche Kinder kommen verhaltensauffällig von anderen Schulen und beruhigen sich innerhalb von 1 bis 2 Jahren auf fast wundersame Weise.
Schön. Und auch schade! Denn eigentlich halte ich es für keine gute Lösung in den Privatsektor auszuweichen. Aber vielleicht wirken die dort gemachte Erfahrungen und die Vorbilder ja auch ins staatliche Schulwesen hinein?
Natürlich liegt auch Verantwortung bei den Eltern. Doch ohne Einladung werden die sich von sich aus nicht ändern. Und wer könnte sie einladen?
Zum Glück gibt es (noch oder wieder?) Eltern und Lehrer, denen bei unruhigen Kindern etwas anderes einfällt als: “Du mußt Deine Tablette wieder nehmen.”
Zu den Organisationen: Die bestehen doch aus Induviduen! Das individualisieren ist vielleicht gar kein verweisen von einer Organisation auf ein Individuum, sondern von einem Individuum (Chef bspw.) auf ein anderes (Mitarbeiter)?
Kommentar by Thomas H. Lemke — 30. Mai, 2008 @ 10:40 Uhr
Hätte ich ein ADHS behaftetes Kind, bei dem Ritalin anschlägt und waere aus welchen Gründen auch immer (Ehepartner, Finanzen, Wohnort, Behinderung etc.) auf die staatliche (Rest-)schule angewiesen, ich wuerde, angesichts der Wichtigkeit des Schulabschlusses für den längeren Rest des Lebens mein Kind mit Ritalin vollstopfen.
Ich denke, dass man die Schulen generell mit Misstrauen belegen darf, denn die meisten Schulen verweigern sich einer Kooperation mit ihren Schülern und deren Eltern, insbesondere wenn das Kind auffällig ist.
Auch heute besteht keinerlei Tendenz, Zusammenarbeit zu realisieren, wenn Eltern daran interessiert sind. Alle Aeusserungen dieser Art sind pure Lippenbekenntnisse. (Ausnahmen sind nicht gemeint.)
Kommentar by duscholux — 30. Mai, 2008 @ 12:04 Uhr
Lieber Herr Simon,
widersprechen Sie sich da jetzt nicht, wenn Sie oben sagen:
“Auch hier wird nicht reflektiert, was die Organisation mit dem Individuum macht, sondern die Anpassungsforderung wird dem Einzelnen zugeschustert… Dass in diesem Nicht-Funktionieren von Individuen auch der Hinweis stecken könnte, dass die Organisationen (= Arbeitsbedingungen) sich ändern müssen, wird übersehen.” ???
Wer soll die Arbeitsbedingungen in den Organisationen ändern? Doch Individuen in den Oragnisationen???
Ihre Frage, ob es den Kindergarten noch gibt, muss ich mit nein beantworten, er diente ja allein unseren Zielen, die wir als Gruppe gemeinsam definiert haben. Solche Gruppen gab es damals mehrere.
Was ich damit nur sagen wollte ist: es gibt nix anderes als initiativ zu werden für das, was einem gerade oder generell oder individuell wirklich wichtig ist. Man üb ernimmt dann Verantwortung. Mehr kann man nicht tun. Man kann nicht für ALLES tätige Verantwortung übernehmen.
Bei MIR hat das Engagement, der Idealismus und die Selbstausbeutung gehalten. Aber ich sehe das alles zusammen nicht als etwas, das mir geschadet hätte, im Gegenteil, auch wenn ich hier vermutlich allen auf die Nerven damit gehe, wenn ich behaupte, dass man nichts anderes tun kann, als initiativ zu werden und zu sein….
Lieber Herr Lemke
vielleicht haben Sie mich mit Herrn Simon verwechselt? was Schulen betrifft, so sind die, jedenfalls aus meiner Sicht, nicht ungefragt für jemanden da, sondern sie stellen die Infrastruktur für Lernen und Sozialität von Kinder/Jugendlichen, sowie deren Eltern und deren Lehrer.
Wer dafür kein Engagement aufbringen kann oder will, muss sich mit den Schulen, die es gibt bescheiden. Anders kann das gar nicht gehen. Schon hier stellt sich eben die Frage, was ist wichtig im Leben.
Lieber “duscholux”,
Ihrem ersten Absatz stimme ich vorbehaltlos zu, wenn sich Eltern nicht einmischen wollen. Ihrem zweiten Absatz gar nicht, da solche Generalisierungen nicht stimmen können, und ein Klima erzeugen, in dem bald nichts Produktives mehr funktionieren kann. Misstrauen ist gut Vertrauen ist besser. (Hab ich das jetzt erfunden oder ist das (auch) der Werbespruch einer Bank?)
