Simons Systemische Kehrwoche

Drachenläufer

Fritz B. Simon

Als ich vor Jahren das Buch gelesen habe, war ich zu Tränen gerührt (offenbar ging es anderen ebenso, denn es wurde zum Weltbestseller). Jetzt kommt die Verfilmung in die Kinos: Drachenläufer.

Es ist die Geschichte zweier Afghanischer Jungs, die in einem Herr-Knecht-Verhältnis zueinander stehen, obwohl sie Halbbrüder sind (was sie nicht wissen). Der Vater, Paschtune, zeugte mit einer Bediensteten, Hazara, ein Kind…

Die eigentliche Geschichte handelt von der Schuld des “Herrn” über den ihm vollkommen ergebenen “Knecht”. Denn er hat ihn verraten, ihm nicht geholfen, als er vergewaltigt wurde. Und wie so oft, wenn jemand seine eigene Schuld nicht erträgt, rächt er sich an seinem Opfer dafür, dass es ihn zum Täter “gemacht” hat. Ein herzerweichende Geschichte.

Im Film kommt die leider etwas zu kurz, denn alles das, was daraus folgt – die Flucht aus Afghanistan, die Heirat in Amerika, die Rettung eines Kindes aus den Händen der Taliban, ist natürlich für das Medium Film viel attraktiver, obwohl es seinen Sinn erst durch die Schuld-Geschichte erhält…

Trotzdem ein sehenswerter Film, ohne Schnick-schnack und in aller Ruhe erzählt.

Und – auch wenn es nichts mit dem Thema zu tun hat – nicht vergessen: Revue für postheroisches Management (www.postheroisches-management.de)

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9 Kommentare

  1. In dem Film konnten Sie sich sicherlich gut identifizieren und Ihre Schilderung macht neugierig – aber was die Revue angeht, zeitigen Sie, wie ich befürchte, eher Effekte wie bei altehrwürdigen Formen paradoxer Intervention. Was vermutlich schade ist,(um das mal weng abzumildern).

    Aber okay, hin wie her gilt: Man wird a.w.e.K. & lernt immer n.d.

    Kommentar by Max Liebscht — 21. Januar, 2008 @ 09:40 Uhr

  2. Hallo Herr Simon,

    das mit der “Werbung in eigener Sache” funktioniert doch bestens: bei Google ist das auf “Top 1″. Glückwunsch!

    Ich finde die Revue spannend – und bin tatsächlich erst über den Blog aufmerksam geworden. Und das war mir dann auch prompt einen Blogeintrag wert…

    http://systemities.wordpress.com/2008/01/22/postheroisches-management-it/

    Yep, das hat jetzt auch nichts mit dem Blogeintrag “Drachenläufer” selbst zu tun…

    Viele Grüße,
    Andrew Smart

    Kommentar by Andrew Smart (Institut für systemische IT) — 22. Januar, 2008 @ 10:08 Uhr

  3. Mal unter uns:
    Hat sich eigentlich jemand mal damit befaßt, was der Herr Julius Kuhl die letzten Jahre so mit vorgelegt hat? Bei systemagazin liegt kein Aktenvermerk vor. Kann mir jemand Tipps geben? Der Mann ist wahrscheinlich verrückt, das heißt man sollte ihn ernst nehmen. Auch und gerade aus sog. systemischer Sicht.” So wie er bspw. schon Gilligan und de Shazer ernst genommen hatte in “Motivation und Persönlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme”. Systemische Therapie und Beratung verdankt Ihren Vorsprung, nicht zuletzt, was das interventionapraktische Know How angeht, ja dem Umstand, daß auf fortgeschritteneren epistemologischen Grundlagen aufgebaut wurde – wenn nicht sowieso erst Methodenekklektizismus betrieben wurde und d a n n erst theoretische Glaubenssysteme errichtet worden sind. Was wohl nicht das Schlechteste sein muß, wenn man sich da frei fühlen kann. Wenn nun inzwischen sowieso eigentlich alle schon immer konstruktivistisch, konstruktionistisch u.s.w. unterwegs gewesen sind, ja dann dürften die prima ausgestatteten Kollegen schnell nachziehen mit der Weiterentwicklung ihrer Konstrukte; ” Erwerterer Verhaltenstherapie”, “Neuropsychoanalyse” u.s.w. Rezessionen von Kuhl und Co aus dem Systemischen Lager würden mich sehr interessieren. Weiß jemand was?

    Kommentar by M.M.M. Liebscht — 22. Januar, 2008 @ 18:51 Uhr

  4. nee, da hab ich ekien Tip für Sie, und dennoch eine eine Wahrnehmung von mir zu presentieren:

    Ich wäre schon froh, wenn viele “Fachkollegen” die eine Hauptwurzel des Systemischen, eben den Konstruktivismus als solchen da benennen könnten.

    Bei mir kommt immer an: “ja,ja, ich arbeite auch systemisch!” – und wenn ich dan frage, auf welcher Grundlage? – dann kütt nit mie fill! – sagt man hier im Rheinland

    Aachen Allaf!

    kollegiale Grüße
    Thomas Kirchen
    http://www.arbeitswelt-lebenszeit.de

    Kommentar by Thomas Kirchen — 23. Januar, 2008 @ 11:33 Uhr

  5. Na Onkel Kuhl wird schon Bescheid wissen. Ja und ansonsten ist halt mal wieder die Meute los. Alles systemisch oder was? Dabei ist der drollige Begriff “System” schon das, was gerade nicht gemeint sein dürfte, wenn man nur genauer darüber nachdenken wollte. MMML: “System ist eine Fiktion, die zur Voraussetzung hat, dass es sie nicht gibt.” (Klingt wie ‘ne fade Tautologie. Isses aber nich. Ächt jetz! Sondern eher so was, wie H.v.Försters (sinngemäß) “Einzig die unentscheidbaren Fragen, sind Fragen, die wir entscheiden können.”)

