Simons Systemische Kehrwoche

Der Preis des Krieges

Fritz B. Simon

Dass 9/11 die Welt verändert hat, ist wohl nicht zu leugnen. Aber das liegt nicht so sehr daran, dass 3000 Menschen an diesem Tag in New York gestorben sind, sondern an den Reaktionen der Bush-Regierung. Bush als bester Verbündeter Osama bin Ladens.

Denn durch die von den USA begonnenen Kriege und die gleichzeitig durchgeführten Steuererleichterungen in den USA ist die Schuldenkrise der USA entstanden – und auch die weltweite Finanzkrise kann auf die schwachsinnigen politischen Entscheidungen der damaligen US-Regierung zurück geführt werden.

Der Fehler Obamas, der ihn vielleicht die Wiederwahl kosten dürfte, war, die Mitglieder der alten Regierung nicht vor Gericht zu schleppen. Er wollte über den Parteien stehen, aber das haben die Republikaner nicht erlaubt, so dass er mit dieser falsch verstandenen Neutralität seine eigenen Wähler enttäuscht und verloren hat – und die Inhalte, für die er zu stehen schien, verraten hat.

In der Politik geht es um Parteinahme. Über den Parteien schweben zu wollen, ist eine therapeutisch sinnvolle Idee, aber Politiker sind keine Therapeuten. Sie müssen parteilich agieren…

Zu den Kosten des Krieges gibt es heute in der FTD online einen sehr guten Artikel von Joseph Stiglitz:

http://www.ftd.de/politik/international/:top-oekonomen-joseph-e-stiglitz-der-preis-von-9-11/60100752.html

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9 Kommentare

  1. Eine gute Erinnerung der Unersatzbarkeit politischer Entscheidungen durch “rein” pragmatische Argumente oder moralische Hoffnungen. Politik richtet politische Erwartungen die nicht zu verbergen sind.

    Kommentar by FelipeV — 9. September, 2011 @ 11:28 Uhr

  2. “Denn durch die von den USA begonnenen Kriege und die gleichzeitig durchgeführten Steuererleichterungen in den USA ist die Schuldenkrise der USA entstanden – und auch die weltweite Finanzkrise kann auf die schwachsinnigen politischen Entscheidungen der damaligen US-Regierung zurück geführt werden.”

    Irrtum:

    http://www.deweles.de/files/krieg.pdf

    Kommentar by Stefan Wehmeier — 9. September, 2011 @ 11:31 Uhr

  3. Parteilos dürfen sich nur die geben, die “Außer Dienst” sind (Helmut Schmidt). Jetzt wird ja wieder häufiger Gerhard Schröder nach seiner CDU-Nähe befragt und entsprechend frontseitenpräsentiert. Bereitet sich da was vor? Wird Helmut müde?

    Kommentar by Matthias Ohler — 9. September, 2011 @ 11:40 Uhr

  4. Lieber Fritz Simon, “…dass 3000 Menschen an diesem Tag gestorben sind…” Diese Formulierung ist scho abissle zynisch und geschmacklos. “Sterben” tun die Leut daham und allerweil, die Opfer vom 11. September sind ermordet worden. Das ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht, find’ ich. Zudem hätt’ ich von systemtheoretischer Seite komplexere Analysen erwartet also so einfache Kausalverteilungen. Ok, gimme a break, its only a blog…

    Kommentar by Franz Hoegl — 9. September, 2011 @ 18:04 Uhr

  5. @4: Klar: ermordet. Aber das ist auch gestorben. Was ist daran zynisch?

    Die Frage ist ja, wie man auf die Greueltaten von Anderen reagiert.

    Was die Analysen angeht, so verweise ich auf mein Buch “Tödliche Konflikte”.

    Aus systemtheoretischer Sicht haben bestimmte Entscheidungen Folgen (die natürlich auch immer anders kommen könnten, aber doch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorherzusehen sind – gerade, wenn man systemtheoretisch drauf schaut).

    Und ich persönlich (!) halte Politiker und ihre Entscheidungen, die sich nicht an solchen Modellen orientieren eben für idiotisch… Aber damit nicht genug: Die Aktionen der Bush-Regierung halte ich sogar für kriminell.

    Mit der Einschätzung muss man natürlich nicht übereinstimmen.

    Kommentar by Fritz B. Simon — 9. September, 2011 @ 18:42 Uhr

  6. @5 Ich teile Ihre Auffassung voll und ganz, nur mit der Wendung, dass es ja gerade das Abkühlangebot der von Ihnen angedeuteten Modelle sein könnte, das alltagsevidente Durchrechnen von Entscheidungen und Geschehnissen auf handelnde “Leute” gegenzubeobachten. Dann müsste man nicht nur nicht zustimmen oder ablehnen, dann kann man auch beobachten. Aber wem sage ich das.

    Kommentar by Franz Hoegl — 9. September, 2011 @ 21:24 Uhr

  7. ad Kommentar #4 von Franz Hoegl — 9. September, 2011;

    Wo verläuft denn im Kriege die zynische Demarkationslinie zwischen sterben, verrecken, umkommen, fallen, getötet werden, im Felde bleiben, ermordet werden, zum Herrgott* gerufen sein, heimkehren, einkehren, heimgeholt worden sein, bei den Vorfahren versammelt sein, unter die Erde kommen, das Gras von unten anschauen, verwesen, verheizt werden?

    Der Synonyme gibts wohl noch mehr.

    Und bei welchen Toten muss ick regredieren und in zynelosen Dialekt verfallen?

    *) der sich ja auch schon mal als Heergott herablässt.

    Kommentar by duscholux — 12. September, 2011 @ 07:57 Uhr

  8. Kriminell ist, wer gegen den Standard verstößt. Bush war einfach Avantgardist; sprach aus, was Hitler nur zeichnen konnte.

    Kommentar by Max Liebscht — 12. September, 2011 @ 22:34 Uhr

  9. Lieber Fritz B.Simon,
    ich freue mich das zu lesen und endlich so eine schöne bestätigung zu erfahren. Sofort nach Obama´s Wahl sagte ich und schrieb ich, dass er sofort eine überparteilich Commission ernennen sollte, um alle kriminelle Verstöße von Busch ans Licht zu bringen. Er hätte das Commission “Wahrheit und Versöhnung” wie in Süd-Afrika nennen können und wäre 8 Jahre lang die Republikaner und Tea Party los geworden. Die hätten sich in Mäuselöcher verstecken müssen.
    Er hat es nicht gemacht wegen eine Mischung von Naivität, Ideologie (man sollte immer die Hand ausstrecken. Auch zu eine Schlange?) und Arroganz.
    Jetzt zahlt er der Preis und wir damit!
    Ich gehe Ihr Buch bestellen!!!
    Herzliche grüße
    Edmond Richter, Psychotherapeut

    Kommentar by Edmond Richter — 23. September, 2011 @ 11:11 Uhr

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