Kommentar by Sylvia Taraba — 30. Mai, 2008 @ 14:03 Uhr
Nochmals: Wovon reden wir in der Umwelt von System? Wenn ich den Begriff von System/Umwelt bzw. Organisation/Umwelt und dem was wir in der Umwelt des Systems tun, missverstehe, wovon reden wir, wenn wir hier kommunizieren? Vom Ändernwollen doch. Verändern könen wir uns nur immer selbst.
Selbstverständlich können wir daher nicht “instruktiv” ändern, das wäre ja seltsam, wenn jeder wie er wollte eine Organisation ändern könnte, sondern nur durch Irritation und Störung, also warum sprechen wir nicht darüber, wie wir irritieren und stören können? Warum lassen wir stets gern unseren Empörungsbedürfnissen Lauf, statt unseren Initiativ- Innovations- und Kreativitätsbedürfnissen?
Kommentar by Sylvia Taraba — 30. Mai, 2008 @ 14:22 Uhr
Liebe Frau Taraba,
mir ging es nicht so sehr darum, meiner Empörung Luft zu machen. Wenn es gegen die Medikalisierung der Psychologie zu streiten gilt, ist mit mir seit Jahren zu rechnen. Und ich gebe Ihnen vollkommen recht, dass jeder die Verantwortung dafür hat, in welcher Organisation etc. er arbeitet (was nicht heißt, dass er sie gestalten kann).
Wichtig ist mir, die Paradoxie des Einzelnen deutlich hervorzuheben, die darin besteht, dass er die Verantwortung für die (soziale) Welt hat, in der er lebt bzw. die er (mit-) kreiert, aber trotzdem nie die Kontrolle über sie hat. Er kann nie determinieren, wie sich der Laden entwickelt, und die Ko-Evolution beider Systeme führt zu gegenseitiger Anpassung.
Auch die Kinderläden, die ich mit gegründet habe, sind alle inzwischen den Bach runter gegangen. Aber – und das scheint mir der Unterschied zwischen unseren Auffassungen – wahrscheinlich gerade deswegen, weil die Leute dachten, es hinge an den Menschen allein, die solch ein System begründen und gestalten.
Das ist – nebenbei bemerkt – einer der Gründe, warum ich irgendwann angefangen habe, mich für die Eigengesetzlichkeit von Organisationen zu interessieren…
Kommentar by Fritz B. Simon — 30. Mai, 2008 @ 14:59 Uhr
Ich denke, dass Sie eine sehr initiative Persönlichkeit sind und viel bewegen. Ihrem Argument kann ich absolut folgen und der Paradoxie bin ich mir bewusst. Ich erlebe sie ja täglich. In der Frage halbvoll/halbleer entscheide ich mich je nach dem, ob der Inhalt des Glases für mich gesund ist oder ungesund, im ersteres Fall für halbvoll und im zweiten Fall schütte ich den Inhalt weg, um es schlicht auszudrücken.
Der Unterschied zwischen unseren Auffassungen liegt denke ich woanders. Es stimmt, dass wir das damals in etwa so dachten. Ich denke heute aber nicht mehr so. Ich bin mir meiner paradoxen Rolle als Individuum vollkommen bewusst und weiß, dass ich allein kein System begründen, gestalten oder instruieren kann. Das will ich eigentlich auch gar nicht. Mir gefällt die Unwägbarkeit und Unberechenbarkeit.
Ich bescheide mich mit dem, was ich tun kann und will und rege mich so wenig wie möglich auf, über alles, was nicht geht, nicht funktioniert, ungerecht, ist usw.. Wenn es mir jedoch wirklich wichtig ist, dann ergreife ich die Initiative.
Der Unterschied in unseren Auffassungen könnte der sein , dass Sie den Ursprung von Autopoiesis außerhalb des Individuums sehen, während ich ihn in der Zwei-Seiten-Form der kommunizierender Individuen zu erkennen glaube. Wenn ich das mal so stehen lassen kann, ohne Anspruch auf Vollständigkeit
Kommentar by Sylvia Taraba — 30. Mai, 2008 @ 16:47 Uhr
Na, vielleicht ist er ja doch nicht so groß, der Unterschied zwischen unseren Auffassungen. Aber lassen wir das ruhig so stehen, unentschieden, unentscheidbar…
Kommentar by Fritz B. Simon — 30. Mai, 2008 @ 17:15 Uhr
Schöner Dialog. “Immer nur beides.”