    Ja und trotz Volksbewegung – zur Kassenabrechnung reicht es bislang immerhin noch nicht. Aber da sowieso bald alle Psychoanalytiker und VT´ler ihre Systemische Ausbildung gemacht haben oder alle Systemiker 1 Klasse über VT oder PA abrechnen, ist das eh wurst und man kann Ekklektische VT oder Erweiterte … äh ja also am besten Neuropsychoanalyse oder Schiefenpsychologie verkaufen und spart umständliche Umstrukturierungen und Umgewöhnungen.

    Sonsten aber? Ja, die allmählich einsetzende Orthodoxiefähigkeit sog. Systemischer Ansätze hat schon Herr Stierlin beklagt.
    Wenn ich die Pampers mal los bin, will ich daher “meinen” Kram (als ob das gäbe) mäßig originell weng anders nennen. Integrative Psychologie. Schließlich geht es ja darum, irgendwie wieder alle Tassen bzw. Persönlichkeitsanteile im Schrank zu haben bzw. Familientruppenteile zu synergetischem Zusammenspiel aufzuhetzen. Wenn man dann auch noch die Begrifflichkeiten einer Religionsggruppe in die der anderen übersetzen kann, scheint mir das recht passend. Eine Marke darauf einzutragen, wie Frau Taraba oder auch SySt, find ich nachvollziehbar, aber für mich persönlich übertrieben. Haben die allermeisten Leute, von denen ich so viel lernen konnte, auch nicht gemacht. Ich find es auch klasse – Frau Taraba, bitte weggucken !!!namentlich ich droppe wieder mal unverzagt – wie der Gunther Schmidt mit seinem Zeug herumhaut. Wahrscheinlich ist das vermessen nicht mehr mit seinen Pfunden zu wuchern und trägt es den merkantilen Regularitäten unserer Handelzone nicht ordentlich Rechnung. Man kann och nich so formschön “dudu!” machen, wenn einem jemand mißversteht, sowie ich das andauernd tu. Gestern fiel mir wieder so ein Spruch in den Sinn. (Geradezu lästig ist das manchmal.) Der scheint mir irgendwie dazu zu passen:

    Alle schimpfen, wenn jemand dumm ist. Aber tauschen möchte auch keiner.

    In diesem Sinne…
    der Gewohnte

    Kommentar by M.M.M.Liebscht — 23. Januar, 2008 @ 17:42 Uhr

  6. Ach so.
    Ich habe diese hübsche Zeitschrift bekommen. Wie heißt sie gleich noch mal?
    Ja und ja – mh. Also so. Die mögen … die mögen … wie sagt man, die mögen Retro, die Leute, die das gestaltet haben. Ich glaube, daß das so heißt. (Manchmal les ich Zeitschriften, wenn ich mal in der großen Stadt bin.) Man merkt, da haben sich Leute Mühe gegeben. Ein winzigkleiner Tropfen Herzblut dabei womöglich. Undercover latürnich. Die Welt ist zynisch arrangiert, aber wir sehen noch Gänseblümchen.
    Aber wahrscheinlich ja, zum Lesen ist es bestimmt irgendwo auch gedacht. Jetzt ruft aber erst mal wieder der Aufbau des hiesigen Zonenrandgebietes. Selbst bei den Selbstorganisationsprozessen muß man hier ja alles selber machen.

    Kommentar by M.M.M.Liebscht — 23. Januar, 2008 @ 17:53 Uhr

  7. stimmt! – um Systemisches über Kasse abzurechnen muss mann verbriefter Konditionator oder Tiefenentrümpler, bzw. psychologischer Psychotherapeut sein, dann ist alles zu machen.

    Möchte zusammen mit einer Kollegin, wenn es klaptt, demnächst hierzu und zum Aspekt der “Qualitätssicherung in der Psychotherapie” in absehbarer Zeit einen Artikel veröffentlichen.
    Vielleicht hätte Herr Simon ja interesse daran? – melde mich dann, wenn wir so weit sind!

    kollegiale Grüße

    Thomas Kirchen
    http://www.arbeitsweltlebenszeit.de

    Kommentar by Thomas Kirchen — 24. Januar, 2008 @ 11:36 Uhr

  8. wann gehts denn hier mal wieder weiter – alle schon wieder in Urlaub!?

    Herr Liebscht, was gibts Neues systeminteressantes im kalten Osten an der Konstruktionsgrenze?

    kollegiale Grüße
    Thomas Kirchen
    http://www.arbeitswelt-lebenszeit.de

    Kommentar by Thomas Kirchen — 25. Januar, 2008 @ 15:41 Uhr

  9. Bin justament schwer mit den praktischen Aspekten des Aufbau Ost sowie Familienrekonstruktion befaßt. Witzelnschaftliche Auswertung wird nach Abschluß der ersten Restrukturierungsetappe nachgeliefert sobald die Muße wieder Zeit hat, zu bemerken, wie lüstern sie ist …

    Kommentar by M.M.M.Liebscht — 27. Januar, 2008 @ 17:34 Uhr

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