Der Kuchenladen
Fritz B. Simon
Ich neige nicht zu überschwänglichem Lob. Aber jetzt muss ich eine Ausnahme machen. Es geht um Kuchen.
In der Kantstrasse in Berlin, zwischen Bleibtreu- und Schlüterstrasse, hat vor etlichen Wochen eine Laden mit dem Namen “Der Kuchenladen” aufgemacht. Inzwischen ist er um einen Raum, ein kleines, altomodisch wirkendes Café erweitert worden.
Der Kuchen, der hier gebacken wird, die Torten, die in den Vitrinen auf den süchtigen Käufer warten, sind von einer geradezu einzigartigen Vielfalt, sie schmecken großartig, sehen toll aus, bieten eine Diversität, wie sie in Deutschland kaum zu finden ist, sie sind originell in den Rezepten, der Dekoration, der Zusammenstellung der Zutaten…
Hinter der Theke und offenbar auch in der Backstube (ich war nicht drin): Männer, nur Männer, Männer aller Altersklassen, unterschiedlicher Nationen, Hautfarben und Rassen. Aber viele, ganz viele Männer.
Wahrscheinlich ja ein weltweit aktives Selbsthilfeprojekt gegen Mutters sonntäglichen Sandkuchen aus Dr. Oetkers Backmischung.
5 Kommentare
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Falls Ihr ICE mal in Fulda kaputt gehen sollte, empfehle ich Ihnen als Kuchen/Torten-Connaisseur das Cafe Ideal.
Kommentar by Frank T. — 3. März, 2010 @ 20:24 Uhr
Eine richtig gute Nachricht…
Kommentar by o.werner — 4. März, 2010 @ 10:08 Uhr
Zustände von Depression sollen bei Kulturinsassen sprunghaft zunehmen.
Es scheint, Vergils “Omnia vincit amor” (Die Liebe besiegt alles)wird im Frust des gespiegelten “Ich,ICH und ICH” zum Libarius vicerant amorem (Der Kuchenbäcker hat die Liebe überwunden).
Schön, dass wir uns wieder im Zuckerbäckerstil einfinden. Passt irgendwie.
Kommentar by es — 4. März, 2010 @ 13:01 Uhr
Prof. Simon zeigt Leidenschaft.
Von Tillmann das Zeugs is so schlecht auch nicht
(für Berlin).
Auf dem Kühlschrank liegt eine Kohlrübe,
wie sie anzubauen, ich außerstande wäre.
Kommentar by Max Liebscht — 4. März, 2010 @ 15:27 Uhr
Schwappt Wilmersdorf etwa über nach Charl’bg?e
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literaturundkunst/dasglueckeinermonstroesenadoleszenz_1.5152471.html
[...] Berlin ist zu weiten Teilen eine Bäckereiwüste. Brotketten mit kümmerlichem Blechkuchen dominieren die Bezirke, Adressen von Fabrikanten wohlschmeckender Torten und Petit Fours werden in Charlottenburg, Neukölln oder Friedrichshain nur unter der Hand weitergegeben. Aber in Wilmersdorf, wo Mircea Cartarescu mit seiner Familie gegenwärtig wohnt, reiht sich Konditorei an Konditorei. An Kundschaft mangelt es ihnen nicht, weiss der rumänische Schriftsteller: «Hier sieht es aus wie in Bonn: viele gut angezogene Damen mit Hüten und elegante ältere Männer. [...]<<
Kommentar by duscholux — 6. März, 2010 @ 16:00 Uhr