Diversity
Fritz B. Simon
Habe den ganzen Tag mit einer Kollegin ein Seminar zu Fragen der interkulturellen Sensibilität, des interkulturellen Managements, der interkulturellen Beratung usw. veranstaltet.
Eine der Fragen, die von den systemisch und konstruktivistisch kommpetenten Teilnehmern formuliert wurde, war, inwiefern kulturelle Unterschiede sich von anderen Unterschieden der Sichtweisen, Wirklichkeitskonstruktionen und Verhaltensnormen, mit denen wir zwangsläufig auch innerhalb der eigenen Kultur konfrontiert sind, unterscheiden. Die Antwort, die wir darauf gefunden haben, war, dass sie sich natürlich inhaltlich sehr unterscheiden (wenn man beispielsweise die Differenzen zwischen der deutschen Art zu denken, zu handeln, Konflikte zu lösen (oder auch nicht) und der chinesischen Art betrachtet). Aber im Prinzip – auf einer sehr abstrakten Ebene – macht es keinen Unterschied, ob ich die Unterschiede der Mitglieder der Familie A und B, des Unternehmens X und Y im Blick auf die vorherrschenden Denk-, Fühl- und Handlungsmuster oder die zwischen Mitgliedern unterschiedlicher nationaler Kulturen betrachte. Allerdings vermuten wir bei unseren deutschen Nachbarn nicht, dass sie Chinesen sind, oder anders gesagt, bei Chinesen erwarten wir nicht, dass sie wie wir denken.
Insofern ist die im Rahmen der Globalisierung immer weniger vermeidbare Begegnung vieler Leute mit Vertretern anderer Kulturen so etwas wie das Trojanische Pferd zur Verbreitung konstruktivistischer Ansätze.
2 Kommentare »
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Hallo Herr Simon,
die Antwort, auf die Ihre Seminarteilnehmer und Sie gekommen sind, nämlich die “Gleichheit” zwischen Kulturen, wenn man abstrakt schaut, wird anregend von Beck und Cowan in “Spiral Dynamics” beschrieben. Sie haben einen sehr praktischen Ansatz zu diesen Phänomenen. Noch klarer und auch theoretischer beschreibt es Ken Wilber (z.B. in Sex, Ecology, Spirituality): Die abstrakten Ähnlichkeiten nennt er Tiefenstrukturen, die sich kulturunabhängig gleich entwickeln. Nicht alle Kulturen sind aber nach den Autoren gleich weit entwickelt. Die kulturellen Unterschiede nennt er Oberflächenstrukturen.
Sehr spannend. Man kann also “rein” kulturelle Unterschiede, aber gleich weit entwickelte Tiefenstrukturen – oder auch Unterschiede sowohl in den Oberflächen- als auch in den Tiefenstrukturen finden. Mit allen Zwischentönen.
Dennoch hilfreich, denn die Überbrückung der Unterschiede (Verständigung) geht in dem einen Fall anders, als in dem anderen.
Liebe Grüße
Ricarda Wildförster
Kommentar von Ricarda Wildförster — 21. Juli, 2005 @ 20:10 Uhr
..und:
die begrüßenswerte Verbreitung der konstruktivistischen Ansätze durch interkulturelle Kontakte wird demnach dann passieren (und ist dann sogar fast unweigerlich), wenn die berührten Kulturen die entsprechend (gleich) ausgebildeten Tiefenstrukturen haben.
Das sind die postkonventionellen, humanistisch, freiheitlich und demokratisch orientierten, sozial und gleichberechtigungs- gesinnten Kulturen, um ein paar Merkmale zu nennen.
Ciao
R. W.
Kommentar von Ricarda Wildförster — 21. Juli, 2005 @ 20:37 Uhr