Dirk Baecker zur Krise
Fritz B. Simon
Um hier mal wieder auf einen von mir geschätzten (Auer-) Autor aufmerksam zu machen: Auf der Website der “Wirtschaftswoche” findet sich ein Interview mit Dirk Baecker. Er formuliert einfach immer wieder klar, erhellend und konsistent. Ein gutes Zeichen, finde ich, dass solch ein Interview, das allen Vorstellungen heroischen Managements und schlichter Lösungen zuwider läuft, in der Mainstream-Wirtschaftspresse zu lesen ist. Noch ist also nicht alle Hoffnung verloren:
http://www.wiwo.de/politik/deutschland/euro-rettung-die-wuesten-folgen-des-liquiditaetspokers-/5982028.html
3 Kommentare
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Heldenverehrung unter Kumpels Variante 1.
Für den Verkaufsfaktor scheint nicht unerheblich zu sein, dass er nicht wie ein Vorrentner aussieht, obschon er bereits überraschende 56 Jahre hienieden wandelt. Luhmann bzw. die exzessive Beschäftigung mit dessen Gedankengut scheint irgendwie konservative Tendenzen zu fördern – sogar im Hinblick auf die somatischen Dimensionen seiner systemisch mehr oder weniger anschlußfähigen Existenz.
(((An der Stelle möchte ich zart auf eine Ergänzung verweisen;
http://www.jokers.de/11/heinrich+rombach.html
Allmählich kommen die lieben Leut offenbar dahinter.)))
Direkt unter der rechtschreiblich bedenklichen Satzschöpfung
“Die fehlgeleitete Euro-Politik hat einen Eigendynamik entwickelt.”
finde ich Reklame für Klaus Klages höchst empfehlenswerten Aphormismen-Kalender.
Heldenverehrung unter Kumpels Variante 2.
Es sind m.E. sehr klare Passagen dabei.
Zurück zu Ihrem guten Bekannten mit dem bildungsbürgerlichen Anspruch:
Baecker: ”
Es geht nicht darum, den Bankrott jener Banken auszurufen, die diese Spekulation finanziert haben, sondern darum, die Banken wieder zu befähigen, Kreditwürdigkeiten angemessen zu prüfen. Das heißt, sie müssen in die Lage versetzt werden, für ihre eingegangenen Risiken zu haften. (…)
Einzelne Politiker versuchen es durchaus.
(…) insgesamt hat man den Eindruck, dass die Politik es sich mit den Banken nicht verscherzen will.”
Als er dann zum Hymnus auf den postheroischen Führungsstil von HeroIn Angela Merkel zusteuert, driftet die Betrachtung m.E. seltsam ins Metaphysische ab. Etwa ab dem er als für gewöhnlich konstruktivistisch argumentierender Denker plötzlich von einer Wirklichkeit spricht, die man versteht oder nicht versteht; Baecker: “Das hängt vermutlich damit zusammen, dass man die Wirklichkeit nicht mehr versteht und deshalb lieber stillhält.”
The Song remains the same.
Der Politiker sorgt dafür, dass bis zu erforderlichen Umstellungen genug Zeit zur Verfügung steht, um blindes Vertrauen auf Transformation der Verhältnisse durch irgendwelche Superhelden in reale Werte für sich und seine Steigbügelhalter umzurubeln.
Wenn ein Seneca oder Dirk Baecker sich aber einer Aggrippina und einem Nero als Erzieher andient, bekommen wir vermutlich super Chancen, dass die Wanderung am Grat zur Katastrophe völlig entgleist. Für den Fall, dass Herr Baecker demnächst als intellektueller Callboy zum Kränzchen unserer bundesrepublikanischen Nornen Friede Springer, Liz Mohn und Angela Merkel eingeladen wird, sollte Senecas erzieherischer Erfolg bzw. sein Ende immerhin zu denken geben.