Qualitative Sprünge und Zusammenbrüche von “Multilektischen” Synthesen.
Weiterer Fortschritt in Sachen Rationalisierung und Massenreproduktion stellt neue Maßstäbe an Standardisierung.
Kreative, Alte und andere nur mit unmäßigem Aufwand zu berechnende Größen sind daher sicherer einzutakten. Wir konzentrieren uns auf das Kerngeschäft mit unseren Hauptzielgruppen.
Die Varianz möglicher Ausprägungen wird sich gemäß ökologischer Anforderung wieder aufweiten wenn die immer rationalistischer angelegten sozialen Architekturen an ihren statischen Ungenügenheiten (bzgl. früh geprägter sozialer Reziprozität e.t.c.), der Erstarrung ihrer Lebendigkeit auseinandergefallen oder beräumt sein werden.
Wir dürfen immerhin Zeugen sein, wie ES sich jenseits planerischer Eitelkeiten wieder reguliert bis auf ein stabileres Level, dahin, wo der erste falsche Schritt noch nicht gesetzt.
Einige der Kleinen werden ihre Kreativität regenerieren.
Kommentar by Max Liebscht — 30. Mai, 2008 @ 22:12 Uhr
also ich hab ADHS (von nem Experten diagnostiziert), nehme täglich meine Pille morgens nach dem Aufstehen seit einem Jahr und will gar nix wissen, was wäre, wenn ich keine Medis hätte, SCh.. da würde ich glaube ich ganz schön schlecht dastehen.
Also es gibt viel mehr Leute mit ADHS, nicht nur Kinder und die brauchen die Medis dringend!!!
Zur Beruhigung: Gesunde würden bei täglicher Medikation kotzen und sehr schnell die weiße Flagge hissen. Außerdem: wer maßt sich an, zu behaupten, dass Eltern einfach mal so ihre Kinder “ruhigstellen” würden? und wie sollen Eltern, die selbst betroffen sind (das ist ja zum großen Teil vererbt) und auch selbst Probleme haben, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen, denn von heute auf morgen zu pädagogischen Wunderwesen mutieren?
Das mit dem lieb Zureden hilft nur bei Gesunden, bei ADHS – Kindern, viel Spaß..
Klar, wenn sich die Gesellschaft von Grund auf weniger leistungsorientierte Werte aneignen würde, wäre das alles gegessen, aber dann müssten wohl die Damen und Herren auf ihre aluminiumgebürsteten Brieföffner verzichten. Da sie das anscheinend nicht wollen, muss doch ADHS endlich in seinem vollem Umfang akzeptiert werden. Eine weitere Diskussion der Pädagogen und Analytiker z.B. verschleppt doch die dringend benötigte Hilfe, auch mit Medikamenten, weil die Gesellschaft ständig verunsichert wird. Am Ende sind dann wohl die ADHS-Patienten die Leidtragenden!!!
Kommentar by krümel — 12. Januar, 2009 @ 13:39 Uhr
Also, wir haben zwei Söhne mit ADHS, und haben alles mit viel Geduld versucht. Aber erst mit Ritalin geht es jetzt wirklich so, dass die Nerven von allen geschont werden, zuhause und in der Schule. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, kommt sicher auf eine ordentliche medizinische Diagnose an.
Weil es aber mit Medikamenten allein nicht geht, haben wir einen Internet-Shop für Lernspiele und Lernhilfen zu ADHS und anderen Teilleistungsstörungen aufgebaut. Schauen Sie doch mal rein bei http://www.spielundlern.de ! Sie können ganz einfach nach Förderbedarf und Alter suchen.
Kommentar by Berliner — 23. Februar, 2009 @ 22:42 Uhr
Hallo alle !
Ich habe ADS ! Zwar bin ich nicht hyperaktiv, aber ich habe auch Epilepsie und da wird man mit den Psychopharmaka dafür auch “ruhiggestellt”. Ich bin Mutter von einem elfjährigen Sohn der Leider ,wie schon gesagt es ist vererbbar, ADHS hat. Er war im Kindergarten schon auffällig, aber nur weil er sehr impulsiv war und auch mal agressiv.
Ich muss dazusagen ich wollte keine Kinder und bekam doch eins und ich war eigentlich in der Schwangerschaft schon damit überfordert,so hab ich dann auch in der Zeit bis zum 4ten Lebensjahr mich eher um meine wünsche gekümmert als das ich mich mit ihm hingesetzt hätte und hätte mit ihm gespielt, oder mal zum Spielplatz zu gehen und ihn mit anderen Kindern dort spielen lassen. Da muss ich Frau Taraba rechtgeben. Ich habe auch deswegen grosse Schuldgefühle die schon an meiner Gesundheit zehren.
