Deutschland verlegen
Fritz B. Simon
Nachdem ich den Schock des Berliner Wetters beim Verlassen des Flugzeugs überlebt habe, ein paar Überlegungen zur Lage der Bundesrepublik Deutschland.
Allein aus Wettergründen sollten wir umgehend versuchen, das Land südlich der Alpen zu platzieren. Italien hatte z.B. seit Anfang März durchgehend blauen Himmel und Sonnenschein. Das ist das Mindeste, was man um diese Jahreszeit verlangen kann, finde ich. Alles andere – d.h. das Wetter in Deutschland – ist einfach eine Unverschämtheit. Deutschland will ja immer Spitze sein. Offenbar ist es hier zu einer Verwechslung gekommen: Die Pol-Position ist kein erstrebenswerter Ort.
Mich würde nicht wundern, wenn spontane Demonstrationen und Streiks ausbrechen. Die Lage unseres Landes ist einfach grauenhaft. Wen wundert es, dass unsere besten Köpfe nach Arenal oder Antalya auswandern, wenn hier so wenig an der Wetterfront getan wird.
In den USA wäre wahrscheinlich (zumindest unter der vorigen Regierung) schon längst ein Krieg gegen das miserable Wetter ausgerufen worden oder eine Invasion in ein südliches Land begonnen worden.
Aber bei uns: Jeder muss für sich selbst sorgen. Höhensonne, Sonnenstudio, warm anziehen, einfach heizen… Schrecklich. Kein Wunder, dass wir eine gewisse Politikmüdigkeit bei der frierenden Bevölkerung feststellen können.
7 Kommentare
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Genau, lieber Herr Simon! Und dann noch dieser Blödsinn mit der Sommerzeit, gegen die auch noch immer kein Kraut gewachsen ist.
Aber vielleicht werden wir ja jetzt gleich mit einem (viel zu) warmen April ohne einen Tropfen Regen bestraft wie vor zwei Jahren, wir Deutschen, die wir angeblich immer nur jammern.
Können Sie nicht, da Sie wieder in Berlin sind, wenigstens wieder mal das Depressionsbarometer einschalten, um wenigstens eine gewisse Objektivität in das Maß der deutschen Befindlichkeiten zu bringen?
Gruß, H.Kasper
Kommentar by Horst Kasper — 29. März, 2009 @ 17:59 Uhr
Da fällt mir folgende Geschichte dazu ein: Einst versuchten die Schweizer ihr Land mehr in Richtung Italien zu verlegen. Die Italiener blieben aber standhaft – mit dem Ergebnis, dass sich an der Grenze ein enormer Druck aufbaute: die Alpen entstanden. Darüber war man in der Schweiz so erschrocken, dass man in einer Art Reflexbewegung ein Stück nach Norden rückte. Daraufhin entstand an der freiwerdenden Stelle ein tiefes Loch – der Genfer See. Und was am Anfang mit Druck und Gegendruck wie eine schlechte Geschichte aussah entpuppte sich als eine gute, denn seither kennt man in der Schweiz die HÖHEN und die TIEFEN des Lebens und weiß, dass die Wahrheit IRGENDWO DAZWISCHEN liegt… Heben Sie diese Geschichte bitte auf, lieber Herr Simon und verlegen Sie sie bloß nicht!
Kommentar by Manfred Bögle — 30. März, 2009 @ 01:59 Uhr
hochdruck und tiefdruck . sonnenschein im fruehling . wolken ueber gran canaria…
Kommentar by o.werner — 30. März, 2009 @ 11:49 Uhr
Lieber Herr Kasper,
das Depressionsbarometer hatte ich vor vier Jahren (so kurz ist das erst her) initiiert, um damit zu verdeutlichen, dass die Stimmung in Deutschland unangemessen schlecht ist. Eine Intervention, um die Absurdität zu zeigen, verbunden mit der Hoffnung, dass sich die Stimmung ändert.
Jetzt scheint mir eine solche Intervention nicht sonderlich nützlich. Ich bin ja froh, dass die Stimmung noch relativ gut ist. Ich werde also der letzte sein, der da zu intervenieren versucht…
Beste Grüsse, FBS
Kommentar by Fritz B. Simon — 30. März, 2009 @ 18:34 Uhr
In Venedig hat es gestern und heute geregnet… höre ich.
Kommentar by Fritz B. Simon — 30. März, 2009 @ 18:35 Uhr
Als mir ein Freund gerade folgenden Link mailte
http://wstreaming.zdf.de/zdf/veryhigh/090327simonhjo.asx
bin ich fest davon ausgegangen, dass Sie Ihre Forderung auch dort propagieren. Haben die das rausgeschnitten? Das Interview ist trotzdem spannend. Ich bin ja überzeugt, dass das Thema den Bundestagswahlkampf wesentlich entscheiden wird. Wo wird Heidelberg (als nördlichste Stadt Italiens) dann eigentlich in etwa liegen?
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 30. März, 2009 @ 21:15 Uhr
Strahlend blauer Himmel über Berlin, endlich wieder über die Füße der Touris in den Straßencafés stolpern, überquellende Müllkörbe auf dem Hackeschen Markt und im Monbijoupark – ein fantastischer Frühlingstag war das heute!
Vielen Dank für Ihr Mitbringsel!
Kommentar by E. B. Far — 31. März, 2009 @ 23:12 Uhr