Aber vielleicht bleibt auch alles im Rahmen der Klauseln. Die Unterstützung von Birger Priddatt für Herrn Schroeder scheint sich bislang immerhin unbedenklich entwickelt zu haben.
Kommentar by Max Liebscht — 5. Januar, 2012 @ 18:56 Uhr
Baecker zählt zweifellos zu jenen Geistern
bei welchen die Kritik lohnt.
wenn wir es jetzt mal runterbrechen (grausames Modewort)
haben wir den staat als Garant dafür, dass Familie als gemäßigte form von inzest stattfinden kann und wir haben die Banken mit ihrem Zinsbegehren als Garant dafür dass Wettbewerb als gemäßigte Form von Krieg stattfinden kann. Jemand, der es wagt, eine Wette auf die Entwicklung verfallsbedrohter Werte abzuschließen, findet Rückversicherung dafür bei der Bank und macht einen Kreditvertrag. Ein Jäger, der es wagt, sich mit einer Fallenstellerin auf Familie, d.h. eine Wette auf die Entwicklung verfallsbedrohter Beziehung einzulassen (vgl. dazu auch Retzer zu Beziehung als Unternehmung) findet dazu Rückversicherung bei seinem Staat. Beziehung als unternehmerische Chance und unternehmerisches Risiko.
Was mich bei Baecker stört, ist, dass er gegen Ende irgendwie abnuckelt. Wenn die Banken zum Anhängsel des Staates werden bekommen wir Inzest also balkanesische Verhältnisse – wie bspw. in Form des informellen Unterlaufens der Gewaltenteilung durch Politschauspieler, ihre Steigbügelhalter und die Kuppler in den Lobbys. Wenn der Staat – wie gegenwärtig ja immer krasser der Fall – zum Anhängsel der Banken verkommt, kriegen wir Krieg – nicht nur dort, wo unsere Söldner Frieden, Luxus, überholte Produktionsweisen sowie Demokratie als Diktatur des Kapitals verteidigen sondern womöglich auch mal direkt ins eigene Haus geliefert.
Irgendwie arbeitet er – obwohl das ja im Interviewverlauf sehr nahe liegt – nicht heraus, in welchen Bereichen der Gesellschaft es zutrifft, dass Staat zur Nutte der Banken gemacht wird und welchen Bereichen die Banken zur Nutte des Staates gemacht werden und wohin wir kommen, wenn diese Refeudalisierung (Clanstrukturen, Vasallentum, Kleinstaaterei, private Söldnerheere, Burgenbau, statt Regeneration von Aufklärung Förderung des Aberglaubens der einfachen Leute durch massenmedialen Hokuspokus, Ruf nach Zollschranken und Binnenwährungen etc.) weiter grassieren. Und das finde ich dann schon verblüffend, wenn so ein zweifellos führender Kopf, der sich meist derart klar zu formulieren versteht, dann plötzlich in Richtung Kaffeesatzdeuterei umschwenkt. Liegt es am veränderten Umgang?
Irgendwie vermisse ich einen Kommentar zum systemischen wiki.
Sicher noch nicht das, was es braucht, damit ein Verlag mit Innovativitätsanspruch des in den nächsten Jahren anstehende Verschwinden des Buches als Leitmedium überleben kann, aber immerhin ein richtungsweisendes Zeichen, das ausbau- und anschlussfähig ist.
Kommentar by Max Liebscht — 6. Januar, 2012 @ 08:49 Uhr
Also, in einem Blogg der sich mit Systemtheorie beschäftigt mit Konstrukten wie Wahrheit und Wirklichkeit zu operieren finde ich wirklich sehr schwierig.
Denn Sie wissen ja: ” Unsere Welt ist die wahre Welt; verrückt, verlogen, illusorisch, verschroben sind die Welten der anderen.”
Da beisst die Maus keinen Faden mehr ab oder so ähnlich.
Kommentar by Christoph Simon — 9. Januar, 2012 @ 10:22 Uhr