Aber ich kann nicht glauben das mein Sohn deswegen ADHS hat!
Mein Sohn nimmt Equasym Retard (ein Retalinwirkstoff).Das jetzt nach zwei Jahren so langsam die Wirkung verliert. Wirkung meine ich damit das die Konzentrationsfähigkeit wieder langsam nachlässt.
Zu seinem Standpunkt in der Schule ist es so das er sehr von anderen Kindern gemobbt wird und dann auch sehr agressiv wird!
Auch die Lehrer empfehlen uns ihn für das 5te Schuljahr in einer anderen Schule anzumelden!!
Er geht in eine Förderschule für Lese- und Rechtschreibschwäche
und hat einen Durchschnitt von 3 .
Nun ist das schon eine Schule die sich den Problemen angepasst hat wie Herr Simon sagte ,das dieses von Schulen gewünscht würde!
Was lieber Herr Simon haben Sie dazu zu sagen wenn selbst die Angepassten Schulen für Kinder mit ADHS versagen??
Kommentar by Monika Koch — 5. März, 2009 @ 15:13 Uhr
Das handicap AD(H)S ist so individuell wie jedes andere auch. Keiner käme auf die Idee anzuzweifeln, dass z. B. eine Grippe bei jedem Menschen gleich verläuft, oder dieselben Ausprägungen hat. Die Einen behandeln sich selbst mit Zwiebelsud und Hühnerbrühe, die Anderen “werfen sich Bomben wie WickMedinight ein”. Je nach medizinischer Überzeugung wird man den Kopf schütteln oder anerkennend nicken. Aber derlei Erkrankungen sind ja auch nicht chronisch und haben in der Regel keine fatalen Auswirkungen auf das derzeitige und restliche Leben.
Die meisten Zweifler -glaube ich- weigern sich, AD(H)S an sich anzuerkennen. Alle Eltern, die ihre AD(H)S-Kinder liebevoll und in ihrem Sinne gut erziehen werden wissen, dass es hierbei Grenzen gibt -sowohl beim Empfänger, als auch beim Sender. Warum wird dann gerade hier die medikamentöse Unterstützung so verteufelt? Sicher gibt es die schwarzen Schafe, die ihren Kindern ohne Abklärung Ritalin u. ä. verschreiben lassen, damit sie ihre Ruhe haben. Ich bin allerdings der Meinung, dass in diesen Fällen die verschreibenden Ärzte genauso an den Pranger gehören! Keiner deutet mit dem Finger auf die Halbgötter in weiß!?
Bevor ich meinem Kind Ritalin/Medikinet retard gab, war ich jahrelang auf der Suche nach Alternativen, inkl. einem Schulwechsel und Besuchen bei diversen Therapiestellen.
Seit einem Jahr “doktern” wir mit Zappelin herum und sind jetzt wieder an dem Punkt, wo auch ich sagen muss, dass das lange Leben mit gutem Schulabschluss und den darin enthaltenen besseren Berufsoptionen wesentlich wichtiger erscheint als die Anfeindungen aus den Reihen der meist nicht Betroffenen. Manchmal kommt mir die Diskussion um AD(H)S vor, wie die um die Form der Erde (Kugel oder Scheibe?). Grundsätzlich habe ich auch den Eindruck, dass es in den Familien/in der Erziehung viele Tendenzen gibt, die der Entwicklung der Kinder schaden. Trotzdem bin ich fest überzeugt, dass immer noch die meisten Eltern nach bestem Gewissen handeln und nicht leichtfertig ihr Kind abstempeln lassen zu einem AD(H)S’ler. Das macht es nämlich ganz leicht zum beliebten Sündenbock.
Selbst Schulen, die sich “Integration” auf die Fahne schreiben und nach Montessori unterrichten, tun dies nur, solange es dafür Fördermittel gibt.
AD(H)S ist unpopulär und in der Gesellschaft noch nicht als handicap/Krankheit anerkannt, also läuft es unter schwer erziehbar, Störenfried, etc. und man kann zwischen all den Elterngesprächen und Briefen immer nur versuchen, den Glauben an sein Kind nicht zu verlieren und es entgegen der unreflektierten Aussagen vieler Lehrer zu stärken und auf seinem steinigen Weg zu begleiten.
Kommentar by ohana — 16. März, 2009 @ 07:38 Uhr